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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Vierzeiler

Die vierzeiligen Reimschemata sind dementsprechend auch sämtlich sehr verbreitet. Die drei wichtigsten sind dabei der Paarreim [aabb] , der Kreuzreim [abab] …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Grundformen
  2. 2. Häufigkeit und Einteilung im Deutschen
  3. 3. Zwei- und dreihebige Formen
  4. 4. Vierhebige Form

Definition und Grundformen

Ein Vierzeiler, auch Quartett, Quartine, Quatrain oder selten Tetrastichon genannt, ist in der Verslehre eine Strophe oder ein Gedicht aus vier Versen. Er ist die häufigste Strophenform überhaupt und tritt in zahlreichen Varianten auf.

Die wichtigsten Reimschemata sind der Paarreim aabb, der Kreuzreim abab und der umarmende Reim abba. Ebenfalls häufig ist xaxa: Dabei sind der erste und dritte Vers reimlos, während sich der zweite und vierte Vers reimen. Dieses Schema entstand oft dadurch, dass zwei Langzeilen in vier kürzere Verszeilen aufgeteilt wurden. Die reimlosen Anverse der Langzeilen erscheinen dann als Waisenzeilen x, die gereimten Abverse als zweiter und vierter Vers. Bei derselben Form kann das Schema zwischen xaxa und dem Kreuzreim abab wechseln oder nicht eindeutig zuzuordnen sein. Seltener kommen vollständig reimlose Vierzeiler xxxx und Vierzeiler mit durchgängig gleichem Reim aaaa vor.

Spezifische Vierzeilerformen gibt es in vielen Dichtungstraditionen. Dazu gehören beispielsweise die asklepiadeischen, glykoneischen und sapphischen Strophen der griechischen Antike, die ambrosianische Hymnenstrophe der lateinischen Dichtung, die englische Chevy-Chase-Strophe und das Common measure, die französische Contrerime, die spanische Redondilla und das persische Rubāʿī. In der mittelhochdeutschen Dichtung finden sich unter anderem Reimpaarstrophe und Otfridstrophe; regionale Formen in Süddeutschland und Österreich sind Gstanzl und Schnaderhüpfel.

Häufigkeit und Einteilung im Deutschen

Auch in der deutschen Dichtung ist der Vierzeiler die häufigste Strophenform. Bei Frank sind 42 % der aufgeführten Formen vierzeilig; zugleich bestehen 60 % der untersuchten Gedichte aus Vierzeilern. Frank unterscheidet 126 Formen, Schlawe führt 1205 metrische Varianten auf.

Zur Übersicht werden Vierzeiler nach der Zahl ihrer Hebungen geordnet. Eine Hebung ist eine metrisch betonte Silbe im Vers. Die Anteile betragen: zwei Hebungen 2,3 %, drei Hebungen 21,9 %, vier Hebungen 50,3 %, fünf Hebungen 21,4 %, sechs Hebungen 3,6 %, sieben Hebungen 0,1 % und acht Hebungen 0,4 %. Damit ist etwa die Hälfte der Vierzeiler vierhebig; jeweils ungefähr ein Fünftel ist drei- beziehungsweise fünfhebig. Nur jeder Tausendste ist siebenhebig.

Bei den Reimschemata führen xaxa und abab zusammen mit 41,7 %. Der Paarreim aabb erreicht 31,9 %; dabei ist eine zusätzliche Verbindung zwischen den Verspaaren nötig, weil die Strophe sonst in zwei selbstständige Reimpaare zerfällt. Der vor allem in der Kunstdichtung verwendete umarmende Reim abba kommt auf 20,9 %. Deutlich seltener sind reimlose Vierzeiler xxxx mit 4,4 % und der durchgängige Reim aaaa mit 1,1 %. Zu den reimlosen Formen zählen auch Nachbildungen antiker Strophen wie der sapphischen Strophe.

Zwei- und dreihebige Formen

Zweihebige Vierzeiler sind mit einem Anteil von 2,3 % relativ selten. Fast alle zeigen durch abab oder xaxa ihre Nähe zur Langzeile. Bei einer der häufigeren Formen setzt sich außerdem der daktylische Rhythmus über das Versende hinweg fort. Als Beispiel nennt der Artikel Brentanos Verse „Die Klage, sie wecket / Den Toten nicht auf, / Die Liebe nur decket / Den Vorhang Dir auf.“

Zu den dreihebigen Vierzeilern gehört nach Frank die zweithäufigste deutsche Strophenform: kreuzgereimte jambische Dreiheber mit abwechselnd weiblichem und männlichem Versschluss. Ein Jambus besteht aus einer unbetonten und einer betonten Silbe. Eine weibliche Kadenz endet unbetont, eine männliche Kadenz betont. Bekannte Beispiele sind Wilhelm Müllers „Am Brunnen vor dem Tore“ und Goethes „Es war ein König in Thule“. Historisch wird diese Form von Hildebrandston und Heunenweise abgeleitet.

Das trochäische Gegenstück beginnt jeweils mit einer betonten Silbe und besitzt ebenfalls Kreuzreim sowie wechselnde Kadenzen. Es erscheint in Liedern wie „Alle meine Entchen“ und „Spannenlanger Hansel“, ist insgesamt aber deutlich seltener. Bekannter wurde es durch das Lied des Knaben Walter in Schillers „Wilhelm Tell“: „Mit dem Pfeil, dem Bogen / Durch Gebirg und Tal / Kommt der Schütz gezogen / Früh am Morgenstrahl.“

Seltenere jambische Varianten beginnen mit männlicher und wechseln dann zur weiblichen Kadenz, besitzen durchgängig männliche Versschlüsse oder enden durchgängig weiblich. Als Beispiele werden unter anderem Justinus Kerners „Sehnsucht“, Friedrich Hebbels „Winterreise“, Eduard Mörikes „Früh im Wagen“, Paul Gerhardts „Wach auf, mein Herz, und singe“ und Theodor Storms „Wir saßen vor der Sonne“ genannt.

Vierhebige Form

Die häufigste deutsche Strophenform überhaupt ist der Vierzeiler aus vollständigen jambischen Vierhebern mit Paarreim. Jeder Vers besitzt somit vier jambische Hebungen, und die Verse reimen sich nach dem Schema aabb.

Nach Frank beruht die scheinbare Vorherrschaft dieser einfachen Form hauptsächlich auf ihrer großen Beliebtheit in der frühen Neuzeit. Vor 1600 beträgt ihr Anteil knapp 25 %; danach sinkt er stetig und liegt in der Zeit nach 1830 nur noch bei etwa 2–3 %.

Die Form geht auf die spätantike ambrosianische Hymnenstrophe zurück und erscheint im deutschen Kirchenlied des 14. und 15. Jahrhunderts. Während der Reformation wurde sie besonders wichtig. Martin Luther verwendete sie sowohl in eigenen Liedern als auch bei Übersetzungen altkirchlicher Hymnen, beispielsweise „Der du bist drei in Ewigkeit“ und „Christum wir sollen loben schon“. Das wohl bekannteste Beispiel ist sein Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ mit den paarweise gereimten Versen: „Vom Himmel hoch, da komm ich her. / Ich bring’ euch gute neue Mär, / Der guten Mär bring ich so viel, / Davon ich singn und sagen will.“

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