Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Giordano Bruno

Zu dieser Zeit verbreitete sich unter den Astronomen das von Nikolaus Kopernikus zur Vereinfachung der Berechnungen verwendete heliozentrische Weltbild.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernbedeutung
  2. 2. Leben und Wanderschaft
  3. 3. Rückkehr nach Italien und Prozesse
  4. 4. Philosophie und Weltbild
  5. 5. Wirkung und Bewertung

Kernbedeutung

Giordano Bruno (* Januar 1548 in Nola als Filippo Bruno; † 17. Februar 1600 in Rom) war ein italienischer Mönch, Priester, Dichter und Philosoph. Bekannt wurde er vor allem durch seine Kosmologie, also seine Lehre vom Aufbau des Weltalls. Er erweiterte das damals neue kopernikanische Modell: Nikolaus Kopernikus hatte die Sonne statt der Erde ins Zentrum des Planetensystems gesetzt, hielt aber noch an festen Sphären und an einer äußeren Fixsternsphäre fest. Bruno verwarf diese Vorstellung.

Bruno lehrte, dass die Fixsterne unterschiedlich weit entfernte Sonnen seien, die von eigenen Planeten umkreist werden. Auf diesen Planeten hielt er eigenes Leben, auch menschliches Leben, für möglich. Er war überzeugt, dass der Kosmos räumlich und zeitlich unendlich sei und deshalb kein Zentrum haben könne. Diese Thesen verband er mit philosophisch-theologischen Vorstellungen, besonders mit pantheistischen Gedanken. Pantheismus bedeutet hier: Gott wird nicht streng von der Welt getrennt gedacht, sondern als in allem gegenwärtig.

Die römische Inquisition befand Bruno der Ketzerei und Magie für schuldig. Am 17. Februar 1600 wurde er auf dem Campo de’ Fiori in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das Todesurteil wurde sowohl mit seinen kosmologischen Auffassungen als auch mit theologischen Vorwürfen begründet, darunter Thesen, die mit der Trinitätslehre, dem christlichen Gottesbegriff und der Menschwerdung Christi unvereinbar seien. Am 12. März 2000 erklärte Papst Johannes Paul II., dass die Hinrichtung auch aus kirchlicher Sicht als Unrecht zu betrachten sei; eine vollständige Rehabilitierung erfolgte aber nicht.

Leben und Wanderschaft

Bruno wurde 1548 in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort leitete er später die Selbstbezeichnung „Nolano“ ab. Ab 1562 studierte er in Neapel, am 15. Juni 1565 trat er in den Dominikanerorden im Kloster San Domenico Maggiore ein und nahm den Ordensnamen Jordanus/Giordano an. 1572 empfing er die Priesterweihe. Schon früh geriet er in Konflikt mit der Ordensleitung, unter anderem wegen seiner Haltung zur Marienverehrung und zu Heiligenbildern.

1576 wurde gegen Bruno ein ordensinternes Verfahren eröffnet, weil er Zweifel an der Menschwerdung Gottes geäußert, den Arianismus verteidigt und Schriften mit Anmerkungen des Erasmus gelesen hatte. Er verließ Italien und begann eine mehr als zehnjährige Wanderschaft durch Europa. In Genf trat er zeitweise der calvinistischen Kirche bei, geriet aber auch dort wegen theologischer Streitigkeiten in Konflikt und wurde kurz inhaftiert. Danach lebte und lehrte er unter anderem in Toulouse und Paris. In Paris wurde er von König Heinrich III. gefördert.

1583 ging Bruno nach England. In Oxford versuchte er zu lehren, erhielt aber keinen Lehrstuhl und löste durch Angriffe auf Aristoteles und wegen eines Plagiatsvorwurfs einen Skandal aus. In London veröffentlichte er wichtige italienische Dialoge, darunter „Cena de le Ceneri“ und „De l’Infinito, Universo e Mondi“. Darin formulierte er besonders deutlich die Idee eines unendlichen Universums mit unendlich vielen Welten.

Später hielt er sich in deutschen und mitteleuropäischen Städten auf, darunter Marburg, Wittenberg, Prag, Helmstedt, Frankfurt am Main und Zürich. In Wittenberg erhielt er zeitweise das Recht auf freie philosophische Vorträge. In Prag suchte er die Gunst Kaiser Rudolfs II., erhielt aber keine feste Anstellung. Auch an anderen Orten scheiterte er mit dem Versuch, eine sichere Professur zu bekommen. Er lebte daher von Publikationen, Vorträgen und der Unterstützung wechselnder Förderer.

