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Maya-Zivilisation

Die Maya-Zivilisation war eine historische Zivilisation in Mittelamerika. Um ca. 1500 v. u. Z. begann ihre Entwicklung aus einer vorhergehenden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Siedlungsraum
  2. 2. Entwicklung von der Präklassik bis zur Klassik
  3. 3. Kollaps, Postklassik und spanische Eroberung
  4. 4. Kriegswesen und Wirtschaft
  5. 5. Religion, Zeit und Opfer
  6. 6. Bauten und Erforschung

Überblick und Siedlungsraum

Die Maya-Zivilisation war eine historische Zivilisation Mittelamerikas. Ihre Entwicklung begann um ca. 1500 v. u. Z. aus einer vorhergehenden Jäger-und-Sammler-Kultur. Sie umfasste ein Netzwerk von Stadtstaaten mit teils sehr großen Städten, monumentaler Architektur, Schrift, Fernhandel und komplexer sozialer Organisation. Ihre Blütezeit lag vor allem in der Klassik; die Bevölkerung wird dafür auf bis zu 10 Millionen Einwohner geschätzt.

Das Siedlungsgebiet umfasste das heutige Guatemala und Belize, große Teile des südlichen Mexiko sowie kleinere Gebiete in El Salvador und Honduras. Es reichte vom Hochland nahe der Pazifikküste über Yucatán bis in den Norden von Honduras und El Salvador. Man unterscheidet Hochland-Maya in Chiapas und Guatemala von Tiefland-Maya auf Yucatán, im Petén und in Belize. Die kulturellen Zentren verlagerten sich im Lauf der Zeit vom Hochland in das Tiefland und danach in den Norden Yucatáns.

Das Meer und besonders die Flüsse des Südens boten Ressourcen und Transportwege. Zugleich war das Meer als Rand der Maya-Welt für Kosmologie, Religion und Kultur bedeutsam.

Entwicklung von der Präklassik bis zur Klassik

Die Geschichte wird in Präklassik, Klassik und Postklassik eingeteilt. Den Übergang aus der archaischen Jäger-und-Sammler-Periode markierten Sesshaftwerdung, Töpferei und Landwirtschaft. Diese Errungenschaften entstanden unabhängig von der Ausbreitung der Maya und wurden von ihnen übernommen. Die vermutete Heimat einer zunächst kleinen maya-sprachigen Gemeinschaft lag in der Sierra de los Cuchumatanes. Ab etwa 1500 v. u. Z. wanderten Gruppen unter anderem nach Yucatán und in die olmekische Tieflandregion.

In der Präklassik (ca. 1000 v. u. Z.–250 u. Z.) entstanden frühe Zeremonial- und Stadtzentren. Aguada Fénix besitzt die ältesten bekannten Monumentalbauten der Proto-Maya oder Maya: rechteckige Erdplateaus, deren größte Plattform etwa 1400 m lang und 400 m breit ist und spätestens auf 1000 bis 800 v. u. Z. datiert wird. In Seibal entstanden um 950 v. u. Z. Anlagen der sogenannten E-Gruppe. Diese Form prägte den Maya-Städtebau fast 2000 Jahre lang. In der mittleren Präklassik wurden das gesamte Mayagebiet durchgehend besiedelt und Handel zwischen Städten entwickelt. Zu frühen großen Städten zählten El Mirador mit der höchsten bekannten Maya-Pyramide von 72 m sowie Nakbé, das zwischen 800 und 400 v. u. Z. seine Glanzzeit hatte. Starkes Bevölkerungswachstum führte später zu großen Zentren und Herrschereliten.

In der Klassik (ca. 250–1000 u. Z.) bestand die Maya-Welt aus Stadtstaaten mit je einem Herrscher und untergeordneten Verwaltern. Städte waren oft durch Dammstraßen, Sakbe, verbunden; viele hatten mehr als 10.000 Einwohner und waren größer als die größten Städte des damaligen Mitteleuropa. Bedeutende Zentren waren Tikal, Calakmul, Caracol, Naranjo, Palenque und Copán. 562 kam es zu einem großen Krieg zwischen Calakmul und Tikal, Chichén Itzá wurde um 650 gegründet.

Die Maya-Schrift war bis zur Ankunft der Spanier das einzige bekannte voll entwickelte Schriftmedium Amerikas. Stein-, Keramik-, Holz- und Textilarbeiten sowie Malerei waren hoch entwickelt. Gold, Silber und Kupfer wurden erst spät und fast nur rituell verwendet, nicht für Werkzeuge. Typische Bauwerke waren Tempelpyramiden, Akropolis-Anlagen, Paläste, Observatorien und Ballspielplätze.

Kollaps, Postklassik und spanische Eroberung

Ab dem 9. Jahrhundert wurden Zentren im südlichen Tiefland aufgegeben. Die Zentralregion Yucatáns verlor rasch Bevölkerung, Städte wurden verlassen und Bewässerungssysteme verfielen. Nach der Mitte des 10. Jahrhunderts entstanden im Tiefland keine monumentalen Steinstelen mehr. Für den Zusammenbruch gibt es keine abschließend gesicherte Einzelerklärung.

