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Tagalog
Ursprünglich ist Tagalog die Sprache der Tagalen, die in der Region in und um Manila herum leben, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Inselstaates.
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Überblick und Einordnung
Tagalog ist die am weitesten verbreitete Sprache auf den Philippinen. Sie wird vor allem in Zentral- und Südluzon gesprochen, besonders in der Region um Manila, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Für 2007 werden 28 Millionen Erstsprachler genannt, für 2013 zusätzlich 45 Millionen Zweitsprachler. Tagalog diente als Grundlage für Filipino, die offizielle Nationalsprache der Philippinen.
Sprachgeschichtlich gehört Tagalog zur austronesischen Sprachfamilie, genauer zu den malayo-polynesischen, west-malayo-polynesischen und zentralphilippinischen Sprachen. Es ist direkt mit anderen philippinischen Sprachen wie Bikolano, Hiligaynon, Wáray-Wáray und Cebuano verwandt. Weitere verwandte austronesische Sprachen sind unter anderem Indonesisch, Malaiisch, Tetum, Maori, Fidschianisch, Samoanisch, Tahitianisch, Hawaiisch, Chamorro, austronesische Sprachen Taiwans und Malagasy. Zum Wortschatz des Tagalog haben unter anderem Spanisch, Hokkien-Chinesisch, Englisch, Malaiisch, Sanskrit und Arabisch über das Malaiische sowie nordphilippinische Sprachen wie Kapampangan beigetragen.
Über die frühe Sprachgeschichte ist wenig bekannt, weil es aus der Zeit vor der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert keine schriftlichen Sprachzeugnisse gibt. Das erste bekannte in Tagalog geschriebene Buch ist die Doctrina Cristiana von 1593. Es erschien in Spanisch und in zwei Tagalog-Versionen, eine in Baybayin und eine in lateinischer Schrift. Heute wird Tagalog durch die Komisyon sa Wikang Filipino reguliert.
Aussprache und Betonung
Für Deutschsprachige gilt die Aussprache des Tagalog als vergleichsweise gut erlernbar, weil alle tagalischen Phoneme eine deutsche Entsprechung haben. Der Silbenbau ist meist einfach. Häufige Muster sind Konsonant-Vokal (KV) oder Konsonant-Vokal-Konsonant (KVK). Stammwörter, soweit sie keine Lehnwörter sind, sind fast immer zweisilbig.
Tagalog hat viele Affixe, also angefügte Wortbildungselemente. Sie verändern den einfachen Silbenbau meist nicht: Präfixe sind oft einsilbig, etwa ka-, ma-, mag-, pag- oder pang-. Die Suffixe -an und -in sowie die Infixe -in- und -um- bilden keine eigenen Silben. Bei der Wortbildung können aber Lautänderungen und Anpassungen entstehen. Jede Silbe beginnt mit einem Konsonanten; dazu kann auch der glottale Plosiv ʔ gehören.
Bei den Konsonanten wird der häufige glottale Plosiv ʔ normalerweise nicht geschrieben. In Lehrtexten und Wörterbüchern kann er uneinheitlich mit Zirkumflex oder Gravis markiert werden, zum Beispiel hindî „nein/nicht“ oder batà „Kind“. Die Laute ʃ und ʒ haben keine eigene Schreibung; sie entstehen durch Zusammenziehung von Silben, zum Beispiel kann siya als [ʃʌ] oder [ʃjʌ] gesprochen werden. Bei den Vokalen gibt es unter anderem die Phoneme /a/, /i/, /o/, /u/ und /e/. Außerdem kommen Diphthonge wie aw, ay, iw und oy vor. Zwischen /o/ und /u/ sowie deutlicher von /e/ nach /i/ gibt es beschränkte Allophonie, also Aussprachevarianten desselben Lautes.
Die Hauptbetonung liegt immer auf dem Stammwort, und zwar auf der letzten oder vorletzten Silbe. Sie ist bedeutungsunterscheidend: bu'kas bedeutet „offen“, 'bukas bedeutet „morgen“. Auch Affixe können Nebenbetonungen tragen, die bedeutungsunterscheidend sein können. Durch Affixe kann sich die Betonung im Stammwort von der vorletzten auf die letzte Silbe verschieben.
