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Hugenottenkriege
Die Hugenottenkriege, im französischen Sprachgebrauch als Religionskriege bekannt (Guerres de Religion), waren eine Reihe von acht Bürgerkriegen in …
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Überblick und Ursachen
Die Hugenottenkriege, französisch Guerres de Religion, waren acht Bürgerkriege in Frankreich von 1562 bis 1598 zwischen Katholiken und protestantischen Hugenotten. Sie waren nicht allein religiös bestimmt: Adelsfamilien kämpften zugleich um Privilegien, politische Macht und Handlungsspielräume gegenüber der Monarchie.
Dynastisch verschärfte der frühe Tod Heinrichs II. und danach seines ältesten Sohnes die Lage. Katharina von Medici regierte für ihre minderjährigen Söhne und versuchte, die rivalisierenden Adelsparteien gegeneinander auszuspielen. Zentral war der Machtkampf zwischen dem katholisch geprägten Haus Guise und dem Haus Bourbon, das Navarra beherrschte.
Frankreichs Könige wollten eine religiöse und politische Zersplitterung wie im Heiligen Römischen Reich vermeiden. Dort konnten Herrscher seit 1555 nach dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ die Religion ihrer Untertanen bestimmen. Eine vergleichbare Regelung hätte die unter Franz I. begonnene Zentralisierung Frankreichs gefährden können.
Religiöse Gegensätze und Verfolgung
Franz I. stand der Reformation zunächst wohlwollend gegenüber. Nach der Affaire des Placards im Oktober 1534 änderte sich dies: Plakate griffen die katholische Eucharistie offen an; eines hing sogar im Schloss Amboise. Kurz darauf wurden protestantische Sympathisanten verhaftet und verbrannt.
In Frankreich verbreitete sich vor allem der Calvinismus. Johannes Calvin führte die Reformation im französischsprachigen Genf ein und organisierte eine Mission, die besonders Adeligen in Frankreich und den wallonischen Teilen der Spanischen Niederlande galt. Kennzeichnend war die Prädestinationslehre: Schon vor der Geburt sei bestimmt, wer in den Himmel kommen könne. Ein frommes Leben könne dies nicht ändern; Sittenstrenge und Erfolg sollten jedoch zeigen, dass jemand auserwählt sei.
Ein Hauptstreitpunkt war das Abendmahl. Katholiken glaubten, Brot und Wein würden zu Leib und Blut Christi; nur geweihte Priester dürften sie konsekrieren. Für Calvinisten waren Brot und Wein vor allem ein Symbol von Jesu Liebe. Protestanten lehnten außerdem die Verehrung Marias und der Heiligen ab. Im Katholizismus konnte ein Glaubender trotz schwerer Verstöße durch Buße in den Himmel gelangen; nach Luther entschieden allein Gottes Gnade und Vergebung, die der Christ im Glauben annehme.
Vom Vorgehen der Krone zum ersten Frieden
Heinrich II. verschärfte die Verfolgung: 1547 entstand in Paris die Chambre ardente gegen hugenottische Mitglieder des Parlement de Paris. Das Edikt von Châteaubriant dehnte dieses Vorgehen 1551 auf Provinzparlamente aus. Nach dem Edikt von Compiègne 1557 unterstanden störende Protestanten weltlicher Gerichtsbarkeit; über Häresie entschied noch die Kirche. Das Edikt von Écouen von 1559 ließ bei Häresie nur die Todesstrafe zu.
Nach dem Tod Franz’ II. setzte Katharina von Medici als Regentin für Karl IX. vorsichtig auf Toleranz. Das Religionsgespräch von Poissy 1561 brachte keine Einigung. Das Edikt von Saint-Germain von 1562 erlaubte Hugenotten die Religionsausübung außerhalb fester Städte. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht kontrollierten sie rund 60 befestigte Städte.
Das Blutbad von Vassy im März 1562, verübt durch Truppen des Herzogs Franz II. von Guise an unbewaffneten Hugenotten, löste den ersten Krieg aus. Die Zahl der Toten ist umstritten: Manche Angaben nennen 23, andere Quellen Hunderte. Im Ersten Hugenottenkrieg (1562–1563) wurde Condé bei Dreux gefangen genommen; Franz II. von Guise wurde im Februar 1563 bei Orléans ermordet. Das Edikt von Amboise erlaubte den Hugenotten, außer in Paris, freie Religionsausübung.