Rückkehr nach Italien und Prozesse

1591 kehrte Bruno nach Italien zurück. Der venezianische Patrizier Zuane Mocenigo hatte ihn nach Venedig eingeladen und ihm Bezahlung versprochen, wenn Bruno ihn in Gedächtniskunst und andere Mysterien einweise. Bruno hoffte außerdem auf Chancen in Padua, wo die Professur für Mathematik frei war; sie ging 1592 jedoch an Galileo Galilei. Im März 1592 zog Bruno in Mocenigos Palazzo ein.

Als Bruno im Mai 1592 nach Frankfurt zurückkehren wollte, verhinderte Mocenigo die Abreise. Am Abend des 22. Mai ließ er Bruno festsetzen, am nächsten Tag denunzierte er ihn bei der Inquisition. Zu den Vorwürfen gehörten Religionsverachtung, Leugnung der Trinität und der Jungfräulichkeit Mariens, Zweifel an der Transsubstantiation, die Behauptung einer ewigen Welt und unendlich vieler Welten, Seelenwanderung sowie Wahrsagerei und Magie.

Im venezianischen Inquisitionsprozess verteidigte Bruno sich damit, dass er philosophisch argumentiert habe und die höheren Wahrheiten der katholischen Kirche anerkenne. Die Zeugen belasteten ihn kaum zuverlässig; viele Aussagen beruhten auf Hörensagen. Trotzdem verlangte Rom seine Auslieferung. Nach politischem Streit zwischen Venedig und Rom stimmte der venezianische Senat der Auslieferung mit 142 zu 30 Stimmen zu. Bruno traf am 27. Februar 1593 in Rom ein.

In Rom dauerte der Prozess fast sieben Jahre. Viele Originalakten wurden später vernichtet; wichtige Kenntnisse stammen aus einer 1940 im vatikanischen Archiv entdeckten Zusammenfassung. Bruno bestritt Blasphemievorwürfe, hielt aber an zentralen philosophischen Thesen fest. 1599 wurden ihm acht besonders anstößige Sätze aus seinen Werken vorgelegt, die er zunächst widerrief; später beharrte er wieder auf seiner Position. Am 8. Februar 1600 wurde das Urteil verlesen. Die Inquisition erklärte ihn zum „unbußfertigen, hartnäckigen und verstockten Ketzer“, schloss ihn aus der Kirche aus und übergab ihn dem weltlichen Gericht. Am 17. Februar 1600 wurde der 52-jährige Bruno verbrannt. Nach einem Augenzeugen soll er auf das Urteil gesagt haben: „Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme“ („Maiori forsan cum timore sententiam in me fertis quam ego accipiam“).

Philosophie und Weltbild

Brunos Philosophie verband Naturphilosophie, Theologie, Mystik und Kosmologie. Er nahm Einflüsse von Platon, Epikur, Lukrez, Thomas von Aquin, Johannes Scotus Eriugena, Nikolaus von Kues und Ramon Llull auf. Außerdem war er ein scharfer Kritiker des Aristoteles. Seine Denkweise war nicht moderne Naturwissenschaft im engeren Sinn, sondern ein „naturphilosophisches Ganzheitsdenken“.

Ein zentraler Begriff ist die Unendlichkeit. In der griechischen Antike galt das Unendliche oft als unbestimmt und der Vernunft schwer zugänglich. Bei Bruno wurde Unendlichkeit positiv verstanden: als unerschöpfliche Fülle der Wirklichkeit und als Ausdruck eines unbegrenzten göttlichen Vermögens. Aus der Idee einer allmächtigen und unendlichen Gottheit folgerte Bruno, dass dieser auch ein unendliches Universum entsprechen müsse.

Bruno bekannte sich zur kopernikanischen Theorie, ging aber deutlich über Kopernikus hinaus. Er übernahm nicht die Vorstellung fester Himmelssphären. Er unterschied zwischen „Sonnen“, die eigenes Licht und eigene Wärme erzeugen, und „Erden“, die um Sonnen kreisen und Licht und Wärme von ihnen empfangen. Einige oder alle Fixsterne seien demnach Sonnen. Der Astrophysiker Steven Soter bezeichnete Bruno als den ersten, der begriff, dass „Sterne andere Sonnen mit eigenen Planeten sind“.

