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Hawaiische Sprache
Demonstrativpronomen · nei: drückt etwas aus, das einem sympathisch ist, z. B. Hawaiʻi nei = unser (liebes) Hawaii. · ala, lā: Ähnlich wie nei. An Verben …
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Einordnung und heutige Bedeutung
Hawaiisch oder hawaiianisch, mit Eigenbezeichnung ʻōlelo Hawaiʻi, ist die Sprache der polynesischen Ureinwohner der Hawaii-Inseln, der Kānaka Maoli. Hawaiisch und Englisch sind Amtssprachen des US-Bundesstaats Hawaii. Die Sprache gehört zur austronesischen Sprachfamilie, genauer zu den malayo-polynesischen, ozeanischen, polynesischen und marquesischen Sprachen. Verwandt ist sie unter anderem mit Samoanisch, Māori, Tahitianisch und Tonga.
Die Sprache ist für das Verständnis Hawaiʻis wichtig, weil viele Ortsnamen, kulturelle Begriffe, Lieder, Tänze und Alltagsausdrücke aus ihr stammen. Zugleich ist sie vom Aussterben bedroht: Auf den meisten Hawaii-Inseln wurde sie vom Englischen verdrängt und wird kaum noch als Alltagssprache verwendet. Eine Ausnahme ist Niʻihau, eine Insel in Privatbesitz mit streng reglementiertem Besuch.
Für die Zahl der Sprecher nennt der Artikel unterschiedliche Angaben: 2.000 im Jahr 2007 und 24.000 im Jahr 2008. Genauer wird berichtet, dass 1900 noch 37.000 Menschen Hawaiisch als Muttersprache sprachen, während diese Zahl inzwischen auf 1000 Muttersprachler gesunken ist; die Hälfte davon ist heute über 70 Jahre alt. Zwischen 2006 und 2008 gaben mehr als 24.000 US-Staatsbürger in einer Volkszählung an, Hawaiisch im Alltag zu verwenden.
Verdrängung und Wiederbelebung
Die Verdrängung des Hawaiischen begann im 19. Jahrhundert mit dem sinkenden Anteil der Hawaiier an der Gesamtbevölkerung Hawaiis. Ein wichtiger Einschnitt war ein Gesetz von 1896: Die 1896 Laws of the Republic of Hawaii, Act 57, sec. 30 vom 8. Juni 1896 erklärten Englisch zur Hauptsprache an allen öffentlichen und privaten Schulen.
Als Wendepunkt gilt das 1957 erstmals erschienene Hawaiian-English Dictionary von Pukui und Elbert. In den folgenden Jahren wuchs im Rahmen der hawaiischen Renaissance das Interesse an der Sprache. 1978 wurde Hawaiisch durch eine Ergänzung der Verfassung des US-Bundesstaates Hawaii wieder in den Rang einer Amtssprache erhoben. Mitte der 1980er Jahre begann man, ʻŌlelo Hawaiʻi an Vorschulen für Kinder zu unterrichten, deren Eltern die Sprache für die nächste Generation erhalten wollen. Auch im Rundfunk gibt es ein „Hawaiisches Wort des Tages“.
Für die Wiederbelebung ist die genaue Schreibung wichtig. Da unterschiedliche Aussprache zu verschiedenen Bedeutungen führt, sind die Zeichen ʻOkina und Kahakō eine wesentliche Voraussetzung für die richtige Verwendung hawaiischer Namen und Begriffe. Die Wiederbelebung wirkt über Hawaii hinaus: Im Hawaiian National Park Language Correction Act of 2000 wurden durch den Senat der Vereinigten Staaten Nationalparks in Hawaiʻi umbenannt, wobei die Schreibung mit ʻOkina und Kahakō Teil eines Bundesgesetzes wurde. Außerdem spielen Hula und hawaiische Musiker wie Gabby Pahinui und Israel Kamakawiwoʻole eine wichtige Rolle.
Laute und Schrift
Hawaiisch hat mit 13 Phonemen sehr wenige bedeutungsunterscheidende Laute; Deutsch hat zum Vergleich etwa 40 Phoneme. Das Lautsystem zeigt typische Lautverschiebungen gegenüber anderen polynesischen Sprachen: *[k] wurde zu hawaiisch [ʻ], dem Glottalverschlusslaut ʻOkina; *[t] wurde zu [k], *[r] zu [l] und *[ŋ] zu [n]. [w] blieb erhalten und wurde nicht zu [v]. Die Vokale veränderten sich gegenüber dem „Gemeinpolynesischen“ nicht.
Das hawaiische Alphabet heißt pīʻāpā. Es wurde im 19. Jahrhundert von US-amerikanischen Missionaren eingeführt; vorher gab es Hawaiisch nur als gesprochene Sprache. Es basiert auf dem lateinischen Alphabet und besteht aus 12 Buchstaben plus ʻOkina: a, e, i, o, u, p, k, m, n, w, l, h. Der Buchstabe w wird manchmal auch als v geschrieben. Das Alphabet gehört zu den kürzesten der Welt und bildet die 13 Phoneme klar ab.
