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Der neue Papst: Von Bruder Bob zu Leo XIV. | Glaube & Religion | Doku | BR
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 254 Zeilen
- . Die ganze Welt schaut auf diesen Kamin.
- Auch diese Welt, die zu der Zeit in Passau zu Gast ist. Hey, hey!
- Afrika, Afrika, oh. Philippines, Philippines! - Brazil!
- Hey! We need him! Mitglieder der Christlichen Arbeiterjugend aus der ganzen Welt
- treffen sich zum 100-jährigen Bestehen der Organisation in Passau. Justament während in Rom der Papst gewählt wird.
- Die Spannung steigt: Wer ist es? Habemus Papam.
- Ah, it's the announcer. Aber jetzt.
- Jetzt wird verkündet, wer neuer Papst ist. Pscht.
- (TV) "Dominum Robertum Franciscum, Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Prevost."
- Genauso haben wohl die allermeisten geschaut. Robert wer?
- Untertitelung: BR 2025 Wer ist der Mann aus Chicago und Chiclayo,
- der Augustiner, der Kurienkardinal, der US-Amerikaner und der Peruaner? Der jetzt 1,4 Mrd. Katholiken vorsteht
- und der ein Mahner für den Frieden weltweit sein will. Der Friede sei mit euch allen.
- Robert Prevost wird als jüngstes von drei Kindern 1955 in Chicago geboren. Sein ältester Bruder erinnert sich an die Kindheit:
- Ich will nicht sagen, er ist "heilig" oder zu heilig. Es war etwas Spirituelles an ihm.
- Er spielte gerne Priester. Oft. Welches kleine Kind spielt gerne Priester?
- Die Brüder ziehen ihn sogar damit auf, dass er einmal Papst werde. Als er über der Brüstung des Balkons zu sehen war, sah ich seine Stirn,
- dann seine Augen, das war wie ... Da brach ich fast in Tränen aus. Ihn da oben zu sehen.
- Das ist mein Baby-Bruder! Er ist der Papst und winkt zur Menge.
- Zunächst studiert Robert Mathematik und Philosophie in Pennsylvania, dann Theologie in Chicago und Rom.
- 1985 geht er als Missionar nach Peru. Nach einer weiteren Zeit in Rom
- wird er 2015 Bischof der Diözese Chiclayo im Norden, wieder von Peru. Und die Leute dort muss er wohl so ins Herz geschlossen haben,
- dass er sie in seiner allerersten Ansprache auf Spanisch begrüßt. A mi querida diócesis de Chiclayo en el Peru.
- Und in Chiclayo ist man stolz auf den großen Sohn der Stadt, der seit 2015 auch peruanischer Staatsbürger ist.
- Man feiert mit Sprechchören ... El Papa es chiclayano!
- El Papa es chiclayano! ... Blaskapelle, ...
- ... Pappaufstellern ... oder benennt gebratenes Zicklein nach ihm in seinem Stammlokal.
- An diesem Tisch hat der jetzige heilige Vater Leo XIV. gegessen. Wir sind stolz, Chiclayanos zu sein.
- Im Restaurant freut man sich nicht nur über, sondern auch mit ihm. Als Bürger von Chiclayo bin ich glücklich, als Peruaner auch.
- Glücklich, dass wir erleben, dass Robert, mehr als ein Priester, mehr als ein Kardinal, mehr als ein Papst, ein Freund,
- dass der jetzt an dem Ort ist, wo er ist. Auch ohne Papstamt hat man in Chiclayo
- Prevost noch gut in Erinnerung, wegen seines Einsatzes für Arme und Flüchtlinge.
- Die Kirche San Juan Maria Vianney heißt im Volksmund "Kirche der Migranten".
- Hier hilft Lisbeth Diaz aus. Vor sieben Jahren floh sie, wie viele andere,
- wegen der Lage unter dem Maduro-Regime aus Venezuela. In Peru musste sie bei Null anfangen.
- Ich hab fast jeden Tag geweint. Ich wollte am liebsten wieder weg,
- weil ich das Gefühl hatte, nutzlos zu sein. Doch als sie hier eine Messe mit Bischof Prevost
- am "Tag der Migranten" besucht, schöpft sie Kraft. Es war sehr schön, weil wir uns wie zu Hause fühlten.
