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Ballistik
Als angewandte Wissenschaft beschäftigt sich Ballistik mit Form und Verhalten ballistischer Körper während der Phasen von Beschleunigung, Abwurf, Flug und …
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Begriff und Bedeutung
Ballistik ist ein Teilbereich der Physik, insbesondere der Mechanik beziehungsweise Dynamik. Sie beschreibt die Vorgänge, die einen Körper betreffen, der sich in einem Schwerefeld und durch ein Medium wie Luft, also ein Gas, bewegt. In der Raumfahrt wird unter Ballistik außerdem die völlig kräftefreie Bewegung nach den Gesetzen der Himmelsmechanik verstanden, bei der von allen störenden Kräften abstrahiert wird.
Als angewandte Wissenschaft untersucht die Ballistik die Form und das Verhalten ballistischer Körper während der Beschleunigung, beim Abwurf, während des Fluges und beim Aufschlag. Besonders wichtig sind dabei aus Waffen verschossene Projektile, etwa aus Jagdwaffen. Ballistik wird unter anderem im Rahmen der Wehrtechnik erforscht und zählt auch zu den Ingenieurwissenschaften.
Geschichtliche Entwicklung
Als „Vater“ der Ballistik gilt Nicolo Tartaglia (etwa 1499–1557). Sein Werk Nova Scientia wurde von späteren Gelehrten häufig zitiert, wenn es um die Bestimmung der Flugbahn von Geschossen ging. Auch Daniel Sandtbech und Sebastian Münster beschäftigten sich zur gleichen Zeit mit dem Thema.
Den frühen Gelehrten gelang es jedoch noch nicht, eine Formel zur Bestimmung einer Wurfparabel aufzustellen. Nach der damals weiterhin verbreiteten Impetustheorie des Aristoteles nahm man keine parabelförmige Flugbahn an, sondern eine ungefähr sägezahnförmige Bahn. Deshalb beschränkten sich die frühen Ballistiktheoretiker auf Formeln zur Berechnung trigonometrischer Figuren. Fortschritte wurden erst durch astronomische und geografische Berechnungen sowie durch die Forschungen zur Gravitationskraft von Galileo Galilei, Isaac Newton und Leonhard Euler möglich.
Im militärischen Bereich war die theoretische Ballistik lange Zeit vor allem Bestandteil der Ausbildung an Artillerieakademien. Für die Praxis war jedoch das Erfahrungswissen der Artilleristen im Feld oft geeigneter. Ergebnisse unter verschiedenen Bedingungen wurden in Tabellen festgehalten. In der frühen Entwicklung nutzten Gelehrte wie Nicolo Tartaglia dieses praktische Wissen häufig stärker, als die Artilleristen von den theoretischen Arbeiten profitierten.
Die Teilgebiete der Ballistik
Die Artillerieballistik bildet die Grundlage der Artillerie- und Raketenwaffen und ist außerdem ein zentraler Bestandteil der Raumfahrtphysik. Bei aus Waffen verschossenen Projektilen werden mehrere Phasen unterschieden:
- Innenballistik untersucht die Vorgänge im Lauf und im Patronenlager während des Abschusses.
- Abgangsballistik beschreibt die Vorgänge an der Laufmündung beim Schuss.
- Außenballistik untersucht das Projektil während seines Fluges.
- Zielballistik befasst sich mit der Wirkung des Projektils im Ziel, insbesondere mit der Wundballistik.
- Raketenballistik untersucht die Vorgänge während des Fluges einer Rakete.
Untersuchungsgebiete und wichtige Größen
Das zentrale Untersuchungsgebiet ist die ballistische Kurve. Ihre Idealisierung ist die Wurfparabel. Ein typisches Beispiel ist ein schiefer Wurf mit einem Abwurfwinkel von 70°: Ohne Reibung entsteht die obere Flugbahn als Wurfparabel des freien Falls. Unter Berücksichtigung der Newton-Reibung verläuft die Bahn anders; bei Stokes-Reibung ergibt sich im dargestellten Vergleich die untere Flugbahn.
Die Ballistik untersucht außerdem gemeinsam mit der Sprengstoffchemie und der Pyrotechnik die Wechselwirkungen zwischen Geschoss, Ausstoßladung beziehungsweise militärisch Treibladung und Schussvorrichtung beziehungsweise Rohr. Da Geschosse auch mit Druckluft oder auf andere Weise beschleunigt werden können, sind allgemeine Ergebnisse der Hydrodynamik sowie der Fluiddynamik wichtig. Diese betreffen sowohl den Abschuss als auch den Flug.
Zu den wichtigen thermodynamischen Größen und Aspekten gehören Geschossenergie, Mündungsenergie, Auftreffenergie, Gasdruck und die spezifische Energie der Treibladung. Wichtige pyrotechnische Aspekte sind die Ladedichte, das spezifische Schwadenvolumen und die Detonationsgeschwindigkeit. Zusätzlich spielen die Rohrgeometrie und besonders der Zug eine Rolle. Der Zug erzeugt den Drall, der zur Stabilisierung der Flugbahn beiträgt.
Ballistische Raketen
Von einer ballistischen Rakete spricht man, wenn sie im Unterschied zu einem aerodynamischen Flug eine ballistische Kurve fliegt. Bei einer gegebenen Treibstoffmenge ermöglicht diese Flugweise theoretisch und praktisch die höchste effektive Reichweite. Die Rakete wird nur in der Antriebsphase unmittelbar nach dem Start direkt beschleunigt. Danach fliegt sie antriebslos, aber nicht ungesteuert, wie ein Geschoss weiter.