Ein Makron über einem Vokal, im Hawaiischen Kahakō genannt, zeigt an, dass der Vokal lang gesprochen und die Silbe betont wird: ā, ē, ī, ō, ū. Die Vokalfarbe ändert sich dabei nicht. Der Glottisverschlusslaut wurde früher oft nicht geschrieben, etwa in Kapaa. Seit dem Hawaiian-English Dictionary setzt sich die genauere Schreibung mit ʻOkina durch, also Kapaʻa. Ohne ʻOkina können Wörter verwechselt werden: pua bedeutet „Blume“, puʻa unter anderem „ausscheiden/absondern“. ʻOkina gilt heute zunehmend als vollwertiger Buchstabe. Deshalb wird Hawaii auf Hawaiisch Hawaiʻi geschrieben, und in Oʻahu liegt die Betonung auf dem a, nicht auf dem u.
Die Sprache besitzt mit nur 162 möglichen Silben den kleinsten Silbenvorrat aller Sprachen. Silbenlänge kann Bedeutungen verändern: kane bedeutet „Hautkrankheit“, kāne dagegen „Mann“; mana bedeutet „Macht“ oder „Kraft“, māna dagegen „gekaute Masse“.
Grundzüge der Grammatik
Hawaiisch ist wie alle polynesischen Sprachen und auch das Chinesische eine isolierende Sprache. Das bedeutet: Grammatische Beziehungen werden vor allem durch Wortstellung und Partikeln ausgedrückt, nicht durch Endungen. Wörter verändern sich normalerweise nicht. Ausnahmen sind wenige Vor- und Nachsilben zur Wortbildung, zum Beispiel das Kausativ-Präfix hoʻo- in hoʻonui „vergrößern“ zu nui „groß“ und das Substantivierungs-Suffix -na in ʻokina „Trennungszeichen“ zu ʻoki „abschneiden, trennen“. Manche Wörter haben eigene Pluralformen durch Vokaldehnung, etwa wāhine „Frauen“ zu wahine „Frau“. Meist wird der Plural aber durch Artikel ausgedrückt.
Es gibt nur zwei Wortarten: Bedeutungswörter und Partikeln. Ein Bedeutungswort kann je nach Stellung und vorangehender Partikel als Substantiv, Adjektiv oder Verb dienen. In ʻŌlelo Hawaiʻi ʻoe? bedeutet ʻōlelo „sprechen“, weil es am Satzanfang steht. In ʻIke ʻoe i ka ʻōlelo Hawaiʻi? bedeutet ʻōlelo „Sprache“, unter anderem markiert durch den Artikel ka. Ein grammatisches Geschlecht gibt es nicht: ia kann „er“, „sie“ oder „es“ heißen.
Die normale Wortstellung ist Verb – Subjekt – Objekt. Statische Verben entsprechen im Deutschen oft Adjektivkonstruktionen mit „sein“, zum Beispiel Nui ka hale: „Das Haus ist groß.“ Zur Betonung können Satzteile vorangestellt werden; sie werden dann regelmäßig mit ʻo gekennzeichnet, etwa ʻO au kou kaikuahine „Ich bin deine Schwester“ im Unterschied zu ʻO kou kaikuahine au „Deine Schwester bin ich“.
Ein eigenes Wort für „sein“ gibt es nicht. Identitätssätze haben kein Verb: he pahu kēia bedeutet wörtlich „eine Kiste das“, also „das ist eine Kiste“. Eigenschaften werden durch ein Adjektiv als Verb ausgedrückt: ua hauʻoli ʻoe bedeutet „du bist glücklich“. Auch ein Wort für „haben“ fehlt. Statt „ich habe ein Auto“ sagt man sinngemäß „ein Auto ist mein“: he kaʻa koʻu.
Satzbau, Partikeln und Besitz
In der Verbalphrase machen Partikeln ein Bedeutungswort zum Verb und drücken zugleich Zeit oder Aktionsart aus. ua … bezeichnet eine perfektive Handlung, also eine abgeschlossene, beginnende oder einmalige Handlung. e … ana bezeichnet eine imperfektive, weitergehende Handlung, ähnlich den englischen continuous forms. ke … nei steht für Präsens, e … für den Imperativ und mai … für den verneinten Imperativ. In der gesprochenen Sprache werden ua und e oft weggelassen. Das Passiv wird mit ʻia nach dem Verb gebildet.
Nach dem Verb können Richtungspartikeln stehen: aʻe bedeutet „hinauf“, „dann“ und markiert auch Komparative; aku bedeutet „weg vom Sprecher“, etwa Hele aku! „Geh weg!“; iho bedeutet „hinunter“, „sich“, „für sich“; mai bedeutet „her zum Sprecher“, etwa Hele mai! „Komm her!“ Aʻe kann Eigenschaften steigern: maikaʻi heißt „gut“, maikaʻi aʻe „besser“ oder „am besten“. Verneint wird mit ʻaʻole „nicht“. Dabei wird ua durch ʻaʻole i ersetzt: ua hele ke kanaka „der Mann ging“ wird zu ʻaʻole i hele ke kanaka „der Mann ging nicht“. Personalpronomen stehen zwischen ʻaʻole und i: ʻaʻole au i hele „ich ging nicht“.
