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Guadeloupe

Guadeloupe ; Amtssprache · Französisch ; Hauptort · Basse-Terre ; Fläche, 1.635,66 km² ; Einwohnerzahl, 395.752 (2022).

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Geographie
  2. 2. Klima, Natur und Bevölkerung
  3. 3. Geschichte und Stellung in Frankreich
  4. 4. Politik, Verwaltung und EU-Status
  5. 5. Wirtschaft und Verkehr

Überblick und Geographie

Guadeloupe (Guadeloupe-Kreolisch: Gwadloup, Kurzform: Gwada) ist ein Archipel in der östlichen Karibik. Es bildet zugleich ein französisches Übersee-Département und eine französische Überseeregion. Zusammen mit Martinique, Saint-Barthélemy und Saint-Martin gehört es zu den Französischen Antillen. Guadeloupe ist Teil der Europäischen Union, gehört aber nicht zum Schengen-Raum.

Der Archipel liegt bei 16° 15′ N, 61° 35′ W in der Inselkette der Kleinen Antillen. Nördlich liegen Montserrat und Antigua, südlich Dominica. Die Entfernung zur südamerikanischen Küste beträgt etwa 600 km, zur Küste Floridas etwa 2200 km und zum französischen Mutterland etwa 6800 km.

Die Angaben zur Fläche unterscheiden sich im Artikel: Genannt werden 1.702 km² für den gesamten Archipel, 1.635,66 km² in den Basisdaten und 1.628,40 km² für das Département in der Verwaltungsübersicht. Guadeloupe besteht aus über 50 Inseln, von denen sechs bewohnt sind. Die wichtigsten sind Basse-Terre (848 km²) und Grande-Terre (590 km²), die durch die etwa 50 m schmale Meerenge Rivière Salée getrennt werden. Hinzu kommen Terre-de-Haut und Terre-de-Bas, Marie-Galante und La Désirade.

Basse-Terre ist bergig und vulkanisch geprägt. Der Vulkan Soufrière ist mit 1.467 m der höchste Berg der Kleinen Antillen. Grande-Terre ist dagegen überwiegend flach und besteht hauptsächlich aus Kalkstein. Die Küstenlänge beträgt 581 km. Die Ausschließliche Wirtschaftszone umfasst 90.570 km².

Guadeloupe liegt am östlichen Rand der Karibischen Platte in einer Subduktionszone. Dabei wird die Südamerikanische Platte unter die Karibische Platte geschoben. Dieser Vorgang verursacht seit Millionen Jahren Vulkanismus und Erdbeben. Basse-Terre und die Îles des Saintes gehören zur jüngeren vulkanischen Inselkette. Grande-Terre, Marie-Galante und La Désirade liegen auf einem älteren, durch Korallen überformten Inselbogen und gehören zum Typ der gehobenen Atolle. Die letzten Ausbrüche der Soufrière fanden 1797, 1837 und 1976–77 statt.

Klima, Natur und Bevölkerung

Guadeloupe besitzt ein tropisches, durch das Meer gemildertes Klima mit hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und viel Regen. Die Trockenzeit reicht von Januar bis Juni, die Regenzeit von Juli bis Dezember. Während der atlantischen Hurrikansaison können tropische Stürme auftreten. Die mittlere Temperatur beträgt 27 °C; auf Meereshöhe liegt sie bei 28 °C. Am Flughafen Pointe-à-Pitre beträgt die mittlere Tageshöchsttemperatur im Jahresmittel 30,5 °C, die mittlere Tagestiefsttemperatur 22,1 °C; der Jahresniederschlag beträgt 1779 mm.

Basse-Terre erhält wegen seiner Berge und der dort abgefangenen Passatwinde deutlich mehr Regen als Grande-Terre. Auf dem Gipfel der Soufrière herrschen Temperaturen von 15 bis 22 °C, Nebel und starke Winde; dort können bis zu 12.000 mm Niederschlag jährlich fallen. Grande-Terre ist trockener und erlebt regelmäßig Dürren.

Basse-Terre ist stark bewaldet. Typisch sind tropischer Regenwald mit Farnen, Baumfarnen, Philodendren und Mahagonigewächsen sowie Mangroven an der Rivière Salée. Auf Grande-Terre wurde der Wald fast vollständig gerodet. In trockenen Gebieten wachsen unter anderem Melocactus intortus.

