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Der neue Papst: Von Bruder Bob zu Leo XIV. | Glaube & Religion | Doku | BR

Bayerischer Rundfunk28:56 153.458 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 254 Zeilen
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  1. . Die ganze Welt schaut auf diesen Kamin.
  2. Auch diese Welt, die zu der Zeit in Passau zu Gast ist. Hey, hey!
  3. Afrika, Afrika, oh. Philippines, Philippines! - Brazil!
  4. Hey! We need him! Mitglieder der Christlichen Arbeiterjugend aus der ganzen Welt
  5. treffen sich zum 100-jährigen Bestehen der Organisation in Passau. Justament während in Rom der Papst gewählt wird.
  6. Die Spannung steigt: Wer ist es? Habemus Papam.
  7. Ah, it's the announcer. Aber jetzt.
  8. Jetzt wird verkündet, wer neuer Papst ist. Pscht.
  9. (TV) "Dominum Robertum Franciscum, Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Prevost."
  10. Genauso haben wohl die allermeisten geschaut. Robert wer?
  11. Untertitelung: BR 2025 Wer ist der Mann aus Chicago und Chiclayo,
  12. der Augustiner, der Kurienkardinal, der US-Amerikaner und der Peruaner? Der jetzt 1,4 Mrd. Katholiken vorsteht
  13. und der ein Mahner für den Frieden weltweit sein will. Der Friede sei mit euch allen.
  14. Robert Prevost wird als jüngstes von drei Kindern 1955 in Chicago geboren. Sein ältester Bruder erinnert sich an die Kindheit:
  15. Ich will nicht sagen, er ist "heilig" oder zu heilig. Es war etwas Spirituelles an ihm.
  16. Er spielte gerne Priester. Oft. Welches kleine Kind spielt gerne Priester?
  17. Die Brüder ziehen ihn sogar damit auf, dass er einmal Papst werde. Als er über der Brüstung des Balkons zu sehen war, sah ich seine Stirn,
  18. dann seine Augen, das war wie ... Da brach ich fast in Tränen aus. Ihn da oben zu sehen.
  19. Das ist mein Baby-Bruder! Er ist der Papst und winkt zur Menge.
  20. Zunächst studiert Robert Mathematik und Philosophie in Pennsylvania, dann Theologie in Chicago und Rom.
  21. 1985 geht er als Missionar nach Peru. Nach einer weiteren Zeit in Rom
  22. wird er 2015 Bischof der Diözese Chiclayo im Norden, wieder von Peru. Und die Leute dort muss er wohl so ins Herz geschlossen haben,
  23. dass er sie in seiner allerersten Ansprache auf Spanisch begrüßt. A mi querida diócesis de Chiclayo en el Peru.
  24. Und in Chiclayo ist man stolz auf den großen Sohn der Stadt, der seit 2015 auch peruanischer Staatsbürger ist.
  25. Man feiert mit Sprechchören ... El Papa es chiclayano!
  26. El Papa es chiclayano! ... Blaskapelle, ...
  27. ... Pappaufstellern ... oder benennt gebratenes Zicklein nach ihm in seinem Stammlokal.
  28. An diesem Tisch hat der jetzige heilige Vater Leo XIV. gegessen. Wir sind stolz, Chiclayanos zu sein.
  29. Im Restaurant freut man sich nicht nur über, sondern auch mit ihm. Als Bürger von Chiclayo bin ich glücklich, als Peruaner auch.
  30. Glücklich, dass wir erleben, dass Robert, mehr als ein Priester, mehr als ein Kardinal, mehr als ein Papst, ein Freund,
  31. dass der jetzt an dem Ort ist, wo er ist. Auch ohne Papstamt hat man in Chiclayo
  32. Prevost noch gut in Erinnerung, wegen seines Einsatzes für Arme und Flüchtlinge.
  33. Die Kirche San Juan Maria Vianney heißt im Volksmund "Kirche der Migranten".
  34. Hier hilft Lisbeth Diaz aus. Vor sieben Jahren floh sie, wie viele andere,
  35. wegen der Lage unter dem Maduro-Regime aus Venezuela. In Peru musste sie bei Null anfangen.
