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Hammerwurf

Physik des Hammerwurfs · Abfluggeschwindigkeit: Für einen 75-Meter-Wurf ist eine Abfluggeschwindigkeit von etwa 27 bis 28 Metern pro Sekunde (m/s) – ca.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Bedeutung
  2. 2. Ablauf und Wettkampfregeln
  3. 3. Physik der Wurfweite
  4. 4. Entwicklung des Sports
  5. 5. Sicherheit, Rekorde und wichtige Wettbewerbe

Grundlagen und Bedeutung

Der Hammerwurf, auch Hammerwerfen genannt, ist eine Disziplin der Leichtathletik oder Schwerathletik. Ziel ist es, einen Wurfhammer möglichst weit zu schleudern. Der heutige Wurfhammer besteht aus einer Metallkugel, einem Stahldraht und einem Griff.

Der Hammer der Männer wiegt einschließlich Griff 7,26 Kilogramm (16 englische Pfund), der Hammer der Frauen vier Kilogramm. Damit entspricht das Gewicht jeweils dem der Stoßkugel beim Kugelstoßen. Für den Wurf steht ein Kreis mit 2,1336 Metern Durchmesser (7 englische Fuß) zur Verfügung. Der Sportler lässt den Hammer zunächst mit beiden Armen kreisen. Durch mehrere Drehbewegungen wird er beschleunigt und anschließend aus dem Kreis geschleudert.

Im olympischen Programm ist der Hammerwurf der Männer seit 1900 in Paris vertreten, der Frauen seit 2000 in Sydney. Bei internationalen Wettkämpfen der Frauen gibt es die Disziplin seit 1997. Spitzenleistungen liegen bei Männern ungefähr bei 85 Metern und bei Frauen ungefähr bei 80 Metern. Die im Artikel angegebenen Weltrekorde betragen 86,74 Meter bei den Männern und 82,98 Meter bei den Frauen.

Ablauf und Wettkampfregeln

Im Wettkampf haben die acht besten Hammerwerfer sechs Versuche. Für Sieg und Platzierung zählt die größte gültige Weite. Bei gleicher Weite entscheiden die nächstbesten Versuche.

Der Hammer muss in einem markierten, spitzwinkeligen Wurfsektor landen. Der Sektor hat eine Öffnung von 34,92°. Dieser Wert ergibt sich aus einem Dreieck mit Seitenlängen von zweimal 20 Metern und 12 Metern. Nach dem Abwurf darf der Werfer den Kreis erst verlassen, wenn der Hammer aufgekommen ist. Er muss den Kreis nach hinten und aus sicherem Stand verlassen; andernfalls ist der Versuch ungültig.

Im Unterschied zu anderen Wurfdisziplinen darf der Hammerwerfer Handschuhe tragen oder einzelne Finger mit Bandagen umwickeln. Die Wettkampfregeln sind in den Regeln 187 und 191 sowie in den technischen World-Athletics-Wettkampfvorschriften festgelegt.

Physik der Wurfweite

Die Weite hängt vor allem von der Abfluggeschwindigkeit ab. Für einen 75-Meter-Wurf ist eine Geschwindigkeit von etwa 27 bis 28 Metern pro Sekunde (m/s), also ungefähr 100 km/h, nötig. Wird diese Geschwindigkeit bei gleichbleibendem Abflugwinkel um fünf Prozent beziehungsweise etwa 1,4 m/s erhöht, wächst die Weite um rund sieben Meter. Die Abfluggeschwindigkeit ist deshalb deutlich wichtiger als der Abflugwinkel.

Der Einfluss der Abflughöhe ist gering. Ein Abwurf aus 1,60 statt aus 1,40 Metern Höhe bringt bei einer Abfluggeschwindigkeit von 24 m/s ungefähr 19 Zentimeter zusätzliche Weite. Körpergröße bietet bei gleicher Kraftanwendung und gleicher Technik daher nur geringe Vorteile.

