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Haus Bourbon

Das Haus Bourbon [buʁbɔ̃] oder die Bourbonen ist der Name eines französischen Adelsgeschlechts, das sieben französische Könige sowie weitere Monarchen anderer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Herkunft
  2. 2. Linien des Hauses
  3. 3. Bourbonen in Frankreich
  4. 4. Legitimisten und Orléanisten
  5. 5. Spanien und Nebenlinien

Grundlagen und Herkunft

Das Haus Bourbon ist ein französisches Adelsgeschlecht aus dem Mannesstamm der Kapetinger. Es stammt von Robert von Clermont ab, dem jüngsten Sohn des französischen Königs Ludwig IX. des Heiligen. Damit gilt Hugo Capet, der Stammvater der Kapetinger, auch als Urvater der Bourbonen. Die Bourbonen stellten sieben französische Könige und weitere Monarchen in Europa. Heute stammen die Staatsoberhäupter von Spanien und Luxemburg aus dieser Familie.

Die heute noch im Mannesstamm bestehenden Bourbonen gelten als letzte Repräsentanten des kapetingischen Geschlechts. Zu ihnen gehören die spanische Linie Bourbon-Anjou mit den Seitenzweigen Bourbon-Sizilien und Bourbon-Parma sowie die Linie Bourbon-Orléans mit dem brasilianischen Seitenzweig Orléans-Braganza. Weil andere kapetingische Haupt- oder Nebenlinien im Mannesstamm ausgestorben sind, werden die Bourbonen als älteste noch existierende Dynastie Europas beschrieben.

Der Name Bourbon geht auf die Burg Bourbon zurück, lateinisch Castrum Borboniense, heute Bourbon-l’Archambault. Das Gebiet Bourbonnais kam durch Erbgänge an Beatrix von Burgund, die 1272 mit Prinz Robert von Clermont verheiratet wurde. Ihr Sohn Ludwig von Clermont tauschte 1327 seine Grafschaft Clermont gegen die Grafschaft La Marche. Gleichzeitig wurde die Herrschaft Bourbon zu einem Herzogtum mit erblicher Pairie erhoben. Das Bourbonnais wurde dadurch zum wichtigsten Besitz der Familie; seitdem nannten sich Ludwigs Nachkommen de Bourbon.

Linien des Hauses

Das Haus Bourbon verzweigte sich früh in mehrere Familienlinien. Die beiden Söhne Herzog Ludwigs I. begründeten die ältere und die jüngere Linie. Peter I., der ältere Sohn, übernahm das Herzogtum Bourbon und führte die ältere Linie weiter. Jakob, der jüngere Sohn, erhielt die Grafschaft La Marche und begründete die jüngere Linie.

Beide Linien gehörten zum französischen Hochadel und galten als Prinzen von königlichem Geblüt, französisch prince du sang. Das bedeutete, dass ihre Abstammung sie für die französische Thronfolge wichtig machte. Nach dem Aussterben des Hauses Valois-Alençon 1525 rückte die ältere Linie kurzzeitig in den ersten Rang der königlichen Prinzen auf. Sie endete jedoch 1527 mit dem Tod Herzog Karls III. von Bourbon beim Sacco di Roma; das Herzogtum Bourbon wurde danach als erledigtes Lehen eingezogen.

Danach wurde die Familie durch die jüngere Linie vertreten. Von Herzog Karl von Vendôme stammen alle heutigen Bourbonen ab. Sein Enkel wurde nach dem Aussterben des Hauses Valois 1589 als nächster kapetingischer Agnat König von Frankreich: Heinrich IV. Wichtige bourbonische Linien waren unter anderem die Herzöge von Bourbon, die Grafen von Montpensier, die Grafen von La Marche, die Grafen und Herzöge von Vendôme, die Könige von Navarra und Frankreich, das Haus Orléans, Bourbon-Anjou in Spanien, Bourbon-Sizilien, Bourbon-Parma sowie die Linien Bourbon-Condé und Bourbon-Conti.