  36. Ich hab fast jeden Tag geweint. Ich wollte am liebsten wieder weg,
  37. weil ich das Gefühl hatte, nutzlos zu sein. Doch als sie hier eine Messe mit Bischof Prevost
  38. am "Tag der Migranten" besucht, schöpft sie Kraft. Es war sehr schön, weil wir uns wie zu Hause fühlten.
  39. Und von Anfang an hat uns der Monsignore gesagt, dass wir uns nicht allein fühlen sollen,
  40. weil wir nicht in unserem eigenen Land sind. Sondern dass wir hier gemeinsam weitergehen
  41. in einer synodalen Kirche. Das Wort "synodale Kirche" wird später noch wichtig.
  42. Auch diese Armenspeisung würde ohne Prevost so nicht existieren. Überhaupt scheint er ein Mann der Tat zu sein.
  43. Wie Papst Franziskus hat Prevost diese große Liebe für die Schwächsten.
  44. Ich denke, er hat tiefe Spuren bei uns Venezolanern hinterlassen, weil man diese Nähe zu den Menschen erleben konnte,
  45. nicht nur zu den Migranten, sondern zu allen, die in Not sind. Denn als es in der Diözese zu Starkregen kam,
  46. hat der Bischof sich Zeit für alle genommen, seine Stiefel angezogen,
  47. ist in die Flutgebiete und hat persönlich mit angepackt. Bis heute erinnern sich die Leute in den Flutgebieten
  48. noch an den Bischof in Gummistiefeln, der über die Lage aufklärt und selber Hilfsgüter verteilt.
  49. Er kam mit dieser Zuneigung und Liebe. Er sagte:
  50. "Sorge dich nicht, das geht vorbei." 2023 geht's wieder nach Rom.
  51. Franziskus macht ihn zum Leiter des Dikasteriums für die Bischöfe, also so was wie die Personalabteilung,
  52. und zum Kardinal. Doch Prevost ist auch Ordensmann, ein Augustiner.
  53. Er war sogar von 2001 bis 2013 der Generalprior, der weltweite Chef. Nur, was machen die Augustiner?
  54. Nein, Bier brauen sie nicht mehr. Sie gehören zu den Bettelorden, wie die Franziskaner,
  55. mit Schwerpunkt auf Bildung in Städten. Auf Neudeutsch würde man sagen: für Citypastoral.
  56. Wir waren zuständig für die Seelsorge in den Städten, außerhalb der Gemeinde, wo Leute durchs Raster fallen.
  57. Von manchen werden die Augustiner etwas kritisch beäugt. Den Augustinern wird manchmal vorgeworfen,
  58. sie hätten keine Spiritualität, weil unsere Ordensregel sehr kurz ist,
  59. sehr knapp ist, nicht alles regelt, sondern eher Freiheiten lässt, die immer wieder neu durchdekliniert werden müssen
  60. an dem Ort, wo man lebt und arbeitet. Pater Felix Meckl hat Robert Prevost mehrfach getroffen.
  61. Wie hat er ihn erlebt? Für uns war er immer der Robert oder der Bob.
  62. Und Bob war einfach ein Mitbruder auf Augenhöhe, auch wenn er General war, Vorsteher von 2800 Augustinern.
  63. Aber trotzdem, er war interessiert. Er war witzig.
  64. Er isst gerne scharf. Das waren alles Momente,
  65. die mich als Studenten damals sehr beeindruckt haben, dass er auch den Kontakt gesucht hat, meinen Namen kannte
  66. und er interessiert ist am Gegenüber, an Menschen. Hochintelligent und belesen
  67. und hat ein gutes Gespür für Situationen und Bedürfnisse. Auch hier in Maria Eich bei Planegg südlich von München war er schon.
  68. Denn als Ordenschef musste er alle Niederlassungen weltweit besuchen, und mit allen 2800 Brüdern zwischen der Bronx, Tokio und Papua Neuguinea
  69. Einzelgespräche führen. Da bekommt man einen Einblick in die Weltkirche.
  70. Und jetzt ist "Bruder Bob" auf einmal "Leo, der Papst". Wie geht's einem dabei?
  71. Ich saß bei der Buchhaltung. Dann kam der weiße Rauch. Wir haben die Maiandacht ausfallen lassen,
  72. haben die Leute eingeladen in unser Wohnzimmer zum Fernsehschauen. Und dann kommt das "Habemus Papam Gaudium Magnum".
