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Zeitzone
Eine Zeitzone ist ein sich auf der Erde zwischen Süd und Nord erstreckendes, aus mehreren Staaten (und Teilen von größeren Staaten) bestehendes Gebiet, …
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Grundidee und Definition
Eine Zeitzone ist ein Gebiet, das sich ungefähr von Süd nach Nord über die Erde erstreckt und in dem dieselbe staatlich geregelte Uhrzeit gilt. Diese Uhrzeit heißt Zonenzeit. Eine Zeitzone kann aus mehreren Staaten, Teilen größerer Staaten und zugehörigen Meeresgebieten bestehen.
Das theoretische System beruht auf 24 gleich großen Kugelzweiecken. Jedes erstreckt sich von Pol zu Pol über 15° geografischer Länge und liegt 7,5° zu beiden Seiten seines mittleren Längengrads. Die mittleren Längengrade sind ganzzahlige Vielfache von 15° bezogen auf den Nullmeridian von Greenwich. Jedem Kugelzweieck ist eine der 24 Stunden eines Tages zugeordnet.
In diesem idealen System beträgt der Zeitunterschied zu einer benachbarten Zone ±1 Stunde. An den Grenzen weicht die Zonenzeit höchstens um ±½ Stunde von der mittleren Sonnenzeit ab. Die Zonenzeit entspricht dabei der mittleren Sonnenzeit auf dem Bezugsmeridian in der Mitte des Kugelzweiecks.
Entstehung und historische Einführung
Ursprünglich hatte jeder Ort eine eigene Ortszeit, die sich nach dem Sonnenstand richtete: Wenn die Sonne im Süden ihren höchsten Stand erreicht hatte, war es 12 Uhr. Mit Telegrafie und Eisenbahnen wurde jedoch eine einheitliche Zeit für längere Verkehrs- und Kommunikationsstrecken notwendig. Solche einheitlichen Zeiten hießen Standardzeiten. Häufig übernahm man die Ortszeit einer größeren Stadt, der Hauptstadt oder eines astronomischen Observatoriums.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichte die Telegrafie, eine Standardzeit an Bahnhöfe zu übermitteln. An Bahnhöfen mit mehreren Eisenbahnlinien konnten deshalb verschiedene Zeiten nebeneinander gelten. In Genf zeigten beispielsweise drei Uhren die Pariser Zeit, die Genfer Ortszeit und die Berner Zeit.
Die systematischen Zonenzeiten wurden erstmals 1883 von nordamerikanischen Eisenbahngesellschaften eingeführt. Die USA und Kanada wurden in vier Zonen mit ganzstündigen Unterschieden eingeteilt. Die Bezugsmeridiane lagen bei 75°, 90°, 105° und 120° westlicher Länge. 1884 wurde auf der Internationalen Meridiankonferenz in Washington der Meridian von Greenwich als Nullmeridian vereinbart. Daraus entwickelte sich das weltweite Zeitzonensystem mit 25 auf Greenwich bezogenen Zonenzeiten.
Im Deutschen Reich wurde durch das Zeitgesetz von 1893 die mittlere Mitteleuropäische Zeit (MEZ) als gesetzliche Zeit eingeführt. Zuvor galten unter anderem die Münchner und Berliner Zeit. Die Eisenbahnen hatten die MEZ bereits 1890 als gemeinsame Betriebszeit vereinbart. Baden, Bayern und Württemberg verwendeten sie ab dem 1. April 1892 im Alltag; für das gesamte Reichsgebiet galt sie ab dem 1. April 1893.
In Österreich wurde zunächst die Prager Zeit verwendet. Seit dem 1. August 1872 beruhte die Zeit im Zugverkehr auf dem Wiener Meridian. Die MEZ wurde 1891 im österreichischen Eisenbahn- und Telegraphendienst und 1910 in Wien eingeführt; eine allgemeine gesetzliche Verordnung wie in Deutschland gab es nicht.
In der Schweiz wurde bereits 1848 die Berner Zeit als einheitliche Zeit eingeführt. Am 18. Mai 1894 ordnete der Berner Regierungsrat an, die MEZ zum 1. Juni einzuführen und die öffentlichen Uhren um 30 Minuten vorzustellen. Die anderen Kantone übernahmen den Wechsel zum selben Datum.
Theorie und tatsächliche Zeitzonen
Die tatsächlichen Zeitzonen folgen meist nicht den Meridianen. Staatliche Grenzen verlaufen selten genau in Nord-Süd-Richtung; deshalb haben die Zonen oft unregelmäßige, „ausgefranste“ östliche und westliche Grenzen. Die örtliche mittlere Sonnenzeit kann dadurch mehr als die idealen ±½ Stunde von der gesetzlichen Zonenzeit abweichen.
