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Hoquetus
Hoquetus (andere Schreibweisen: Hoketus, Hochetus) ist in der europäischen Musiktheorie eine Satztechnik des mehrstimmigen Satzes, später auch eine eigene …
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Definition und musikalisches Prinzip
Der Hoquetus, auch Hoketus oder Hochetus, ist in der europäischen Musiktheorie eine Satztechnik für mehrstimmige Musik und später auch eine eigene musikalische Gattung. Zwei Stimmen „hoquetieren“: Sie wechseln sich in raschem Tempo, meist von Note zu Note, ab. Während die eine Stimme singt oder spielt, pausiert die andere. Dadurch ergänzen sich beide Stimmen komplementär zu einer ineinander verschränkten musikalischen Linie.
Gewöhnlich kommen weitere Stimmen hinzu, die ohne solche Unterbrechungen durchlaufen. Typisch sind ein starkes rhythmisches Element sowie ein virtuoser und expressiver Charakter.
Entwicklung in der klassischen Musik
Als Satzstruktur lässt sich der Hoquetus bis zur Notre-Dame-Schule um 1200 zurückverfolgen. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine eigene Gattung, die im 14. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Komponisten setzten einen Hoquetus damals meistens an besonders wichtigen Stellen eines Werkes ein.
Nach dem 14. Jahrhundert verlor die Gattung weitgehend an Bedeutung. In der Neuen Musik wurde die Technik jedoch in einzelnen Werken wieder aufgegriffen.
Beispiele aus der klassischen Musik
Ein mittelalterliches Beispiel ist Guillaume de Machauts dreistimmiger „Hoquetus David“. Spätere Anwendungen zeigen, dass sich die Technik auf unterschiedliche Besetzungen und musikalische Situationen übertragen lässt. In Bohuslav Martinůs „The Epic of Gilgamesh“ von 1954/55, uraufgeführt 1958, begleitet ein Hoquetus-Satz den Zweikampf zwischen Gilgamesch und Enkidu am Ende des ersten Teils.
Louis Andriessens „Hoketus“ von 1975 ist für zwei Gruppen mit jeweils fünf Instrumentalisten geschrieben. Sofia Gubaidulinas „Quasi Hoquetus“ von 1984–85 verwendet Bratsche, Fagott oder Cello und Klavier. Weitere Beispiele finden sich unter anderem bei Jan Dismas Zelenka, György Ligeti, Harrison Birtwistle und György Kurtág.
Außereuropäische Formen und Vergleiche
Der Musikwissenschaftler J. H. Kwabena Nketia führte 1962 den englischen Begriff „hocket“ für bestimmte Formen der traditionellen afrikanischen Musik ein. Er untersuchte in Ghana Ensembles mit Flöten und Elfenbeintrompeten. Ebenfalls dazu gezählt wird bei den zentralafrikanischen Ba-Benzele-Pygmäen der Wechsel zwischen Jodelgesang und der Eintonflöte hindewhu.
Seitdem verwenden Musikethnologen „hocket“ und weitere Begriffe aus der europäischen Musiktheorie, um ähnliche außereuropäische Musikformen zu beschreiben und interkulturell zu vergleichen. Solche Bezeichnungen übertragen europäische Fachbegriffe auf musikalische Erscheinungen anderer Kulturen.
Ähnliche Techniken im Gamelan
In der Instrumentalmusik des indonesischen Gamelan heißen vergleichbare Formen auf Java „imbal“ und auf Bali „kotekan“. Dabei greifen die Töne zweier Instrumentalstimmen ineinander. Beteiligt sind entweder zwei Reihen von Buckelgongs – auf Java bonang und auf Bali reyong – oder zwei Metallophone, die auf Java saron und auf Bali gangsa heißen.
Eine besondere Stellung nimmt der expressive Gesang des balinesischen kecak ein.