  73. Und dann kommt der Name "Robertum" ... Oh Gott, es gibt ja noch andere Roberts.
  74. "Franciscum" ... oh nein ... ... "Cardinalem Prevost".
  75. Und dann war uns klar, es ist wirklich Robert. Wir haben gejubelt,
  76. wir haben gar nicht mitgekriegt, welchen Namen er sich gegeben hat. Die Freude war groß, Erstaunen
  77. und auch schon so ein Anflug von "Ui, da hat er jetzt was zu tun." Um dem neuen Papst Kraft dafür zu wünschen,
  78. feiern die Planegger Augustiner eine extra Abendmesse. Die Kirche ist rappelvoll.
  79. Nur, wie heißt der neue Papst noch gleich? Liebe Schwestern, liebe Brüder, an diesem Abend
  80. vor der Amtseinführung von Papst Franziskus ... Er heißt "Leo".
  81. Papst Leo, so heißt er! Deutlicher kann man es nicht machen:
  82. Sie sehen Leo in der Tradition von Franziskus. Doch in welcher Namenstradition sieht sich Leo XIV.?
  83. Leo I., der Attila der Legende nach von der Plünderung Roms abgehalten hat?
  84. Leo III., der Karl den Großen zum Kaiser gekrönt hat? Leo X., der den Augustinermönch Martin Luther exkommunizierte?
  85. Oder Leo XIII., der für seine Soziallehre bekannt wurde? Papst Leo XIII. hat mit der berühmten Enzyklika "Rerum Novarum"
  86. die soziale Frage im Zusammenhang mit der ersten großen industriellen Revolution
  87. angesprochen. Und heute bietet die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre an,
  88. um auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen
  89. der künstlichen Intelligenz zu antworten, die neue Herausforderungen
  90. im Hinblick auf die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit mit sich bringen.
  91. Die Rechte in der Arbeitswelt, das ist auch Thema der Christlichen Arbeiterjugend in Passau.
  92. Die geht sogar auf Leo XIII. zurück. Man freut sich, dass der Papst das Thema in den Fokus rückt.
  93. Doch schnell stellt man fest: Jedes Land hat seine eigenen Probleme.
  94. Derzeit reden wir auch über illegalen Abbau. Der zerstört unsere Umwelt.
  95. Als Hauptthema diskutieren wir gerade über mentale Gesundheit bei jungen Arbeitnehmern.
  96. Aber auch bei Leuten aus der LGBTQ-Gemeinschaft, die am verwundbarsten sind, was diese Dinge angeht.
  97. Er kann uns helfen, einen Dialog zu führen oder versuchen, Trump dazu zu bringen,
  98. die Sanktionen gegen Kuba, Nicaragua und Venezuela aufzuheben. Feminismus und Tierrechte sollten wichtig sein, denk ich.
  99. Wie soll ein Papst all diese Probleme in eine neue Soziallehre einfließen lassen?
  100. Wenn ich mit jemandem aus dem globalen Süden rede, die haben andere Probleme vor der Brust, so an sich.
  101. Aber die unterhalten sich auch darüber, wie die Arbeit geht, wie Glauben geht.
  102. Man muss den gemeinsamen Nenner suchen und finden. Ich bin mir sicher, dass der da ist.
  103. Bei genauem Hinhören merkt man nämlich, so verschieden sind die Probleme gar nicht.
  104. Viele Frauen erfahren Geschlechter-Ungleichheit. Es ist normalerweise schwierig für Frauen,
  105. aufzusteigen und Karriere zu machen. Es wird viel über die Lebenshaltungskosten diskutiert.
  106. Alles ist so teuer. Die Leute können sich das Leben nicht mehr leisten.
  107. Wir zerstören die Umwelt, die der Herr uns gab. Klimawandel.
  108. Wir haben große Probleme mit Migration. Wir haben viel mit Migration zu tun.
  109. Leute, die hauptsächlich aus Südamerika kommen und Arbeit suchen. Da braucht es klare Regeln.
  110. Genug zu tun, nicht nur für die Christliche Arbeiterjugend. Gut, dass der Papst in den USA und Peru daheim ist,
  111. in der Peripherie und in der römischen Zentrale. Und wie will der globale Leo diese Probleme angehen?
