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Vermögensverteilung
Die Vermögensverteilung beschreibt in der Wirtschaftswissenschaft die Verteilung des Vermögens in regionaler, nationaler oder globaler Hinsicht. ... Lorenzkurve ( …
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Begriff und Formen der Vermögensverteilung
Vermögensverteilung beschreibt in der Wirtschaftswissenschaft, wie Vermögen regional, national oder weltweit verteilt ist. Vermögen einer natürlichen Person sind Güter mit ökonomischem Wert, die sie besitzt. Einkommen dagegen ist der Zustrom solcher Güter innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Vermögen sind national und weltweit ungleicher verteilt als Einkommen; zugleich werden staatliche und private Pensionszusagen in den üblichen Berechnungen nicht berücksichtigt.
Die sektorale Vermögensverteilung ordnet das Gesamtvermögen einer Volkswirtschaft Wirtschaftssektoren zu, etwa Privathaushalten, Unternehmen, Staat, Inländern und Ausländern sowie Wirtschaftszweigen. Die personale Vermögensverteilung untersucht dagegen einzelne Personen oder Gruppen. Sie kann nach Vermögenshöhe, Alter, Generation, Qualifikation, Geschlecht, Staaten und Regionen, Vermögensarten oder sozioökonomischen Gruppen gegliedert werden. Ziel der Vermögenspolitik ist die Beeinflussung der personalen Verteilung.
Bei der Vermögensschichtung werden Haushalte oder Personen etwa in Quartile, Quintile oder Dezile eingeteilt. Im untersten Dezil liegen die 10 % mit dem geringsten, im obersten die reichsten 10 %. Häufig zeigt sich eine Konzentration in den oberen Quantilen. Die Lorenz-Kurve ist eine verbreitete grafische Darstellung solcher Ungleichheit.
Messung und Grenzen der Daten
Das wichtigste Ungleichverteilungsmaß ist der Gini-Koeffizient zwischen 0 und 1: 0 bedeutet vollständige Gleichverteilung, 1 vollständige Ungleichverteilung, bei der eine Person alles besitzt. Weitere Maße sind die Hoover-Ungleichverteilung als Abweichung vom Mittelwert, der Theil-Index und das Atkinson-Maß.
Vermögen lässt sich oft nur unvollständig erfassen. Schwierig sind die Bewertung von Sachwerten und Betriebsvermögen, die geringe Teilnahmebereitschaft bestimmter Gruppen sowie besonders hohe Vermögen. Häufig fehlen oder sind schwer schätzbar: Bodenschätze, Grund und Boden, Kunstwerke, Gebrauchsvermögen privater Haushalte, Patente und Lizenzen, Arbeitsvermögen sowie Rentenanwartschaften. Das erschwert auch internationale Vergleiche: In den USA wird kapitalgedeckte Altersvorsorge als Vermögen gezählt, deutsche gesetzliche Rentenanwartschaften im Umlageverfahren dagegen nicht.
Vermögen kann zudem in Bankkonten, Trusts oder Unternehmen an Offshore-Finanzplätzen verborgen sein. Wenn die wirtschaftlich Berechtigten nicht identifiziert werden, erscheinen Vermögen und Erträge nicht in Ungleichheitsstatistiken. Laut Text gehören rund 80 % des Offshore-Vermögens den reichsten 0,1 % der Haushalte weltweit, etwa 50 % den obersten 0,01 %. Deshalb ist die tatsächliche Ungleichheit vermutlich höher als offizielle Zahlen ausweisen.
Weltweite Konzentration und Pandemie
Die weltweite Vermögensungleichheit nahm laut Artikel in den letzten 20 bis 30 Jahren zu. Für 2000 wurde ein globaler Gini-Koeffizient von 0,892 angegeben: Das reichste 1 % besaß 40 % des Weltvermögens, die reichsten 10 % 85 % und die ärmeren 50 % nur 1 %.
Oxfam berechnete für 2014, dass die 85 reichsten Menschen so viel Vermögen besaßen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also 3,5 Milliarden Menschen. 2016 waren es 62 reichste Menschen. Als wichtigen Grund nannte Oxfam Steueroasen. Für 2021 nennt der Global Wealth Report von Credit Suisse ein globales Vermögen von rund 464 Billionen US-Dollar. Das reichste 1 % besaß 46 %, die reichsten 10 % etwa 82 %. Für die obersten 10 % waren 124.876 € nötig, für das oberste 1 % 893.338 €. Weltweit gab es 62,5 Millionen US-Dollar-Millionäre, darunter 2,5 Millionen in Deutschland; sie verfügten zusammen über 221,7 Billionen US-Dollar. 2023 hielten 2.640 US-Dollar-Milliardäre zusammen etwa 12,2 Billionen US-Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.
Unter Einbezug versteckten Finanzvermögens wird die Konzentration noch stärker eingeschätzt: Für 2010 kontrollierten etwa 90.000 Personen beziehungsweise 0,001 % der Weltbevölkerung etwa 30 % des Finanzvermögens. Weniger als 9 Millionen Menschen beziehungsweise etwa 0,1 % besaßen über 80 % des weltweiten Finanzvermögens.
Nach Oxfam lebten zwischen März 2020 und November 2021 mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut, während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre verdoppelte. Nach Financial Times und Morgan Stanley stieg das Vermögen der Milliardäre 2020 um fünf Billionen Dollar auf 13 Billionen Dollar; ihre Zahl stieg von 2.000 auf 2.700.