Nomen werden besonders durch Artikel markiert. Im Singular stehen bestimmt ka oder ke, im Plural nā. Unbestimmt steht im Singular he; im Plural gibt es normalerweise keinen Artikel, bei Bedarf he mau. Ke steht vor Wörtern, die mit a, e, o oder k beginnen, sonst steht ka. Weitere Partikeln zeigen grammatische Beziehungen an: ʻo markiert Subjekte, i oder ia Objekte, ma genaue Ortsangaben, mai Herkunft, e beim Passiv „von“, ē die Anrede. A und o bedeuten beide „von“, unterscheiden aber Besitzverhältnisse.
Beim Besitz gibt es zwei Genitive. Der A-Genitiv steht für veräußerlichen Besitz, also Dinge, die man willentlich erworben hat und wieder verlieren kann, zum Beispiel ka maiʻa a Pua „Puas Banane“. Der O-Genitiv steht für unveräußerlichen Besitz oder Zugehörigkeit, etwa Körperteile, geerbte oder geschenkte Dinge und Orte: ka lima o Pua „Puas Hand“, ke kahakai o Waikīkī „der Strand von Waikīkī“. Die Regel ist eine Faustregel: Kleine tragbare Gegenstände verlangen meist a, schwer ersetzbare Dinge der traditionellen Kultur wie Häuser, Boote, Land, Häuptlinge, Vorfahren und Götter meist o. Manchmal ändern beide Formen die Bedeutung: ka mele a Pua heißt „Puas Lied“ im Sinn von „das sie geschrieben hat“, ka mele o Pua „das Pua-Lied“, also ein Lied über oder für Pua.
Pronomen, Fragen und Beispiele
Bei den Personalpronomen unterscheidet Hawaiisch Singular, Dual und Plural. Der Dual ist eine Zweizahl, also eine Form für genau zwei Personen. Außerdem gibt es ein inklusives und ein exklusives „wir“: Inklusiv bedeutet, dass die angesprochene Person eingeschlossen ist; exklusiv bedeutet, dass sie nicht eingeschlossen ist. Deshalb gibt es vier mögliche Übersetzungen für „Wir gehen nach Honolulu“: Ua hele kāua i Honolulu heißt „wir beide, du und ich“; Ua hele māua i Honolulu heißt „wir beide, aber du nicht“; Ua hele kākou i Honolulu heißt „wir, und du auch“; Ua hele mākou i Honolulu heißt „wir, aber du nicht“.
Wegen der zwei Genitive gibt es auch zwei Arten von Possessivpronomen. „Dein“ kann kāu oder kou heißen, je nachdem ob A- oder O-Besitz gemeint ist. Man sagt kāu maiʻa und kāu puke für „deine Banane“ und „dein Buch“, aber kou lima und kou waʻa für „deine Hand“ und „dein Boot“. Zusätzlich gibt es neutrale Formen wie kuʻu und ko für „mein“ und „dein“; kuʻu wird besonders für etwas verwendet, das man gernhat, zum Beispiel kuʻu ipo „mein Schatz“.
Demonstrativpronomen, also hinweisende Fürwörter, haben drei Entfernungsstufen: kēia bedeutet „dieses hier bei mir“, kēnā „dieses da bei dir“ und kēlā „jenes dort drüben“. Daneben gibt es Formen ohne K wie ia, nei, nā und lā sowie „wie“-Formen mit P, etwa pēia oder penei, pēnā und pēlā. Ia ist auch das Wort für „er“, „sie“ und „es“.
Fragepronomen sind wai „wer?“ und aha „was?“. Die Fälle werden wie sonst durch Partikeln angezeigt: ʻo wai? heißt „wer?“ als Subjekt, iā wai? heißt „wen?“, a wai? oder o wai? heißt „wessen?“, je nach Genitivart. „Wie viel?“ heißt ʻehia. Weitere Fragewörter werden mit hea gebildet: hea? „warum?“, pehea? „wie?“, i hea? oder ai hea? „wo?“, ināhea? „wann in der Vergangenheit?“ und āhea? „wann in der Zukunft?“
Der Artikel enthält außerdem viele häufige Wörter und Redewendungen. Aloha kann „Hallo“, „Willkommen“, „Tschüss“ oder „Auf Wiedersehen“ heißen. Mahalo bedeutet „Danke“, Mahalo nui loa „Sehr vielen Dank“. Pehea ʻoe? heißt „Wie geht’s?“, Maikaʻi „Mir geht’s gut“, E komo mai! „Willkommen!“ und Aloha au ia ʻoe! „Ich liebe Dich!“ Das Motto Hawaiʻis lautet Ua mau ke ea o ka ʻaina i ka pono: „Das Leben des Landes bleibt in Rechtschaffenheit erhalten.“