  112. Die Aufmerksamkeit für den "Sensus Fidei", den Glaubensverstand, insbesondere in seinen typischsten und inklusivsten Formen,
  113. wie der Volksfrömmigkeit. Was meint Leo denn mit Glaubensverstand?
  114. Früher hatte man immer unterschieden. Es gibt auf der einen Seite die "lehrende Kirche".
  115. Das waren dann im Zweifel die Bischöfe. Und auf der anderen Seite die "lernende Kirche",
  116. das waren dann alle anderen. Das Bild hat nie gepasst.
  117. Und es ist jetzt sehr stark in die Veränderung hineingekommen, der Glaubenssinn des Gottesvolkes.
  118. Papst Franziskus hat mal gesagt, es ist ein Spürsinn, es ist ein kritischer Sinn.
  119. Es ist aber auch ein Sinn, der zeigt, was die Kirche tatsächlich zusammenhält.
  120. Thomas Söding ist Theologieprofessor und einer der obersten Laienvertreter der deutschen Katholiken.
  121. Wie, denkt er, wird Leo die Kirche leiten? Von oben nach unten oder gemeinsam mit den Gläubigen, also synodal?
  122. Wir haben drei klare Signale, dass Leo der XIV. ein synodaler Papst sein wird.
  123. Das eine ist, dass er selber als Bischof in Peru gar nicht von oben herab die Kirche hat regieren können,
  124. sondern dass er da von Anfang an auf sehr viel Laienbeteiligung, auch auf die Beteiligung von Ordensleuten,
  125. nicht zuletzt auch von Indigenen gesetzt hat. Zweitens, er hat während der Weltsynode,
  126. in der es ja um Synodalität, um mehr Partizipation ging, eine sehr aktive, sehr konstruktive Rolle gespielt.
  127. Und drittens: Er hat klar und deutlich erklärt mit seinen ersten Worten,
  128. dass er den Kurs von Papst Franziskus fortsetzt. Er wird keine Kopie von Franziskus sein,
  129. es braucht auch etwas mehr Ruhe und rechtliche Klarheit in diesen synodalen Prozessen, aber die Richtung stimmt.
  130. Söding hat den damaligen Kardinal Prevost im Februar in Rom persönlich getroffen
  131. und sich da über die deutsche Reformdebatte, den synodalen Weg ausgetauscht.
  132. Der war in Rom zeitweise gar nicht gut gelitten. Es gab ein paar Unzulänglichkeiten in der Kommunikation
  133. zwischen Rom und dem synodalen Weg in Deutschland. Da hat sich nicht zuletzt auch durch die Person von Prevost
  134. doch einiges zum Guten gewandelt. Für mich ist ein ganz entscheidender Faktor derjenige gewesen,
  135. dass er sich wirklich mit den Originaltexten beschäftigt hat. Wirklich interessiert war,
  136. worum es in Deutschland auf dem synodalen Weg geht. Und dann sieht die Welt sofort anders aus.
  137. Doch was gehört zum Kern des Glaubens? Und was kann, was muss vielleicht sogar,
  138. geändert werden? Dafür hat Papst Franziskus die Weltsynode ins Leben gerufen.
  139. Nicht nur von oben herab aus Rom, gemeinsam sollen Bischöfe und Laien aus der ganzen Welt
  140. über die Zukunft der Kirche beraten. Leo sieht sich in der gleichen Tradition.
  141. Aber was ist etwa mit der Rolle der Frau? Frauen als Diakoninnen oder Priesterinnen?
  142. Gibt's vielleicht irgendwann gar eine "Päpstin Leonie"? Helena Jeppesen-Spuhler und Klara Csiszar
  143. arbeiten auf der Weltsynode mit. Wie steht's um die Frauenordination, also -weihe?
  144. Manche Bischöfe haben gesagt: Wenn das passiert, wenn Frauen ordiniert werden,
  145. das ist nicht mehr die katholische Kirche. Andere Bischöfe sagen:
  146. Wenn das nicht passiert, ist das nicht mehr die katholische Kirche. Da finde ich schon: Wir müssen den Weg gemeinsam gehen.
