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Hedy Lamarr

Der IMA Hedy Lamarr Prize des Institute of Mathematics and its Applications wird an Menschen im Vereinigten Königreich für mathematische Leistungen vergeben.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Leben und Filmkarriere
  2. 2. Erfindung des Frequenzsprungverfahrens
  3. 3. Nachlass und öffentliche Ehrungen
  4. 4. Nach ihr benannte Preise
  5. 5. Werk, Rezeption und Erinnerungskultur

Leben und Filmkarriere

Hedy Lamarr, eigentlich Hedwig Eva Maria Kiesler, wurde am 9. November 1914 in Wien geboren und starb am 19. Jänner 2000 in Casselberry, Florida. Sie war eine österreichisch-amerikanische Filmschauspielerin und Erfinderin. Ihre Bedeutung beruht auf zwei Bereichen: Sie wurde ab Ende der 1930er Jahre ein Hollywood-Star und entwickelte zugleich ein Konzept für eine gegen Störungen geschützte Funkkommunikation.

Lamarr stammte aus einer bürgerlichen jüdischen Familie. Ihr Vater Emil Kiesler war Direktor des Wiener Bankvereins, ihre Mutter Gertrud ausgebildete Konzertpianistin. Sie wuchs als Einzelkind in Wien-Döbling auf, erhielt unter anderem Klavier-, Ballett- und Sprachunterricht und zeigte schon früh Interesse an Technik und Film. Mit 16 Jahren brach sie die Schule ab und arbeitete als Scriptgirl bei der Wiener Sascha. Bereits in Man braucht kein Geld (1931) spielte sie eine Hauptrolle.

Internationale Aufmerksamkeit erregte 1933 der Film Symphonie der Liebe, bekannt als Ekstase. Wegen Nacktszenen und einer Liebesszene, in der ihr erregtes Gesicht zu sehen war, wurde der Film im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Nach Kürzungen lief er dort 1935 nur in wenigen Kinos und mit der Warnung „Dieser Film ist jugendverderbend.“ Gleichzeitig trat Lamarr in Wien erfolgreich im Singspiel Sissy auf.

Am 10. August 1933 heiratete sie den vierzehn Jahre älteren Industriellen und Waffenfabrikanten Fritz Mandl. Er war herrschsüchtig und eifersüchtig und verbot ihr das Auftreten in Filmen. Durch Empfänge ihres Mannes kam Lamarr jedoch mit Fachleuten und Informationen aus der Waffen- und Funktechnik in Kontakt. Sie verließ Mandl 1937 und ging über Paris nach London.

Dort nahm Louis B. Mayer sie für das Filmstudio MGM unter Vertrag und gab ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr. MGM vermarktete sie als „schönste Frau der Welt“. Mit Algiers (1938) wurde sie zum Star; ihre Mittelscheitel-Frisur, brünette Haarfarbe und auffälligen Hüte wurden Mode. Ihr größter kommerzieller Erfolg war Samson und Delilah unter der Regie von Cecil B. DeMille. Als ihre wichtigste Rolle bezeichnete sie 1947 ihren Auftritt in H.M. Pulham, Esq. Ihr letzter Film entstand 1958.

Lamarr war sechsmal verheiratet: mit Fritz Mandl, Gene Markey, John Loder, Teddy Stauffer, W. Howard Lee und Lewis J. Boles. Die Ehen dauerten von 1933 bis 1937, 1939 bis 1941, 1943 bis 1947, 1951 bis 1952, 1953 bis 1960 und 1963 bis 1965. Sie hatte drei Kinder. Ihre Autobiografie Ecstasy and Me erschien 1967; später verklagte sie den Co-Autor, weil er nach ihrer Darstellung Tatsachen verdreht hatte.

Erfindung des Frequenzsprungverfahrens

Während des Zweiten Weltkriegs stellte sich Lamarr als Gegnerin des Nationalsozialismus auf die Seite der Alliierten. Nach der Nachricht von der Versenkung der City of Benares begann sie, über eine bessere Torpedotechnik nachzudenken. Gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil entwickelte sie 1940 eine Funkfernsteuerung für Torpedos.