Wortbildung und Verben
Das Grundelement der tagalischen Morphologie, also der Formenlehre, sind ein- oder fast immer zweisilbige Wortstämme. Diese Wortstämme bleiben abgesehen von lautlichen Anpassungen unverändert. In etwa 75 % der Fälle kann der Wortstamm auch allein als Stammwort verwendet werden. Solche Stammwörter sind meist Nomen oder Adjektive. Verben sind nie Stammwörter, sondern entstehen immer durch Affigierung.
Wortbildung geschieht vor allem durch Affixe, außerdem durch Silben- oder Stammdoppelung und seltener durch zusammengesetzte Wörter. Tagalog besitzt viele Präfixe, zwei Suffixe (-an und -in) sowie zwei Infixe (-in- und -um-). Affixe sind meist nicht streng an eine Wortart gebunden. Ein und dasselbe Muster kann mit verschiedenen Wortstämmen ähnliche Bedeutungen bilden, zum Beispiel pa…an für einen Ort, an dem etwas getan wird: paaralan „Lernort/Schule“, pagawaan „Arbeitsort/Fabrik“, pagamutan „Heilort/Krankenhaus“.
Verben werden durch Affigierung eines Wortstamms gebildet. Eine Personen- oder Numerusflexion wie im Deutschen gibt es nicht, und es gibt auch keine unterschiedlichen Modi in dieser Form. Modalität, also Bedeutungen wie „können“, wird ebenfalls durch Affixe ausgedrückt; echte Modalverben fehlen. Die unbetonten Präfixe ma- und maka- drücken häufig eine Fähigkeit im Sinne von „können“ aus.
Wichtig ist der Fokus des Verbs. Es gibt Verben mit Agens-Fokus, bei denen der Handelnde im Vordergrund steht, und Verben mit Patiens-Fokus, bei denen nicht der Handelnde, sondern etwa das betroffene Objekt im Vordergrund steht. Der im Fokus stehende Satzteil kann auch Empfänger, Zielort, Werkzeug oder etwas anderes sein. Dieses System der Diathesen unterscheidet sich stark von europäischen Aktiv-Passiv-Systemen. Im Tagalog werden Konstruktionen bevorzugt, bei denen das Patiens im Fokus steht.
Für Verben gibt es ein Flexionsparadigma mit einer Grundform und drei weiteren Formen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Autor: etwa Grundform, Präsens, Präteritum und Futur bei Möller oder basic, imperfective, perfective und contemplated bei Schachter. Die Grundform ist weitgehend ohne festes Aspekt- oder Tempusmerkmal und wird für allgemeine Aussagen, Befehle und besondere Satzkonstruktionen verwendet. Die gebeugten Formen hängen stärker vom Zusammenhang ab. Wenn Aspekt und Zeit übereinstimmen, etwa Perfektiv und Vergangenheit oder Kontemplativ und Zukunft, ist die Bedeutung eindeutig. Die Formen entstehen durch Veränderungen der Affixe oder durch Silbendopplung.
Satzbau und Phrasen
Die grammatischen Beziehungen im tagalischen Satz werden vor allem durch proklitische Bestimmungswörter oder Funktionswörter angezeigt. Diese stehen vor einer Phrase und zeigen ihre Funktion. Daher gibt es keinen einfachen Zusammenhang zwischen dem Inhalt einer Phrase, etwa Nominalphrase oder Verbalphrase, und ihrer syntaktischen Funktion. Die Terminologie ist in der Forschung uneinheitlich.
Möller unterscheidet sechs Phrasen: ang-, ay-, sa-, nang-, -ng/na- und ng-Phrase. Die ersten vier können syntaktisch unabhängig stehen. Die ng-Phrase und die -ng/na-Phrase hängen dagegen von einem Bezugswort ab. Ein tagalischer Satz besteht, abgesehen von Interjektionen, mindestens aus einer ang- und einer ay-Phrase, die ungefähr Subjekt und Prädikat entsprechen. Einfache Sätze beginnen meistens mit dem Prädikat, danach folgen Subjekt und weitere Phrasen. Da es keine Auxiliarverben gibt, können vollwertige Sätze auch ohne Verb gebildet werden, zum Beispiel Masarap ang pagkain: „Das Essen ist lecker.“
Die ang-Phrase bezeichnet den Satzgegenstand. Ihr steht in der Regel ang vor; vor dem Personenartikel si entfällt ang. Der Satzgegenstand ist immer bestimmt, weshalb die einfache Gleichsetzung mit dem deutschen Subjekt zu kurz greift. Die ay-Phrase bezeichnet die Satzaussage. Wenn sie am Satzanfang steht, entfällt ay meistens. Dadurch ist ay im einfachen Satz seltener sichtbar. Die ay-Phrase kann ihre syntaktische Funktion mit der ang-Phrase tauschen, wodurch ein Nomen ohne semantische Bestimmtheit die Rolle des Prädikats erhalten kann.