  147. Eine Frage also, die die Kirche spalten könnte. Aber was, meinen sie, hält der Papst von der Frauenweihe?
  148. Ich denke, da hat er selber noch keine Antwort drauf. Doch die beiden haben Hinweise,
  149. wie er als Kardinal bisher zu Frauen stand. Die Frauen, die bei ihm im Dikasterium arbeiten,
  150. haben ja auch offen gesagt, dass sie wirklich eine sehr gute Zusammenarbeit mit ihm hatten,
  151. auf Augenhöhe. Das ist nicht selbstverständlich. Da sind wir sehr gespannt.
  152. Manchmal denken wir, dass wir schon so weit weg in Europa hinsichtlich Frauen sind.
  153. Ich denke, da hatte er die beste Schulung in Südamerika, weil die sind wirklich schon weiter,
  154. was Frauen und die Rolle der Frau anbelangt. Da können wir schon auch was lernen.
  155. Beide sprechen einerseits von einer Hoffnung für die Kirche. Alleine die Tatsache, dass die Kardinäle, 133 ...
  156. Obwohl es immer wieder hieß, die kennen sich nicht, die kommen aus aller Welt,
  157. die gehen mehr auseinander als zueinander: Diese Wahl hat das Gegenteil bestätigt.
  158. Es war ein Konsens da. Andererseits könnte Leo auch eine Hoffnung für die Welt sein.
  159. Mich hat es beruhigt, zu sehen, wie er die Chance dieser Stunden nutzt
  160. rund um seine Amtseinführung, wie er sich gleich
  161. mit wichtigen Politikerinnen und Politikern getroffen hat und die Chance eben nutzt.
  162. Man sieht da auch, dass die Kirche den Auftrag in der Welt wahrnimmt. Und tatsächlich:
  163. Die mächtigsten Männer und Frauen des Planeten machen dem Chef des kleinsten Landes der Welt ihre Aufwartung.
  164. Nicht alle sind Katholiken, manche nicht mal Christen. Und alle erinnert er bei seiner Amtseinführung
  165. an sein erstes Wort als Papst: Frieden. Vergessen wir nicht die Brüder und Schwestern,
  166. die wegen der Kriege leiden. In Gaza sind Kinder, Familien und ältere Überlebende
  167. dem Hunger ausgeliefert. In Myanmar haben neue Feindseligkeiten
  168. unschuldige Menschenleben gefordert. Die gepeinigte Ukraine wartet darauf,
  169. dass es endlich Verhandlungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden gibt.
  170. Aber warum liegt das Thema dem Augustinerpapst am Herzen? Professor Massimo Faggioli
  171. unterrichtet an der Augustiner-Universität Villanova in Pennsylvania, an der auch Prevost studiert hat.
  172. Als Augustiner weiß er sehr gut, dass der heilige Augustinus derjenige ist,
  173. der eine bestimmte Vorstellung von Krieg und Frieden begründet hat. In diesem Bereich konnten wir einige interessante Initiativen sehen,
  174. in praktischer Hinsicht und auch als intellektuelle Reflexion darüber,
  175. was gerechter Krieg oder gerechter Frieden bedeutet, im Zeitalter von Drohnen oder künstlicher Intelligenz.
  176. Einen Tag nach seiner Amtseinführung trifft der Papst sich mit US-Vizepräsident JD Vance.
  177. Das Geschenk für Vance versieht er mit einem dezenten Hinweis: Der Frieden ist eine fragile Blume.
  178. Leo spricht aber auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
  179. Und auf einmal ist der Vatikan im Zentrum der Weltpolitik. Auf der anderen Seite hören wir hier aus Washington noch nichts,
  180. außer dem schriftlichen Statement von Donald Trump, der eben sagt, er gibt quasi den Ball der Verhandlungen ab.
  181. Er hat jetzt vorgeschlagen, dass der Vatikan die Verhandlungen übernehmen könnte,
  182. die Friedensgespräche übernehmen könnte. Das ist etwas,
  183. das der neue Papst schon vor einigen Tagen ins Gespräch brachte. Ehrenwert, doch wie soll jemand mit einer Handvoll Schweizergardisten
  184. den Konflikt lösen, den nicht mal der "Deal Maker" Donald Trump lösen konnte?
  185. Wie stehen überhaupt der US-Papst und der US-Präsident zueinander? Ein bisschen überrascht, aber wir sind sehr glücklich.