Bourbonen in Frankreich

In Frankreich lösten die Bourbonen 1589 die Valois als regierende Dynastie ab. Zu den Königen des Ancien Régime gehörten Heinrich IV. von 1589 bis 1610, Ludwig XIII. von 1610 bis 1643, Ludwig XIV. von 1643 bis 1715, Ludwig XV. von 1715 bis 1774 und Ludwig XVI. von 1774 bis 1793. Heinrich IV. beendete mit dem Edikt von Nantes die Hugenottenkriege, die Frankreich mehr als 60 Jahre belastet hatten.

Unter Ludwig XIII. und dem Staatsmann Richelieu entwickelte sich das französische Königtum zum monarchischen Absolutismus. Unter Ludwig XIV., dem „Sonnenkönig“, erreichte diese Herrschaftsform ihren Höhepunkt. 1685 hob er das Edikt von Nantes auf. Seine Regierungszeit war außerdem mit territorialer Expansion, den Reunionskriegen, der bourbonischen Thronfolge in Spanien nach dem Spanischen Erbfolgekrieg und dem Schloss Versailles als kulturellem und gesellschaftlichem Zentrum verbunden.

Unter Ludwig XV. verlor Frankreich nach dem Siebenjährigen Krieg seine amerikanischen Kolonien, gewann aber Lothringen hinzu. Zugleich wurde die bestehende Ordnung durch die Aufklärung zunehmend in Frage gestellt. Ludwig XVI. unterstützte Frankreich im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, was die Staatsfinanzen weiter belastete. Als er mit den Generalständen die strukturellen Probleme lösen wollte, erklärte sich der Dritte Stand am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung. Die Französische Revolution begann am 14. Juli 1789. Der König wurde am 10. August 1792 suspendiert und am 21. Januar 1793 hingerichtet. Das Königtum wurde durch die Erste Republik ersetzt.

Nach dem Sturz Napoleon Bonapartes kam es zur Restauration. Ludwig XVIII. regierte von 1814 bis 1824, unterbrochen 1815 durch Napoleons Herrschaft der Hundert Tage. Er versuchte, royalistische Kräfte mit den durch die Revolution entstandenen Veränderungen zu verbinden. Karl X. regierte von 1824 bis 1830, vertrat aber ultraroyalistische Positionen. Die Julirevolution vom 27. Juli 1830 stürzte die Bourbonen erneut vom Thron.

Legitimisten und Orléanisten

Seit der Französischen Revolution war die Dynastie politisch gespalten. Die königliche Hauptlinie lehnte die Revolution ab und stand für monarchischen Legitimismus und Ultraroyalismus. Die Linie Orléans nahm eine Haltung ein, die stärker an die durch die Revolution veränderten gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse angepasst war. Nach der Julirevolution von 1830 wurde daher Louis-Philippe I. aus dem Haus Orléans als „Bürgerkönig“ eingesetzt. Seine Julimonarchie dauerte von 1830 bis 1848.

Nach dem Sturz Napoleons III. 1871 kam es nicht zu einer erfolgreichen monarchischen Restauration. Eine wichtige Rolle spielte dabei Otto von Bismarck, der als Kanzler der Besatzungsmacht im Deutsch-Französischen Krieg eine Bourbonen-Restauration verhinderte. 1873 schien eine Einigung zwischen den bourbonischen Lagern möglich, als der Graf von Paris den Grafen von Chambord als Haupt der Familie anerkannte. Die Restauration scheiterte jedoch daran, dass Chambord die Trikolore nicht anerkennen und keine Verfassung mit der Nationalversammlung vereinbaren wollte.

