Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Himmelfahrt
Himmelfahrt bezeichnet das in Religionen und Mythen weit verbreitete Sujet, bis zu einem höchsten Ziel zu gelangen. Im Judentum, Christentum und im Islam …
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und Bedeutung
Himmelfahrt ist ein weit verbreitetes Motiv in Religionen und Mythen. Es bezeichnet das Erreichen eines höchsten, meist jenseitigen Ziels. Im Judentum, Christentum und Islam bedeutet es genauer, dass jemand leiblich und endgültig ins Jenseits gelangt, ohne zu sterben oder ohne einen Leichnam zurückzulassen.
Im Christentum ist der Begriff besonders mit zwei Festen verbunden: Christi Himmelfahrt wird als bewegliches Fest am 39. Tag nach Ostern gefeiert. Mariä Aufnahme in den Himmel, volkstümlich Mariä Himmelfahrt genannt, fällt auf den 15. August.
Schamanische Himmelsreisen
Die Seelenreise oder Himmelsfahrt gehört zu den zentralen spirituellen Praktiken vieler schamanischer Traditionen weltweit. Sie stellt den Aufstieg eines Schamanen zu höheren spirituellen Ebenen dar. Dort soll er Weisheit empfangen, Heilung bringen und mit göttlichen oder übernatürlichen Kräften in Verbindung treten.
Ermöglicht wird die Reise gewöhnlich durch einen herbeigeführten Trancezustand und durch Rituale, die den Kontakt zur spirituellen Welt unterstützen. Die Himmelsreise gilt als Symbol für spirituelle Erleuchtung und Veränderung. Sie weist Parallelen zu mystischen Vorstellungen anderer Religionen auf.
Vorstellungen der Antike
In altägyptischen Vorstellungen vom Himmelsaufstieg zeigt sich das Streben nach einem höchsten Ziel. Weitere damit verbundene Motive sind flugfähige Wesen wie Engel, göttliche Hilfe und eigenes Geschick. In der mesopotamischen Mythologie war Duranki ein Zentrum, das Himmel und Erde verband. Es galt als Ort göttlicher Kommunikation, Offenbarung und Heiligkeit.
Bei Griechen und Römern erscheinen sowohl Reisen ins Jenseits als auch Entrückungen. Entrückung bedeutet hier, dass eine Person durch übernatürliche Einwirkung aus der irdischen Welt fortgenommen wird. Plato beschreibt in „Gorgias“ und „Phaidon“ Jenseitsreisen; auch Plutarch behandelt dieses Motiv. Hellenistische Mysterienkulte wie der Mithraismus gaben Anweisungen für eine Reise in den Himmel.
Bereits Homer berichtet von einer Entrückung Iphigenias. Herakles soll nach der Vollendung seiner zwölf Aufgaben in den Olymp entrückt worden sein. Titus Livius (1,16) und Plutarch (Rom. 28,36) schildern, wie Romulus entrückt und in den Himmel gehoben wurde. Dahinter stand die Vorstellung, dass Heroen, also herausragende mythische Helden, zu ihren göttlichen Vätern zurückkehren.
Himmelfahrten im Judentum
Der Tanach, die Jüdische Bibel, berichtet von mehreren Entrückungen und himmlischen Visionen. Henoch wird nach 365 Lebensjahren entrückt (Genesis 5,23–24). Der Prophet Elija fährt in einem feurigen Wagen zum Himmel auf (2. Buch der Könige 2,11).
Der Prophet Ezechiel sieht in einer Vision einen himmlischen Streitwagen, die Merkaba (Ezechiel 1). Dieses göttliche Fahrzeug wird von vier lebenden Wesen, den Cherubim, getragen. Ezechiel beschreibt außerdem die Herrlichkeit Gottes, meist als Elohim und seltener als JHWH bezeichnet: Sie erscheint in einem Licht, das den gesamten Raum erfüllt.
Daneben kennt das Judentum Legenden über die Himmelfahrt des Mose, die bis in das 1. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, sowie die später entstandene Überlieferung von der Himmelfahrt Jesajas.
Christliche Überlieferung
Das Neue Testament erwähnt die Himmelfahrt Jesu Christi zu Gott, seinem Vater, dreimal: in Markus 16,19, Lukas 24,51 und Apostelgeschichte 1,1–11. Nur die Apostelgeschichte schildert das Ereignis ausführlich. Danach begegnet der auferstandene Jesus seinen Jüngern über vierzig Tage hinweg wiederholt. Anschließend wird er in den Himmel aufgenommen. Mit dem Platz „zur Rechten Gottes“ erhält er die Macht über Himmel und Erde.
Die katholische und die orthodoxe Kirche glauben außerdem an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel. Dieses Ereignis wird volkstümlich Mariä Himmelfahrt genannt. In den Apokryphen, also religiösen Schriften außerhalb des anerkannten biblischen Kanons, wird auch eine Himmelfahrt des Simon Petrus beschrieben.
Himmelfahrt im Islam
Nach Sure 4, Vers 157 wurde ʿĪsā ibn Maryam, also Jesus, weder getötet noch gekreuzigt, sondern von Gott zu sich erhoben.
Islamischen Überlieferungen zufolge wurde der Prophet Mohammed auf wunderbare Weise von Mekka nach Jerusalem versetzt und stieg von dort zum Himmel auf. Die islamische Koranauslegung setzte die in Sure 17, Vers 1 genannte „ferne Kultstätte“ endgültig mit der im frühen 8. Jahrhundert erbauten al-Aqsa-Moschee gleich. Dadurch wurden sie und das gesamte Gebiet Jerusalems nach Mekka und Medina zum drittheiligsten Ort des Islam.
Nach dieser Überlieferung begann Mohammeds Himmelfahrt jedoch nicht an der al-Aqsa-Moschee, sondern an einem Felsblock auf dem Tempelberg. Über diesem Felsen wurde unter den Umayyaden der Felsendom errichtet. Die im 10. Jahrhundert entstandene Literatur über die Vorzüge Jerusalems, die sogenannten faḍāʾil bait al-maqdis, knüpft an diese Tradition an.
Lernvideos zu Himmelfahrt
3:10
Was ist Christi Himmelfahrt? - Einfach erklärt für Grundschul-Kinder.
Rivoh erklärt · 11.801 Aufrufe
14:30
Warum ist die Himmelfahrt Jesu von Bedeutung?
BibleProject - Deutsch · 2.713 Aufrufe
33:35
(8/14) Die andere Seite der Himmelfahrt
Daniel Siemens · 2.586 Aufrufe
18:59
„Dieser Jesus ... wird ebenso kommen!" – Die tiefere Bedeutung der Himmelfahrt || Michael Hardt
bibleteaching · 2.171 Aufrufe