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Hererostein

Der Hererostein (auch Afrikastein) ist ein Gedenkstein auf dem Friedhof Columbiadamm in Berlin-Neukölln. Er ist sieben Freiwilligen der deutschen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung des Denkmals
  2. 2. Gestaltung der beiden Gedenksteine
  3. 3. Kolonialkrieg und Völkermord
  4. 4. Entstehung und Umgestaltung
  5. 5. Auseinandersetzung um das Opfergedenken
  6. 6. Dokumentarfilm

Bedeutung des Denkmals

Der Hererostein, auch Afrikastein genannt, ist ein Gedenkstein auf dem Friedhof Columbiadamm in Berlin-Neukölln. Er erinnert an sieben Freiwillige der deutschen Schutztruppe, die zwischen 1904 und 1907 in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika starben. Weil der Stein damit Angehörige jener Truppe ehrt, die am Völkermord an den Herero und Nama beteiligt war, wurde diese Form des Gedenkens von zivilgesellschaftlichen Gruppen kritisiert.

Seit 2009 liegt vor dem Stein eine kommentierende Namibia-Gedenkplatte für die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft. Das Ensemble aus beiden Steinen ist das einzige erhaltene Berliner Denkmal, das an die frühere deutsche Besatzung Namibias erinnert. Es zeigt zugleich den Konflikt zwischen älterem militärischem Heldengedenken und einer späteren kritischen Erinnerung an Kolonialismus und Völkermord.

Gestaltung der beiden Gedenksteine

Der Hererostein ist ein Findling aus rötlichem Granit. Seine geglättete Vorderseite nennt die sieben Verstorbenen Leutnant Richard von Rosenberg, Bodo von Ditfurth, Johann Hovel, Johann Orphel, Franz Dallmann, Johann Fausser und Karl Kliebisch. Die Inschrift bezeichnet ihren Tod als „Heldentod“ und erklärt, das Offizierskorps ehre mit dem Stein das „Andenken der Helden“. Über dem Text steht das Zeichen des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2, dessen Offiziere den Stein 1907 stifteten.

Auf der Oberseite befinden sich außerdem zwei später hinzugefügte Zeichen: links das Emblem des Verbands Deutsches Afrika-Korps e. V. mit Palme, Eisernem Kreuz und der Aufschrift „AFRIKA 1941 1943“, rechts der stilisierte Schutztruppenhut des Traditionsverbands ehemaliger Schutz- und Überseetruppen.

Links vor dem Findling liegt eine polierte schwarze Namibia-Gedenkplatte, deren Form die Umrisse des heutigen Staates Namibia zeigt. Sie erinnert an die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia von 1884 bis 1915, besonders an die Opfer des „Kolonialkrieges von 1904–1907“. Gestiftet wurde sie von der Bezirksverordnetenversammlung und dem Bezirksamt Neukölln. Sie trägt außerdem das Wilhelm von Humboldt zugeschriebene Zitat: „Nur wer die Vergangenheit kennt hat eine Zukunft“.

Kolonialkrieg und Völkermord

Deutsch-Südwestafrika war von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Namibia. 1904 erhoben sich die Herero, ein Hirtenvolk, gegen die deutsche Kolonialmacht. Die Schutztruppe unter Generalleutnant von Trotha ging mit großer Härte nicht nur gegen bewaffnete Kämpfer vor.

Nach der entscheidenden Schlacht am Waterberg vom 11. August 1904 tötete die Schutztruppe jeden angetroffenen männlichen Herero. Zehntausende Menschen flohen in das Omaheke-Sandfeld. Weil deutsche Truppen ihnen den Zugang zu den wenigen Wasserstellen versperrten, verdursteten dort Ende 1904 viele von ihnen. Überlebende Herero sowie Angehörige der ebenfalls aufständischen Nama wurden in Konzentrationslagern festgehalten und zu schwerer Arbeit gezwungen. Die Todesrate in diesen Lagern lag bei ungefähr 50 %.

Das Vorgehen der Schutztruppe gilt heute als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. Ihm fielen schätzungsweise 50 bis 75 % der Herero und die Hälfte der Nama zum Opfer, insgesamt etwa 40.000 bis 70.000 Menschen. Auf deutscher Seite starben 676 Soldaten im Kampf, 76 wurden vermisst und weitere 689 starben an Krankheiten.

Entstehung und Umgestaltung

Der Hererostein wurde 1907 auf dem Kasernengelände des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 in der Berliner Urbanstraße errichtet. 1973 ließen die Afrika-Kameradschaft Berlin und der Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen ihn restaurieren, mit ihren Emblemen ausstatten und an den Columbiadamm versetzen. Ein zusätzlicher kleiner Stein bezog durch die Inschrift „Den in Afrika gefallenen deutschen Soldaten zum ehrenden Gedenken“ auch die deutschen Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Afrika ein. Seit dieser Erweiterung wird das Denkmal ebenfalls Afrikastein genannt. Der zusätzliche Stein verschwand 2005.

Andere Berliner Denkmäler mit vergleichbarem Bezug sind nicht erhalten, darunter ein 1908 errichteter Obelisk für Angehörige des 1. Telegraphen-Bataillons und ein Gedenkstein von 1910 für das Eisenbahn-Regiment Nr. 2. Veteranenverbände und rechtsextreme Gruppen legen am Hererostein regelmäßig Kränze nieder.

Auseinandersetzung um das Opfergedenken

Bürgervereine protestierten über längere Zeit dagegen, dass in Berlin die gefallenen Angehörigen der Täter geehrt wurden, aber kein Gedenkort für die Opfer unter den Herero und Nama bestand. Zum 100. Jahrestag der Schlacht am Waterberg brachte der Trägerkreis „Erinnern – Deutsche Kolonialgeschichte aufarbeiten“ 2004 deshalb eine provisorische Tafel an. Sie erinnerte ausdrücklich an die Opfer des „deutschen Völkermordes in Namibia 1904–1908“, verschwand jedoch nach wenigen Tagen.

Ebenfalls 2004 beantragte der SPD-Bezirksverordnete Marcus Albrecht eine Gedenktafel für die Opfer des Genozids. Die Bezirksverordnetenversammlung Neukölln nahm den Antrag gegen die Stimmen von CDU und FDP an. Die Umsetzung verzögerte sich vor allem wegen Auseinandersetzungen über den Wortlaut: Sowohl die genaue Zahl der Opfer als auch die Bezeichnung der Verbrechen als Völkermord waren umstritten.

Am 2. Oktober 2009, dem 105. Jahrestag des Vernichtungsbefehls von Generalleutnant von Trotha, enthüllte der namibische Botschafter Neville Gertze die endgültige Gedenkplatte im Beisein des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky. Zivilgesellschaftliche Gruppen kritisierten, dass ihnen bei der Einweihung kein Rederecht gegeben wurde und die Inschrift lediglich von einem „Kolonialkrieg“ spricht. Dies verharmlose den Völkermord. Der damalige Baustadtrat Thomas Blesing verwies dagegen auf die Abstimmung des Textes mit dem Auswärtigen Amt, der namibischen Botschaft, der Berliner Senatskanzlei und der Bezirksverordnetenversammlung. Nach seiner Darstellung hatte das Auswärtige Amt dringend davon abgeraten, in der Inschrift den Begriff „Völkermord“ zu verwenden.

Dokumentarfilm

Die Berliner Filmgruppe E behandelte das Thema 2013 in dem 37-minütigen Dokumentarfilm „Deutsch-Südwas? Erinnerung an einen deutschen Völkermord“.

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