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Grammatik des Afrikaans

Dieser Artikel behandelt die Grammatik des Afrikaans, eine der elf Amtssprachen in Südafrika und eine anerkannte Minderheitensprache in Namibia.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge des Afrikaans
  2. 2. Lautung, Schreibung und Formenbildung
  3. 3. Substantive, Adjektive und Pronomen
  4. 4. Verben, Zeiten und Passiv
  5. 5. Satzbau, Infinitive und Verneinung
  6. 6. Adverbien, Verhältniswörter und besondere Bildungen

Grundzüge des Afrikaans

Afrikaans ist eine westgermanische Sprache, die sich in den vergangenen 350 Jahren aus dem Niederländischen entwickelt hat. Sie ist eine der elf Amtssprachen Südafrikas und eine anerkannte Minderheitensprache in Namibia. Rechtschreibung und Aussprache entsprechen einander größtenteils; der Formenbestand ist im Vergleich zu vielen anderen germanischen Sprachen klein.

Afrikaans kennt kein grammatisches Geschlecht. Für unbelebte Dinge und Tiere, deren Geschlecht unwichtig ist, steht dit „es“. Artikel verändern sich weder nach Geschlecht noch nach Zahl: die bedeutet immer „der, die, das“, der unbestimmte Artikel 'n „ein, eine“ wird gewöhnlich als [ə] gesprochen.

Kasus sind fast vollständig verschwunden. Nur die Personalpronomen my „mir/mich“, jou „dir/dich“, hom „ihm/ihn“ und haar „ihr/sie“ besitzen besondere Objektformen. Bei Personen kann vir das direkte oder indirekte Objekt kennzeichnen: Ek sien vir Sarie. „Ich sehe Sarie.“ Besitz wird mit se ausgedrückt: die man se huis „das Haus des Mannes“.

Kennzeichnend sind außerdem die weitgehend unveränderten Verbformen, die Verneinungsklammer mit abschließendem nie und die Stellung des Verbs: Im Aussagesatz steht das finite Verb meist an zweiter Stelle, im Nebensatz stehen die Verben am Ende. Gegenüber dem Niederländischen fehlen unter anderem Personenendungen am Verb, grammatisches Geschlecht und fast alle einfachen Präteritalformen. Mit dem Englischen teilt Afrikaans unter anderem den Zusammenfall von Infinitiv, Imperativ und Präsensform sowie Reflexivformen auf -self.

Lautung, Schreibung und Formenbildung

Lange Vokale /a:, e:, o:, y:/ werden in offenen Silben einfach geschrieben, etwa mane „Monde“, in geschlossenen Silben doppelt, etwa maan „Mond“. Umgekehrt zeigt visse „Fische“ in der offenen Silbe einen verdoppelten Konsonanten, vis „Fisch“ dagegen nicht. Diese Regeln wirken bei Pluralen, flektierten Adjektiven, Komparativen und Ableitungen.

Historisch sind niederländisches auslautendes t und n häufig weggefallen, etwa niet > nie „nicht“, morgen > môre „morgen“ und huisen > huise „Häuser“. Dadurch fielen die niederländische Personenendung -t und die Infinitivendung -en weg. Der bloße Stamm bak kann deshalb „backen“, verschiedene Präsensformen und den Imperativ ausdrücken. Im Partizip steht ge- vor dem Stamm: gebak „gebacken“. In flektierten Formen können verlorene Laute wieder erscheinen: gebakte „gebackene“, nag – nagte „Nacht – Nächte“.

Zwischen Vokalen sind g und d in vielen Wörtern geschwunden oder durch i ersetzt worden: brug – brûe „Brücke – Brücken“, pad – paaie „Pfad – Pfade“, hoog – hoë „hoch – hohe“, goed – goeie „gut – gute“. Auslautendes w wird zu f: brief – briewe „Brief – Briefe“.

Zur Aussprache gehören regressive Assimilation, etwa sakdoek [sagduk], und eine Annäherung von /s/ an [ʃ] vor /j/. Die Intonation fällt im Aussagesatz und in Fragen mit Fragewort auf der letzten betonten Silbe, steigt aber in Entscheidungsfragen. Die Angaben des Artikels sind insgesamt als teilweise unzureichend belegt gekennzeichnet.

Substantive, Adjektive und Pronomen

Substantive besitzen gewöhnlich Grundform, Plural, Diminutiv Singular und Diminutiv Plural. Eigennamen, Wochentage und Monatsnamen werden großgeschrieben. Der Plural endet meist auf -e oder -s: Nicht endbetonte mehrsilbige Wörter und Wörter auf Vokal erhalten häufig -s, etwa voël – voëls „Vogel – Vögel“; viele andere erhalten -e, etwa huis – huise „Haus – Häuser“. Laut- und Schreibänderungen sowie zahlreiche unregelmäßige Formen sind wichtig, zum Beispiel kind – kinders, skip – skepe, stad – stede, oog – oë und wa – waens.

