Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Klavier
Die heutigen Hauptformen des Klaviers sind der Flügel (englisch grand piano) und das Pianino (aufrechtes Klavier, englisch upright piano). Letzteres wird heute …
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und Bauformen
Das Klavier ist das moderne Hammerklavier: ein Saitenklavier, bei dem beim Drücken einer Taste über eine Mechanik kleine Hämmer gegen Saiten geschlagen werden. Es ist bei der Bedienung ein Tasteninstrument, nach der Klangerzeugung ein Schlaginstrument und wegen der schwingenden Saiten ein Saiteninstrument. Die Bezeichnung Pianoforte oder Piano verweist auf die wichtigste Neuerung gegenüber älteren Tasteninstrumenten wie dem Cembalo: Die Lautstärke kann durch die Stärke des Anschlags stufenlos zwischen leise (piano) und laut (forte) verändert werden.
Die heutigen Hauptformen sind der Flügel und das Pianino. Beim Flügel liegen Resonanzboden, Raste und Besaitung waagerecht; er steht frei im Raum und wird vor allem als Konzertinstrument verwendet. Beim Pianino stehen diese Teile senkrecht, wodurch es platzsparender ist und häufig als Hausinstrument genutzt wird. Seit elektrischen und digitalen Instrumenten wird „Klavier“ meist für akustisch-mechanische Instrumente verwendet, während „Piano“ auch Digitalpianos einschließen kann.
Geschichtliche Entwicklung
Vorformen des Klaviers waren besaitete Tasteninstrumente, die historisch auf Monochord und Psalterium zurückgeführt werden. Aus ihnen entwickelten sich unter anderem Clavichord, Virginal, Cembalo und Spinett. Beim Cembalo werden Saiten angerissen; beim späteren Hammerklavier werden sie angeschlagen.
Als erster erfolgreicher Erfinder des Hammerklaviers gilt Bartolomeo Cristofori aus Padua. Ein Inventar von 1700 nennt ein „arpicembalo che fà il piano e il forte“, meist auf 1698 datiert. Cristoforis Instrumente besaßen bereits wichtige Merkmale wie Stoßmechanik, Auslösung, Dämpfer und Doppelsaiten. Drei seiner Hammerflügel sind erhalten, darunter Instrumente von 1720, 1722 und 1726.
Gottfried Silbermann entwickelte ab 1726 in Deutschland eigene Hammerflügel nach Cristoforis Prinzipien weiter. Johann Andreas Stein verbesserte im 18. Jahrhundert die Mechanik entscheidend; daraus entstand die Wiener Mechanik. In England griffen Klavierbauer auf Cristoforis Stoßmechanik zurück. Johann Christoph Zumpe baute zwischen 1760 und 1762 erfolgreiche Tafelklaviere, John Broadwood verbesserte Mechanik, Klang und Verstrebungen. Im 19. Jahrhundert setzten sich größere Tonumfänge, stärkere Saiten, Eisenrahmen, Kreuzbesaitung und Filzhämmer durch. Sébastien Érard patentierte 1821 eine Repetitionsmechanik, die schnelle Tonwiederholungen ermöglichte.
Das Pianino entstand aus aufrecht gebauten Formen. Technisch und kommerziell besonders wichtig wurde Robert Wornums Cottage Piano um 1811, aus dem bis 1826 das Piccolo Piano hervorging. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Grundelemente des modernen Klaviers entwickelt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Produktion stark zu: 1850 wurden in Europa rund 33.000 Klaviere gebaut, 1910 bereits 215.000. Steinway & Sons prägte mit Gussrahmen, Kreuzbesaitung und weiteren Patenten die moderne Bauform.
