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Grama (Halacha)
Grama (Halacha). im Judentum angewendete Technologie, die das Einschalten von Geräten unter Wahrung der Sabbatruhe ermöglicht. Artikel · Diskussion.
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Begriff und religiöser Rahmen
Grama bezeichnet eine indirekte Verursachung und wird als technische Lösung genutzt, um bestimmte Geräte am Schabbat einzuschalten, ohne sie unmittelbar zu aktivieren. Das ist bedeutsam, weil praktizierende orthodoxe Juden am Schabbat keine Tätigkeiten ausführen, die nach der Halacha, dem jüdischen Religionsrecht, als Arbeit gelten. Die verbotenen Tätigkeitsbereiche werden durch die 39 Melachot bestimmt.
Zu den zu vermeidenden Handlungen gehört am Schabbat und an bestimmten Feiertagen das Betätigen eines elektrischen Schalters. Elektrischer Strom wird dabei mit Feuer gleichgesetzt, das weder entzündet noch gelöscht werden darf. Grama beruht auf der Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Verursachung.
Grundgedanke der indirekten Wirkung
Als klassisches Vorbild gilt ein Fall, bei dem mit Wasser gefüllte Tongefäße um ein Feuer gestellt werden. Durch die Hitze können die Gefäße zerspringen, sodass das austretende Wasser das Feuer möglicherweise löscht. Dies gilt am Schabbat als erlaubt, weil das Löschen nicht unmittelbar durch die Person erfolgt und zumindest theoretisch die Möglichkeit besteht, dass das Feuer nicht erlischt.
Auf elektrische Geräte übertragen bedeutet dies: Die Handlung eines Menschen soll den gewünschten Vorgang nicht direkt auslösen. Stattdessen tritt die Wirkung erst durch einen getrennten, verzögerten Mechanismus ein.
Technische Funktionsweise
Bei einer Grama-Schaltung bleibt ein Stromkreis zunächst dauerhaft unterbrochen. An einem entsprechend eingerichteten Telefon sind beispielsweise sämtliche Tasten und auch der Hörer zunächst funktionslos. Das Drücken einer Taste sowie das Abheben oder Auflegen des Hörers schließt deshalb nicht unmittelbar einen Stromkreis.
Ein interner elektronischer Scanner kontrolliert jedoch alle drei Sekunden die Schalter oder Tasten. Stellt er bei einer solchen Kontrolle fest, dass ein Schalter betätigt wurde, schließt er den Stromkreis mit Verzögerung. Die Eingabe erfolgt damit nach diesem Prinzip indirekt durch den Grama-Mechanismus und nicht direkt durch die Betätigung des Schalters.
Entwicklung und Einsatzgebiete
Der israelische Rabbiner Levi Jitzchak Halperin, Leiter des Wissenschaftlich-Technologischen Halacha-Instituts in Jerusalem, entwickelte verschiedene Einschalttechniken, die seiner Auffassung nach mit den Vorschriften der Halacha vereinbar sind.
Ein bekanntes Beispiel ist ein Lichtschalter, der die Schließung des Stromkreises aktiv verhindert. Durch die rein mechanische Betätigung des Schalters wird lediglich diese Verhinderung aufgehoben; der Stromkreis wird nicht unmittelbar von der Person geschlossen.
Die Technik wird außerdem für bestimmte Telefone und Türöffner eingesetzt. Weitere Anwendungen finden sich in Krankenhäusern, etwa bei Klingeln zum Herbeirufen einer Krankenschwester, sowie bei elektrischen Rollstühlen und patrouillierenden Sicherheitsfahrzeugen. Solche für den Schabbat entwickelten Notbehelfe dürfen nur bei echtem Bedarf und nur von den betroffenen Personen selbst verwendet werden. Halperin betonte, dass der Sabbat auch im Zeitalter moderner Technologie kein gewöhnlicher Wochentag im jüdischen Kalender sei.
Bedeutung bei finanziellen Schäden
Auch im jüdischen Zivilrecht spielt die indirekte Verursachung eine Rolle. Die Regel „Grama Benizakin Patur“ betrifft Fälle, in denen eine Person einer anderen durch eine Handlung indirekt einen finanziellen Schaden zufügt, obwohl nicht von vornherein absehbar war, dass diese Handlung den Schaden verursachen würde.
Ein Beth Din, also ein rabbinisches Gericht, kann die verursachende Person in einem solchen Fall nicht zur Zahlung von Schadenersatz verurteilen. Trotzdem kann für sie eine moralische Verpflichtung bestehen, für den Schaden einzustehen.