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Schwarzer Donnerstag

Dieser Börsencrash gilt als Auslöser der Great Depression in den USA und der Weltwirtschaftskrise. Die folgende Baisse erreichte erst 1932 ihren endgültigen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Ereignisses
  2. 2. Namen und Datierung
  3. 3. Vorgeschichte der Spekulationsblase
  4. 4. Ablauf des Zusammenbruchs
  5. 5. Wirtschaftliche Folgen
  6. 6. Regeln nach dem Crash

Kern des Ereignisses

Der Schwarze Donnerstag bezeichnet den 24. Oktober 1929 und den damit verbundenen schwersten Börsenkrach der Geschichte. In den USA heißt das Ereignis Black Thursday, in Europa wird es oft Schwarzer Freitag genannt. Der Crash an der New York Stock Exchange gilt als Auslöser der Great Depression in den USA und der Weltwirtschaftskrise. Die anschließende Baisse, also eine längere Phase fallender Börsenkurse, erreichte erst 1932 ihren endgültigen Tiefpunkt.

Schon in den Wochen vor dem 24. Oktober war der Dow-Jones-Index deutlich gefallen, nachdem er jahrelang stark gestiegen war. Am 24. Oktober brach unter den Anlegern Panik aus. Viele verkauften ihre Aktien, die Kurse stürzten, und zahlreiche Anleger waren nach Börsenschluss hoch verschuldet. Der Crash dauerte mehrere Tage an. Besonders bekannt wurde auch der Schwarze Dienstag, der 29. Oktober 1929, als viele Investoren gleichzeitig versuchten, ihre Aktien zu verkaufen.

Namen und Datierung

In Europa wird dasselbe Ereignis häufig Schwarzer Freitag genannt. Als Begründung wird oft genannt, dass die Nachricht vom Crash in Amerika wegen der Zeitverschiebung erst nach der abendlichen Schließung der europäischen Börsen eintraf und daher erst am nächsten Tag Panik an den europäischen Aktienmärkten auslöste.

Die Bezeichnung kann leicht verwechselt werden: An der Berliner Börse hatte es schon am Freitag, dem 13. Mai 1927, einen deutlichen Einbruch beim Aktienindex des Statistischen Reichsamtes gegeben, der ebenfalls als schwarzer Freitag bezeichnet wird. In den USA steht Black Friday außerdem für den Börsencrash vom 24. September 1869.

Als Beginn des Crashs von 1929 wird oft der 29. Oktober 1929 wahrgenommen, der Schwarze Dienstag oder Black Tuesday. Im englischen Sprachraum ist besonders dieser Black Tuesday sprichwörtlich geworden.

Vorgeschichte der Spekulationsblase

Dem Crash ging eine Spekulationsblase voraus. Eine Spekulationsblase entsteht, wenn Preise stark steigen, weil viele Käufer auf weitere Gewinne hoffen, obwohl die Werte nicht mehr durch die wirtschaftliche Lage gedeckt sind. In den 1920er Jahren schien die Hausse, also der starke Aufwärtstrend der Kurse, unaufhaltsam. Der Dow Jones stieg bis auf 331 Punkte; 1923 hatte er noch bei ungefähr 100 Punkten gelegen. Man sprach von eternal prosperity, also „ewigem Wohlstand“.

Nicht nur Großanleger und Firmen spekulierten, sondern auch viele Kleinanleger. Millionen Menschen nahmen kurzfristig hohe Kredite auf, um Aktien zu kaufen. Oft dienten nur die Aktien selbst als Sicherheit. Die Hoffnung war, die Kredite später mit Kursgewinnen zurückzahlen zu können. Eine Börsenaufsicht und viele heute übliche Gesetze zur Regulierung gab es damals noch nicht.

Es gab Warnungen, zum Beispiel von Roger Babson, doch sie wurden als Schwarzmalerei abgetan. Viele Wirtschaftsführer und Wirtschaftswissenschaftler glaubten noch Mitte Oktober an einen weiteren Anstieg. Der Wirtschaftsprofessor Irving Fisher sagte am 16. Oktober: „Es sieht so aus, als ob die Aktien ein dauerhaftes Hochplateau erreicht haben“. Die Presse war uneinheitlich: Die New York Times warnte, während das Wall Street Journal und die New York Daily Times weitere Kurssteigerungen erwarteten. Später wurde nachgewiesen, dass zwei Reporter der New York Daily Times Geld von Börsenspekulanten erhalten hatten.