- Und von Anfang an hat uns der Monsignore gesagt, dass wir uns nicht allein fühlen sollen,
- weil wir nicht in unserem eigenen Land sind. Sondern dass wir hier gemeinsam weitergehen
- in einer synodalen Kirche. Das Wort "synodale Kirche" wird später noch wichtig.
- Auch diese Armenspeisung würde ohne Prevost so nicht existieren. Überhaupt scheint er ein Mann der Tat zu sein.
- Wie Papst Franziskus hat Prevost diese große Liebe für die Schwächsten.
- Ich denke, er hat tiefe Spuren bei uns Venezolanern hinterlassen, weil man diese Nähe zu den Menschen erleben konnte,
- nicht nur zu den Migranten, sondern zu allen, die in Not sind. Denn als es in der Diözese zu Starkregen kam,
- hat der Bischof sich Zeit für alle genommen, seine Stiefel angezogen,
- ist in die Flutgebiete und hat persönlich mit angepackt. Bis heute erinnern sich die Leute in den Flutgebieten
- noch an den Bischof in Gummistiefeln, der über die Lage aufklärt und selber Hilfsgüter verteilt.
- Er kam mit dieser Zuneigung und Liebe. Er sagte:
- "Sorge dich nicht, das geht vorbei." 2023 geht's wieder nach Rom.
- Franziskus macht ihn zum Leiter des Dikasteriums für die Bischöfe, also so was wie die Personalabteilung,
- und zum Kardinal. Doch Prevost ist auch Ordensmann, ein Augustiner.
- Er war sogar von 2001 bis 2013 der Generalprior, der weltweite Chef. Nur, was machen die Augustiner?
- Nein, Bier brauen sie nicht mehr. Sie gehören zu den Bettelorden, wie die Franziskaner,
- mit Schwerpunkt auf Bildung in Städten. Auf Neudeutsch würde man sagen: für Citypastoral.
- Wir waren zuständig für die Seelsorge in den Städten, außerhalb der Gemeinde, wo Leute durchs Raster fallen.
- Von manchen werden die Augustiner etwas kritisch beäugt. Den Augustinern wird manchmal vorgeworfen,
- sie hätten keine Spiritualität, weil unsere Ordensregel sehr kurz ist,
- sehr knapp ist, nicht alles regelt, sondern eher Freiheiten lässt, die immer wieder neu durchdekliniert werden müssen
- an dem Ort, wo man lebt und arbeitet. Pater Felix Meckl hat Robert Prevost mehrfach getroffen.
- Wie hat er ihn erlebt? Für uns war er immer der Robert oder der Bob.
- Und Bob war einfach ein Mitbruder auf Augenhöhe, auch wenn er General war, Vorsteher von 2800 Augustinern.
- Aber trotzdem, er war interessiert. Er war witzig.
- Er isst gerne scharf. Das waren alles Momente,
- die mich als Studenten damals sehr beeindruckt haben, dass er auch den Kontakt gesucht hat, meinen Namen kannte
- und er interessiert ist am Gegenüber, an Menschen. Hochintelligent und belesen
- und hat ein gutes Gespür für Situationen und Bedürfnisse. Auch hier in Maria Eich bei Planegg südlich von München war er schon.
- Denn als Ordenschef musste er alle Niederlassungen weltweit besuchen, und mit allen 2800 Brüdern zwischen der Bronx, Tokio und Papua Neuguinea
- Einzelgespräche führen. Da bekommt man einen Einblick in die Weltkirche.
- Und jetzt ist "Bruder Bob" auf einmal "Leo, der Papst". Wie geht's einem dabei?
- Ich saß bei der Buchhaltung. Dann kam der weiße Rauch. Wir haben die Maiandacht ausfallen lassen,
- haben die Leute eingeladen in unser Wohnzimmer zum Fernsehschauen. Und dann kommt das "Habemus Papam Gaudium Magnum".
- Und dann kommt der Name "Robertum" ... Oh Gott, es gibt ja noch andere Roberts.
