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Notre-Dame-Schule
Die Notre-Dame-Schule oder Notre-Dame-Epoche gehört zur Musik des Mittelalters und bezeichnet in der Musikgeschichte gemeinhin den Zeitraum von 1160/80 bis …
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Einordnung und Bedeutung
Die Notre-Dame-Schule, auch Notre-Dame-Epoche, bezeichnet in der Musikgeschichte einen Abschnitt der mittelalterlichen Musik von etwa 1160/80 bis 1230/50. Sie knüpft vermutlich unmittelbar an das Saint-Martial-Repertoire an oder überschneidet sich mit ihm.
Gemeint ist besonders die Zeit an der Kathedrale Notre-Dame in Paris: Pérotin kürzte dort den von Léonin begonnenen magnus liber organi de graduali et antiphonario pro servitio divino und versah ihn mit besseren Klauseln oder Punkta. Als bedeutende Werke Pérotins nennt Anonymus IV die Quadrupla Viderunt und Sederunt. Kompositionen dieses Stils sind in Handschriften erhalten, die sich unter anderem in London, Sens und der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel befinden.
Musikalische Merkmale
Kennzeichnend sind die Choralbearbeitung, das Organum, und die Modalnotation. Ein Organum ist eine mehrstimmige Ausführung einer Choralmelodie. Die Modalnotation ordnet den Rhythmus mithilfe von sechs Modi des Modalrhythmus; diese festen rhythmischen Muster ermöglichten die Organisation mehrerer Stimmen.
Die Musik war als Kathedralkunst liturgische Musik, also für den Gottesdienst bestimmt. Das Repertoire bestand aus Choralmelodien, genauer aus responsorialen Gesängen der Messe und des Offiziums, die mehrstimmig gestaltet wurden. In der späteren Ars antiqua verwendete man dagegen Mensuralnotation.
Notre-Dame als mögliches Zentrum
Die Pariser Kathedrale Notre-Dame war für die mehrstimmige Musik dieser Zeit vermutlich ein Zentrum, möglicherweise sogar das wichtigste. Diese Zuordnung bleibt jedoch unsicher: Es ist mit einem großen Verlust an Musikaufzeichnungen zu rechnen, und auch andere Orte beteiligten sich teils vermutlich, teils nachweislich an Pflege und Entwicklung der Mehrstimmigkeit.
Hinweise auf eine zentrale Stellung von Notre-Dame sind vorhanden, aber selten, inhaltlich wenig konkret und zeitlich unsicher. Sie stammen fast ausschließlich von Anonymus IV, einem Engländer, der zwischen 1270 und 1280 schrieb. Wahrscheinlich steht „Notre-Dame-Epoche“ daher sowohl für die Pariser Kathedrale als vermutlichen Ausgangs- und Mittelpunkt als auch allgemein für die Kathedralkunst der neuen Mehrstimmigkeit. Besonders wichtig war dabei das Organum quadruplum, die größte Klangform des Mittelalters.