Bestandteile und Spielweise
Flügel und Pianinos besitzen dieselben Grundbestandteile: Gehäuse mit Balkenkonstruktion, Resonanzboden, Stimmstock, gusseiserne Platte mit Wirbeln, Saiten aus Gussstahldraht, Klaviermechanik, Klaviatur und meist zwei bis drei Pedale. Die Klaviermechanik ist ein Hebelsystem aus Tasten, Federn, Zungen, Stößeln, Dämpfern und Hämmern. Beim Tastendruck wird ein Hammer gegen die Saite geschleudert; Dämpfer beenden den Ton, wenn die Taste losgelassen wird.
Die heutige Standardklaviatur hat meist 88 Tasten: 52 weiße und 36 schwarze. Jeder Oktavraum besteht aus sieben weißen und fünf schwarzen Tasten, also zwölf chromatischen Tönen. Die Gesamtbreite einer modernen Klaviatur beträgt etwa 123 cm, die Oberfläche der weißen Tasten liegt etwa 74 cm über dem Boden. Ältere Instrumente haben oft 85 Tasten; manche Konzertflügel, etwa der „Imperial“ von Bösendorfer, reichen bis zu acht Oktaven.
Das rechte Pedal ist das Fortepedal, auch Dämpfer- oder Haltepedal. Es hebt alle Dämpfer von den Saiten ab, sodass Töne weiterklingen und andere Saiten mitschwingen. Das linke Pedal heißt Pianopedal oder una corda. Beim Flügel verschiebt es die Mechanik, sodass die Hämmer weniger Saiten eines Saitenchors treffen; beim Pianino rücken die Hämmer näher an die Saiten und schlagen schwächer an. Das mittlere Pedal ist je nach Instrument ein Tonhaltepedal, Moderatorpedal oder bei Hybridpianos ein Stummschaltepedal.
Klang, Pflege und Klima
Der Klavierklang hat festgelegte Tonhöhen, verändert seine Klangfarbe mit der Anschlagsgeschwindigkeit und verklingt nach dem Anschlag unwiderruflich, sofern er nicht durch das rechte Pedal verlängert wird. Viele Töne werden nicht von einer einzelnen Saite erzeugt, sondern von zwei oder drei gleich gestimmten Saiten, einem Saitenchor. Dadurch entsteht ein komplexerer Klangverlauf.
Man unterscheidet Sofortklang und Nachklang. Der Sofortklang ist laut und klingt schnell ab; er entsteht vor allem durch Schwingungen der Saiten in Richtung des Hammerschlags. Der Nachklang ist leiser, hält aber länger an; er entsteht durch Schwingungen quer zum Hammerschlag. Das linke Pedal schwächt den Sofortklang und unterstützt den länger anhaltenden Nachklang.
Klang und Lautstärke eines Tons hängen hauptsächlich von der Geschwindigkeit des Hammers ab. Die Anschlagtechnik beeinflusst aber den genauen Zeitpunkt, zu dem ein Ton erklingt; dadurch kann ein trainierter Pianist den Vortrag gestalten. Klaviere müssen regelmäßig gestimmt werden, mindestens einmal jährlich, in Konzerthäusern teils bis zu dreimal täglich. Zusätzlich werden Instrumente intoniert, etwa durch Bearbeiten der Filzhämmer, und reguliert, also in Mechanik, Klaviatur und Pedalen eingestellt.
Das Raumklima ist wichtig für Klang und Wertbeständigkeit. Empfohlen wird eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 70 %, idealerweise 50 bis 60 %. Zu trockene Luft kann Holzbauteile schrumpfen lassen, Stimmwirbel lockern und Resonanzböden schädigen; zu feuchte Luft begünstigt Rost, klemmende Tasten und dumpferen Klang.
Nutzung, Musik und moderne Formen
Das Klavier wurde im 19. Jahrhundert zu einem zentralen Instrument des Bürgertums und des Konzertlebens. 1925 wurden allein in Deutschland 137.000 Klaviere gebaut. Weltweit wurden 2007 ungefähr 450.000 Pianinos und Flügel produziert, etwa zwei Drittel davon im Fernen Osten. Heute werden weltweit pro Jahr knapp 500.000 Klaviere gefertigt, mehr als die Hälfte in China; aus Deutschland kommen rund 5 Prozent.