Der Hammer folgt nach dem Abwurf einer ballistischen Kurve, also einer Wurfparabel beziehungsweise einem schiefen Wurf. Der bestmögliche Abflugwinkel beträgt 45°. Eine Abweichung von zwei Grad, etwa fünf Prozent, verringert die Weite um ungefähr 60 Zentimeter.

Der Luftwiderstand spielt eine geringe Rolle. Eine Windgeschwindigkeit von 5 m/s beeinflusst einen 80-Meter-Wurf um etwa ein Prozent. Rückenwind kann die Weite um ungefähr 90 Zentimeter erhöhen, Gegenwind sie um etwa 80 Zentimeter verringern. Auch die Erdrotation wirkt sich aus: Wegen der Zentrifugalkraft fliegt der Hammer an einem näher am Äquator gelegenen Ort etwas weiter. Zusätzlich beeinflussen Corioliskräfte die Weite abhängig vom Azimut, also der Kompassrichtung des Wurfs. Eine Studie aus dem Jahr 2023 kam zu dem Ergebnis, dass sich die Top-20-Weltranglisten von Männern und Frauen durch eine Korrektur nach Breitengrad und Azimut geringfügig verändern würden.

Entwicklung des Sports

Wettbewerbe im Weitwurf eines Schmiedehammers sind aus dem Mittelalter Irlands und Schottlands belegt. Die ersten Würfe mit einem Gewicht an einem starren Stiel stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus England und Irland. Der moderne Sport entstand im 19. Jahrhundert in Schottland und Irland.

Das Regelwerk wurde 1887 in England festgeschrieben. Das Gewicht war früh auf 16 englische Pfund (7,257 kg) festgelegt, die Form des Abwurfs änderte sich jedoch mehrfach. Zunächst waren ein beliebig langer Anlauf und das Übertreten der Abwurflinie erlaubt. Später wurde aus einem Kreis geworfen. Dessen Durchmesser wurde 1878 in England auf 7 englische Fuß (2,1336 m) festgelegt; von 1887 bis 1909 wurde zusätzlich aus einem 9-Fuß-Kreis (2,7432 m) geworfen. Die endgültige Drahtlänge von 4 englischen Fuß (1,2192 m) beziehungsweise 1,2192 Metern wurde erst im 20. Jahrhundert festgelegt. Der heute von Männern verwendete Hammer wurde 1912 eingeführt.

In Deutschland fand der erste Hammerwurfwettkampf im Mai 1893 in Berlin mit einem 12 Pfund schweren Hammer statt. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Disziplin dort wenig beachtet; offizielle deutsche Rekorde wurden erst Mitte der 1920er Jahre registriert. Max Furtwengler steigerte die deutsche Bestleistung von 29,84 Metern im Jahr 1909 auf 43,05 Meter im Jahr 1926. Er warf einarmig und mit nur einer halben Drehung.

Sicherheit, Rekorde und wichtige Wettbewerbe

Der Hammerwurf birgt erhebliche Gefahren, weil Stahlhämmer mit hoher Geschwindigkeit weit fliegen und im Flug teilweise schwer zu erkennen sind. Im Jahr 2000 führten Hammerwürfe allein in Europa zu vier Todesfällen; auch in den Vereinigten Staaten kam es zu Todesfällen und bleibenden Hirnschäden. Im April 2021 wurde die 19-jährige kubanische Nachwuchssportlerin Alegna Osorio im Training von einem Hammer getroffen und erlag drei Monate später ihren Kopfverletzungen.

Zum Schutz von Sportlern, Trainern und Zuschauern gibt es einen C-förmigen Schutzkäfig um den Wurfkreis. Er ist nur oben und in Richtung des Wurfsektors offen. Seine Höhe beträgt sieben Meter, an manchen Stellen zehn Meter; vom Mittelpunkt des Kreises muss er mindestens 3,50 Meter entfernt sein. Die Seile oder Metalldrahtmaschen müssen einer Hammergeschwindigkeit von 32 m/s (115 km/h) standhalten. 2004 änderte die IAAF die Regeln: Die vorgeschriebene Käfighöhe wurde auf 10 Meter angehoben und der Winkel der Gefahrenzone auf etwa 53° verringert. Außerdem wurden die Tore weiter vom Wurfkreis entfernt, wodurch das Risiko eines Zurückprallens sank.

