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Chinesische Mauer

... Numerus – „Zahlform“) – oder als 長城 / 长城, Chángchéng zu bezeichnen, auch wenn historisch andere Begriffe für die einzelnen Befestigungen in Gebrauch waren.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Begriff
  2. 2. Ausdehnung, Aufbau und Zustand
  3. 3. Frühe Grenzmauern
  4. 4. Bau der Ming-Mauer
  5. 5. Welterbe und Erhaltung
  6. 6. Mythos der Sichtbarkeit und kulturelle Wirkung

Bedeutung und Begriff

Die Chinesische Mauer ist eine weitläufige Gruppe von Schutzanlagen zur Grenzsicherung im Norden Chinas. Sie entstand nicht als ein einziges zusammenhängendes Bauwerk, sondern in verschiedenen Epochen, an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Bautechniken. Die heute berühmten breiten, begehbaren Mauern nördlich von Peking stammen überwiegend aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurden zum Sinnbild Chinas. Viele andere Abschnitte bestehen dagegen aus festgeklopftem Lehm, Naturstein oder einfachen Wällen.

Der chinesische Name lautet 萬里長城 / 万里长城, Wànlǐ Chángchéng, wörtlich etwa „10.000 Li lange Mauer“. Ein historisches Li entspricht ungefähr 500 m; 10.000 Li wären somit etwa 5.000 km. Die Zahl 10.000, chinesisch wàn, bezeichnet hier jedoch auch eine unzählbare Menge. Gemeint ist daher eher eine „unvorstellbar lange Mauer“. Die Kurzform 長城 / 长城, Chángchéng, bedeutet „Lange Mauer“.

Der Ausdruck „Chinesische Mauer“ fasst heute zahlreiche Grenzbefestigungen zusammen. Diese stammen aus weit auseinanderliegenden Zeiten und bildeten zu keinem Zeitpunkt ein einheitliches Mauersystem. Auch die sogenannte Große Mauer der Ming-Zeit wurde über mehr als 100 Jahre abschnittsweise und in verschiedenen Bauweisen errichtet.

Ausdehnung, Aufbau und Zustand

Nach archäologischen Erhebungen gab das chinesische Amt für Kulturerbe im Juni 2012 die Gesamtlänge aller Großen Mauern mit 21.196 km an. Die Anlagen erstrecken sich über 15 Provinzen, autonome Gebiete und Städte: Peking, Tianjin, Hebei, Shanxi, Innere Mongolei, Liaoning, Jilin, Heilongjiang, Shandong, Henan, Shaanxi, Gansu, Qinghai, Ningxia und Xinjiang.

Die Große Mauer der Ming-Zeit gilt nach Volumen und Masse als das größte Bauwerk der Welt. Sie besteht aus mehreren, teilweise nicht miteinander verbundenen Abschnitten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bauart. Ihre Hauptmauer ist 2.400 km lang. Der Abschnitt zwischen Shanhaiguan, Yumenguan und Yangguan wird mit 3.460 km angegeben und ist im Guinness-Buch der Rekorde als „längste Mauer der Welt“ verzeichnet.

Bei Peking befindet sich ein etwa 600 km langer, größtenteils gut erhaltener Abschnitt. Besonders bekannt ist Badaling, 70 km nordwestlich von Peking. Weitere touristisch erschlossene Abschnitte liegen bei Mutianyu, Simatai und Juyongguan. Die Anlagen werden staatlich finanziert restauriert; zugleich befinden sich viele nicht restaurierte Teile in schlechtem Zustand.

Frühe Grenzmauern

Wahrscheinlich wurden bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. Große Mauern gebaut. Die ältesten bisher gefundenen Anlagen sind die Mauer des Qi-Herzogtums in der heutigen Provinz Shandong und die Mauer des Königreiches Chu in der heutigen Provinz Henan. Sie stammen aus der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (770–476 v. Chr.). Weitere Befestigungen entstanden vermutlich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. während der Zeit der Streitenden Reiche. Sie sollten die miteinander kämpfenden chinesischen Staaten schützen und bestanden meist aus festgeklopftem Lehm, der durch Stroh- und Reisigschichten haltbarer gemacht wurde.

214 v. Chr. ließ der erste chinesische Kaiser Qin Shihuangdi nach der Expansion über den Gelben Fluss Schutzwälle gegen nördliche Völker, besonders die Xiongnu, errichten. Anders als ältere Befestigungen verliefen sie nicht durch Täler, sondern unterhalb der Gebirgskämme an deren Nordhängen. Wegen fehlenden Lehms bestanden sie größtenteils aus aufeinandergeschichteten Natursteinplatten. Die verbreitete Vorstellung, die heute bei Peking sichtbare Mauer sei bereits unter Qin Shihuangdi entstanden, entspricht nicht dem heutigen Forschungsstand.

