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Grenzpreis (Wirtschaft)
Als Grenzpreis (englisch marginal price) wird in den Wirtschaftswissenschaften jener Preis genannt, den ein Verkäufer mindestens verlangen sollte oder den …
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Bedeutung des Grenzpreises
Der Grenzpreis (englisch marginal price) ist in den Wirtschaftswissenschaften der Preis, den ein Verkäufer mindestens verlangen sollte oder den ein Käufer höchstens zu zahlen bereit ist. Er beschreibt damit die persönliche Grenze, bis zu der eine Transaktion noch sinnvoll ist. Da Käufer und Verkäufer meist verhandeln können, bestehen zwischen ihren Grenzpreisen mögliche Verhandlungsspielräume.
Wie bei Grenzertrag, Grenzgewinn, Grenzkosten, Grenznutzen und Grenzprodukt kann der Begriff auch auf die nächste Einheit bezogen werden: Dann ist der Grenzpreis der Preis für das nächste zu kaufende Produkt oder die nächste Dienstleistung.
Vorteilhaftigkeit für Käufer und Verkäufer
Für den Verkäufer ist der Grenzpreis der Preis, bei dem ein Verkauf weder vorteilhaft noch nachteilig ist. Ein höherer erzielter Preis macht den Verkauf vorteilhaft, ein niedrigerer nachteilig. Der Grenzpreis wirkt somit als Preisuntergrenze. Der Verkaufspreis führt beim Verkäufer zu Umsatzerlösen, also Erträgen oder Faktoreinkommen.
Für den Käufer ist der Preis eine Kostenposition, etwa Anschaffungs- oder Faktorkosten, die Nutzen stiften soll. Übersteigt der Nutzen den Preis, ist der Kauf vorteilhaft; liegt der Nutzen darunter, ist er nachteilig. Ein negativer Grenznutzen wird als „Übel“ bezeichnet. Grenzpreise sind unter anderem bei Unternehmensbewertung, Unternehmenskäufen und an der Börse wichtig.
Individueller Grenzpreis und Entscheidungen
Ein errechneter Marktwert allein liefert keine rationale Kauf- oder Verkaufsempfehlung, wenn er nicht dem individuellen Grenzpreis entspricht. Beispiel Käufer: Bei einem aktuellen Marktpreis von 100 Geldeinheiten und einem errechneten Marktwert von 105 könnte dies auf Unterbewertung und damit auf „Kaufen!“ hindeuten. Liegt der individuelle Grenzpreis des Käufers aber bei 95, soll er nicht kaufen, sondern die Alternative wählen. Ein Kauf zu 100 wäre irrational, weil die bessere Alternative zu 95 nicht gewählt werden kann.
Entsprechend beim Verkäufer: Bei Marktpreis 100 und errechnetem Marktwert 95 könnte eine Überbewertung für „Verkaufen!“ sprechen. Liegt sein individueller Grenzpreis jedoch bei 105, soll er nicht verkaufen und die Alternative wählen. Käufer und Verkäufer beurteilen ein Handelsobjekt daher nach ihren jeweils eigenen Alternativen und Zielsetzungen.
Unternehmenskauf und Aktienhandel
Manfred Jürgen Matschke nennt den Grenzpreis beim Unternehmenskauf Entscheidungswert. Dieser ist ein Komplex von Bedingungen, die bei einer Einigung eingehalten werden müssen, damit das Entscheidungssubjekt nach Durchführung der Handlung keinen geringeren Grad der Zielerfüllung erreicht als ohne diese Handlung. Ob der Grenzpreis eines Asset Deal größer, kleiner oder gleich dem eines Share Deal ist, lässt sich nur anhand vieler Fälle unter Berücksichtigung der Besteuerung ermitteln.
Grenzpreise zeigen die Grenze der Konzessionsbereitschaft in Verhandlungen; diese Grenzen unterscheiden sich zwischen den Beteiligten. Ein Unternehmenskauf kommt nur zustande, wenn der subjektive Grenzpreis des potenziellen Käufers höher ist als der subjektive Grenzpreis des potenziellen Verkäufers.
Der Aktienkurs ist ein objektiver, markträumender Gleichgewichtspreis. Er fasst die subjektiven Grenzpreise vieler Anleger mit unterschiedlichen, oft gegensätzlichen Erwartungen zu einem Konsenspreis zusammen. Er ist nicht der Preis für das gesamte Unternehmen beziehungsweise seine gesamte Marktkapitalisierung, sondern der Grenzpreis für die zuletzt an einem Handelstag gehandelte Aktie.
Grenzpreise im Polypol
Ein Polypol ist eine Marktform mit vielen Anbietern und Nachfragern. Bei heterogenen Produkten oder Dienstleistungen kann auf unvollkommenen Märkten ein monopolistischer Bereich entstehen. Er wird durch einen oberen und einen unteren Grenzpreis gekennzeichnet: Innerhalb dieses Preisintervalls führen Preis- beziehungsweise Mengenänderungen nicht zu Nachfrageänderungen. Erst oberhalb des oberen Grenzpreises wandern Nachfrager ab; bei einem Preis unterhalb des unteren Grenzpreises steigt die Nachfrage.