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Gründerausbildung und Gründungsförderung
Die Aktivitäten der Gründerausbildung und Gründungsförderung umfassen alle staatlichen und privaten Aktivitäten zur Qualifizierung von Unternehmensgründern …
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Begriff und Ausgangslage
Gründerausbildung und Gründungsförderung umfassen staatliche und private Maßnahmen, die Unternehmensgründer bzw. Entrepreneure qualifizieren und Start-ups institutionell unterstützen. Sie sollen Menschen auf die Gründung, Entwicklung und das Wachstum eines Unternehmens vorbereiten.
In Deutschland gab es schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an polytechnischen Schulen Kurse und Studienprogramme für Industrieunternehmer. Dieses Ziel verlor später durch die Akademisierung technischer Hochschulen und die Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre an Gewicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg galten Branchenwissen und kaufmännische Kenntnisse lange als ausreichend. Erst in den 1980er Jahren nahm das Interesse wieder zu.
Ein Hintergrund war der langfristige Rückgang der Selbstständigkeit: Der Anteil Selbstständiger an der Erwerbsbevölkerung sank in Deutschland von 25,6 % (1882) über 13,4 % (1939) auf 9 % in Westdeutschland (1980). 1981 wurde deutlich, dass Großbetriebe Wohlstand und Arbeitsplätze nicht mehr vorrangig durch Wachstum schaffen konnten, sondern Arbeitsplätze abbauten. Deregulierung, Privatisierung, PC, neue Geschäftsmodelle und Outsourcing erleichterten seit den frühen 1990er Jahren auch kapitalschwachen Gründern den Marktzugang. Dadurch entstand die Frage, wie genügend qualifizierte und motivierte Gründer gewonnen werden können.
Ziele, Inhalte und Wirkungen der Ausbildung
Ausgangspunkt der modernen Ausbildung ist die Annahme, dass unternehmerische Kompetenzen und Motivationen trainierbar sind. David McClellands Kakinada-Experiment von 1964 in Mumbai sowie in Mexiko und den USA führte zur Entwicklung von EDP (Entrepreneurial Development Programs). Akademisch ausgebildete Entrepreneurs konnten in der Krise 2008–2009 ihre Gründungs- und Wachstumschancen nach Darstellung des Artikels besser einschätzen als Personen ohne Ausbildung. Das Zusammenspiel persönlicher und fachlicher Faktoren ist jedoch noch wenig erforscht.
Die akademische Entrepreneurausbildung informiert über Gründungsmöglichkeiten und soll durch Theorie und praktische Übungen die unternehmerische Lernkurve verkürzen. Wichtige Inhalte sind Unternehmertypen, Phasen von Gründung und Wachstum, Businesspläne, Finanzierung und Investorenwahl, Krisenmanagement sowie Kompetenzen wie Vertragsverhandlungen und Mitarbeiterführung. Weitergehende Konzepte wollen Gründungsabsicht und Selbstwirksamkeitsvermutung beeinflussen. Selbstwirksamkeitsvermutung bedeutet hier die Überzeugung, das eigene Verhalten und ein Vorhaben erfolgreich steuern zu können; teilweise wird dafür die Theorie des geplanten Verhaltens genutzt.
An Hochschulen reichen die vier Stufen von Sensibilisierung über die Aufnahme in Curricula und die Stimulation von Gründungsintentionen bis zu praktischem Training in Inkubatoren. Hinzu kommen Screening schnell wachsender oder technologisch innovativer Gründungen und Innovationsmanagement in Start-ups. MBA-Programme und technische berufsbegleitende Masterprogramme gewinnen an Bedeutung.
Wirkungen sind schwer messbar, weil viele Absolventen erst Jahre später gründen. Studien zeigen meist positive Effekte auf Gründungsintention und Selbstwirksamkeit, wobei die wahrgenommene Machbarkeit entscheidend ist. Intention ist aber nicht gleich Handlung: Eine ungarische Studie findet einen Zusammenhang mit der Gründungshäufigkeit erst nach fünf oder mehr Jahren. An der TU München zeigten sich positive Effekte auf Lernbereitschaft, Optimismus, Hoffnung auf Erfolg und internale Kontrollüberzeugung, aber keine signifikanten Effekte auf Selbstwirksamkeit und keine Veränderung der Wertorientierungen. Eine Studie in Osijek beschreibt mögliche Entmutigungseffekte bei Studierenden mit hohen Gründungsabsichten, wenn ihnen die Komplexität von Gründungen stärker bewusst wird.