- "Franciscum" ... oh nein ... ... "Cardinalem Prevost".
- Und dann war uns klar, es ist wirklich Robert. Wir haben gejubelt,
- wir haben gar nicht mitgekriegt, welchen Namen er sich gegeben hat. Die Freude war groß, Erstaunen
- und auch schon so ein Anflug von "Ui, da hat er jetzt was zu tun." Um dem neuen Papst Kraft dafür zu wünschen,
- feiern die Planegger Augustiner eine extra Abendmesse. Die Kirche ist rappelvoll.
- Nur, wie heißt der neue Papst noch gleich? Liebe Schwestern, liebe Brüder, an diesem Abend
- vor der Amtseinführung von Papst Franziskus ... Er heißt "Leo".
- Papst Leo, so heißt er! Deutlicher kann man es nicht machen:
- Sie sehen Leo in der Tradition von Franziskus. Doch in welcher Namenstradition sieht sich Leo XIV.?
- Leo I., der Attila der Legende nach von der Plünderung Roms abgehalten hat?
- Leo III., der Karl den Großen zum Kaiser gekrönt hat? Leo X., der den Augustinermönch Martin Luther exkommunizierte?
- Oder Leo XIII., der für seine Soziallehre bekannt wurde? Papst Leo XIII. hat mit der berühmten Enzyklika "Rerum Novarum"
- die soziale Frage im Zusammenhang mit der ersten großen industriellen Revolution
- angesprochen. Und heute bietet die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre an,
- um auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen
- der künstlichen Intelligenz zu antworten, die neue Herausforderungen
- im Hinblick auf die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit mit sich bringen.
- Die Rechte in der Arbeitswelt, das ist auch Thema der Christlichen Arbeiterjugend in Passau.
- Die geht sogar auf Leo XIII. zurück. Man freut sich, dass der Papst das Thema in den Fokus rückt.
- Doch schnell stellt man fest: Jedes Land hat seine eigenen Probleme.
- Derzeit reden wir auch über illegalen Abbau. Der zerstört unsere Umwelt.
- Als Hauptthema diskutieren wir gerade über mentale Gesundheit bei jungen Arbeitnehmern.
- Aber auch bei Leuten aus der LGBTQ-Gemeinschaft, die am verwundbarsten sind, was diese Dinge angeht.
- Er kann uns helfen, einen Dialog zu führen oder versuchen, Trump dazu zu bringen,
- die Sanktionen gegen Kuba, Nicaragua und Venezuela aufzuheben. Feminismus und Tierrechte sollten wichtig sein, denk ich.
- Wie soll ein Papst all diese Probleme in eine neue Soziallehre einfließen lassen?
- Wenn ich mit jemandem aus dem globalen Süden rede, die haben andere Probleme vor der Brust, so an sich.
- Aber die unterhalten sich auch darüber, wie die Arbeit geht, wie Glauben geht.
- Man muss den gemeinsamen Nenner suchen und finden. Ich bin mir sicher, dass der da ist.
- Bei genauem Hinhören merkt man nämlich, so verschieden sind die Probleme gar nicht.
- Viele Frauen erfahren Geschlechter-Ungleichheit. Es ist normalerweise schwierig für Frauen,
- aufzusteigen und Karriere zu machen. Es wird viel über die Lebenshaltungskosten diskutiert.
- Alles ist so teuer. Die Leute können sich das Leben nicht mehr leisten.
- Wir zerstören die Umwelt, die der Herr uns gab. Klimawandel.
- Wir haben große Probleme mit Migration. Wir haben viel mit Migration zu tun.
- Leute, die hauptsächlich aus Südamerika kommen und Arbeit suchen. Da braucht es klare Regeln.
- Genug zu tun, nicht nur für die Christliche Arbeiterjugend. Gut, dass der Papst in den USA und Peru daheim ist,
- in der Peripherie und in der römischen Zentrale. Und wie will der globale Leo diese Probleme angehen?
- Die Aufmerksamkeit für den "Sensus Fidei", den Glaubensverstand, insbesondere in seinen typischsten und inklusivsten Formen,
- wie der Volksfrömmigkeit. Was meint Leo denn mit Glaubensverstand?
