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Hugo von Hofmannsthal

Er gilt als einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschsprachigen Fin de Siècle und der Wiener Moderne. Hugo von Hofmannsthal (1910). Inhaltsverzeichnis.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Leben
  2. 2. Ausbildung, Familie und letzte Jahre
  3. 3. Werk und Dichtungstheorie
  4. 4. Theater, Dramen und Opern
  5. 5. Zusammenarbeit und Politik
  6. 6. Überlieferung und Erinnerung

Bedeutung und Leben

Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal, genannt Hugo von Hofmannsthal, wurde am 1. Februar 1874 in Wien geboren und starb am 15. Juli 1929 in Rodaun bei Wien. Er war österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist. Außerdem war er Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des deutschsprachigen Fin de Siècle und der Wiener Moderne.

Hofmannsthal stammte aus einer Familie mit böhmischen, jüdischen und lombardischen Vorfahren. Sein Urgroßvater Isaak Löw Hofmann war ein erfolgreicher Industrieller und wurde 1835 geadelt. Durch den Gründerkrach von 1873 verlor die Familie jedoch ihr Vermögen. Hofmannsthal musste deshalb später selbst Geld verdienen, obwohl die Öffentlichkeit oft annahm, er lebe vom Familienbesitz. Er verstand sich selbst als katholischer Aristokrat, wurde aber von Freund und Feind häufig als „jüdischer“ Intellektueller bezeichnet.

Als Einzelkind erhielt Hofmannsthal eine anspruchsvolle Bildung. Ab 1884 besuchte er das Akademische Gymnasium in Wien, lernte mehrere Sprachen und galt als sehr begabter Schüler. Schon früh schrieb er Gedichte, die unter Pseudonymen wie Loris, Loris Melikow und Theophil Morren veröffentlicht wurden, weil er als Schüler nicht unter eigenem Namen publizieren durfte. Er wurde rasch dem literarischen Jung-Wien zugerechnet, zu dem unter anderem Hermann Bahr, Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann und Felix Salten gehörten. 1891 begegnete er Stefan George, der sein Werk stark beeinflusste.

Ausbildung, Familie und letzte Jahre

1892 legte Hofmannsthal die Matura mit Auszeichnung ab. Auf Wunsch seines Vaters begann er ein Jus-Studium an der Universität Wien, unterbrach es für ein Jahr freiwilligen Militärdienst und wechselte später zur Französischen Philologie. 1898 promovierte er mit der Dissertation Über den Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléjade. In den folgenden Jahren reiste er unter anderem nach Venedig und Paris und lernte wichtige Künstler und Schriftsteller kennen, darunter Maurice Maeterlinck, Auguste Rodin, Rainer Maria Rilke, Rudolf Kassner und 1900 Richard Strauss.

1901 entschied Hofmannsthal sich gegen eine akademische Laufbahn und wurde freier Schriftsteller. Im selben Jahr heiratete er Gertrud Schlesinger, genannt Gerty, die vor der Ehe zum christlichen Glauben konvertierte. Das Paar lebte in Rodaun bei Wien und hatte drei Kinder: Christiane (1902–1987), Franz (1903–1929) und Raimund (1906–1974). Hofmannsthal vertrat konservative Vorstellungen von Ehe und Gesellschaft. Um 1900 durchlebte er eine innere Krise, die mit Zweifeln an der Ausdruckskraft der Sprache verbunden war. Neue Freundschaften, unter anderem mit Max Reinhardt, sowie die Zusammenarbeit mit Reinhardt und Richard Strauss halfen ihm, große Bühnenwerke zu entwickeln.

Im Ersten Weltkrieg wurde Hofmannsthal zunächst eingezogen, aber bald in das Kriegsfürsorgeamt des Innenministeriums versetzt. Er schrieb patriotische und kulturpolitische Texte und hielt Vorträge. Das Ende der Donaumonarchie 1918 traf ihn persönlich schwer, doch die Nachkriegsjahre blieben literarisch produktiv. Ab 1919 wurde er mehrfach für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen, erhielt ihn aber nie. Am 13. Juli 1929 erschoss sich sein Sohn Franz. Zwei Tage später starb Hofmannsthal im Alter von 55 Jahren an einem Schlaganfall, als er zur Beerdigung aufbrechen wollte. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 musste seine Familie emigrieren; ihr Vermögen wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt.

Werk und Dichtungstheorie

Hofmannsthals frühes Werk steht in Verbindung mit französischem Symbolismus, literarischem Jugendstil und literarischem Impressionismus. Symbolismus bedeutet hier eine Dichtung, in der Dinge, Bilder und Klänge mehr bedeuten als ihre unmittelbare Oberfläche. In frühen Gedichten treten Themen wie Einsamkeit, Leben, Schönheit, Verfall und Tod hervor. Gefühle werden nicht direkt erklärt, sondern erscheinen in Dingen und Bildern wie Sonne, Stadt, Zeit oder Schatten.

Für Hofmannsthals literarische Bedeutung ist auch seine Dichtungstheorie wichtig. Eine systematische Literaturtheorie schrieb er nicht; seine Ansichten finden sich in Essays und literarischen Texten. Früh stand er Stefan Georges Ästhetizismus nahe: Kunst sollte eine eigene, geschlossene Welt bilden und nicht bloß äußeren Zwecken dienen. In Poesie und Leben (1896) formulierte er: „Es führt von der Poesie kein direkter Weg ins Leben, aus dem Leben keiner in die Poesie.“ Wichtig waren für ihn zunächst Form, Rhythmus, Klang, Metapher und Symbol.