Bruno verwarf auch die aristotelische Zweiteilung der Welt in einen heiligen translunaren Bereich über der Mondsphäre und einen irdischen sublunaren Bereich darunter. Dadurch wurde das Universum als einheitlicher Raum gedacht. In „De immenso“ entwickelte er zudem Gedanken zum Vakuum und entwarf eine frühe Idee geistiger Raumfahrten: „Mit den Flügeln des Geistes“ reiste er in Gedanken zum Mond und zu anderen Gestirnen. Diese Gedankenexperimente sollten zeigen, dass menschliches Denken begrenzte Horizonte überschreiten kann.

Wirkung und Bewertung

Bruno beeinflusste zahlreiche Philosophen und Schriftsteller, darunter Pierre Gassendi, Baruch de Spinoza, Lucilio Vanini, Friedrich Schelling, Galileo Galilei, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Nietzsche. Gottfried Wilhelm Leibniz übernahm von ihm den Begriff der Monade. Eine Monade ist bei Bruno eine unteilbare Einheit als Element des Weltaufbaus; später wurde der Begriff bei Leibniz wichtig.

Brunos Bücher wurden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt und blieben dort bis zur Abschaffung des Index 1966 im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Im Jahr 2000 erklärte Papst Johannes Paul II. seine Hinrichtung für Unrecht. Zugleich wurde Bruno nicht vollständig rehabilitiert, weil sein Pantheismus weiterhin nicht mit der katholischen Lehre vereinbar sei.

Ob Bruno ein „Märtyrer der Wissenschaft“ war, ist umstritten. Manche Deutungen sehen ihn als Teil der wissenschaftlichen und philosophischen Entwicklung, die das heliozentrische Weltbild und eine moderne Erkenntnistheorie vorbereitete. Andere, etwa Frances Yates, betonen, dass Bruno kopernikanische Gedanken auch hermetisch und vorwissenschaftlich deutete. Mordechai Feingold weist außerdem darauf hin, dass Brunos Auftreten, seine Polemik und seine geringe Geduld gegenüber Widerspruch häufig zu Konflikten beitrugen.

An Bruno erinnern mehrere Denkmäler und Namensgebungen. Besonders bekannt ist das 1889 errichtete Denkmal auf dem Campo de’ Fiori in Rom, dem Ort seiner Hinrichtung. Nach ihm benannt sind außerdem der Asteroid (5148) Giordano, ein 22 km durchmessender Mondkrater bei 103° östlicher Länge und 36° nördlicher Breite, die 2004 gegründete Giordano-Bruno-Stiftung, die Giordano-Bruno-Gesamtschule in Helmstedt und ein Denkmal am Potsdamer Platz in Berlin.

Weiterlesen

Rom Rom wurde erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. vom Dichter Tibull Ewige Stadt genannt. Diese Bezeichnung, ursprünglich eine … Italien Mit knapp 59 Millionen Einwohnern ist es das viertbevölkerungsreichste vollständig zu Europa zählende Land. Die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist … Kosmologie Die heutige Kosmologie beschreibt das Universum durch Anwendung physikalischer Theorien, wobei für die großen Skalen insbesondere die Allgemeine … Magie Magie (lateinisch magia) oder Zauberei bzw. Zauber, früher auch Zauberkunst, nimmt für sich in Anspruch, durch mehr oder minder ritualisierte Handlungen ( … Papst Papst ist der deutschsprachige geistliche Titel für den Bischof von Rom als Oberhaupt der katholischen Kirche, bestehend aus der römisch-katholischen Kirche … These Ursprünglich waren diese Thesen als Anlage einem Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg beigefügt. Die 95 Thesen sind im Stil von Disputationsthesen … Trinität Diese werden „Vater“ (Gott der Vater, Gott Vater oder Gottvater), „Sohn“ (Jesus Christus, Sohn Gottes oder Gott Sohn) und „Heiliger Geist“ (Geist Gottes) … Marienverehrung Marienverehrung bezeichnet die Verehrung Marias, der Mutter Jesu Christi. Die Marienverehrung ist Bestandteil der Liturgie und zeigt sich darüber hinaus in … Weihesakrament Das Sakrament der Weihe oder Sakrament der Ordination (lateinisch ordinatio, „Aufnahme in den jeweiligen ordo“), auch Sakrament der Handauflegung, … Mailand Die Metropolregion Mailand ist Teil der südlichen Spitze der Megaregion Blaue Banane. Angrenzende Gemeinden sind Arese, Assago, Baranzate, Bollate, Corsico … Toleranz Toleranz, auch Duldsamkeit, bezeichnet als philosophischer und sozialethischer Begriff ein Gewährenlassen und Geltenlassen anderer oder fremder … Nikolaus Kopernikus In seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium von 1543 beschreibt er ein heliozentrisches Weltbild, nach dem die Erde ein Planet sei, sich um ihre …