Auch spätere Dynastien errichteten eigene Grenzbefestigungen. An der Mauer der Han-Dynastie entdeckte Aurel Stein 1907 Bambusstreifen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Sie dokumentieren unter anderem ein optisches Nachrichtensystem: Tagsüber wurden codierte Rauchsignale, nachts Feuersignale verwendet. Damit konnten Wachtürme und Garnisonen sogar über Anzahl und Entfernung nahender Angreifer informiert werden.

Bau der Ming-Mauer

Die Ming-Dynastie (1368–1644) begann 1442 mit Wällen auf der Halbinsel Liaodong und errichtete ab 1473 weitere Anlagen im Ordos-Plateau. Bis 1550 entstanden besonders nördlich und nordöstlich von Peking Wälle und Trockenmauern, also ohne Mörtel geschichtete Mauern. Nur Durchgänge und Forts wurden zunächst mit Mörtel gebaut.

Ab 1550 ersetzte man nördlich von Peking die Trockenmauern durch Mauern aus vermörtelten Werksteinen. Von 1569 bis 1571 wurden 1.200 Ziegeltürme errichtet. Sie dienten als Waffenlager und Signaltürme sowie als Schutz gegen Angreifer. Ab 1577 verwendete man weiter östlich Ziegel statt Naturstein; bis mindestens 1623 kamen weitere Ziegelmauern hinzu.

Der Mörtel besteht aus gebranntem Kalk und etwa drei Prozent Klebreis. Dessen Amylopektin sorgt für die hohe Beständigkeit dieses frühen Verbundmaterials. Nur die Außenhaut wurde gemauert; den Innenraum füllte man mit Lehm, Sand und Schotter. Da der Verlauf den Bergkämmen folgt, war der Bau besonders schwierig.

Die Maße unterscheiden sich je nach Abschnitt. Im Gebiet von Peking sind auf der Mauerkrone 4 bis 8 m Breite, an der Basis etwa 10 m Breite und insgesamt 6 bis 9 m Höhe üblich. Die ungefähr 12 m hohen Türme stehen jeweils einige hundert Meter voneinander entfernt.

Welterbe und Erhaltung

1987 erklärte die UNESCO die Abschnitte bei Badaling, Shanhaiguan und Jiayuguan zum Weltkulturerbe. Die Welterbestätte ist als Kulturerbe nach den Kriterien (i), (ii), (iii), (iv) und (vi) eingetragen. Ihre Fläche beträgt 2.151,55 ha, die Pufferzone 4.800,80 ha.

Während touristisch bedeutende Teile erhalten oder restauriert wurden, sind große Bereiche stark beschädigt. Dorfbewohner verwendeten Mauersteine teilweise für Häuser und Straßen; außerdem entstanden Schäden durch Graffiti oder durch Abrisse zugunsten anderer Bauvorhaben. Seit 2006 steht die Mauer unter Schutz und darf nicht mehr als Steinbruch genutzt werden. Die „Gesellschaft der großen chinesischen Mauer“ setzt sich für ihre Erhaltung ein.

2007 wählten weltweit 70 Millionen Menschen die Mauer in einer Privatinitiative zu einem der „neuen sieben Weltwunder“. Die UNESCO distanzierte sich von dieser Wahl, da es sich um eine private Kampagne ohne wissenschaftliche Kriterien handelte.

Mythos der Sichtbarkeit und kulturelle Wirkung

Die häufige Behauptung, die Chinesische Mauer sei das einzige mit bloßem Auge aus dem Weltraum erkennbare Bauwerk, ist falsch. Für die Sichtbarkeit aus großer Entfernung ist nicht ihre Länge, sondern ihre geringe Breite entscheidend. Bislang konnte kein Astronaut die Große Mauer der Ming-Zeit mit bloßem Auge erkennen. Unter sehr guten Bedingungen könnte allerdings ihr Schatten sichtbar sein, wenn tief stehendes Sonnenlicht ein breites Schattenband erzeugt.

Der chinesische Raumfahrer Yang Liwei erklärte nach seinem Raumflug im Oktober 2003, er habe die Mauer nicht sehen können. James Irwin hielt ihre Sichtbarkeit nach der Apollo-15-Mission ebenfalls für unmöglich. Leroy Chiao fotografierte sie 2005 von der Internationalen Raumstation ISS mit einem Fotoapparat und einem 180-mm-Teleobjektiv, konnte sie jedoch nicht mit bloßem Auge ausmachen. Bemannte Raumflüge fanden meist in 300 bis 600 km Höhe statt; vom etwa 380.000 km entfernten Mond wäre die Mauer mit dem Auge unmöglich zu erkennen.

Als kulturelles Symbol wurde die Mauer mehrfach künstlerisch verarbeitet, unter anderem in Franz Kafkas Erzählfragment „Beim Bau der Chinesischen Mauer“ (1917), Max Frischs Drama „Die Chinesische Mauer“ (1946), der Performance „The Lovers – The Great Wall Walk“ (1988) von Marina Abramović und Ulay sowie dem Action-Fantasy-Film „The Great Wall“ (2017).

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