  186. Es ist eine große, absolut große Ehre. Doch Trump könnte sich über seinen Landsmann noch ärgern,
  187. meint Prof. Faggioli. Sicher ist, dass die Trump-Regierung nach dem 8. Mai weiß,
  188. dass sie den Katholizismus nicht mehr so manipulieren kann wie zuvor, im Sinne einer stärkeren Amerikanisierung
  189. nach dem Vorbild von Donald Trump. Da ist jetzt Vorsicht geboten.
  190. Schon als Kardinal hatte sich Prevost mit Vance angelegt. Der hatte sich im Rückgriff auf den heiligen Augustinus
  191. öffentlich so geäußert: Ich denke, es ist übrigens ein sehr christliches Konzept,
  192. du liebst deine Familie, dann liebst du deinen Nachbarn, dann liebst du deine Gemeinde,
  193. dann liebst du deine Mitbürger in deinem eigenen Land, und danach kannst du dich auf den Rest der Welt fokussieren.
  194. Darauf twitterte der Augustiner Prevost: "JD Vance liegt falsch:
  195. Jesus verlangt nicht von uns, unsere Liebe zu anderen abzustufen." Vertieft Leo die Spaltung in den USA?
  196. Liberale Stimmen jubeln: Heiliger Vater, Sie hatten mich bei: "JD Vance liegt falsch."
  197. Die Republikaner dagegen schießen schon am Tag seiner Wahl gegen den Papst:
  198. Er sprach spanisch. Er ist Amerikaner. Und er spricht nicht mal englisch.
  199. Er sprach lateinisch, spanisch und italienisch, aber nicht englisch. Wie kann man behaupten, das ist ein amerikanischer Papst,
  200. wenn er nicht mal die Muttersprache sprechen will? Ich finde das sehr verstörend.
  201. Und die Trump-Aktivistin Laura Loomer spricht gar vom "woke marxist pope". Massimo Faggioli sieht den Papst dagegen als Brückenbauer,
  202. weil er als Augustiner ein Mann der Mitte sei. Er steht Extremen sowohl auf der einen
  203. als auch auf der anderen Seite skeptisch gegenüber, also hat er theologisch eine Sprache,
  204. die beide Seelen ansprechen kann. Und die zweite Sache ist,
  205. dass der Extremismus innerhalb der amerikanischen Kirche darauf zurückzuführen ist,
  206. dass in den USA frühere Päpste oft als Päpste angesehen wurden, die Amerika nicht kennen, die Amerika nicht verstehen,
  207. die seine tiefen Instinkte nicht verstehen. Was für Papst Leo XIV. nicht gesagt werden kann,
  208. weil er in den USA geboren wurde, in den USA aufgewachsen ist. Leo: eine Idealbesetzung?
  209. Doch kurz vor seiner Wahl holen ihn Vorwürfe von Frauen aus Chiclayo ein: Er habe als Bischof
  210. Missbrauchsvorwürfe nicht entschieden genug verfolgt. Geht man den Vorwürfen nach,
  211. stößt man auf einen kirchenpolitischen Machtkampf. Ich denke, die Frauen werden als Waffe eingesetzt,
  212. dieser Fall als Vergeltung gegen Prevost. Die peruanische Investigativ-Journalistin Paola Ugaz
  213. recherchierte zur rechtskatholischen Gemeinschaft "Sodalicio". Die wurde in den 70ern gegen die Befreiungstheologie gegründet
  214. und von Johannes Paul II. unterstützt. Doch sie hat viele dunkle Seiten.
  215. "Sodalicio" ist eine Mischung aus einer Maschine des Missbrauchs und einer Maschine des Geldmachens.
  216. Und nie ist ihnen irgendwas in 54 Jahren der Existenz passiert. "Sodalicio" ist extrem gut mit der peruanischen Oberschicht vernetzt.
  217. Und überzieht die Journalistin und einen Kollegen mit Klagen. Einer der wenigen, der den beiden damals hilft, ist Robert Prevost.
  218. Robert Prevost war idealistisch, er sagte, ich werde ein Treffen mit den Opfern von "Sodalicio"
  219. und den Bischöfen vorbereiten. Er lief gegen eine Wand. Er war frustriert.