Staaten wählen außerdem nicht immer die geografisch passende Zonenzeit. Traditionen, wirtschaftliche Interessen und kulturelle Bindungen an Nachbarstaaten können wichtiger sein. Frankreich und Spanien verwenden beispielsweise die MEZ mit dem Bezugsmeridian 15° Ost, obwohl für ihre Lage die Westeuropäische Zeit (WEZ) mit dem Bezugsmeridian 0° besser passen würde. Im Nordwesten Spaniens bei etwa 9° West beträgt die Abweichung der MEZ von der mittleren Sonnenzeit etwa 1 Stunde 36 Minuten. In der Tabelle des Artikels werden unter anderem für Spanien Abweichungen von +0:42h bis +1:38h und für Frankreich von +0:26h bis +1:22h angegeben.
Tatsächliche Zeitzonen können unzusammenhängend sein. China verwendet heute für sein geografisch über fünf 15°-Zonen reichendes Staatsgebiet nur eine gesetzliche Zeit, während andere Gebiete Asiens regulär unterteilt sind. Staaten mit großer Ost-West-Ausdehnung haben meist mehrere Zonenzeiten, etwa die Vereinigten Staaten, Kanada und Russland. In Russland bestanden von 2010 bis 2014 auch doppelt oder mehrfach breite innerstaatliche Zonen. China war dagegen von 1912 bis 1949 in fünf innerstaatliche Zonen eingeteilt.
Einige Staaten verwenden Uhrzeiten zwischen den ganzstündigen Zonen. Beispiele sind Iran (UTC+3:30h), Afghanistan (UTC+4:30h), Indien und Sri Lanka (UTC+5:30h), Nepal (UTC+5:45h), Myanmar (UTC+6:30h), die Chathaminseln (UTC+12:45h) und Teile Neufundlands (UTC−3:30h). Solche Sonderzeiten können geografische, historische oder politische Gründe haben. Gleich breite Kugelzweiecke gibt es als tatsächliche Zeitzonen im Wesentlichen nur über den Ozeanen außerhalb staatlicher Küstengewässer, wo sie etwa von Schifffahrt, Luftfahrt und Militär genutzt werden.
Moderne Zonenzeiten werden auf die Koordinierte Weltzeit (UTC±0) bezogen. Die Greenwich Mean Time kann höchstens 0,9 Sekunden von UTC abweichen. Beispiele für Bezeichnungen sind UTC+1h für die MEZ und UTC−3:30h für die Newfoundland Standard Time. Im Sprachgebrauch werden Zonenzeit und Zeitzone teilweise ungenau gleichbedeutend verwendet.
Zonenzeiten und ihre weltweite Verteilung
Die gesetzlichen Uhrzeiten werden an Land von den einzelnen Staaten festgelegt. International werden sie durch die Zusammenarbeit nationaler und internationaler Zeitinstitute sowie durch zwischenstaatliche Vereinbarungen harmonisiert. Auf den Weltmeeren, im Luftraum und in der Raumfahrt gelten internationale Standards, darunter die aus dem militärischen Bereich stammende NATO-Zeitangabe nach DTG. Auf Schiffen wird die Uhr bei Ost-West-Reisen nach betrieblichen Erfordernissen umgestellt. Meist wird an einem Tag höchstens eine Stunde verändert; die Umstellung kann in mehreren Schritten während der Nacht erfolgen und muss nicht genau beim Überschreiten einer geografischen Zonengrenze stattfinden.
Es gibt mehr als 24 nebeneinanderliegende Zeitzonen. Gründe sind nicht ganzstündige Verschiebungen, die besondere Datumsgrenze und positive Verschiebungen von mehr als 12 Stunden. Stand 23. April 2023 gab es acht halbstündige und drei viertelstündige Zeitzonen. Die Datumsgrenze am 180°-Meridian erzeugte die schmalen Zonen UTC−12 und UTC+12. Beide haben dieselbe Uhrzeit, aber ein anderes Datum. Zusätzlich gibt es UTC+12 3/4, UTC+13 und UTC+14. Dazu gehören unter anderem Samoa, Tonga und der östliche Teil Kiribatis. Dadurch können diese Gebiete als Erste den Beginn eines neuen Jahres feiern.
