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Gründerväter der Europäischen Union
Urheber des Schuman-Plans, 1952–1955 Präsident der Hohen Behörde der Montanunion (EGKS), Mitbegründer und Vorsitzender des Aktionskomitees für die Vereinigten …
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Grundidee
Als Gründerväter Europas bezeichnet die Europäische Union eine Gruppe von Persönlichkeiten, die als Vordenker der Europäischen Integration wirkten und die Geschichte der Europäischen Union prägten. Mit Europäischer Integration ist der politische und wirtschaftliche Zusammenschluss europäischer Staaten gemeint. Viele der genannten Personen arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg daran, Zusammenarbeit in Europa zu schaffen, Frieden zu sichern und gemeinsame europäische Institutionen aufzubauen.
Frühe Integration und Montanunion
Mehrere Gründerväter waren direkt am Aufbau der Montanunion beteiligt. Die Montanunion, auch EGKS genannt, war eine frühe europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Jean Monnet gilt als Urheber des Schuman-Plans und war von 1952 bis 1955 Präsident der Hohen Behörde der Montanunion. Robert Schuman, französischer Außenminister von 1948 bis 1952, bereitete gemeinsam mit Monnet durch den Schuman-Plan den Weg zur Schaffung der Montanunion.
Auch Alcide De Gasperi, italienischer Premier- und Außenminister von 1945 bis 1953, war aktiv am Aufbau der Montanunion beteiligt. Joseph Bech aus Luxemburg gilt ebenfalls als Mitbegründer der Montanunion und wirkte in verschiedenen Regierungsämtern am europäischen Integrationsprozess mit. Paul-Henri Spaak war von 1952 bis 1954 Präsident der Gemeinsamen Versammlung der EGKS.
EWG, EURATOM und Römische Verträge
Ein weiterer wichtiger Schritt der europäischen Einigung war die Vorbereitung und Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, kurz EWG, und der Europäischen Atomgemeinschaft, kurz EURATOM. Joseph Bech nahm im Juni 1955 an der Konferenz von Messina teil. Dort wurde die Absicht formuliert, EURATOM und den europäischen Binnenmarkt zu gründen. 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet: der EURATOM-Vertrag und der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Johan Willem Beyen hatte als niederländischer Außenminister maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Walter Hallstein entwarf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, den EWG-Vertrag, maßgeblich mit. 1958 wurde Hallstein zum ersten Präsidenten der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gewählt. Paul-Henri Spaak leitete 1955 auf der Konferenz von Messina einen Ausschuss; dessen „Spaak-Bericht“ bereitete die Römischen Verträge vor.
Politische Leitideen und Zusammenarbeit
Winston Churchill, britischer Premierminister von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955, machte den Begriff der Vereinigten Staaten von Europa als Garant für den Frieden bekannt. Jean Monnet war außerdem Mitbegründer und Vorsitzender des Aktionskomitees für die Vereinigten Staaten von Europa, kurz ACUSE, von 1955 bis 1975, und wurde als Ehrenbürger Europas bezeichnet.
Konrad Adenauer, erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1963, war gemeinsam mit Charles de Gaulle Initiator der deutsch-französischen Aussöhnung. Der von beiden am 22. Januar 1963 unterzeichnete Élysée-Vertrag begründete die deutsch-französische Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit war ein wichtiger Bestandteil der europäischen Einigung.
Institutionen und spätere Entwicklung
Einige Gründerväter prägten die europäischen Institutionen auch nach den ersten Verträgen. Robert Schuman wurde 1958 Präsident des Europäischen Parlaments. Sicco Mansholt wurde 1958 einer der Kommissare der neu entstandenen Europäischen Kommission und Vizepräsident der EWG-Kommission. Nach dem Übergang der EWG in die EG war er Vizepräsident der EG-Kommission und wurde 1972 und 1973 für sieben Monate Präsident der Europäischen Kommission. Als Agrarpolitiker war er maßgeblich für die Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik verantwortlich.
Altiero Spinelli war maßgeblich an dem nach ihm benannten „Spinelli-Entwurf“ beteiligt, einem Entwurf eines Vertrages zur Gründung der Europäischen Union. Dieser Entwurf wurde 1984 vom Europäischen Parlament angenommen und beeinflusste die Gestaltung der EU-Verträge in den 1980er und 1990er Jahren. Paul-Henri Spaak hatte außerdem wichtige internationale Ämter: 1946 war er Präsident der ersten UN-Generalversammlung, von 1949 bis 1951 Vorsitzender der parlamentarischen Versammlung des Europarats, von 1950 bis 1955 Leiter des Internationalen Rates der Europäischen Bewegung und von 1957 bis 1961 NATO-Generalsekretär.