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Dean Martin
Dean Martin (* 7. Juni 1917 als Dino Crocetti in Steubenville, Ohio; † 25. Dezember 1995 in Beverly Hills, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sänger, …
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Überblick und Lebensweg
Dean Martin (* 7. Juni 1917 als Dino Crocetti in Steubenville, Ohio; † 25. Dezember 1995 in Beverly Hills, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sänger, Schauspieler und Entertainer italienischer Abstammung. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch das Comedy-Duo Martin & Lewis international bekannt und baute nach dessen Ende eine lange Solokarriere auf Bühne, Film und Fernsehen auf. Er galt wegen seines lässigen Auftretens als „King of Cool“.
Crocetti wuchs als Sohn italienischstämmiger Eltern in Steubenville auf. Bis zum fünften Lebensjahr sprach er nach eigenen Angaben nur Italienisch beziehungsweise einen „Abruzzendialekt“. Er verließ die Wells High School nach der zehnten Klasse und arbeitete unter anderem im Stahlwerk, als Milchmann, Verkäufer, Preisboxer und ab 1936 als Croupier in einem illegalen Casino. Dort begann er zu singen. Seine professionelle Karriere als Entertainer begann im Herbst 1939 und endete 52 Jahre später mit seinem letzten Auftritt in Las Vegas.
Zunächst verwendete er seinen Geburtsnamen Dino Crocetti, ab November 1939 den Künstlernamen Dino Martini. Dieser bezog sich auf den Tenor Nino Martini, nicht auf den Cocktail. Im November 1940 wurde daraus Dean Martin; 1942 ließ er den Namen amtlich ändern.
Martin war dreimal verheiratet und hatte sieben leibliche Kinder sowie eine adoptierte Tochter. Als Privatperson galt er trotz seines jovialen öffentlichen Bildes als sehr verschlossen. Seit den 1970er Jahren war er von Percodan abhängig, später kamen Alkoholprobleme hinzu. Nach dem Unfalltod seines Sohnes Dean Paul im März 1987 geriet er in eine anhaltende Depression. Anfang der 1990er Jahre wurde Alzheimer diagnostiziert, im September 1993 außerdem Lungenkrebs. Martin starb mit 78 Jahren an dessen Folgen und wurde in Los Angeles beigesetzt.
Martin & Lewis: Durchbruch als Comedy-Duo
1946 begann Martins Zusammenarbeit mit dem neun Jahre jüngeren Komiker Jerry Lewis. Nach einem zufälligen improvisierten gemeinsamen Auftritt im Havanna-Madrid Club wurden sie im Juli 1946 im 500 Club in Atlantic City planmäßig als Martin & Lewis engagiert. Ihre Nummern waren weitgehend improvisiert: Martin versuchte zu singen, während Lewis ihn durch Lärm, Grimassen, ausgeschaltetes Licht oder Eingriffe ins Orchester störte.
Das Duo wurde zu einer der erfolgreichsten Komikerpaarungen der Nachkriegszeit. Die Gagen stiegen von 750 US$ Ende 1946 über 3.000 $ Anfang 1948 auf 15.000 $ 1949 im Flamingo in Las Vegas. Von 1950 bis 1955 traten sie in 189 Folgen der Colgate Comedy Hour für NBC auf. Ab 1949 entstanden bei Paramount Pictures unter Produzent Hal Wallis 16 Spielfilme. Die einfachen Komödien über gegensätzliche Männerfreundschaften waren regelmäßig Kassenerfolge.
Der Erfolg beruhte auf dem Kontrast zwischen Lewis’ infantilem Slapstick und Martins Rolle als lässigem, attraktivem und selbstsicherem Gegenpol. Zeitgenössische Kritiker betrachteten Martin oft nur als Straight Man, also als Stichwortgeber für Lewis. Lewis betonte später dagegen, Martin sei schon damals ein unterschätzter, brillanter Komiker gewesen.