Zur Tierwelt gehören zahlreiche Insekten, Reptilien, Leguane, Geckos und Anolis. Einige Amphibienarten auf Basse-Terre sind endemisch, kommen also nur dort vor. Zu den wichtigen Vogelarten zählen der Antillenhaubenkolibri, der endemische und vom Aussterben bedrohte Guadeloupespecht, der Braunpelikan und der Prachtfregattvogel. Es gibt schätzungsweise 13 Fledermausarten. Der Guadeloupe-Waschbär ist ein symbolisch wichtiges Säugetier; das Goldaguti ist vom Aussterben bedroht und geschützt.

Die Bevölkerungsangaben weichen je nach Bezugszeitpunkt voneinander ab: Für 2022 werden 395.752 Einwohner genannt, am 1. Januar 2023 384.160. Die Bevölkerungsdichte beträgt in den Basisdaten 235,2 Einwohner je km². Die Bevölkerung wuchs von 210.003 Einwohnern im Jahr 1950 auf 430.718 im Jahr 2010, sank aber bis 2022 auf 395.752. Das Durchschnittsalter betrug 2008 35,6 Jahre. Der Frauenanteil liegt bei 52 %. Rund 90 % der Bevölkerung sind afrikanischer oder gemischter Abstammung; etwa 5 % sind Weiße, Inder, Libanesen oder Chinesen. Die Mehrheit gehört der katholischen Kirche an; daneben gibt es Hindus, Protestanten und Religionen afrikanischen Ursprungs.

Guadeloupe ist Sitz der Université des Antilles mit Standorten in Pointe-à-Pitre, Saint-Claude und Les Abymes. 16 % der erwachsenen Bevölkerung haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Geschichte und Stellung in Frankreich

Die ältesten archäologischen Zeugnisse menschlicher Besiedlung stammen aus der Zeit von 3500 bis 3000 v. Chr. Ab 500 v. Chr. lebten Saladoiden auf den Antillen, ab 600 n. Chr. Arawak und ab dem 9. Jahrhundert Kariben. Die Kariben verdrängten die Arawak teilweise und versklavten Frauen. Berichte über Kannibalismus gelten in vielen Fällen als wissenschaftlich nicht haltbar.

Christoph Kolumbus erreichte den Archipel am 4. November 1493 und nannte ihn Guadalupe. Die Kariben widerstanden zunächst den Spaniern. 1635 kolonisierten die Franzosen Guadeloupe. Die Kolonie wurde zunächst von der Französischen Westindienkompanie und ab 1674 von der französischen Krone verwaltet. Die Kolonialherren bauten eine Plantagenwirtschaft mit Zuckerrohr und Kaffee auf. Für die Plantagenarbeit wurden Menschen aus Afrika im transatlantischen Sklavenhandel nach Guadeloupe verschleppt. Die afrikanischstämmigen Sklaven stellten schließlich die Mehrheit der Bevölkerung.

Während des Siebenjährigen Krieges besetzten britische Truppen Guadeloupe vom 23. April 1759 bis zum 10. Februar 1763. Die Französische Revolution führte im Februar 1794 zur Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien. Großbritannien besetzte die Insel im April 1794, wurde aber im Juni desselben Jahres von französischen Truppen unter Victor Hugues vertrieben. Napoleon Bonaparte führte die Sklaverei am 20. Mai 1802 wieder ein. Widerstand leisteten unter anderem Louis Delgrès und Joseph Ignace. Nach der Revolution von 1848 wurde die Sklaverei durch das Décret d’abolition de l’esclavage vom 27. April 1848 endgültig abgeschafft.

Nach 1848 wurden freie Kontraktarbeiter vor allem aus Indien angeworben. Zwischen 1854 und 1889 kamen insgesamt 42.000 Inder nach Guadeloupe. Ein schweres Erdbeben am 8. Februar 1843 zerstörte Pointe-à-Pitre fast vollständig; die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 6.000 geschätzt.

Am 19. März 1946 wurde Guadeloupe zum französischen Überseedépartement und gilt seither als integraler Bestandteil Frankreichs. Seit den Dezentralisierungsgesetzen von 1982 ist es zugleich eine eigene Region. Département und Region sind deckungsgleiche, aber getrennte Gebietskörperschaften. Saint-Barthélemy und der französische Teil Saint-Martins gehörten bis 2007 zu Guadeloupe und wurden danach als Collectivités d’outre-mer mit erweiterter Autonomie verselbstständigt.

Der Generalstreik von 2009 begann am 20. Januar in Guadeloupe und richtete sich vor allem gegen hohe Preise sowie für eine Erhöhung der Mindestlöhne um 200 Euro. Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen wurde am 4. März 2009 mit dem Accord Bino eine Einigung erzielt; der Streik endete nach fast sieben Wochen.

