Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Liedform
Als Liedform bezeichnet man die einfachste musikalische Satzform. Der Begriff leitet sich vom gesungenen Volkslied ab. Er wurde 1839 von Adolf Bernhard Marx …
Inhalt4 Abschnitte
Begriff und Grundidee
Die Liedform ist die einfachste musikalische Satzform und ein Begriff aus der musikalischen Formenlehre. Sie beschreibt den Aufbau eines musikalischen Satzes und ist nicht auf gesungene Lieder beschränkt: Auch Instrumentalmusik und strophische Gedichte können in Liedform gestaltet sein. So sind etwa viele langsame Sätze in Sonaten und Sinfonien in Liedform komponiert. Die Liedform ist vom Lied im engeren Sinn zu unterscheiden, das beispielsweise aus mehreren Strophen und einem Kehrvers bestehen kann.
Man unterscheidet einteilige, zweiteilige und dreiteilige Liedformen. Die Buchstaben A, B und A' bezeichnen dabei musikalische Abschnitte; A' steht für eine veränderte Wiederholung von A.
Einteilige Form
In der einteiligen Liedform wird nur ein einziges musikalisches Motiv ausgeführt, bevor die Melodie zur Tonika zurückkehrt. Die Tonika ist die Grundtonart beziehungsweise der harmonische Zielpunkt eines Stücks.
Das Motiv kann aus zwei oder drei Teilen bestehen. Diese können Wiederholungen sein, gegebenenfalls mit verändertem Schluss. Bei zwei Satzgliedern sind unter anderem die Gliederungen a – a, a – a' und a – b möglich. Bei drei Satzgliedern kommen beispielsweise a – a – a, a – a – b und a – b – c vor.
Zweiteilige Form
Die zweiteilige Liedform besteht aus zwei deutlich voneinander abgehobenen Abschnitten. Der erste Abschnitt endet oft auf der Dominante, also auf dem harmonischen Gegenpol zur Tonika. Der zweite Abschnitt führt dagegen zur Tonika zurück.
Mögliche Abläufe sind A – A, A – A' und A – B. Diese Form bildet die Grundlage für die meisten Tänze und Märsche.
Dreiteilige Form und Unterformen
Die dreiteilige Liedform folgt häufig dem Ablauf A – B – A: Auf einen Anfangsteil folgt ein kontrastierender Mittelteil, danach wird der Anfangsteil wiederholt. Sie findet sich unter anderem im zweiten Satz der Klaviersonate sowie in Sinfonie und Sonate im Scherzo und Menuett; häufig stehen auch langsame Sätze in dieser Form. Außerdem ist sie typisch für viele Volks- und Kinderlieder, etwa „Alle Vögel sind schon da“, „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ und „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“.
Wichtige Unterformen sind:
- Die Bogen- oder Brückenform: A – B – A oder A – B – A'; gegebenenfalls mit Wiederholung: |: A :||: B – A :|. In der Instrumentalmusik bildet sie beispielsweise die Grundlage für ein Menuett mit einem Trio als Mittelteil.
- Die Barform oder Kanzonenform: Stollen – Stollen – Abgesang, also A – A – B. Sie war besonders im Minnesang und Meistersang häufig.
- Die Gegenbarform: A – B – B.
- Die Reprisenbarform oder Rundkanzone: Nach dem Abgesang wird der Stollen identisch oder verändert wiederholt. Mögliche Abläufe sind A – A – B – A, A – A' – B – A und A – A' – B – A". Diese Form kommt häufig in Popmusik und Jazz vor und wird deshalb auch Songform genannt.