Diminutive sind sehr häufig und können Kleinheit, Zärtlichkeit, Vertrautheit, Sympathie, Sarkasmus oder Verachtung ausdrücken. Verwendet werden unter anderem -ie, -jie, -tjie, -etjie, -pie und -kie: huisie „Häuschen“, hoedjie „Hütchen“, tuintjie „Gärtchen“. -tjie und -djie werden [ci] gesprochen. Der Diminutivplural erhält -s.

Adjektive unterscheiden eine unflektierte Grundform und häufig eine flektierte Form auf -e. Prädikativ heißt es Hy is gelukkig „Er ist glücklich“, attributiv die gelukkige kind „das glückliche Kind“. Viele einsilbige Adjektive bleiben auch attributiv unverändert, etwa sterk „stark“ oder groot „groß“. Unregelmäßig sind unter anderem goed – goeie und oud – ou.

Der Komparativ entsteht gewöhnlich mit -er, nach r mit -der; der Superlativ mit -ste: groot – groter – grootste, lekker – lekkerder – lekkerste. Mehrsilbige Formen können meer und mees verwenden. Wichtige unregelmäßige Reihen sind goed – beter – beste, baie/veel – meer – meeste, min/weinig – minder – minste, nuut – nuwer – nuutste und naby – nader – naaste. Vergleiche lauten so groot soos „so groß wie“ und groter as „größer als“.

Das allgemeine Relativpronomen ist wat. Nach Präpositionen steht für Personen wie, für Dinge meist ein Pronominaladverb mit waar: die man vir wie „der Mann, für den“, die huis waarin „das Haus, in dem“. Personalpronomen sind unter anderem ek/my, jy/jou, hy/hom und sy/haar; ons, julle und hulle unterscheiden Subjekt und Objekt nicht. Reflexivität kann durch -self verdeutlicht werden. Demonstrativa sind hierdie „dieser“ und daardie „jener“. Das Stützwort een entspricht häufig englisch one: die blou een „der/die/das blaue“.

Verben, Zeiten und Passiv

Ein gewöhnliches Verb hat im Prinzip drei Formen: eine gemeinsame Form für Infinitiv, Imperativ und Präsens, ein Partizip Präsens und ein Partizip Perfekt. Die gemeinsame Form bleibt in allen Personen und Numeri gleich: ek loop, jy loop, hulle loop. Ausnahmen sind vor allem wees „sein“ mit is und hê „haben“ mit het. Dieselbe Präsensform kann durch den Kontext Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft bezeichnen: Gister gaan ek doktor toe „Gestern ging ich zum Arzt“, Ek doen dit môre „Ich werde es morgen tun“.

Das Partizip Präsens wird mit -ende gebildet: singende „singend“, lopende „laufend“. Es dient vor allem als Adjektiv oder in gehobenem Stil als verkürzter Nebensatz. Ein laufender Vorgang kann auch durch Reduplikation bezeichnet werden: Sy het sing-sing die straat afgekom „Sie kam singend die Straße herab“.

Das Partizip Perfekt erhält gewöhnlich ge-: kom – gekom, saamgaan – saamgegaan. Bei untrennbaren Präfixen wie be-, ont- oder ver- fehlt ge-, etwa verstaan – het verstaan. Verben auf -eer können ge- optional erhalten; attributiv ist es erforderlich. Modalverben bilden kein Partizip.

Es gibt drei reguläre Zeitformen: Präsens, Perfekt und Futur. Das Perfekt besteht immer aus het und Partizip, auch bei Bewegungsverben: ek het geloop „ich lief/bin gelaufen/war gelaufen“. Das Futur wird mit gaan oder sal gebildet, das Konditional mit sou: Ek sal dit doen „Ich werde es tun“, Ek sou dit doen „Ich würde es tun“. Besondere einfache Vergangenheitsformen besitzen nur wenige Verben, darunter is – was, kan – kon, moet – moes, wil – wou, sal – sou und weet – wis.

Das Passiv verwendet im Präsens word und in der Vergangenheit is: Die boek word gelees „Das Buch wird gelesen“, Die boek is gelees „Das Buch wurde gelesen/ist gelesen worden“. Eine eigene regelmäßige Plusquamperfektkategorie gibt es nicht; Vorzeitigkeit wird häufig durch Kontext oder al „schon“ ausgedrückt. Verlaufsformen sind Ek is aan die skryf und Ek is besig om te skryf „Ich bin am Schreiben“.