Bei den Männern ist die erste registrierte Weite 27,74 Meter von Adam Wilson (GBR), erzielt am 10. Mai 1828 in Hunter’s Tryst. Die erste Weite nach den heutigen Kreisregeln betrug 30,12 Meter; sie wurde von Edmund Baddeley (GBR) am 15. April 1878 erzielt. Der erste offizielle Weltrekord waren 57,77 Meter von Pat Ryan (USA) am 17. August 1913 in New York City. Der Rekord stieg unter anderem über 60,34 Meter durch József Csermák am 24. Juli 1952, 70,33 Meter durch Hal Connolly am 12. August 1960 und 80,14 Meter durch Boris Saitschuk am 9. Juli 1978. Jurij Sjedych (Sowjetunion) erreichte am 30. August 1986 in Stuttgart den bis im Artikel angegebenen Weltrekord von 86,74 Metern.

Bei den Frauen war die erste registrierte Weite 17,03 Meter von Lucinda Moles (ESP) am 29. Juni 1931 in Madrid. Carol Cady (USA) übertraf 1982, 1984 und Aya Suzuki (JPN) 1989 die Marken von 40, 50 beziehungsweise 60 Metern. Der erste offizielle Weltrekord waren 66,84 Meter von Olga Kusenkowa am 23. Februar 1994 in Adler. Anita Włodarczyk (POL) erzielte am 1. August 2015 in Cetniewo als Erste mehr als 80 Meter und steigerte den Rekord am 28. August 2016 in Warschau auf 82,98 Meter.

Zu den erfolgreichsten Sportlern zählen John Flanagan (USA) mit drei Olympiasiegen 1900, 1904 und 1908 sowie Paweł Fajdek (POL) mit fünf Weltmeistertiteln 2013, 2015, 2017, 2019 und 2022. Bei den Frauen ist Anita Włodarczyk dreifache Olympiasiegerin (2012, 2016 und 2020) und dreifache Weltmeisterin (2009, 2015 und 2017). Yipsi Moreno (CUB) gewann drei Weltmeisterschaften und wurde 2008 Olympiasiegerin; Olga Kusenkowa (RUS) wurde 2004 Olympiasiegerin.

Die olympischen Wettbewerbe der Männer reichen von 1900 bis 2024, die der Frauen von 2000 bis 2024. 2024 siegten Ethan Katzberg (Kanada) und Camryn Rogers (Kanada). Weltmeisterschaften der Männer sind im Artikel ab 1983, der Frauen ab 1999 aufgeführt. 2025 gewannen Ethan Katzberg und Camryn Rogers. Bei den Olympischen Spielen 2004 wurde die Silbermedaille der Männer nach dem positiven Dopingtest von Iwan Zichan nicht neu vergeben.

Die Weltbestenliste führt bei den Männern alle Leistungen ab 81,64 Metern und wurde laut Artikel zuletzt am 28. Juni 2026 verändert. Angeführt wird sie von Jurij Sjedych mit 86,74 Metern vor Sergei Litwinow mit 86,04 Metern. Der deutsche Rekord ist mit 83,40 Metern Ralf Haber zugeschrieben; der Schweizer Rekord beträgt 80,51 Meter, der österreichische 79,70 Meter. Bei den Frauen umfasst die Liste alle Leistungen ab 75,04 Metern; „A“ kennzeichnet eine unter Höhenbedingungen erzielte Weite. Letzte Veränderung war am 18. August 2026. Anita Włodarczyk führt mit 82,98 Metern vor Camryn Rogers mit 81,13 Metern. Der deutsche Rekord beträgt 79,42 Meter, der Schweizer 67,42 Meter und der österreichische 61,37 Meter.

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