Die Grundidee war ein selbsttätiger Wechsel der Funkfrequenzen. Dadurch sollte die Steuerung schwer anzupeilen und weitgehend störungssicher sein. Heute wird dieses Prinzip als Frequenzsprungverfahren bezeichnet, auf Englisch frequency-hopping. Sender und Empfänger wechseln dabei gleichzeitig nach demselben Muster die Frequenz.

Das technische Vorbild entstand aus Antheils Arbeit an Ballet Mécanique. Dabei mussten 16 Pianolas untereinander und mit einem Film synchronisiert werden. Die Synchronisation erfolgte durch gleichzeitig laufende Klavierrollen mit Lochstreifen. Lamarr und Antheil übertrugen dieses Prinzip auf die Funkfernsteuerung: Identische Lochstreifen in Sender und Empfänger ermöglichten gleichzeitig ablaufende Frequenzwechsel.

Lamarr und Antheil arbeiteten mehrere Monate an der Idee und präsentierten sie im Dezember 1940 dem National Inventors Council. Dessen Vorsitzender war Charles Kettering, Forschungsdirektor von General Motors. Auf seinen Vorschlag ließen sie die Idee patentieren. Mit Unterstützung eines Professors für Elektrotechnik am California Institute of Technology wurde das Patent vorbereitet und am 11. August 1942 vom Patentamt erteilt.

Das Patent wurde im Krieg aus mehreren Gründen nicht unmittelbar für Torpedos eingesetzt. Die Verwendung von Papierrollen galt 1941 als veraltet, und das Patent blieb bei der praktischen Verbindung zwischen Lochkarten und Fernsteuerung vage. Außerdem gab es bereits seit den 1920er Jahren ähnliche geheime US-Patente; in den USA war 1930 bekannt, dass eine Steuerung von Torpedos per Funk nicht möglich sei. Die Darstellung Lamarrs als Erfinderin einer störungssicheren Torpedosteuerung und die Einstufung des Patents als „red hot“ werden von ihrer Biografin Michaela Lindinger auch mit ihrer Nutzung für die US-Kriegspropaganda erklärt.

Nach Angaben des Entwicklers Romuald Scibor-Marchocki wurde das Konzept Mitte der 1950er Jahre bei Hoffman Laboratories für die Funkkommunikation von Sonarbojen der United States Navy aufgegriffen und weiterentwickelt. In den frühen 1960er Jahren wurde eine Flugdrohne damit ausgestattet; 1962 verwendeten einige Navy-Schiffe eine weiterentwickelte Version. Das Frequenzsprungverfahren wird in der Kommunikationstechnik beispielsweise bei Bluetooth eingesetzt. Lamarr erhielt dafür 1997 den Electronic Frontier Foundation Pioneer Award und wurde 2014 postum in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.

Nachlass und öffentliche Ehrungen

Das Jüdische Museum Wien kaufte im März 2021 mit Unterstützung aus den USA Lamarrs Nachlass von ihrem Sohn Anthony Loder. Ein Museum war zunächst geplant, doch die Ausstellungspläne scheiterten Ende 2021 an Finanzierungsproblemen; dies wurde am 23. Juni 2022 bekannt. Ankauf und Schenkung der Exponate wurden rückabgewickelt.

Im Zuge der Insolvenz der Signa Holding sollten Teile des Nachlasses Ende 2023 veräußert werden. Das von Signa geplante Wiener Kaufhaus Lamarr wurde im Oktober 2024 von der Stumpf Development GmbH um Investor Georg Stumpf für 100,5 Millionen Euro aus der Insolvenz gekauft. Für den Rohbau waren zuvor 290 Millionen Euro ausgegeben worden, die Fertigstellung sollte weitere 200 Millionen Euro kosten. 2025 wurden Pläne für drei Etagen Verkaufsflächen, sechs Etagen mit Wohnungen, ein Hotel und eine öffentlich zugängliche Dachterrasse vorgestellt. Im September 2025 übernahm das Filmarchiv Austria den Nachlass einschließlich Domains und Markenrechten zu Hedy Lamarr von der Insolvenzmasse zu einem reduzierten Preis.

