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Haustaufen im Neuen Testament
Die neutestamentlichen Berichte über Haustaufen erzählen von Taufhandlungen, in denen ganze „Häuser“ – gemeint sind „Hausstände“, also Großfamilien unter …
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Begriff und Bedeutung
Als Haustaufen bezeichnet man im Neuen Testament Taufen ganzer „Häuser“. Mit einem Haus ist dabei nicht das Gebäude, sondern der Hausstand gemeint: eine Großfamilie einschließlich weiterer dort lebender Menschen. Das Neue Testament berichtet an fünf Stellen davon, viermal in der Apostelgeschichte und einmal im 1. Korintherbrief.
Diese Texte sind für die Auseinandersetzung zwischen Kindertaufe und Gläubigentaufe bedeutsam. Umstritten ist vor allem, ob zu den getauften Hausständen auch Kleinkinder oder Säuglinge gehörten. Keiner der Berichte erwähnt ihre Anwesenheit oder Taufe ausdrücklich. Außerdem ist strittig, welche Bedeutung die historische Frage für die heutige theologische Beurteilung der Kindertaufe besitzt.
Kornelius, Lydia und der Kerkermeister
Im Haus des Kornelius fällt während der Rede des Petrus der Heilige Geist auf alle Zuhörenden herab. Sie reden in unbekannten Sprachen und preisen Gott. Daraufhin erklärt Petrus, ihnen könne die Taufe nicht verweigert werden, und lässt sie auf den Namen Jesu Christi taufen. In der Diskussion stellt sich die Frage, ob die beschriebenen Handlungen auch Kleinkindern oder Säuglingen zugeschrieben werden könnten.
Lydia wird zusammen mit ihrem Haus getauft. Ausdrücklich genannt wird nur ihr eigener Glaube. Befürworter der Säuglingstaufe sehen Lydia als Haushaltsvorstand, der auch religiöse Verantwortung für möglicherweise vorhandene Sklaven, Kinder und Säuglinge trug. Kritiker verweisen auf die vorherigen Taufberichte der Apostelgeschichte: Gewöhnlich wird zuerst das Evangelium verkündigt, dann kommen Menschen zum Glauben und anschließend lassen sie sich taufen. Der Bericht über Lydia sagt zudem nicht, dass überhaupt Kleinkinder zu ihrem Haus gehörten.
Beim Kerkermeister von Philippi gehen Paulus und Silas nach einem Erdbeben nicht aus dem geöffneten Gefängnis fort und verhindern dadurch seinen Selbstmord. Auf seine Frage nach der Rettung antworten sie: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ Sie verkündigen ihm und allen Menschen in seinem Haus das Wort; anschließend lässt er sich mit allen Seinen taufen. Danach freut er sich mit seinem ganzen Haus über seinen Glauben.
Kritiker der Säuglingstaufe betonen, dass allen im Haus gepredigt wurde und das ganze Haus sich freute, was auf Kleinkinder kaum zutreffe. Befürworter sehen dagegen den Glauben und die Entscheidung des Hausherrn als Grundlage für die Taufe des gesamten Hausstands. Ausdrücklich erwähnt werde nur sein Glaube; von den anderen Hausbewohnern heiße es lediglich, dass sie die Predigt hörten.
Krispus und Stephanas
Krispus, der Vorsteher der Synagoge, kommt mit seinem ganzen Haus zum Glauben an den Herrn. Auch viele Korinther hören die Verkündigung, werden gläubig und lassen sich taufen. Hier gehen Zuhören und Glauben der Taufe voraus; außerdem wird ausdrücklich das ganze Haus als gläubig bezeichnet. Kritiker der Säuglingstaufe betrachten dies als Beleg gegen die Taufe unmündiger Menschen und beziehen die Abfolge auch auf andere Haustaufen. Befürworter wenden ein, aus diesem einzelnen Erzählverlauf lasse sich keine verbindliche Voraussetzung für jede Taufe ableiten. Der Text erkläre außerdem nicht, wie jedes Mitglied des Hauses zum Glauben kam.
Paulus schreibt in 1. Korinther 1,16 f., dass er Stephanas und dessen Haus getauft habe. Befürworter der Kindertaufe halten es für möglich, dass dazu Säuglinge gehörten. Als Gegenargument wird 1. Korinther 16,15 angeführt: Das Haus des Stephanas wird dort als „Erstlinge in Achaia“ bezeichnet und habe sich selbst zum Dienst für die Heiligen bereitgestellt, was Säuglinge nicht könnten. Befürworter entgegnen, eine solche zusammenfassende Aussage müsse nicht auf jedes einzelne Mitglied des Hausstands zutreffen.