Die erste speziell für Hammerklavier geschriebene Musik stammt von Lodovico Giustini, der 1732 in Florenz zwölf Sonaten veröffentlichte. Später schrieben unter anderem die Bach-Söhne, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven für das Klavier. Im 19. Jahrhundert prägten Frédéric Chopin, Franz Liszt, Sergei Rachmaninow und andere das romantische Repertoire. Im 20. Jahrhundert kamen Impulse aus der Moderne sowie aus Blues, Ragtime, Boogie-Woogie und Jazz, etwa durch Scott Joplin, Jelly Roll Morton, Albert Ammons und George Gershwin.
Seit dem 20. Jahrhundert gibt es elektronische Pianos, Digitalpianos und Hybridpianos. Digitalpianos wollen Klang und Spielgefühl des akustischen Klaviers möglichst genau nachahmen. Dazu werden Klaviertöne unter verschiedenen Bedingungen aufgenommen, digital gespeichert und beim Spielen wiedergegeben. Hybridpianos verwenden teilweise echte Klaviermechaniken, deren Bewegung Sensoren erfassen. Digitale Instrumente sind leichter, wartungsärmer, in der Lautstärke regelbar und mit Kopfhörern spielbar; Klang und Anschlagsgefühl reichen aber in der Regel nicht an ein akustisches Klavier heran.
Ergonomie der Klaviatur
Die Standardbreite moderner Klaviertastaturen beträgt etwa 16,5 cm pro Oktave, also etwa 2,3 cm pro weißer Taste. Diese Breite wird kritisiert, weil sie für viele Menschen, besonders Frauen und Kinder, ergonomisch ungünstig sein kann. Bei kleinen Händen treten Überlastungssyndrome wie Sehnenscheidenentzündungen, Fokale Dystonien, Ganglien, Karpaltunnelsyndrome oder Sehnenreizungen häufiger auf.
Als Grenzwert für „Kleinhändigkeit“ wird häufig eine Spannweite zwischen Daumen und kleinem Finger von weniger als 21,5 cm genannt. Eine Studie von 2009 zeigte bei geringerer Spannweite einen deutlichen Anstieg von Anstrengung und Schmerzen. Eine einheitliche Definition gibt es jedoch nicht, weil auch Fingerlängen, Handbreite, Flexibilität und anatomische Besonderheiten wichtig sind. Bis Stand 2026 liefern drei statistische Erhebungen ähnliche Ergebnisse: Männer haben im Durchschnitt etwa 22,6 cm Spannweite, Frauen etwa 20,1 cm beziehungsweise 20,7 cm bei Wagner 1988.
Kleine Hände können das Repertoire einschränken, etwa bei großen Akkorden oder schnellen Oktavfolgen. Als dauerhafte Lösung werden schmalere Klaviaturen genannt. Stand September 2026 bieten unter anderem Steingraeber, August Förster, C. Bechstein und Hailun Alternativen an. Die DS Standard Foundation ist auf schmalere Klaviaturen zur Einpassung in bestehende Flügel spezialisiert.
Lernvideos zu Klavier
12:19
Fugenanalyse, Wie analysiert man eine Fuge? Bach C-Dur Fuge, Wohltemperiertes Klavier
Digitale Schule · 88.582 Aufrufe
5:25
PIANOSNACKS | Popsong-Begleitung | Klavier lernen
Hans · 49.554 Aufrufe
8:35
Harmonielehre am Klavier: Stufentheorie vs. Funktionstheorie
spielend Klavier lernen · 34.180 Aufrufe
9:20
Was ist ein Kontrapunkt? Obligater Kontrapunkt, c-Moll Fuge, Bach, Wohltemperiertes Klavier
Digitale Schule · 28.446 Aufrufe