- Früher hatte man immer unterschieden. Es gibt auf der einen Seite die "lehrende Kirche".
- Das waren dann im Zweifel die Bischöfe. Und auf der anderen Seite die "lernende Kirche",
- das waren dann alle anderen. Das Bild hat nie gepasst.
- Und es ist jetzt sehr stark in die Veränderung hineingekommen, der Glaubenssinn des Gottesvolkes.
- Papst Franziskus hat mal gesagt, es ist ein Spürsinn, es ist ein kritischer Sinn.
- Es ist aber auch ein Sinn, der zeigt, was die Kirche tatsächlich zusammenhält.
- Thomas Söding ist Theologieprofessor und einer der obersten Laienvertreter der deutschen Katholiken.
- Wie, denkt er, wird Leo die Kirche leiten? Von oben nach unten oder gemeinsam mit den Gläubigen, also synodal?
- Wir haben drei klare Signale, dass Leo der XIV. ein synodaler Papst sein wird.
- Das eine ist, dass er selber als Bischof in Peru gar nicht von oben herab die Kirche hat regieren können,
- sondern dass er da von Anfang an auf sehr viel Laienbeteiligung, auch auf die Beteiligung von Ordensleuten,
- nicht zuletzt auch von Indigenen gesetzt hat. Zweitens, er hat während der Weltsynode,
- in der es ja um Synodalität, um mehr Partizipation ging, eine sehr aktive, sehr konstruktive Rolle gespielt.
- Und drittens: Er hat klar und deutlich erklärt mit seinen ersten Worten,
- dass er den Kurs von Papst Franziskus fortsetzt. Er wird keine Kopie von Franziskus sein,
- es braucht auch etwas mehr Ruhe und rechtliche Klarheit in diesen synodalen Prozessen, aber die Richtung stimmt.
- Söding hat den damaligen Kardinal Prevost im Februar in Rom persönlich getroffen
- und sich da über die deutsche Reformdebatte, den synodalen Weg ausgetauscht.
- Der war in Rom zeitweise gar nicht gut gelitten. Es gab ein paar Unzulänglichkeiten in der Kommunikation
- zwischen Rom und dem synodalen Weg in Deutschland. Da hat sich nicht zuletzt auch durch die Person von Prevost
- doch einiges zum Guten gewandelt. Für mich ist ein ganz entscheidender Faktor derjenige gewesen,
- dass er sich wirklich mit den Originaltexten beschäftigt hat. Wirklich interessiert war,
- worum es in Deutschland auf dem synodalen Weg geht. Und dann sieht die Welt sofort anders aus.
- Doch was gehört zum Kern des Glaubens? Und was kann, was muss vielleicht sogar,
- geändert werden? Dafür hat Papst Franziskus die Weltsynode ins Leben gerufen.
- Nicht nur von oben herab aus Rom, gemeinsam sollen Bischöfe und Laien aus der ganzen Welt
- über die Zukunft der Kirche beraten. Leo sieht sich in der gleichen Tradition.
- Aber was ist etwa mit der Rolle der Frau? Frauen als Diakoninnen oder Priesterinnen?
- Gibt's vielleicht irgendwann gar eine "Päpstin Leonie"? Helena Jeppesen-Spuhler und Klara Csiszar
- arbeiten auf der Weltsynode mit. Wie steht's um die Frauenordination, also -weihe?
- Manche Bischöfe haben gesagt: Wenn das passiert, wenn Frauen ordiniert werden,
- das ist nicht mehr die katholische Kirche. Andere Bischöfe sagen:
- Wenn das nicht passiert, ist das nicht mehr die katholische Kirche. Da finde ich schon: Wir müssen den Weg gemeinsam gehen.
- Eine Frage also, die die Kirche spalten könnte. Aber was, meinen sie, hält der Papst von der Frauenweihe?
- Ich denke, da hat er selber noch keine Antwort drauf. Doch die beiden haben Hinweise,
- wie er als Kardinal bisher zu Frauen stand. Die Frauen, die bei ihm im Dikasterium arbeiten,
- haben ja auch offen gesagt, dass sie wirklich eine sehr gute Zusammenarbeit mit ihm hatten,
- auf Augenhöhe. Das ist nicht selbstverständlich. Da sind wir sehr gespannt.