  220. Doch dann wird Prevost Chef der Bischofsbehörde. Er ermöglicht Ugaz eine Audienz bei Papst Franziskus.
  221. Der löst daraufhin "Sodalicio" auf. Einen Monat danach
  222. werden die Vorwürfe wegen Vertuschung gegen Prevost wieder laut. Doch: Der Anwalt der möglichen Opfer hat Verbindungen zu "Sodalicio".
  223. Also: Ein Mann aus einer Organisation, die wegen Missbrauchs auf Betreiben von Prevost aufgelöst wurde, sagt:
  224. Prevost habe in einem anderen Fall Missbrauch vertuscht. Eine Kampagne also?
  225. Diese Ewiggestrigen sind gar nicht so schnell schlecht vernetzt. Die haben von vornherein
  226. sehr, sehr kritisch auf die Wahl von Leo XIV. reagiert. Die werden auch genauso gegen Leo XIV. schießen,
  227. wie sie das gegen Franziskus getan haben. Aber es handelt sich um eine extrem kleine Minderheit.
  228. Dennoch: Hätte Prevost als Bischof mehr machen müssen? Matthias Katsch engagiert sich
  229. bei der Betroffenenvereinigung "Eckiger Tisch" und hat sich mit dem Fall beschäftigt.
  230. Hat der Bischof versucht, da etwas zu vertuschen? Nein, das hat er eindeutig nicht.
  231. Ist das Verfahren so, wie es gelaufen ist, befriedigend? Nein, ist es auch nicht.
  232. Es verweist nämlich auf das Problem, dass in Rom eine Handvoll Priester in der Glaubenskongregation
  233. weltweit alle Missbrauchsfälle untersuchen soll. Und das kann nicht funktionieren.
  234. Könnte also unter dem neuen Papst der Umgang mit Missbrauch besser werden? Das ist eine Irrsinnsaufgabe,
  235. eine 1,4 Mrd. Menschen umfassende Organisation, in der die Vertuschung, die Intransparenz, das Leugnen,
  236. so tief verankert sind, zu verändern. Die Erwartungen sind ...
  237. Deswegen bin ich da vorsichtig, solche Erwartungen zu formulieren. Das ist fast unmenschlich.
  238. Aber es ist nicht unwichtig, was er macht. Es hängt sehr viel davon ab, welche Signale er an der Spitze gibt.
  239. Mitmachen müssen alle anderen. Nicht nur im Kampf gegen Missbrauch,
  240. auch bei seinen anderen Aufgaben wird er Unterstützung brauchen. Auf seine Augustinerbrüder kann er da sicherlich zählen.
  241. Ich hab Leo eine Mail geschrieben und hab ihm gewünscht, dass er der bleiben kann, der er immer war,
  242. ein liebevoller, naher Mitbruder, der interessiert an Welt und am Gegenüber auch Leitung wahrnimmt.
  243. Das habe ich ihm geschrieben und er hat sich bedankt. Das ist dann verrückt, wenn die Mail kommt vom Papst.
  244. Er hat sich ganz knapp bedankt und freut sich auf das Wiedersehen. Ich hoffe, dass ihn die Verantwortung nicht erdrückt.
  245. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Menschen mit einem großen Amt dann eng werden,
  246. klein werden, ängstlich werden, nichts mehr wagen, dass sie sich sozusagen verändern, auch mit ihrer Persönlichkeit.
  247. Und dass ihm das möglichst wenig passiert, das hoffe ich bei ihm, dass er er bleibt.
  248. Bob Leo mit seiner Freiheit, mit seiner Spontaneität und dass er sich das bewahrt,
  249. das wäre wirklich gut für ihn, und auch für die Kirche. Leo XIV.: Ein Papst für alle Fälle.
  250. US-Amerikaner für eine gespaltene Nation, Peruaner für den globalen Süden,
  251. weltweit geschult für die Probleme der Kirche, Wegweiser für eine neue Soziallehre
  252. und Augustiner im Einsatz für den Frieden. Doch all die Vorschusslorbeeren und Verantwortung
  253. könnten sowohl das Amt als auch die Person überfordern. Schließlich steckt in Leo, dem Stellvertreter Christi,
  254. auch nur der Bruder Bob. Untertitelung: BR 2025

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