Die Kriege bis zur Bartholomäusnacht
Der Zweite Hugenottenkrieg (1567–1568) folgte auf Einschränkungen des Edikts von Amboise und auf die Furcht der Protestanten vor Gewalt wie in Flandern. Der Plan, Karl IX. bei der Surprise de Meaux festzusetzen, scheiterte. Nach Kämpfen bei Saint-Denis bestätigte der Frieden von Longjumeau den Frieden von Amboise und versprach Amnestie.
Im Dritten Hugenottenkrieg (1568–1570) wurde La Rochelle zum hugenottischen Hauptquartier. Die Hugenotten verloren bei Jarnac im März 1569 Condé und unterlagen im Oktober bei Moncontour, konnten aber mit ausländischer Hilfe weiterkämpfen und im Juni 1570 bei Luçon königliche Truppen schlagen. Der Frieden von St. Germain en Laye gewährte Glaubensfreiheit, Amnestie und neben La Rochelle drei befestigte Sicherheitsplätze.
Zur Versöhnung sollte Marguerite von Valois am 18. August 1572 Heinrich von Navarra heiraten. Eine Woche später begann die von Katharina von Medici veranlasste Bartholomäusnacht; die Tötungen dauerten mehrere Tage. Im Vierten Hugenottenkrieg (1572–1573) hielt La Rochelle einer Belagerung stand. Das Edikt von Boulogne gewährte zwar Amnestie, untersagte Hugenotten aber alle öffentlichen Gottesdienste.
Thronfolgekrieg und Ende
Der Fünfte Hugenottenkrieg (1574–1576) endete mit dem für Hugenotten besonders günstigen Frieden von Beaulieu-lès-Loches: Außer in Paris und im Umkreis von zwei Meilen erhielten sie freie Religionsausübung, Zugang zu allen Ämtern und acht Sicherheitsplätze. Dagegen gründete Henri I. von Guise 1576 die Heilige Liga. Der kurze Sechste Krieg (1576–1577) und der Siebte Krieg (1579–1580) folgten; der Frieden von Le Fleix im November 1580 beendete den letzten dieser Konflikte zunächst, die Liga wurde aufgelöst.
Nach dem Tod Franz’ von Anjou 1584 war der Hugenotte Heinrich von Navarra nach salischem Erbrecht Thronanwärter. Die reaktivierte Liga verbündete sich 1585 mit Spanien. Das Edikt von Nemours nahm alle Zugeständnisse zurück und schloss Heinrich von Navarra von der Nachfolge aus. Der Achte Hugenottenkrieg (1585–1598), auch „Krieg der drei Heinriche“, drehte sich daher vor allem um die Thronfolge.
Nach dem Sieg der Hugenotten bei Coutras 1587 eskalierte der Konflikt. Heinrich III. ließ im Dezember 1588 in Blois den Herzog von Guise und dessen Bruder Kardinal Ludwig von Lothringen töten. Er wurde im August 1589 bei der Belagerung von Paris ermordet; mit ihm erlosch die Dynastie der Valois. Heinrich von Navarra wurde als Heinrich IV. König. Er besiegte die Liga 1589 bei Arques und 1590 bei Ivry, gewann Paris und den Thron jedoch erst nach seiner Konversion zum Katholizismus. Der Krieg wurde zuletzt auch zu einem nationalen Krieg gegen Spanien.
1598 unterwarf sich der bretonische Gegner Philippe Emmanuel, Herzog von Mercœur, mit englischer Unterstützung Heinrich IV. Das Edikt von Nantes beendete im selben Jahr die Kriege: Hugenotten erhielten beschränkte religiöse Toleranz sowie Sicherheitsplätze im Süden, deren hugenottische Besatzungen der König bezahlte.
Langfristige Folgen
Die Hugenottenkriege wirkten in Frankreich traumatisch nach. Ludwig XIV. konnte seine starke persönliche Herrschaft ab 1661 auch vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen etablieren. Habsburg-Spanien hielt seinen Abstieg im europäischen Machtkonzert bis etwa 1659 auf. England, Spanien und Portugal errichteten bis 1661 amerikanische Kolonialreiche, die laut Artikel zukunftsträchtiger waren als die französischen Kolonien in Amerika.