Regionale und nationale Beispiele
2021 gab es weltweit 62,5 Millionen Vermögensmillionäre mit zusammen 157,7 Billionen US-Dollar Vermögen. Die größte Zahl lebte in Nordamerika: 26,8 Millionen mit 54,9 Billionen US-Dollar. Es folgten Europa mit 16,7 Millionen und 31,9 Billionen US-Dollar sowie Asien-Pazifik mit 10,6 Millionen und 31,6 Billionen US-Dollar. Von 180.000 Superreichen mit mehr als 50 Millionen US-Dollar lebten 107.200 in Nordamerika.
Im Euroraum reichten die Gini-Koeffizienten 2019 in der Tabelle von 49,8 % in der Slowakei bis 90,2 % in den Niederlanden. Deutschland hatte 81,6 %, bei einem mittleren Vermögen von 35.313 US-Dollar und einem Durchschnittsvermögen von 216.654 US-Dollar.
Für Deutschland wird berichtet, dass 2007 die reichsten 10 % der Personen ab 17 Jahren 66,6 % des Gesamtvermögens besaßen. Die reichsten 0,1 % (etwa 70.000 Personen) hielten mit 1.627 Milliarden Euro 22,5 %, die ärmere Hälfte mit 103 Milliarden Euro nur 1,4 %. 2012 hatten 27,6 % nichts oder mehr Schulden als Vermögen; der Gini-Koeffizient betrug 0,78, wobei Topvermögen nicht erfasst waren.
In Österreich besaßen 2010 die reichsten 5 % etwa 45 % des Nettovermögens, die ärmeren 50 % etwa 4 %. In der Schweiz besaßen 2021 7 % der Steuerpflichtigen mit über 1 Million Fr. 72 % des Reinvermögens; die obersten 0,4 % hielten 36 %. In den USA kontrollierte das oberste 1 % der Haushalte 2019 mehr als die Hälfte des Eigenkapitals von US-Unternehmen.
Ursachen, Steuerung und Folgen
Wichtige Grundlagen des Vermögensaufbaus sind ererbtes Vermögen, Lebenszyklus und persönliche Fähigkeiten. Während Ausbildung besteht oft wenig Vermögen, im Arbeitsleben kann es wachsen und im Rentenalter durch Übertragungen an die nächste Generation sinken. Einkommen, formale Qualifikation und berufliche Stellung beeinflussen die Möglichkeit zu sparen, doch laut Artikel besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Einkommen und aufgebautem Vermögen.
Bei sehr hohen Vermögen gewinnen Erbschaften und Schenkungen an Bedeutung. Nach Thomas Pikettys "Capital in the Twenty-First Century" war das Zinseinkommen aus Vermögen seit 1800 meist vielfach rentabler als Erwerbseinkommen. Der Artikel nennt außerdem die geringe Besteuerung von Zinseinkommen und Erbschaften sowie die Nichtbesteuerung von Vermögen als bedeutsam.
Das Modell von Joseph Fargione u. a. von 2011 beschreibt Vermögensakkumulation als zufällige normalverteilte Renditen auf vorhandenes Vermögen. Zusammen mit dem Zinseszins kann dies zu einer logarithmisch-normalverteilten Vermögensverteilung und zunehmender Konzentration führen. Ohne Eingriffe wie Vermögens- und Erbschaftsteuern konzentriere sich Vermögen dem Modell zufolge auf immer weniger Personen. Eine jährlich erhobene Vermögensteuer könne die Streuung begrenzen und zu einer zeitlich konstanten Verteilung führen. Der betreffende Abschnitt ist im Artikel jedoch als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig gekennzeichnet.
Die OECD bewertet Ungleichverteilung als Hemmnis für makroökonomisches Wachstum und mögliche Bedrohung für die Demokratie. Weltweit kontrollierten 147 Konzerne 2007 etwa 40 % des Finanzvermögens aller internationalen Firmen.
Mobilität, Gerechtigkeit und historische Einordnung
Vermögensmobilität bedeutet, dass sich die relative Vermögensposition einer Person im Lebenslauf deutlich verändert. Der Lebenszyklus ist ein wichtiger Grund. Von den 2002 im ärmsten Zehntel eingeordneten Personen waren fünf Jahre später nur noch 33 % dort; zwei Drittel hatten sich verbessert. Aus dem fünften Zehntel stiegen 77 % auf. Im reichsten Zehntel war der Abstieg geringer: 62 % blieben von 2002 bis 2007 dort.
Ungleichheit ist nicht automatisch Ungerechtigkeit. Unterschiede können etwa durch Alter, Einkommen oder Sparneigung sachlich begründet sein. Die Verteilungsgerechtigkeit bewertet, welcher verbleibende Teil der Ungleichheit politisch relevant ist; was als sachlich begründet gilt, kann selbst umstritten sein. Morton Paglin schlug eine Alters-Lorenzkurve vor, welche die Vermögensverteilung um den Lebenszykluseffekt korrigiert. Der Gerechtigkeitsabschnitt ist im Artikel ebenfalls als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig gekennzeichnet.
Historisch war Grund und Boden vorindustriell ein zentraler Vermögensgegenstand. In Deutschland besaß Mitte des 19. Jahrhunderts eine Oberschicht aus Großbürgertum und Adel von 5 % den weitaus überwiegenden Vermögensanteil; etwa 40 % gehörten mit kleinen Vermögen zum Mittelstand, 55 % hatten geringe oder keine Vermögen. Um 1890 verfügten im Deutschen Reich 7,5 % über mehr als 20.000 Mark und zahlten 90 % der Vermögensteuer, während 85 % kein oder nur geringes Vermögen hatten.