Ein Wendepunkt war Ein Brief von 1902, auch Chandos-Brief genannt. Darin beschreibt die fiktive Figur Philipp Lord Chandos den Verlust der Fähigkeit, zusammenhängend über Dinge zu denken oder zu sprechen. Die abstrakten Wörter zerfallen ihm „im Munde wie modrige Pilze“. Dieser Text markiert Hofmannsthals Sprachskepsis, also den Zweifel daran, dass Sprache Wirklichkeit zuverlässig ausdrücken kann. Später versöhnte er sich stärker mit der Sprache, besonders im Theater: Dort verstand er Sprache und Musik als Mittel, Figuren, Gesellschaft und Zeit sichtbar zu machen.

Theater, Dramen und Opern

Das Theater wurde für Hofmannsthal zum wichtigsten Medium. Es sollte nicht nur unterhalten, sondern gesellschaftliche Ordnung sichtbar machen. In Das Spiel vor der Menge (1911) schrieb er: „Gibt man sich mit dem Theater ab, es bleibt immer ein Politikum.“ Damit meinte er, dass Theater immer auf eine Menge wirkt und deshalb auch gesellschaftliche Bedeutung hat.

Eine wichtige Form waren für ihn Mysterienspiele. Das sind religiös geprägte Spiele, die ursprünglich aus dem späten Mittelalter stammen. Hofmannsthal nutzte diese Form, um Grundfragen wie Schuld, Tod, freier Wille und Erlösung darzustellen. Sein bekanntestes Mysterienspiel ist Jedermann (1911). Seit 1920 ist Jedermann ein Markenzeichen der Salzburger Festspiele; es wurde bei den ersten Festspielen unter Max Reinhardts Regie aufgeführt und wird seit 1926 jedes Jahr dort gespielt, mit Ausnahme der Jahre 1938 bis 1945. Ein weiteres Mysterienspiel ist Das Salzburger große Welttheater (1922).

In seinen späten Jahren arbeitete Hofmannsthal vor allem an dem Trauerspiel Der Turm. Ein Trauerspiel ist eine ernste dramatische Form, die Konflikte von Macht, Schuld und Ordnung behandelt. Hofmannsthal rang von Sommer 1920 bis Spätherbst 1927 um die gültige Gestalt dieses Werks. Im Mittelpunkt stehen der Konflikt von Geist und Macht und die Frage nach legitimer Herrschaft. Die Handlung ist historisch-mythisch entrückt; Hofmannsthal sprach vom „Überhistorischen dieses Trauerspiels“. Weitere wichtige Dramen sind Der Tor und der Tod, Elektra, Der Schwierige und Der Unbestechliche.

Zusammenarbeit und Politik

Die Beziehung zu Stefan George war für Hofmannsthal zunächst prägend. George vertrat eine streng formale, elitäre Vorstellung von Dichtung und verlangte persönliche sowie künstlerische Unterordnung. Hofmannsthal suchte dagegen zunehmend das Publikum und wandte sich dem Drama zu. Der intensive Briefwechsel dauerte bis 1899; nach weiteren Konflikten endete die Freundschaft 1906 endgültig.

Besonders folgenreich war die Zusammenarbeit mit Richard Strauss. Hofmannsthal schrieb für Strauss die Libretti, also Operntexte, zu Elektra (Uraufführung 1909), Der Rosenkavalier (1911), Ariadne auf Naxos (1912), Die Frau ohne Schatten (1919), Die ägyptische Helena (1928) und Arabella (1933). Menschlich war die Beziehung nicht konfliktfrei, künstlerisch aber außerordentlich erfolgreich. Hofmannsthal betonte, dass Wort, Musik und Bühnenbild als Ganzes wirken sollten. Gemeinsam mit Strauss, Max Reinhardt und Franz Schalk bemühte er sich ab 1917 um jährliche Theater- und Opernfestspiele; 1920 fanden erstmals die Salzburger Festspiele statt.

Politisch war Hofmannsthal monarchistisch und konservativ. Die Donaumonarchie erschien ihm, besonders nach dem Ersten Weltkrieg, als Modell eines übernationalen, vermittelnden Kulturraums. Er entwickelte die Idee einer „österreichischen Identität“ und sah Österreich-Ungarn als „Europa im Kleinen“. Nach 1918 suchte er nach einer neuen geistigen Einheit. Dabei verstand er das „Deutsche“ weniger als Staatsgebiet, sondern als Sprach- und Literaturraum. In Reden und Aufsätzen wie Wert und Ehre deutscher Sprache und Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation schrieb er der Literatur eine verbindende nationale Aufgabe zu.

Überlieferung und Erinnerung

Hofmannsthal hinterließ ein umfangreiches Werk: Gedichte, Dramen, Libretti, Erzählungen, erfundene Gespräche, Aufsätze, Reden, Prosastücke und ein Romanfragment. Zu den genannten Erzählungen gehören Das Märchen der 672. Nacht (1895), Reitergeschichte (1899), Ein Brief (1902) und Die Frau ohne Schatten (1919). Das Romanfragment Andreas oder Die Vereinigten erschien 1932 postum. Außerdem ist eine große Korrespondenz überliefert: etwa 9.500 Schreiben an fast 1.000 verschiedene Adressaten.

Ein Teil seines Nachlasses liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach; Dokumente daraus sind im Literaturmuseum der Moderne zu sehen. Seit 1968 fördert die Hugo von Hofmannsthal-Gesellschaft die Forschung zu seinem Leben und Werk. In Wien widmet sich das Haus Hofmannsthal der Rezeption des Dichters. Am 2. April 1999 wurde der Asteroid (8057) Hofmannsthal nach ihm benannt. An ihn erinnern außerdem Gedenktafeln, Reliefs, Verkehrswege und Einrichtungen, darunter Straßen in Salzburg, St. Pölten, Wien, Perchtoldsdorf und anderen Orten.

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