Methoden, Inkubation und Ökosystem
Entrepreneurausbildung unterscheidet sich vom Corporate Management. Während dieses knappe Ressourcen verwaltet, konzentriert sich die Gründerausbildung auf das Erkennen von Chancen, die Entwicklung und Prüfung von Geschäftsideen sowie Businesspläne. Typische Methoden sind Fallstudien, Planspiele, Unternehmenssimulationen, Brainstorming, Coaching mit hohem Selbstlernanteil, Praxisvorträge und Expertenfeedback. Wettbewerbe bewerten Businesspläne; Gründerstammtische und Campus-Entrepreneurclubs fördern Austausch. Auch in Schulen werden besondere, häufig spielerische und wettbewerbsorientierte Lernformen eingesetzt. Große Unternehmen nutzen ähnliche Angebote für Intrapreneurs, also unternehmerisch handelnde Beschäftigte.
Inkubation verbindet Gründungsförderung mit Training. Der erste Business Incubator wurde 1959 von Joseph Mancuso in Batavia, New York, eröffnet. Das 1985 beschriebene Prozessmodell umfasst Monitoring, Selektion und Bedarfsanalyse potenziell zu inkubierender Start-ups. Nach Auffassung der EU sind anregende Lernumgebungen, Offenheit gegenüber externen Beobachtern und Investoren sowie Sichtbarkeit der Start-ups am Markt wichtig. Kritisch wird eingewandt, dass Einrichtungen die Marktselektion nicht nachbilden können; jüngere Studien sehen teilweise keinen signifikanten Beitrag der Inkubation zu Überleben und Wachstum.
Neben Ausbildung ist ein gründerfreundliches regionales Ökosystem wesentlich: Talente, erfolgreiche Unternehmer, Finanzierung, Bildung, wenig Bürokratie, Kunden, digitale und öffentliche Infrastruktur, Innovationsbereitschaft, Kreativität und Lebensqualität müssen zusammenwirken. Laut RKW-Studie von November 2015 kann dies auch außerhalb großer Städte durch gutes Regionalmanagement und vernetzte Gründerinitiativen gelingen.
Deutschsprachiger Raum und EU
Die TU Berlin eröffnete 1983 das erste universitäre Gründerzentrum Deutschlands. Seit Ende der 1990er Jahre ist Entrepreneurship an deutschen Hochschulen stärker verbreitet; 1998 entstand an der European Business School in Oestrich-Winkel der erste Lehrstuhl für Unternehmensgründung, 2017 gab es etwa 130 Entrepreneurship-Professuren. Die seit 1998 laufenden EXIST-Programme förderten den Ausbau. Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf das Screening technologieorientierter und potenziell schnell wachsender Gründungen. Hochschulinkubatoren und Kooperationen mit Technologiezentren gewinnen an Gewicht.
Deutschland verfügt laut GEM über gute Infrastruktur: finanzielle Förderhilfen, IHKs, HWKs, Wirtschaftsförderung, Gründerzentren, Arbeitsagenturen, Lehrstühle, Messen, Initiativen und kostenlose Informationsportale. Trotzdem wird die schulische und außerschulische Ausbildung als unterdurchschnittlich eingeschätzt; etwa drei Viertel der Studierenden begegnen im Studium nicht dem Thema Existenzgründung. Die Quote der Vollzeitgründer halbierte sich etwa von 2002 bis 2015 und erreichte 2020 ein Rekordtief. Als Gründe nennt der Artikel unter anderem gute Arbeitsmarktlage, Covid-19 und Sicherheitsorientierung. 2019 betrug der Frauenanteil 27 % bei Vollerwerbs- und 41 % bei Nebenerwerbsgründungen.
In Österreich begann die Hochschulbefassung 1999; die Unternehmerprüfung ist Teil der Meister- oder Befähigungsprüfung und kann durch bestimmte Bildungsabschlüsse ersetzt werden. Übungsfirmen und der Unternehmerführerschein sind wichtige Instrumente. In der Schweiz ist die Ausbildung besonders an Fachhochschulen gut verankert; der GEM Report bewertet Umfang und Qualität vor Deutschland und Österreich, während die Förderung als wenig koordiniert gilt. In Liechtenstein besteht seit 2008 ein Masterstudiengang Entrepreneurship.
Der Lissabon-Prozess wollte Entrepreneurship in allen höheren Bildungseinrichtungen verankern. In der Praxis waren Kurse überwiegend Wahlfächer, besonders in Osteuropa bestanden Defizite. Die EU fördert Projekte, Mobilität zwischen Hochschulen und Unternehmen sowie studentische Geschäftsideen. Kritisiert wird, dass Programme die regionale Arbeitsplatzschaffung überbetonen und durch zu starke politische Förderung eine nicht nachhaltige Gründungsquote begünstigen könnten.