Als der Dow Jones im Oktober 1929 deutlich fiel, wuchs die Nervosität. Viele Anleger erkannten, wie groß ihr Risiko war. Bis zum 19. Oktober hatte der Dow Jones 15 Prozent verloren. Banken und Investmentfirmen begannen mit Stützungskäufen, also Käufen zur Stabilisierung der Kurse.

Ablauf des Zusammenbruchs

Bereits im September 1929 hatte es einen kleineren Zusammenbruch gegeben. Die Fed hatte die Spekulationsblase erkannt und den Zinssatz von 5 % auf 6 % erhöht. Erfahrene Börsenmakler sahen darin ein Zeichen, dass die Blase geplatzt war, und zogen Kapital ab. Dadurch stieg die Volatilität, also die Schwankungsstärke der Kurse. Mitte Oktober stiegen die Aktienkurse nicht mehr. Viele kleine Aktionäre merkten, dass sie ihre Kredite so nicht zurückzahlen konnten. In der Woche vor dem eigentlichen Crash herrschten Hektik und Angst; Makler arbeiteten bis tief in die Nacht, und die Polizei sperrte vorsorglich die Gegend um die New York Stock Exchange ab. Am 23. Oktober lag der Dow Jones nur noch knapp über 300 Punkten.

Am 24. Oktober begann der Handel zunächst ruhig. Gegen 11 Uhr änderte sich die Lage schlagartig, ohne klar erkennbaren Auslöser. Als möglicher Auslöser wird der Bankrott des Londoner Spekulanten Clarence Hatry genannt, weil dadurch britisches Kapital von der Wall Street abgezogen wurde. Massive Verkäufe ließen die Kurse stark fallen. Viele Händler wurden angewiesen, zu jedem Preis zu verkaufen; der Handel brach mehrfach zusammen. Zwei Stunden später war der Gesamtwert der börsennotierten Unternehmen um 11 Milliarden US-Dollar gefallen, etwa 1,5 % des damaligen Jahres-Bruttosozialproduktes der USA.

Banken versuchten, die Stimmung durch beruhigende Meldungen und Stützungskäufe zu stabilisieren. Richard Whitney, damals Vizepräsident und später Präsident der New Yorker Börse, kaufte im Auftrag der Banken und des Verwaltungsrates mehrere wichtige Aktien über dem aktuellen Marktpreis. Zunächst wirkte das: Der Handel schloss mit einem Verlust von nur 2,1 % bei 299 Punkten. Es wurden über 13 Millionen Aktien gehandelt, mehr als viermal so viele wie an einem normalen Tag.

Am Freitag setzte sich der Trend fort. Die Nachricht erreichte nun auch Europa. Die europäischen Märkte reagierten zunächst eher optimistisch, weil man erwartete, dass amerikanische Kreditgeber ihr Geld künftig wieder nach Europa verleihen würden, statt es an der Wall Street zu investieren. Die US-Banken stützten den Markt weiter und erreichten an diesem Tag sogar ein kleines Plus, trotz eines Handelsvolumens von 8 Millionen Aktien und Verlusten einzelner Aktien von bis zu 30 %.

Endgültig brach der Markt am darauffolgenden Dienstag zusammen. Die Kurse waren inzwischen so weit gefallen, dass viele Kredite nicht mehr ausreichend gedeckt waren. Banken forderten ihr Geld zurück und zwangen Anleger häufig, die als Sicherheit hinterlegten Aktien zu verkaufen. Dadurch kam es zu noch mehr Verkäufen zu jedem Preis. Der Dow Jones fiel auf 260 Punkte, und der Kurswert der Unternehmen sank um weitere 14 Milliarden Dollar. Am folgenden Dienstag stieg das Handelsvolumen auf 16,5 Millionen Aktien; manche Aktien waren um 99 % gefallen. Einige Anleger nahmen sich das Leben, doch eine Selbstmordwelle nach dem Crash ist geschichtlich nicht belegt. John Kenneth Galbraith zeigte in The Great Crash 1929, dass die Zahl der Selbstmorde im Oktober und November 1929 deutlich niedriger war als in den Sommermonaten, als die Börse noch boomte.