Nicht-ökologische Erklärungen nennen Invasionen, Katastrophen oder Epidemien. Archäologische Hinweise auf Tolteken in Nordyucatán scheinen eine Invasionshypothese zu stützen, doch die Mehrheit der Maya-Forscher bezweifelt eine Eroberung als Hauptgrund. Auch das Ende Teotihuacáns wird diskutiert; da dieses heute eher in das 6./7. Jahrhundert datiert wird, erklärt es eher eine Schwächephase Tikals als den Kollaps des 9. Jahrhunderts. Ökologische Modelle verweisen auf Bevölkerungswachstum, begrenzte und teilweise geringwertige Ackerflächen sowie das flächenintensive Milpa-System. Für 800 bis 950 wurden Niederschlagsrückgänge von bis zu 40 Prozent festgestellt; dies soll verheerende Dürren ausgelöst haben. Computersimulationen legen nahe, dass starke Rodungen die Dürren verstärkten.

In der Postklassik (ca. 1000–1697) blieben Schrift, Kalender und viele Götter erhalten, die Lange Zählung wurde jedoch nicht mehr verwendet. Das Gottkönigtum endete, der Adel blieb aber führend. Auf Yucatán und im Hochland entwickelten sich zwei weitgehend unabhängige Zentren. Nach dem klassischen Kollaps bestanden nördliche Zentren zunächst fort: Uxmal erreichte seine Blüte im 9. und 10. Jahrhundert. Ab dem 13. Jahrhundert nahmen toltekische Einflüsse zu. Nach dem Fall Chichén Itzás oder spätestens Mayapáns entstanden auf Yucatán etwa 16 unabhängige Fürstentümer. Im Hochland stiegen die K’iche mit Q'umarkaj durch militärische Expansion auf; ihre Rivalität mit den Cakchiquel blieb bis zur Eroberungszeit bestehen.

Die Spanier unterwarfen das Hochland bereits in den 1520er Jahren, Yucatán tatsächlich erst in den 1540er Jahren; Petén fiel erst 1697. Francisco de Montejo begann 1527 mit 400 Männern die Eroberung Yucatáns, scheiterte zunächst aber am Widerstand der Maya, Krankheiten und Unterernährung. 1544 gründeten die Spanier Mérida, Valladolid und Salamanca de Bacalar. Die Xiu von Maní unterstützten sie vermutlich wegen ihres Konflikts mit den Kokom. Am 12. Juli 1562 ließ Diego de Landa in Maní Maya-Schriften und religiöse Symbole verbrennen; nur Teile von vier Maya-Codices sind erhalten. Seuchen und Krieg entvölkerten ganze Landstriche. Führende Maya-Familien blieben teils bis ins 18. Jahrhundert in der Verwaltung einflussreich.

Kriegswesen und Wirtschaft

Kriege dienten vor allem der dynastischen Kontrolle über Stadtstaaten: Eine gegnerische Dynastie sollte durch abhängige Herrscher ersetzt werden. Außerdem brachten Siege Ansehen, Kontrolle über Fernhandel und Tribute; möglicherweise wurden Bewohner besiegter Städte versklavt. In klassischer Zeit ging es offenbar meist nicht um die Zerstörung von Städten oder territoriale Ausdehnung. Mächtige Herrscher waren vielmehr „Oberkönige“ über abhängige Könige. Weil diese Beziehungen persönlich und fragil waren, entstanden immer wieder neue Kriege.

Krieger verwendeten Speerschleudern (atlatl), Blasrohre, Pfeil und Bogen sowie mit Obsidian-Klingen ausgestattete Keulen, Speere, Äxte und Messer. Helme waren offenbar selten; Schilde bestanden aus Holz, Tierhaut oder gewebten Matten. Ein stehendes Heer aus bezahlten Berufskriegern gab es wahrscheinlich nicht. Im Kriegsfall führten Adlige kurzfristig ausgehobene Bauern und andere Gruppen. Überfallartige Kriege, bei denen zuerst der gegnerische König gefangen wurde, sind wahrscheinlich. In der Postklassik entstanden stärker befestigte Siedlungen, besonders im Hochland unter dem Druck der Azteken.

Die Wirtschaft war je nach Gemeinwesen unterschiedlich und hing von Ressourcen, Bevölkerungsstruktur und Nachbarbeziehungen ab. Die ältere Annahme einer fast vollständigen Selbstversorgung und eines auf Eliten beschränkten Fernhandels wurde durch neuere Forschung in Frage gestellt. Lidar-Untersuchungen zeigen, dass Städte wie Tikal oder Caracol wesentlich größer waren und sich nicht selbst versorgen konnten. Vermutet wird ein Beginn gelegentlicher, informeller Märkte in der späten Präklassik zwischen 400 v. u. Z. und 250, ihre Formalisierung in der frühen Klassik (250–600) und ein Höhepunkt in der Spätklassik (600–1000).