Zu den Ehrungen gehören ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame von 1960, der EFF Pioneer Award von 1997 und der Hedy-Lamarr-Weg in Wien-Meidling von 2006. Ihr Geburtstag am 9. November wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Tag der Erfinder begangen. 2014 wurde ihre Urne im Wiener Zentralfriedhof in Gruppe 33 G, Grab Nr. 80, beigesetzt; ein Teil ihrer Asche war zuvor in Wien-Döbling verstreut worden. Weitere Benennungen sind das 2014 nach ihr benannte Quantenteleskop des IQOQI, der Asteroid (32730) Lamarr von 2019, Straßen und Plätze in Hannover und Potsdam sowie das Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz. Auch ein Bootshaus des Wiener Ruderclubs trägt seit 2022 ihren Namen.

Nach ihr benannte Preise

Der Hedy-Lamarr-Preis der Stadt Wien wird seit 2018 jährlich an österreichische Wissenschaftlerinnen für innovative Leistungen in der Informationstechnologie vergeben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Für Qualitätssicherung und Nominierung sind FWF, WWTF und FFG zuständig; verliehen wird der Preis von einer unabhängigen IT-Fachjury im Rahmen der Digital-Days-Konferenz.

Die DEG Hedy Lamarr Awards der Digital Entertainment Group werden seit 2017 für Innovationen in der Unterhaltungstechnologie vergeben. Genannt werden als Preisträgerinnen Geena Davis (2017), Nonny de la Peña (2018), Cheryl Goodman (2019), Molly Mielke (2020), Poppy Crum (2021), Paulette Pantoja (2022), Shalini Govil-Pai (2023) und Caroline Chan (2024).

Der IMA Hedy Lamarr Prize des Institute of Mathematics and its Applications zeichnet Menschen im Vereinigten Königreich für mathematische Leistungen aus und wurde erstmals 2021 vergeben. Preisträgerinnen waren Rebecca Hoyle (2021) sowie Julia Gog von der University of Cambridge (2023). Der Houskapreis der B&C Privatstiftung ist ein privater Preis für anwendungsnahe Forschung in Österreich. Seine goldene Trophäe wird seit 2011 vergeben und zeigt ein von Hedy Lamarr inspiriertes Profil.

Werk, Rezeption und Erinnerungskultur

Lamarrs Filmografie reicht von Geld auf der Straße (1930) und mehreren österreichischen Filmen über Algiers (1938), Lady of the Tropics (1939), I Take This Woman (1940), H.M. Pulham, Esq. (1941), Samson und Delilah (1949) und A Lady Without Passport (1950) bis zu The Female Animal (1958). Die vollständige Filmografie umfasst auch zahlreiche weitere Produktionen der 1930er bis 1950er Jahre.

Ihr Leben und ihre doppelte Rolle als Schauspielerin und Erfinderin wurden in Dokumentarfilmen, Theaterstücken, einem Roman und einer Graphic Novel behandelt. Dazu gehören der Film Calling Hedy Lamarr (2004), Geniale Göttin – Die Geschichte von Hedy Lamarr (2017), Peter Turrinis Theaterstück Sieben Sekunden Ewigkeit (2017), Marie Benedicts Roman Die einzige Frau im Raum (2023) und die Graphic Novel Hedy Lamarr. Wienerin, Hollywoodstar, Erfinderin (2024). Biografische Darstellungen stammen unter anderem von Michaela Lindinger (2019), Richard Rhodes (2011) und ihrem Sohn Anthony Loder (2012 beziehungsweise 2014).

Auch außerhalb von Film und Technik blieb Lamarr Gegenstand öffentlicher Bezugnahmen. Eine Klage gegen die Verwendung ihres Namens in Mel Brooks’ Blazing Saddles wurde außergerichtlich beigelegt; ebenso endete ein Streit um eine CorelDRAW-Illustration mit einem Vergleich. Im Videospiel Half-Life, in Star Trek und im Frauen-Bildungskanon wird auf sie Bezug genommen. Ein ihr zugeschriebenes Zitat lautet: „Jedes Mädchen kann glamourös sein. Du musst nur still stehen und dumm dreinschauen.“

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