Wirtschaftliche Folgen

Die Kurse fielen noch etwa drei Wochen weiter. Erst am 15. November setzte eine Seitwärtsbewegung ein; der Dow Jones stand bei etwa 180 Punkten. Einige glaubten, der Tiefpunkt sei erreicht, und kauften wieder riskant Aktien. Doch die Kurse fielen weiter. Erst im Sommer 1932 wurde der Tiefpunkt bei 41 Punkten erreicht, demselben Wert wie am 26. Mai 1896, dem Tag der Erstveröffentlichung des Dow-Jones-Index.

Viele Anleger blieben hoch verschuldet zurück. Auch Firmen waren betroffen: Einige mussten Konkurs anmelden, andere hatten Kredite mit eigenen Aktien abgesichert und gerieten dadurch in Schwierigkeiten. Es kam zu Massenentlassungen, und die Arbeitslosigkeit breitete sich aus. Neben den direkten Kapitalverlusten erschwerte vor allem der Vertrauensverlust der Anleger eine wirtschaftliche Erholung.

Die von der Fed nach dem Schwarzen Donnerstag veranlasste Geldverknappung um über 30 % verschärfte die Krise weiter. Ökonomen wie Milton Friedman, Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften, analysierten diese Geldverknappung als Katalysator für die anschließende Depression.

Auch in Europa brachen Aktienmärkte zusammen. Vermögen wurden vernichtet, Unternehmen mussten aufgeben. Viele europäische Länder hatten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges Schulden in den USA, und die USA zogen nun Geld ab. Die Weltwirtschaftskrise setzte ein. Amerika war gemessen am Bruttosozialprodukt am stärksten betroffen; es brach in dieser Zeit um 28 % ein.

Deutschland wurde am zweithärtesten getroffen. Das Land war noch hoch verschuldet aus dem Ersten Weltkrieg und durch die im Vertrag von Versailles festgelegten Reparationszahlungen belastet. Die Regierung Heinrich Brünings setzte auf harte Sparpolitik. Die Nachfrage brach ein, und eine Deflation entstand, also ein allgemeiner Rückgang der Preise. Die Arbeitslosigkeit stieg bis 1933 auf über 30 %, mehr als in den Vereinigten Staaten während der Krise. Nach der gerade überwundenen Hyperinflation von 1914 bis 1923 geriet Deutschland erneut in eine schwere Krise. Extremistische Parteien erzielten Wahlerfolge. Die Weltwirtschaftskrise galt erst 1933 als überwunden, als Adolf Hitler bereits an der Macht war.

Regeln nach dem Crash

Das Vertrauen der Kleinanleger in die Finanzmärkte war dauerhaft erschüttert. Erst in den 1970er-Jahren brachten sie wieder relevante Geldmengen an die Börse. Auch Großanleger waren schockiert. Der Dow Jones erreichte erst 1954 wieder seinen früheren Höchststand.

Der Börsenkrach, seine Vorgeschichte und die Frage nach der Schuld führten zu Kritik an der „Alten Garde“, also den Brokern und wohlhabenden Börsenmitgliedern. Besonders Richard Whitney, der inzwischen Präsident der Börse geworden war, stand im Blickpunkt. Der Kongress richtete einen Untersuchungsausschuss ein, um Gesetze zur Regulierung der Spekulation vorzubereiten und eine Wiederholung eines solchen Crashs zu verhindern. Whitney musste dort zwischen 1932 und 1935 mehrfach aussagen.

Aus den Erfahrungen des Schwarzen Donnerstags entstanden später Börsenregeln, die bei extremem Kursverfall den Handel zeitweise aussetzen sollen. Ziel ist es, Panik zu begrenzen. Dazu kamen weitere Beschränkungen, etwa zur Kreditfinanzierung von Aktiengeschäften. Spätere Börsencrashs waren deshalb weniger dramatisch als der Schwarze Donnerstag.

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