Mit dem Tod des Comte de Chambord 1883 starb die direkte königliche Linie der Bourbonen aus. Trotzdem vereinigten sich Legitimisten und Orléanisten nicht. Die Legitimisten erkennen seitdem die spanische Linie Bourbon-Anjou als französische Thronprätendenten an. Sie berufen sich auf die nähere agnatische Verwandtschaft und betrachten den Verzicht des Duc d’Anjou auf den französischen Thron im Vertrag von Utrecht von 1713 als nichtig, weil er ihrer Ansicht nach der kapetingischen Erbfolge nach dem Prinzip der Erstgeburt widerspricht. Die Orléanisten sehen dagegen das Haus Orléans als berechtigt an. Aktuelle bourbonische Thronprätendenten sind Louis Alphonse de Bourbon für die Legitimisten und Jean d’Orléans für die Orléanisten; daneben wird Charles Napoléon als Prätendent des Kaiserhauses Bonaparte genannt.

Spanien und Nebenlinien

In Spanien gelangte Philippe de Bourbon, duc d’Anjou, mit militärischer Unterstützung seines Großvaters als Philipp V. im Jahr 1700 auf den Thron. Sein Anspruch beruhte auf seiner Großmutter Maria Teresa von Spanien, einer Schwester des letzten spanischen Habsburgerkönigs Karl II. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die bourbonische Herrschaft gegen die österreichischen Habsburger durchgesetzt und im Frieden von Utrecht 1712 vertraglich abgesichert. Philipp V. wurde Stammvater des Hauses Bourbon-Anjou, der spanischen Bourbonen oder Borbón. Ihre Herrschaft wurde dreimal unterbrochen: 1808, 1868 und 1931. Dreimal wurde sie restauriert: 1812/14, 1874 und 1975. Seit 2014 regiert Philipp VI., Sohn von Juan Carlos I.

1713 führte Philipp V. in Spanien das salische Gesetz nach französischem Vorbild ein, das weibliche Thronfolge ausschloss. Ferdinand VII. hob es 1830 durch eine pragmatische Sanktion auf und stellte die kastilische Erbfolge wieder her, die Frauen zuließ. Dadurch konnte seine Tochter Isabella II. Königin werden. Dagegen erhob Don Carlos de Borbón Anspruch auf den Thron, woraus die Bewegung der Karlisten und mehrere Karlistenkriege entstanden. Die direkte Linie Don Carlos’ starb 1936 im Mannesstamm aus; die karlistische Prätendentschaft ging auf Bourbon-Parma über. Nach 1975 verzichtete Prinz Carlos Hugo von Bourbon-Parma zugunsten der Linie von König Juan Carlos.

In Italien entstanden zwei wichtige bourbonische Nebenlinien. Bourbon-Sizilien ging auf Don Fernando zurück, den jüngeren Sohn König Karls III. von Spanien. Ferdinand bildete 1816 aus der Personalunion Neapel-Sizilien das Königreich beider Sizilien, das den Bourbonen im Risorgimento verloren ging; Franz II. wurde 1860 vertrieben, 1861 wurde das Gebiet dem Königreich Italien einverleibt. Bourbon-Parma entstand durch Don Felipe, den jüngsten Sohn Elisabetta Farneses und Philipps V. von Spanien, der 1748 im Frieden von Aachen das Herzogtum Parma erhielt. Die Bourbon-Parma verloren Parma unter Napoleon, kehrten 1847 zurück und mussten 1859 im Zuge des Risorgimento endgültig fliehen.

Luxemburg ist mit den Bourbonen durch Prinz Felix von Bourbon-Parma verbunden, der 1919 Großherzogin Charlotte von Nassau-Weilburg heiratete. Ihre Nachkommen stellen bis heute die Großherzöge von Luxemburg. Aus politischen Gründen nennen sie sich „von Luxemburg-Nassau“, weil die luxemburgische Verfassung das Haus Nassau als regierende Dynastie festlegt. Im persönlichen Wappen des Großherzogs Guillaume V. ist aber neben Luxemburg und Nassau auch Bourbon-Parma enthalten.

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