Seit 1953 verschärften sich Spannungen: Martin fühlte sich künstlerisch unterrepräsentiert und wollte eigenständig bleiben. Am 18. Juni 1956 wurde die Auflösung bekanntgegeben; der letzte Auftritt fand am 24. Juli 1956, genau zehn Jahre nach dem Debüt, im 500 Club statt. 1976 führte Frank Sinatra beide bei einem von Lewis moderierten Telethon nochmals öffentlich zusammen. 1989 gratulierte Lewis Martin bei dessen letztem gemeinsamen Bühnenauftritt zum 72. Geburtstag.
Musik und Bühnenprogramm
Musik verband Martins Arbeit als Entertainer, Filmschauspieler und Fernsehmoderator. Er war ein nicht klassisch ausgebildeter Bariton und Crooner, also Sänger eines weichen, persönlichen Vortragsstils. Zu seinen Vorbildern gehörten Bing Crosby und die Mills Brothers. Nach anfänglicher Nachahmung Crosbys entwickelte er ab den späten 1940er Jahren einen eigenen Stil mit italienischen oder „pseudo-italienischen“ Liedern. Dabei handelte es sich häufig um in den USA geschriebene Stücke mit italienischen Wörtern oder mediterran wirkendem Arrangement, etwa That’s Amore, Return To Me und Arrivederci Roma. In den 1960er Jahren wechselte er von Swing zu Easy Listening.
Von 1948 bis 1962 nahm Martin bei Capitol Records auf, danach bei Frank Sinatras Reprise Records. Sein erster Nummer-eins-Hit war Memories Are Made of This: Das Lied erreichte am 14. Januar 1956 Platz eins und blieb dort fünf Wochen. Sein bekanntestes Lied wurde Everybody Loves Somebody (Sometime). Die reich orchestrierte Fassung stand am 15. August 1964 eine Woche an der Spitze der Hot 100, verdrängte A Hard Day’s Night der Beatles und war der erste Nummer-eins-Hit von Reprise Records. Alle sechs zwischen August 1964 und April 1966 veröffentlichten Alben erreichten in den USA Gold-Status. Insgesamt veröffentlichte Martin von 1946 bis 1985 108 Singles und 33 Langspielplatten; 12 LPs erhielten in den USA Gold-Status.
Nach der Trennung von Lewis wurde Las Vegas zum Zentrum seiner Soloarbeit. Ab März 1957 trat er dort regelmäßig auf, zunächst im Sands Hotel, ab 1969 im Riviera und ab 1972 im MGM Grand, dem späteren Bally’s Las Vegas. Üblich waren zweimal jährlich jeweils sechs Wochen mit pro Abend zwei oder drei Shows von 30 bis 45 Minuten.
Sein Bühnenprogramm verband Gesang und Comedy. Viele Lieder brach er vorzeitig mit einem Witz ab; diese Einfälle hießen Throw-Aways. Ab 1958 prägte der Drunk Act seine Shows: Martin spielte einen betrunkenen, orientierungslosen Entertainer mit unsicherem Gang, undeutlicher Aussprache und absichtlich verwechselt wirkenden Texten. Kollegen bestätigten jedoch, dass er auf der Bühne tatsächlich nie betrunken war und seine Einsätze zuverlässig beherrschte. Sein letztes Konzert gab er am 29. Juli 1991 im Bally’s Las Vegas.
Film und Fernsehen
Martin drehte von 1949 bis 1983 insgesamt 51 Spielfilme, davon 16 während der Martin-&-Lewis-Ära. Sein erster Solofilm Zehntausend Schlafzimmer (1957) war ein kommerzieller Misserfolg. Mit dem Kriegsdrama Die jungen Löwen zeigte er anschließend schauspielerische Fähigkeiten; Verdammt sind sie alle und besonders Howard Hawks’ Western Rio Bravo werden als seine besten Filme angesehen. In Rio Bravo spielte er den alkoholkranken Hilfssheriff Dude, eine Rolle, die er selbst als größte Herausforderung bezeichnete.
