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Gotteserfahrung
Als Gotteserfahrung werden Erfahrungen bezeichnet, die als Wirken einer Gottheit und im Seinszustand einer göttlichen Wirklichkeit wahrgenommen werden.
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Bedeutung und typische Merkmale
Eine Gotteserfahrung ist eine Erfahrung, die Menschen als Wirken einer Gottheit oder als Sein in einer göttlichen Wirklichkeit wahrnehmen. Wie sie genau verstanden wird, hängt auch von religionswissenschaftlichem Wissen und religiösen Überzeugungen ab. Mögliche Deutungen sind Transfiguration, Illumination, Inspiration und Adoration.
Häufig gehören dazu eine außer- oder anderskörperliche Erfahrung, die Gegenwart einer transzendentalen Entität und Wirklichkeit, ein intensives Empfinden von Frieden und Glückseligkeit sowie das Gefühl, die Erfahrung später nicht angemessen in Worte fassen zu können.
Weg der mystischen Vereinigung
Dionysius Areopagita, der um 500 lebte, beschreibt Gotteserfahrung als Ziel der menschlichen Seele: Sie sehnt sich nach Gott, und dieses Sehnen kann nur durch die mystische Vereinigung mit Gott erfüllt werden.
Die Gotteserkenntnis wird in drei Schritten erreicht: Reinheit (katharsis), Erleuchtung (photismos) und Einigung (teleiosis). Zuerst soll sich der Mensch innerlich von weltlichen Anhaftungen reinigen. Dann geht er in die „Finsternis“ der Ego-Auflösung oder Nichtswerdung. Danach erwacht er im göttlichen Licht, das für Glück steht. Die Erkenntnis Gottes, also das Leben in Gott, gilt als höchstes Glück.
Für Anfänger können positive Gottesbeschreibungen wie Frieden, Liebe, Wahrheit, Kraft und Fülle hilfreich sein. Fortgeschrittene Mystiker gelangen laut diesem Ansatz durch verneinende Beschreibungen weiter: Gott ist weder dies noch das. Das „göttliche Dunkel“ wird dabei als unzugängliches Licht verstanden, in dem Gott wohnt.
Stille, Gelassenheit und innere Abgeschiedenheit
Meister Eckhart lehrt einen meditativen Weg zur Erleuchtung und vertritt ein unpersönliches Gottesbild. Gott sei in der Stille, im Sein, in der Gelassenheit und in der inneren Abgeschiedenheit von weltlichen Mitmenschen zu finden.
Wer weltliche Anhaftungen loslässt, kann aus Gottes Liebe leben. Entscheidend ist, sich nicht mit einem nur gedachten Gott zu begnügen, sondern Gott im Sein zu haben. Dann kann Gottes Bild in allen Dingen sichtbar werden. Dafür brauche es Eifer, Hingabe, genaue Aufmerksamkeit für das eigene Innere und Übung. Der Mensch soll eine innere Einsamkeit lernen, unabhängig davon, wo oder mit wem er sich befindet, und die Dinge „durchbrechen“, um Gott darin zu ergreifen.
Vier Stufen des inneren Gebets
Teresa von Ávila wird als wichtige Vertreterin der christlichen Mystik genannt. Ihre Haupttechnik sind die vier Stufen der Versenkung, auch inneres Gebet:
- Gebet der Sammlung: Nachdenken, etwa das Vaterunser denken.
- Gebet der Ruhe: Kontemplation und Meditation.
- Gebet der beginnenden Einigung: Glücklichsein in Gott.
- Gebet der Einigung: Unio mystica, die mystische Vereinigung mit Gott.
Den Zustand der Einigung schildert sie als so erfüllt, dass die Seele nichts lieber möchte, als den Herrn mit vielen Zungen zu preisen.