- Manchmal denken wir, dass wir schon so weit weg in Europa hinsichtlich Frauen sind.
- Ich denke, da hatte er die beste Schulung in Südamerika, weil die sind wirklich schon weiter,
- was Frauen und die Rolle der Frau anbelangt. Da können wir schon auch was lernen.
- Beide sprechen einerseits von einer Hoffnung für die Kirche. Alleine die Tatsache, dass die Kardinäle, 133 ...
- Obwohl es immer wieder hieß, die kennen sich nicht, die kommen aus aller Welt,
- die gehen mehr auseinander als zueinander: Diese Wahl hat das Gegenteil bestätigt.
- Es war ein Konsens da. Andererseits könnte Leo auch eine Hoffnung für die Welt sein.
- Mich hat es beruhigt, zu sehen, wie er die Chance dieser Stunden nutzt
- rund um seine Amtseinführung, wie er sich gleich
- mit wichtigen Politikerinnen und Politikern getroffen hat und die Chance eben nutzt.
- Man sieht da auch, dass die Kirche den Auftrag in der Welt wahrnimmt. Und tatsächlich:
- Die mächtigsten Männer und Frauen des Planeten machen dem Chef des kleinsten Landes der Welt ihre Aufwartung.
- Nicht alle sind Katholiken, manche nicht mal Christen. Und alle erinnert er bei seiner Amtseinführung
- an sein erstes Wort als Papst: Frieden. Vergessen wir nicht die Brüder und Schwestern,
- die wegen der Kriege leiden. In Gaza sind Kinder, Familien und ältere Überlebende
- dem Hunger ausgeliefert. In Myanmar haben neue Feindseligkeiten
- unschuldige Menschenleben gefordert. Die gepeinigte Ukraine wartet darauf,
- dass es endlich Verhandlungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden gibt.
- Aber warum liegt das Thema dem Augustinerpapst am Herzen? Professor Massimo Faggioli
- unterrichtet an der Augustiner-Universität Villanova in Pennsylvania, an der auch Prevost studiert hat.
- Als Augustiner weiß er sehr gut, dass der heilige Augustinus derjenige ist,
- der eine bestimmte Vorstellung von Krieg und Frieden begründet hat. In diesem Bereich konnten wir einige interessante Initiativen sehen,
- in praktischer Hinsicht und auch als intellektuelle Reflexion darüber,
- was gerechter Krieg oder gerechter Frieden bedeutet, im Zeitalter von Drohnen oder künstlicher Intelligenz.
- Einen Tag nach seiner Amtseinführung trifft der Papst sich mit US-Vizepräsident JD Vance.
- Das Geschenk für Vance versieht er mit einem dezenten Hinweis: Der Frieden ist eine fragile Blume.
- Leo spricht aber auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
- Und auf einmal ist der Vatikan im Zentrum der Weltpolitik. Auf der anderen Seite hören wir hier aus Washington noch nichts,
- außer dem schriftlichen Statement von Donald Trump, der eben sagt, er gibt quasi den Ball der Verhandlungen ab.
- Er hat jetzt vorgeschlagen, dass der Vatikan die Verhandlungen übernehmen könnte,
- die Friedensgespräche übernehmen könnte. Das ist etwas,
- das der neue Papst schon vor einigen Tagen ins Gespräch brachte. Ehrenwert, doch wie soll jemand mit einer Handvoll Schweizergardisten
- den Konflikt lösen, den nicht mal der "Deal Maker" Donald Trump lösen konnte?
- Wie stehen überhaupt der US-Papst und der US-Präsident zueinander? Ein bisschen überrascht, aber wir sind sehr glücklich.
- Es ist eine große, absolut große Ehre. Doch Trump könnte sich über seinen Landsmann noch ärgern,
- meint Prof. Faggioli. Sicher ist, dass die Trump-Regierung nach dem 8. Mai weiß,
- dass sie den Katholizismus nicht mehr so manipulieren kann wie zuvor, im Sinne einer stärkeren Amerikanisierung
- nach dem Vorbild von Donald Trump. Da ist jetzt Vorsicht geboten.