Hausgemeinschaft und individuelle Entscheidung
Das antike Haus, griechisch Oikos und lateinisch Domus, umfasste die gesamte Hausgemeinschaft aus Familie, Gesinde und Sklaven. Es bildete eine soziale, wirtschaftliche und religiös-kultische Einheit. Der Hausvater vertrat sie als pater familias nach außen und bestimmte die inneren Lebensvollzüge; im römischen Raum besaß er dabei mehr Rechte als im griechischsprachigen.
Diese Ordnung ist bereits im Alten Testament erkennbar, etwa in Josuas Aussage: „Ich und mein Haus wollen dem Herrn folgen.“ Für das frühe Christentum bedeutete die Einheit des Hauses jedoch nicht, dass alle Bewohner automatisch dieselbe religiöse Entscheidung trafen. Aussagen Jesu in Matthäus 10,34–37 und Lukas 17,34 rechnen sogar mit Trennungen innerhalb engster familiärer Beziehungen. Paulus behandelt in 1. Korinther 7,12 den Fall eines Christen mit einer ungläubigen Ehefrau. Im Philemonbrief ist der Hausherr Philemon bereits Christ, während sein Sklave Onesimus erst später und unabhängig von ihm Christ wird.
Auch im 2. Jahrhundert wurde keine automatische Übernahme des Glaubens durch Sklaven vorausgesetzt. Aristides schrieb um 125 nach Christus, Christen rieten Sklaven, Sklavinnen und deren Kindern, Christen zu werden; erst wenn sie es geworden seien, würden sie unterschiedslos Brüder genannt. Tertullian erörterte um 200 n. Chr. sogar den Fall eines christlichen Herrn mit heidnischen Sklaven.
Zugleich war das Haus von Beginn der christlichen Ausbreitung an ein Zentrum der Gemeinden. In solchen Hausgemeinden lebten Getaufte aus verschiedenen sozialen Schichten ihre Einheit und Gleichheit vor Gott. Eine Hausgemeinde war aber nicht mit sämtlichen Bewohnern des Gebäudes identisch, in dem sie zusammenkam; sie ähnelte eher den antiken Kultvereinen.
Aussagekraft und Forschungsstand
Die Wörter „ganz“ und „alle“ bezeichnen in der Bibel nicht zwingend ausnahmslos 100 Prozent einer Gruppe. Markus 1,5 berichtet, „ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems“ seien zu Johannes dem Täufer gekommen, obwohl andere Stellen von seiner Ablehnung sprechen. Nach Matthäus 23,3 sollen die Menschen „alles“ befolgen, was die Schriftgelehrten sagen; Matthäus 15,3 wirft ihnen jedoch vor, Gottes Gebot zugunsten ihrer Überlieferung zu missachten. „Alles“ kann daher auch hier nicht absolut gemeint sein.
Ein besonders passendes Beispiel bietet 1. Samuel 1,21 f.: Elkana zieht „mit seinem ganzen Haus“ zum Opfer, während Hanna und ihr noch nicht entwöhnter Sohn zu Hause bleiben. Die Formulierung „ganzes Haus“ beweist folglich für sich allein weder, dass wirklich jedes Mitglied beteiligt war, noch dass bei neutestamentlichen Haustaufen Säuglinge anwesend waren.
Der dargestellte Forschungsstand hält fest, dass Kinder- oder Säuglingstaufen in der Literatur des Urchristentums nirgends ausdrücklich erscheinen. Die angeführten Indizien sprechen demnach gegen eine Einführung dieser Praxis vor dem 3. Jahrhundert. Historisch lasse sich die Kindertaufe nicht im Neuen Testament verankern, sondern müsse theologisch gefolgert werden.
Gleichzeitig ist die neutestamentliche Taufe nicht ausnahmslos an eine eigene, selbstständige Entscheidung gebunden. Die Aussagen über den Oikos zeigen einen Gemeinschaftsbezug von Glaube und Taufe, der nicht vollständig auf individuelles Erleben und Entscheiden reduziert werden kann. Als Beispiel für eine stellvertretende Verantwortung gegenüber Menschen, die nicht selbst entscheiden konnten, wird die korinthische Vikariatstaufe in 1. Korinther 15,29 genannt. Die Haustaufberichte liefern somit keinen ausdrücklichen Nachweis einer Säuglingstaufe, schließen gemeinschaftliche oder stellvertretende Aspekte der Taufe aber ebenfalls nicht grundsätzlich aus.