Luxusgüter wie Obsidian oder Feuersteinklingen zirkulierten häufiger als Geschenke zwischen Eliten; Gebrauchsgüter unterlagen weniger ritualisierten Kreisläufen. Marktplätze sind etwa in Calakmul, Tikal und Chunchucmil belegt; Caracol hatte ein verteiltes System. Wie verbreitet und wichtig Märkte waren und wie sich lokaler, regionaler und Fernhandel unterschieden, ist weiterhin unklar.

Religion, Zeit und Opfer

Religion und ihre Vertreter hatten besonders in der Klassik große Bedeutung. Sie standen eng mit Kalenderwesen, Schrift und Bauwesen in Verbindung; Könige erfüllten zugleich wichtige religiöse Aufgaben. Die Maya sahen Zeit als zyklisch an. Priester beobachteten astronomische und irdische Zyklen, verzeichneten sie in mehreren Kalendern und deuteten sie, indem sie Kalendermessungen zahlenmäßig aufeinander bezogen.

Die Religion war polytheistisch, also eine Verehrung vieler Götter. Diese wurden als sterbliche, menschen- oder tierähnliche Wesen gedacht, konnten aber zugleich uralt sein. Opfer sollten die Götter nicht nur gewogen machen, sondern sie auch gewissermaßen am Leben erhalten. Wichtig war ein „Weltelternpaar“ aus altem Sonnengott und junger Mondgöttin. Das Leben galt als beschwerlicher Weg von Osten nach Westen: Osten stand unter anderem für Mondaufgang, Leben und Rot; Westen für Sonnenuntergang, Tod und Schwarz.

Blut galt als Sitz von Seele und Lebenskraft; die Seele stellte man sich luft- oder rauchförmig vor. Hochgestellte Personen opferten ihr Blut etwa durch dornige Fäden durch Lippe oder Zunge oder durch Stiche mit Seeigelstacheln in den Penis. Das Blut wurde mit Papierstreifen aufgefangen und verbrannt. Ob die häufig dargestellte Visionsschlange bedeutet, dass Blutverlust zu religiösen Eingebungen führte, ist ungeklärt.

Menschenopfer waren üblich. Geopfert wurden Kriegsgefangene und Angehörige der eigenen Gruppe, auch aus der Oberschicht. Ob Kriege gezielt zur Gewinnung möglicher Opfer geführt wurden, ist unklar. Neuere Forschung, besonders nach der Entzifferung der Schrift, relativiert das frühere Bild von den Maya als friedfertiger als den Azteken. In postklassischen Städten Nordyucatáns spielte Religion bei der spanischen Ankunft offenbar nicht mehr dieselbe herausragende Rolle wie in der Klassik.

Bauten und Erforschung

Die einfache Maya-Hütte bestand aus etwa 2 m langen, verflochtenen Ästen, oft mit Lehm beworfen. Sie stand meist leicht erhöht, hatte ein mit Schilf, Maisstroh oder Palmblättern gedecktes Giebeldach, nur eine Tür und keine Fenster. Diese Bauform wurde später häufig an Steinbauten dargestellt.

Erhalten sind fast nur Steingebäude, denn Holz- und Lehmbauten verfielen im mittelamerikanischen Klima. Hauptformen waren vertikale Tempelpyramiden und überwiegend horizontale Palastanlagen; beiden fehlten Giebelfronten. Pyramiden dienten selten als Gräber, meist als Unterbau kultischer Opferstätten mit einem Tempel auf der Spitze. Die Nutzung der Paläste ist nicht abschließend geklärt. Weitere Bauformen waren Prozessionsstraßen (Sacbé), Bögen, Ballspielfeld-Einfassungen und Observatorien.

Die Maya verwendeten eine Betonform und errichteten Schalenbauten: Doppelte Mauern aus behauenem Stein wurden ausgegossen und verfüllt. Sie kannten keine Rundbögen und echten Gewölbe, nutzten aber Kraggewölbe. Deshalb blieben Innenräume klein und eng; oft entstanden Kammerpaläste aus vielen kleinen Räumen. Bauten wurden meist nicht abgerissen, sondern überbaut und erweitert. Dekoriert wurden Fassaden mit Masken und Tiermotiven, Dachgesimsen und cresteria, komplizierten Steinornamenten auf den Dächern. Ohne Lasttiere und ohne das Rad als Transporthilfsmittel wurde Baumaterial allein durch Menschenkraft bewegt.

Die Erforschung gewann ab den 1830er Jahren an Bedeutung. Juan Galindo erkannte, dass Palenque und Copán von Vorfahren der damaligen Maya erbaut worden waren und dass die Hieroglyphen Schriftzeichen sind. John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood dokumentierten 1839 bis 1841 viele Stätten. Akademische, systematische Ausgrabungen begannen 1892 in Copán. Die Entzifferung der Schrift machte im 20. Jahrhundert entscheidende Fortschritte: Juri Knorosow beschrieb 1952 die Hieroglyphen als gemischte Bild- und Silbenzeichen; Tatiana Proskouriakoff ordnete Ende der 1950er Jahre Herrscher-Lebensdaten zu. In den 1990er Jahren gelang durch Forscher wie David Stuart und Linda Schele der Durchbruch.

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