- Schon als Kardinal hatte sich Prevost mit Vance angelegt. Der hatte sich im Rückgriff auf den heiligen Augustinus
- öffentlich so geäußert: Ich denke, es ist übrigens ein sehr christliches Konzept,
- du liebst deine Familie, dann liebst du deinen Nachbarn, dann liebst du deine Gemeinde,
- dann liebst du deine Mitbürger in deinem eigenen Land, und danach kannst du dich auf den Rest der Welt fokussieren.
- Darauf twitterte der Augustiner Prevost: "JD Vance liegt falsch:
- Jesus verlangt nicht von uns, unsere Liebe zu anderen abzustufen." Vertieft Leo die Spaltung in den USA?
- Liberale Stimmen jubeln: Heiliger Vater, Sie hatten mich bei: "JD Vance liegt falsch."
- Die Republikaner dagegen schießen schon am Tag seiner Wahl gegen den Papst:
- Er sprach spanisch. Er ist Amerikaner. Und er spricht nicht mal englisch.
- Er sprach lateinisch, spanisch und italienisch, aber nicht englisch. Wie kann man behaupten, das ist ein amerikanischer Papst,
- wenn er nicht mal die Muttersprache sprechen will? Ich finde das sehr verstörend.
- Und die Trump-Aktivistin Laura Loomer spricht gar vom "woke marxist pope". Massimo Faggioli sieht den Papst dagegen als Brückenbauer,
- weil er als Augustiner ein Mann der Mitte sei. Er steht Extremen sowohl auf der einen
- als auch auf der anderen Seite skeptisch gegenüber, also hat er theologisch eine Sprache,
- die beide Seelen ansprechen kann. Und die zweite Sache ist,
- dass der Extremismus innerhalb der amerikanischen Kirche darauf zurückzuführen ist,
- dass in den USA frühere Päpste oft als Päpste angesehen wurden, die Amerika nicht kennen, die Amerika nicht verstehen,
- die seine tiefen Instinkte nicht verstehen. Was für Papst Leo XIV. nicht gesagt werden kann,
- weil er in den USA geboren wurde, in den USA aufgewachsen ist. Leo: eine Idealbesetzung?
- Doch kurz vor seiner Wahl holen ihn Vorwürfe von Frauen aus Chiclayo ein: Er habe als Bischof
- Missbrauchsvorwürfe nicht entschieden genug verfolgt. Geht man den Vorwürfen nach,
- stößt man auf einen kirchenpolitischen Machtkampf. Ich denke, die Frauen werden als Waffe eingesetzt,
- dieser Fall als Vergeltung gegen Prevost. Die peruanische Investigativ-Journalistin Paola Ugaz
- recherchierte zur rechtskatholischen Gemeinschaft "Sodalicio". Die wurde in den 70ern gegen die Befreiungstheologie gegründet
- und von Johannes Paul II. unterstützt. Doch sie hat viele dunkle Seiten.
- "Sodalicio" ist eine Mischung aus einer Maschine des Missbrauchs und einer Maschine des Geldmachens.
- Und nie ist ihnen irgendwas in 54 Jahren der Existenz passiert. "Sodalicio" ist extrem gut mit der peruanischen Oberschicht vernetzt.
- Und überzieht die Journalistin und einen Kollegen mit Klagen. Einer der wenigen, der den beiden damals hilft, ist Robert Prevost.
- Robert Prevost war idealistisch, er sagte, ich werde ein Treffen mit den Opfern von "Sodalicio"
- und den Bischöfen vorbereiten. Er lief gegen eine Wand. Er war frustriert.
- Doch dann wird Prevost Chef der Bischofsbehörde. Er ermöglicht Ugaz eine Audienz bei Papst Franziskus.
- Der löst daraufhin "Sodalicio" auf. Einen Monat danach
- werden die Vorwürfe wegen Vertuschung gegen Prevost wieder laut. Doch: Der Anwalt der möglichen Opfer hat Verbindungen zu "Sodalicio".