Internationale Muster
Der Global Entrepreneurship Monitor unterscheidet innovations-, effizienz- und faktorbasierte Volkswirtschaften. Innovationsbasierte Wirtschaften wachsen vor allem durch umgesetzte Innovation, effizienzbasierte durch Produktivität und Kostensenkung, faktorbasierte durch Rohstoffe, Landwirtschaft oder elementare Arbeit. Diese Typen beeinflussen Chancen, Risiken, Gründergruppen und Qualifikationsbedarf.
Die höchsten Gründerquoten finden sich meist in faktorbasierten Ökonomien, die niedrigsten in wohlhabenden, risikoaversen innovationsbasierten Ländern mit gut bezahlter Beschäftigung, etwa Japan oder Deutschland. In Afrika und Lateinamerika sind Vorbereitungs- und Frühphasenaktivitäten besonders häufig, aber ungefähr 50 % dieser Aktivitäten werden abgebrochen. Als Gründe werden häufiger mangelnde Profitabilität oder persönliche Gründe als Finanzierung genannt. Die Altersgruppe 25 bis 34 Jahre ist auf allen Kontinenten die stärkste bei solchen Aktivitäten.
In innovationsbasierten Wirtschaften sind fachliche und unternehmerische Ausbildung oft wichtiger als Kapital; innovative Ideen benötigen häufig lange, riskante Inkubation oder einen Pivot nach der Lean-Startup-Methode. Neben Gründungen wird Entrepreneurial Employee Activity (EEA) wichtig: Der GEM zählt dazu 18- bis 64-Jährige, die in den letzten drei Jahren als Beschäftigte an neuen Produkten, Dienstleistungen oder Unternehmenseinheiten mitwirkten. Effizienzbasierte Wirtschaften benötigen meist Professionalität, Produktivität und relativ viel Kapital, aber nicht zwingend hohe Innovation. Faktorbasierte Wirtschaften konzentrieren sich oft auf Handel und lokales Gewerbe; niedrige Einstiegsschwellen stehen hohen politischen Risiken, Korruption und Kriminalität gegenüber.
Beispiele internationaler Förderung
In den USA entwickelte sich Entrepreneurship seit Kursen an der Harvard Business School 1946/1947, der New York University 1953 und dem MIT 1961 zu einer eigenständigen Disziplin. 2012 gab es dort etwa 350 Lehrstühle für Entrepreneurship, Family Business oder Small Business. Viele Hochschulen betreiben Inkubatoren; auch Trainings für Intrapreneurs sind verbreitet. Das 2010 gegründete Global Entrepreneurship Program fördert unter anderem Training, Vernetzung, Kapitalversorgung und unternehmerfreundliche Regulierung in Schwellenländern.
Weitere Beispiele zeigen unterschiedliche Schwerpunkte: Großbritannien setzt stark auf Businessplan- und Gründungswettbewerbe. Kanada verbindet an Hochschulen technische Innovation, Marktentwicklung, Business Development und Start-up-Phase. Dänemark fördert besonders angestellte Unternehmer und Entrepreneurship in Primar- und Sekundarschulen. Finnland hat Entrepreneurship weitgehend in Schul- und Hochschulcurricula verankert. Estland verbindet hohe Gründungsraten mit einer Online-Gründung innerhalb von 20 Minuten.
In vielen mittel- und osteuropäischen Ländern bleiben Theorieorientierung, fehlendes Wagniskapital, Überregulierung oder unkoordinierte Förderung Probleme. China baute seit etwa 2002 Hochschulparks und Inkubatoren rasch aus; 23 % der Unternehmer geben schulisches Training an, während 93 % Beziehungen als wesentlichen Erfolgsfaktor nennen. In Lateinamerika verbindet Chile Ausbildung mit Förderung von Mikrounternehmen; bei einmalig mit etwa 240 US-Dollar geförderten MESP-plus-Unternehmen blieben nach 12 bis 46 Monaten über 40 % am Markt. In faktorbasierten Ländern sowie in Teilen der arabischen Welt, Afrikas und Südasiens sind Gründungen wegen fehlender Arbeitsplätze häufig, doch Kapitalmangel, schwache Infrastruktur, Bürokratie, Korruption und unzureichende Ausbildung begrenzen ihre Wirkung.