Modalverben stehen vor dem Hauptverb. Die Verneinung von moet bedeutet „darf nicht“; „nicht müssen“ wird mit hoef nie te „braucht nicht zu“ ausgedrückt. Der negative Imperativ lautet moenie … nie, etwa Moenie gaan nie! „Geh nicht!“

Satzbau, Infinitive und Verneinung

Im Hauptsatz gilt gewöhnlich Verbzweitstellung: Jy kom môre „Du kommst morgen“, Môre kom jy „Morgen kommst du“. Entscheidungsfragen beginnen mit dem Verb: Kom jy môre? Im Nebensatz stehen die Verben am Ende: omdat hy môre kom „weil er morgen kommt“. Trennbare Verbteile stehen im einfachen Hauptsatz am Ende, verbinden sich aber im Infinitiv oder Partizip mit dem Stamm: Ek skakel die lig af, om die lig af te skakel, afgeskakel.

Infinitiv und Präsens sind meist formgleich. Der Infinitiv kann durch (om) te verdeutlicht werden. Om te steht unter anderem bei Zwecksätzen und nach Verben wie begin, help und probeer: Hy kom terug om vir my te kuier „Er kommt zurück, um mich zu besuchen.“ Nach Modalverben und vielen Verben der Wahrnehmung oder Bewegung fehlt te: Ek het hom sien swem „Ich habe ihn schwimmen sehen.“ Bei zwei Hauptverben ist die Reihenfolge gegenüber dem Deutschen oft umgekehrt: gaan haal „holen gehen“.

In abhängigen Sätzen gibt es keine allgemeine Zeitenfolge wie im Deutschen. Nach einem vergangenen Hauptsatz kann im Nebensatz Präsens oder bei bestimmten Hilfsverben Präteritum stehen. Vorvergangenheit wird meist durch das Perfekt oder durch al (klaar) „schon (fertig)“ deutlich. Der Irrealis der Vergangenheit verbindet einen Bedingungssatz im Perfekt mit sou im Hauptsatz.

Die Verneinung bildet gewöhnlich eine Klammer. Eine verneinte Phrase muss mit nie oder einem anderen Negator abgeschlossen werden: Ek het dit nie verstaan nie „Ich habe es nicht verstanden“, Ons het niks gesien nie „Wir haben nichts gesehen“. Auch ein Nebensatz besitzt seine eigene Klammer: Hy sal nie kom nie, omdat hy nie wil nie. Wird nur eine Satzphrase verneint, steht nie an deren Ende: Nie Piet nie, maar Jan „Nicht Piet, sondern Jan“.

Mehrere negative Wörter können in der Standardsprache einander logisch aufheben: Niemand sien niks nie bedeutet „Jeder sieht etwas“. Umgangssprachlich können mehrere Negationen dagegen bloß verstärkend wirken. Das abschließende nie kann unter anderem entfallen, wenn nie oder ein Negativpronomen bereits am Ende steht, in knappen Antworten und in Überschriften.

Adverbien, Verhältniswörter und besondere Bildungen

Zu den einfachen Adverbien gehören nou „jetzt“, net „nur“ und dan „dann“ für Zukünftiges. Toe verweist dagegen auf Vergangenes. Abgeleitete Adverbien verwenden unter anderem -s, -liks, -gewyse und -halwe. Viele Adjektive dienen unverändert als Adverbien. Gradangaben sind beispielsweise baie „sehr“, taamlik „ziemlich“, heeltemal „ganz, total“ und te/té „zu“.

Pronominaladverbien entstehen durch Verbindung von waar, hier oder daar mit Präpositionen: waartoe „wozu/wohin“, daaroor „darüber“, hiermee „hiermit“. Dabei werden met und vir zu -mee und -voor. Bei Trennung kann man Waar skryf jy mee? „Womit schreibst du?“ sagen.

Die meisten Verhältniswörter sind Präpositionen und verlangen die Objektform von Personalpronomen. Häufig sind af, by, met, op, sonder, teen, tot, van, vir und voor. Zeitangaben können ohne Präposition stehen: Hy kom Sondag „Er kommt am Sonntag“. Besonders wichtig ist nachgestelltes toe „nach/zu“, stets ohne Artikel: Ek gaan dorp toe „Ich gehe ins Dorf“. Daneben gibt es Post- und Zirkumpositionen wie in die stad in „in die Stadt hinein“, van gister af „seit gestern“ und met die pad langs „den Weg entlang“.

Reduplikation, also Wortverdopplung, ist produktiv. Bei Verben bezeichnet sie eine begleitende oder wiederholte Handlung: lag-lag „lachend“, hop-hop „hüpfend“. Bei Adverbien und Adjektiven kann sie Verstärkung, Wiederholung oder Abschwächung ausdrücken: gou-gou „sehr schnell“, kort-kort „in kurzen Abständen“, stil-stil „still“. Substantive und Zahlwörter können Verteilung ausdrücken: plek-plek „hier und da“, stuk-stuk „Stück für Stück“, een-een „einzeln“, twee-twee „zu zweit“.

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