- Also: Ein Mann aus einer Organisation, die wegen Missbrauchs auf Betreiben von Prevost aufgelöst wurde, sagt:
- Prevost habe in einem anderen Fall Missbrauch vertuscht. Eine Kampagne also?
- Diese Ewiggestrigen sind gar nicht so schnell schlecht vernetzt. Die haben von vornherein
- sehr, sehr kritisch auf die Wahl von Leo XIV. reagiert. Die werden auch genauso gegen Leo XIV. schießen,
- wie sie das gegen Franziskus getan haben. Aber es handelt sich um eine extrem kleine Minderheit.
- Dennoch: Hätte Prevost als Bischof mehr machen müssen? Matthias Katsch engagiert sich
- bei der Betroffenenvereinigung "Eckiger Tisch" und hat sich mit dem Fall beschäftigt.
- Hat der Bischof versucht, da etwas zu vertuschen? Nein, das hat er eindeutig nicht.
- Ist das Verfahren so, wie es gelaufen ist, befriedigend? Nein, ist es auch nicht.
- Es verweist nämlich auf das Problem, dass in Rom eine Handvoll Priester in der Glaubenskongregation
- weltweit alle Missbrauchsfälle untersuchen soll. Und das kann nicht funktionieren.
- Könnte also unter dem neuen Papst der Umgang mit Missbrauch besser werden? Das ist eine Irrsinnsaufgabe,
- eine 1,4 Mrd. Menschen umfassende Organisation, in der die Vertuschung, die Intransparenz, das Leugnen,
- so tief verankert sind, zu verändern. Die Erwartungen sind ...
- Deswegen bin ich da vorsichtig, solche Erwartungen zu formulieren. Das ist fast unmenschlich.
- Aber es ist nicht unwichtig, was er macht. Es hängt sehr viel davon ab, welche Signale er an der Spitze gibt.
- Mitmachen müssen alle anderen. Nicht nur im Kampf gegen Missbrauch,
- auch bei seinen anderen Aufgaben wird er Unterstützung brauchen. Auf seine Augustinerbrüder kann er da sicherlich zählen.
- Ich hab Leo eine Mail geschrieben und hab ihm gewünscht, dass er der bleiben kann, der er immer war,
- ein liebevoller, naher Mitbruder, der interessiert an Welt und am Gegenüber auch Leitung wahrnimmt.
- Das habe ich ihm geschrieben und er hat sich bedankt. Das ist dann verrückt, wenn die Mail kommt vom Papst.
- Er hat sich ganz knapp bedankt und freut sich auf das Wiedersehen. Ich hoffe, dass ihn die Verantwortung nicht erdrückt.
- Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Menschen mit einem großen Amt dann eng werden,
- klein werden, ängstlich werden, nichts mehr wagen, dass sie sich sozusagen verändern, auch mit ihrer Persönlichkeit.
- Und dass ihm das möglichst wenig passiert, das hoffe ich bei ihm, dass er er bleibt.
- Bob Leo mit seiner Freiheit, mit seiner Spontaneität und dass er sich das bewahrt,
- das wäre wirklich gut für ihn, und auch für die Kirche. Leo XIV.: Ein Papst für alle Fälle.
- US-Amerikaner für eine gespaltene Nation, Peruaner für den globalen Süden,
- weltweit geschult für die Probleme der Kirche, Wegweiser für eine neue Soziallehre
- und Augustiner im Einsatz für den Frieden. Doch all die Vorschusslorbeeren und Verantwortung
- könnten sowohl das Amt als auch die Person überfordern. Schließlich steckt in Leo, dem Stellvertreter Christi,
- auch nur der Bruder Bob. Untertitelung: BR 2025
Zum Nachlesen
PapstPapst ist der deutschsprachige geistliche Titel für den Bischof von Rom als Oberhaupt der katholischen Kirche, bestehend aus der römisch-katholischen Kirche …
PriesterPriester oder Priesterin ist eine Bezeichnung für Spezialisten für religiöse Fragen, die den Kultus verwalten sowie Lehre und Tradition bewahren.
ReligionGeschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus …
RomRom wurde erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. vom Dichter Tibull Ewige Stadt genannt. Diese Bezeichnung, ursprünglich eine …