Typische ganzstündige Zonen sind UTC±0h (WEZ), UTC+1h (MEZ), UTC+2h (OEZ) und UTC+3h. Weiter östlich reichen die Zeiten über UTC+3:30h im Iran, UTC+5:30h in Indien, UTC+8h in China und UTC+9h in Japan und Korea bis UTC+14h in Teilen Kiribatis. Westlich von Greenwich reichen sie von UTC−1h über UTC−5h und UTC−8h bis UTC−12h. Besonders viele Zonenzeiten besitzen Australien, Brasilien, Chile, Frankreich, Indonesien, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Russland, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten, teils wegen ihrer Überseegebiete. Australien hat 3 kontinentale Zonen und 5 Zonen bei Außeninseln; Russland hat 11 Zonen; die Vereinigten Staaten haben 5 Zonen auf dem Festland und 6 außerhalb des Festlandgebiets.
Zonenzeit-Abkürzungen sind nicht verbindlich und können mehrdeutig sein. „ECT“ kann beispielsweise Eastern Caribbean Time (UTC−4h), Ecuador Time (UTC−5h) oder European Central Time (UTC+1h) bedeuten. Einige Uhrenhersteller verwenden dreistellige IATA-Flughafencodes, etwa LAX für die Pacific Standard Time in Kalifornien. In der NATO werden Zeitangaben mit Buchstaben von A bis Z gekennzeichnet.
Politische Entscheidungen, Sommerzeit und historische Daten
Die Wahl einer Zonenzeit kann politisch motiviert sein. Das Gebiet der Europäischen Union verwendet drei Zonenzeiten; die meisten Mitgliedstaaten haben die MEZ. Frankreich nutzt sie seit der deutschen Besatzung 1940, Spanien seit einem Erlass Francos von 1942. Zuvor lag Spanien in derselben Zone wie Portugal. Im Westen Spaniens findet der wahre Mittag dadurch ungefähr um 13:40 Uhr statt. 2013 wurde über eine Rückkehr Spaniens zu UTC±0h diskutiert.
China berührt geografisch die fünf Zonen UTC+5h bis UTC+9h, verwendet aber seit etwa 1949 landesweit UTC+8h. Diese Zeit passt zu Peking und Shanghai; im westlichsten Zipfel liegt der wahre Mittag um 15 Uhr, im östlichsten um 11 Uhr. Nepal verwendet UTC+5:45h, auch um sich vom Nachbarland Indien mit UTC+5:30h abzugrenzen. Venezuela führte am 9. Dezember 2007 UTC−4:30h wieder ein, kehrte aber am 1. Mai 2016 zu UTC−4h zurück. Auch Besatzungen und Annexionen führten zu erzwungenen Zeitwechseln: Frankreich und die Niederlande wurden im Zweiten Weltkrieg auf MEZ umgestellt, Malaysia 1942 von UT+7:30h auf UT+9h und die Krim am 30. März 2014 auf Moskauer Zeit, damals UTC+4h und heute UTC+3h. Nordkorea führte 2015 UTC+8:30h ein und kehrte am 5. Mai 2018 zu UTC+9h zurück.
Bei der Sommerzeit wird in einigen Ländern der gemäßigten Zonen im Frühling die Uhr eine Stunde vorgestellt und im Herbst zurückgestellt. Im deutschsprachigen Raum gilt im Winter die MEZ (UTC+1h), im Sommer die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ, UTC+2h). Die MESZ entspricht der Osteuropäischen Zeit. Die Sommerzeit wurde nicht überall akzeptiert; in der Schweiz wurde sie zunächst in einer Volksabstimmung abgelehnt, später aber eingeführt, um keine Zeitinsel zu bilden. Russland führte 2011 eine ganzjährige Sommerzeit ein, kehrte jedoch im Oktober 2014 zur Normalzeit zurück. Chile beendete 2015 und die Türkei 2016 den Wechsel zur Normalzeit.
Die EU-Länder verwenden dieselben Wechseltermine; in anderen Staaten können die Termine abweichen. Dadurch schwankt der Zeitunterschied zur EU zeitweise um ±1 Stunde. Auf der Südhalbkugel, etwa in Teilen Australiens, finden die Wechsel gegenüber der Nordhalbkugel umgekehrt statt; gegenüber Europa kann sich die Zeitdifferenz dadurch im Jahresverlauf um ±2 Stunden ändern.
Für historische Zeitzonenwechsel werden unter anderem The International Atlas von Thomas Shanks und Rique Pottenger, Edward Whitmans World Time Differences sowie das IATA-Handbuch Standard Schedules Information Manual genutzt. Die Internet Assigned Numbers Authority führt eine stets aktualisierte, maschinenlesbare Liste der Zeitzonen und Sommerzeitregeln einschließlich historischer Regelungen, damit Zeitspannen über Zeitzonenwechsel hinweg korrekt berechnet werden können.
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