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Idealismus (Internationale Beziehungen)
Der Idealismus basiert auf der Annahme, die Anarchie in den Internationalen Beziehungen sei durch Verhandlungen, Übereinkünfte und mit überstaatlichen …
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Kernidee des Idealismus
Der Idealismus, auch Liberalismus genannt, ist eine theoretische Hauptströmung der politikwissenschaftlichen Teildisziplin Internationale Beziehungen (IB). Er entstand vor dem Ersten Weltkrieg und prägte die IB besonders in der Zwischenkriegszeit. Nach dem Scheitern des Völkerbundes wurde er vom Realismus verdrängt.
Im Zentrum steht die Annahme, dass die Anarchie in den Internationalen Beziehungen eingehegt werden kann. Mit „Anarchie“ ist gemeint, dass es in der internationalen Politik keine übergeordnete Weltregierung gibt. Idealisten gehen davon aus, dass Staaten Konflikte trotzdem durch Verhandlungen, Übereinkünfte und überstaatliche Organisationen begrenzen oder lösen können.
Grundannahmen und Ziele
Der Idealismus ist vom Glauben an Fortschritt geprägt. Er setzt auf die Vernunftbegabung des Menschen: Menschen gelten als rationalen Argumenten zugänglich und lernfähig. Daraus folgt die Erwartung, dass das Vernunftprinzip zu einer besseren Welt führen müsse.
Konflikte und Interessengegensätze sollen demnach kooperativ lösbar sein, vor allem durch Kompromiss und Ausgleich. Als grundsätzlich erreichbare Ziele nennt der Artikel den ewigen Frieden, den Wohlstand aller Nationen, weltweite Demokratie, die Wahrung allgemeingültiger Menschenrechte, den Schutz der Umwelt und weitere idealistische Ziele.
Wichtige Voraussetzungen dieser Sichtweise sind sich selbst regulierende Gesellschaften und ein funktionierendes Rechtssystem.
Historische Entwicklung
Ulrich Menzel unterscheidet drei Bedeutungen oder Erscheinungsformen: den Idealismus als pazifistische Bewegung seit Beginn des 20. Jahrhunderts gegen einen drohenden Kriegsausbruch, den Idealismus als herrschendes Paradigma der IB von 1920 bis zum Ende der Roosevelt-Ära Mitte der 1940er Jahre und den Liberalismus als Einflussfaktor der internationalen Politik in der Zwischenkriegszeit. Dieser Einfluss führte unter anderem zur Gründung des Völkerbundes und zur Appeasement-Politik.
Ein prominenter Vertreter war Norman Angell, der als pazifistischer Idealist beschrieben wird. Mit seinem vielfach aufgelegten Hauptwerk „The Great Illusion“ von 1910 erzielte er große öffentliche Wirkung.
Für die Etablierung des Idealismus waren laut Menzel besonders drei Ereignisse ausschlaggebend: das 14-Punkte-Programm Woodrow Wilsons von 1918, die Gründung der International Labor Organisation (ILO) 1919 und die Gründung des Völkerbundes 1920. Die Gründung von Völkerbund und ILO lässt sich nach Menzel auch als Versuch verstehen, die nichtkommunistische Linke gegen die Oktoberrevolution zu immunisieren, also als Gegenmodell zur Dritten Internationale.
Konflikt mit dem Realismus
Der Begriff „Idealismus“ wurde von Vertretern einer rivalisierenden Denkschule, den Realisten, in abwertender und polemischer Absicht geprägt. Trotzdem blieb er bis heute als Bezeichnung in Lehrbüchern erhalten.
Der Realismus entwickelte sich in den krisenhaften 1930er Jahren als Reaktion auf die idealistische Denkschule. Hintergrund waren das Scheitern des Völkerbundes, der Aufstieg des Faschismus und der Aufstieg der Sowjetunion. Realisten kritisierten vor allem, dass der Idealismus den Faktor Macht nicht ausreichend berücksichtige.
Schließlich setzte sich der Realismus als dominierende Strömung der Internationalen Beziehungen durch. Xuewu Gu vermerkt, dass die Idealisten in der ersten großen wissenschaftlichen Auseinandersetzung innerhalb der Lehre der Internationalen Beziehungen als Verlierer hervorgingen.
Übergang in der Weltpolitik
In der Weltpolitik begann die realistische Phase laut Artikel erst mit dem Wechsel der amerikanischen Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt zu Harry S. Truman. Ihren ersten programmatischen Ausdruck fand sie 1947 in der Truman-Doktrin zur Eindämmung der Sowjetunion.