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Gstanzl

Das Gstanzl ist eine bayerisch-österreichische Liedform, meist als epigrammartiger Spottgesang. Roider-Jackl-Brunnen auf dem Viktualienmarkt in München …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundform und sprachliche Gestaltung
  2. 2. Gstanzlsingen als gemeinsames Singen
  3. 3. Entwicklung und bekannte Sänger
  4. 4. Tänze, musikalische Formen und Schnaderhüpfl
  5. 5. Weitere moderne Verwendung

Grundform und sprachliche Gestaltung

Das Gstanzl ist eine bayerisch-österreichische Liedform und meist ein epigrammartiger Spottgesang. Typischerweise besteht es aus einem einzigen Vierzeiler. Dabei reimt sich die erste Zeile entweder auf die zweite (Paarreim) oder auf die dritte (Kreuzreim).

Gstanzln stehen vorwiegend im Drei-Viertel-Takt. Ihre Strophen bestehen aus zweigliedrigen, meist acht- oder elfsilbigen jambischen Versen. Auch der Anapäst kommt vor; seine Silbenfolge kurz – kurz – lang erzeugt einen vorwärts drängenden Charakter. Viele alpenländische Lieder setzen sich aus mehreren Gstanzln in fester Folge zusammen. Häufig endet jede Strophe anstelle eines Refrains mit einem Jodler.

Je nach Region gibt es zahlreiche Bezeichnungen, darunter Schnaderhüpfl, Stückl, Possen-, Trutz- und Spitzliedln, Schleifer, Schwatzliedln, G’setzln und Vierzeilige. Ein klassisches Beispiel lautet: „Mei Dirndl haßt Nanderl, hat schneeweiße Zahnderln, / hat schneeweiße Knia, aber gsehgn hab i's nia.“ Die hochdeutsche Bedeutung ist: Das Mädchen hat Sommersprossen, schneeweiße Zähne und Knie, aber der Sprecher hat es nie gesehen.

Gstanzlsingen als gemeinsames Singen

Das Gstanzl ist im alpenländischen Musikraum weit verbreitet. Es wird meist in der jeweiligen Mundart gedichtet und vorgetragen und lebt stark von der konkreten Situation. Gstanzlsingen findet beim privaten oder Wirtshaussingen, bei Feiern, Publikumsveranstaltungen, Sängertreffen und beim Tanz statt.

Die Inhalte reichen von heiteren und ernsten Ereignissen über Gemütsstimmungen und Lebensanschauungen bis zu menschlichen Schwächen. Gstanzln sind meist humoristisch, oft neckend, ironisch oder sarkastisch. Sie können derb, hart oder bösartig, aber auch zart und innig sein.

Meist entstehen sie als gereimte, gesungene Improvisationen. Gute Gstanzlsänger können aus dem Stegreif stundenlang vortragen, ohne sich zu wiederholen. Besonders gelungene Einfälle werden Teil eines mündlich überlieferten Repertoires. Sie werden durch Zuhören und von Generation zu Generation weitergegeben, regional und zeitlich verändert oder an eine neue Situation angepasst. Auch aktuelle und politische Ereignisse werden in neuen Gstanzln scherzhaft beschrieben.

Eine wichtige Gelegenheit ist das Gstanzlsingen auf Bauernhochzeiten in Ober- und Niederbayern. Dort macht sich der Hochzeitslader häufig über das Brautpaar und die geladene Gesellschaft lustig.

Entwicklung und bekannte Sänger

Zu den bekannten Gstanzlsängern gehört Ferdinand Joly, auch Scholli genannt, zu Elsenloh, dem heutigen Tittmoning im Salzachtal. Er dichtete um 1800 eine große Zahl von Spottliedern, die bis heute gesungen werden.

Im 20. Jahrhundert wurde besonders Roider Jackl (1906–1975) durch seine politischen Gstanzln überregional bekannt. In seinem Geburtsort Weihmichl sowie auf dem Münchner Viktualienmarkt und in Freising erinnern Brunnen an den Volkssänger.

Traditionell war das Gstanzlsingen Männern oder Burschen vorbehalten. Heute reimen und singen auch Frauen Gstanzln.

Tänze, musikalische Formen und Schnaderhüpfl

Gstanzln werden typischerweise zu Ländlern, Steirern oder Boarischen gesungen. Die Burschen stehen dabei oft im Kreis und singen gemeinsam. Ein meist erfahrener Tänzer als Vorsinger beginnt mit der ersten Zeile; die anderen fallen ein.

Im Salzkammergut steht der Landler beispielsweise im 2/4-Takt, der Steirer im achttaktigen 3/4-Takt und der Waldhansl im Walzertakt. Zum Gstanzlsingen gehören außerdem Jodeln und Paschen, also rhythmisches gemeinsames Klatschen, das besonders im Ausseerland im steirischen Salzkammergut gepflegt wird. Ein typischer steirischer Ablauf ist: Singen – einmal Paschen – Singen – zweimal Paschen – Singen – Jodeln – dreimal Paschen. Sänger und Zuhörer können das Geschehen durch Juchitzer, melodiöse Schreie, begleiten oder kommentieren.

Ein Schnaderhüpfel im engeren Sinn ist eine improvisierte Gedicht-Serie aus jeweils einer Strophe, die mit einer von vielen möglichen Melodien gesungen wird. Eine Person oder Partei trägt ein Gstanzl vor, eine andere antwortet häufig mit einem spontan gedichteten Gegengstanzl. Dabei wird Schlagfertigkeit im wechselseitigen Singen gezeigt. Die Texte sind meist humorvoll, frech oder provokant. In Bayern und Österreich gibt es Gstanzlsängertreffen, bei denen sich Sänger gegenseitig aussingen. Bei Hochzeiten kann der Hochzeitslader Geschenke besingen, worauf der Geber antwortet. Eine entsprechende Form ist im russischen Kulturkreis unter der Bezeichnung častuška bekannt.

Das Buch „Gstanzln aus dem Salzkammergut“ enthält 730 Vierzeiler aus dem Ausseerland sowie humorvolle „Zwölf Gebote für Ansingen und Paschen“. Ein Beispiel für ein Schnaderhüpfel lautet: „Jetzt bist du verheirat’ / Jetzt bist du ein Mann / Jetzt schaut dich dein’ Lebtag’ / Ka Madel mehr an“.

Weitere moderne Verwendung

Die fränkische Fun-Metal-Band J.B.O. veröffentlichte die beiden Titel „Medtl-Gschdanzl'97“ und „Medtl-Gschdanzl“. Beide sind Gstanzl-Stücke im Heavy-Metal-Stil.

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