Ab den 1960er Jahren wählte Martin vor allem Rollen, die mit möglichst wenig Aufwand hohe Einnahmen versprachen. Er drehte Komödien, Musicals und Western schnell und meist mit nur einem Probedurchlauf. Die vier parodistischen Spionagekomödien der Matt-Helm-Reihe von 1966 bis 1969 nutzten sein Image als „cooler Herzensbrecher“; nur der erste Film war erfolgreich. Airport (1970) war sein letzter kommerziell erfolgreicher Film. 1981 und 1983 folgten noch Auf dem Highway ist die Hölle los und dessen Fortsetzung.
Von 1965 bis 1974 moderierte Martin die wöchentliche Dean Martin Show, zuletzt unter dem Titel The Dean Martin Comedy Hour. Die Sendung mit Gästen, Sketchen und Gesangsnummern war eine der erfolgreichsten Fernsehproduktionen der 1960er Jahre und erreichte zeitweise durchschnittlich 38 % Einschaltquote in den USA. Ab 1967 zahlte NBC ihm 283.000 US$ pro Sendung; damit wurde er zum bestverdienenden Entertainer der Welt.
Der lässige Stil entstand teilweise aus einer besonderen Produktionsweise: Martin probte kaum, improvisierte mit Stichwortkarten und arbeitete möglichst nur einen achtstündigen Tag pro Sendung. Gäste-Szenen und selbst Dialoge wurden teils getrennt gedreht und später zusammengeschnitten. Fehler, sichtbare Stichwortkarten und Technik wurden bewusst in die Sendung einbezogen. Als Nachfolgeformat lief von Oktober 1974 bis Dezember 1984 in 20 Ausgaben The Dean Martin Celebrity Roast.
Rat Pack, Öffentlichkeit und Auszeichnungen
Mit Frank Sinatra war Martin seit 1943 bekannt und seit den späten 1950er Jahren eng verbunden. Zusammen mit Sinatra, Sammy Davis Jr., Peter Lawford, Joey Bishop und Shirley MacLaine wurde er dem Rat Pack zugerechnet. Ab Januar 1960 traten Martin und weitere Mitglieder regelmäßig in Las Vegas auf; die improvisierten Shows hießen The Summit. Gemeinsame Filme waren unter anderem Frankie und seine Spießgesellen (1960), Die siegreichen Drei (1962), Vier für Texas (1963) und Sieben gegen Chicago (1964). Regelmäßige Rat-Pack-Auftritte endeten Mitte der 1960er Jahre. 1988 verließ Martin die Together Again Tour mit Sinatra und Davis bereits nach einer Woche; seine Beziehung zu Sinatra zerbrach daraufhin weitgehend.
Martin war über Jahrzehnte Anhänger der Republikanischen Partei. 1960 unterstützte er auf Sinatras Wunsch dennoch den Demokraten John F. Kennedy bei Fundraising-Auftritten. In den 1970er Jahren setzte er sich für Ronald Reagan ein. Seit den 1930er Jahren hatte er Kontakte zur organisierten Kriminalität, auch weil zahlreiche Casinos von Mitgliedern der Cosa Nostra betrieben wurden. Laut Artikel hielt er im Unterschied zu Sinatra eher Distanz und vermied Beteiligungen an mehrheitlich Mafia-kontrollierten Casinos.
Neben seiner Künstlerarbeit war Martin Unternehmer. Er vergab ab 1957 Namensrechte an Restaurants und Bars, gründete Ende der 1950er Jahre Claude Productions und beteiligte sich dadurch an Einnahmen aus Filmen, Schallplatten und der Fernsehsendung. Im Juni 1970 fusionierte das Unternehmen mit NBC; Martin erhielt dafür Anteile an RCA.
Zu seinen Auszeichnungen gehören drei Sterne auf dem Hollywood Walk of Fame für Film, Fernsehen und Musikaufnahmen, ein Golden Globe 1966 als bester Fernsehstar für die Dean Martin Show und der posthum verliehene Grammy Lifetime Achievement Award 2009. Elvis Presley prägte für ihn die Bezeichnung „King of Cool“.