Politik, Verwaltung und EU-Status

Guadeloupe ist gleichzeitig Überseedépartement und Überseeregion Frankreichs. Alle französischen Gesetze gelten dort, wobei nach Artikel 73 der Französischen Verfassung lokale Besonderheiten berücksichtigt werden können. Die Einwohner wählen wie alle französischen Bürger die französische Nationalversammlung, das Europäische Parlament und den französischen Präsidenten.

Die staatliche Verwaltung wird durch einen Präfekten vertreten. Guadeloupe ist in zwei Arrondissements gegliedert: Basse-Terre mit 18 Gemeinden und 183.264 Einwohnern sowie Pointe-à-Pitre mit 14 Gemeinden und 200.896 Einwohnern, jeweils nach dem Stand vom 1. Januar 2023. Insgesamt gibt es 21 Kantone und 32 Gemeinden. Die Gemeinden sind in sechs kommunalen Zweckverbänden mit eigenen Steuereinnahmen zusammengeschlossen.

Der Départementrat ist das beschlussfassende Organ des Départements und hat 42 Mitglieder. In jedem der 21 Kantone werden zwei Mitglieder gewählt. Präsident des Départementrats ist seit 2021 Guy Losbar. Der Regionalrat hat 41 Mitglieder und wird durch Listenwahl mit Mehrheitsprämie gewählt. Präsident des Regionalrats ist seit 2015 Ary Chalus. Auf nationaler Ebene entsendet Guadeloupe vier direkt gewählte Abgeordnete in die Nationalversammlung und drei indirekt gewählte Senatoren in den Senat.

Die französische Justizordnung gilt auch in Guadeloupe. Vorhanden sind Gerichte des ersten Grades, ein Berufungsgericht auf Département-Ebene und als dritte Instanz die Cour de cassation in Paris.

Als Gebiet in äußerster Randlage gehört Guadeloupe zum Gebiet der Europäischen Union und zum Zollgebiet der Union. Der Euro ist gesetzliches Zahlungsmittel. Guadeloupe gehört jedoch weder zum Mehrwertsteuersystem der EU noch zum Schengen-Raum.

Wirtschaft und Verkehr

Guadeloupe ist wirtschaftlich eng in Frankreich und den EU-Binnenmarkt eingebunden, bleibt aber zur Versorgung mit Konsumgütern und zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben von Importen und französischen Fördermitteln abhängig. Das BIP pro Kopf wird mit 9000 US$ angegeben. Die Arbeitskräftezahl beträgt etwa 130.000, die Arbeitslosenquote 27,8 %, besonders unter Jugendlichen.

Der Dienstleistungssektor dominiert. Nach den Angaben des Artikels entfallen 2,8 % des BIP auf den primären Sektor, 5,7 % auf den sekundären Sektor und 85,2 % auf Dienstleistungen. Bei den Erwerbstätigen liegen die Anteile bei 2,9 %, 14,2 % und 82,9 %.

Im primären Sektor werden vor allem Zuckerrohr und Bananen erzeugt. Zuckerrohr dient der Herstellung von Rohrzucker und Rum. Außerdem werden tropische Früchte, Gemüse, Rinder, Schweine und Ziegen produziert. Zuckerrohr wird teilweise durch Bananen, Auberginen und Blumen ersetzt. Guadeloupe ist dennoch auf importierte Nahrungsmittel angewiesen.

Der sekundäre Sektor umfasst vor allem Zucker- und Rumproduktion, Baugewerbe und Zementherstellung. Die meisten industriell gefertigten Waren und Treibstoffe werden importiert.

Der Tourismus ist ein Schlüsselbereich; die meisten Urlauber kommen aus Frankreich, außerdem besuchen zunehmend Kreuzfahrtschiffe die Inseln. Der internationale Flughafen Pôle Caraïbes liegt bei Pointe-à-Pitre auf Grande-Terre. Pointe-à-Pitre besitzt zudem einen großen Handelshafen mit Kreuzfahrtterminal.

Bananen machen etwa 50 % der jährlichen Exporterlöse aus; weitere Ausfuhrgüter sind Zucker und Rum. 60 % der Exporte gehen ins europäische Frankreich, 18 % nach Martinique und 4 % in die USA. Importiert werden besonders Nahrungsmittel, Treibstoff, Autos, andere Konsumgüter und Baustoffe. Die Einfuhren stammen zu 63 % aus Frankreich, zu 4 % aus Deutschland und zu 3 % aus den USA.

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