Die sa-Phrase ist ein Adjunkt mit sehr breiter Bedeutung. Sie kann wie eine adverbiale Ergänzung wirken, zum Beispiel temporal oder lokal, und sie kann als Verbargument Empfänger, Zielort, Ursache und anderes ausdrücken. Die ng-Phrase ist immer abhängig und wird mit ng markiert, das als eigenes Wort geschrieben und als eigene Silbe gesprochen wird. Bei Nominalphrasen hat sie oft possessiven Charakter. Als Teil einer Verbphrase hängt ihre genaue grammatische Bedeutung vom Verb ab. Die -ng/na-Phrase ist ebenfalls abhängig und hat attributiven Charakter. Ob -ng oder na verwendet wird, ist phonologisch begründet: Nach Vokal, ʔ oder n steht -ng, nach einem Konsonanten na. Die nang-Phrase ist syntaktisch unabhängig und häufig eine temporale Ergänzung; am Satzanfang entfällt nang.
Artikel und Pronomen
Nomen im Tagalog sind flexionslos. Bestimmtheit und Unbestimmtheit werden nicht wie im Deutschen durch Artikel am Nomen markiert, sondern syntaktisch im Phrasensystem. Kasusbeziehungen werden ebenfalls durch Phrasen und Bestimmungswörter ausgedrückt. Ein grammatisches Genus gibt es nicht. Geschlechter werden entweder durch eigene Wörter ausgedrückt, etwa inay „Mutter“ und tatay „Vater“, oder durch Ergänzungen wie kapatid na babae „Schwester“ und kapatid na lalaki „Bruder“. Pronomen sind immer geschlechtsneutral.
Auch Numerus wird nicht durch Flexionsendungen markiert. Zahlwörter, bestimmte Adjektive oder Wörter mit Mehrzahlbedeutung können Singular oder Plural ausdrücken. Eine besondere Rolle hat der Pluralanzeiger mga [mʌ'ŋʌ], der vor Nomen, Adjektiven und Demonstrativpronomen stehen kann. Anders als im Deutschen muss der Sprecher aber nicht immer entscheiden, ob Singular oder Plural gemeint ist: Nakita ko ang lalaki kann „Ich sah den Mann“ oder „Ich sah die Männer“ bedeuten.
Ein regelhafter Artikel steht besonders vor Personen. Diese Personenartikel sind obligatorisch und unterscheiden Singular und Plural; außerdem bilden sie je nach Phrase besondere Formen oder ersetzen die Bestimmungswörter. Ein Beispiel ist Tinulungan ni Monika si Peter: „Die Monika hat dem Peter geholfen.“
Pronomen ersetzen Nomen und bilden meist das Kernwort der jeweiligen Phrase. Personal-, Demonstrativ- und Interrogativpronomen folgen dem Phrasensystem und können als ang-, ay-, ng- oder sa-Pronomen beschrieben werden. Personal- und Demonstrativpronomen unterscheiden außerdem die Nähe oder Person: erste Person beim Sprecher, zweite beim Angesprochenen, dritte für weiter Entferntes oder Dritte. Eigene Possessivpronomen gibt es nicht. Besitz wird durch sa- und ng-Pronomen ausgedrückt, die dabei eher attributiv wirken.
Beispiele
Der Artikel enthält als Beispiel Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auf Tagalog: „Ang lahat ng tao'y isinilang na malaya at pantay-pantay sa karangalan at mga karapatan. Sila'y pinagkalooban ng katwiran at budhi at dapat magpalagayan ang isa't isa sa diwa ng pagkakapatiran.“ Die angegebene deutsche Übersetzung lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“
Typische einfache Wendungen sind Naintindihan mo ba? „Hast du verstanden?“, Naintindihan ko na. „Ich habe (jetzt) verstanden.“, Magandang araw po. „Guten Tag.“, Magandang gabi po. „Guten Abend.“, Kumusta ka? „Wie geht’s dir?“, Mabuti. „Mir geht’s gut.“, Mahal kita. „Ich liebe dich.“ und Hindi kita gusto. „Ich mag dich nicht.“ Die Zahlen 1 bis 10 lauten: isa, dalawa, tatlo, apat, lima, anim, pito, walo, siyam, sampu.