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Nikolaus Kopernikus

In seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium von 1543 beschreibt er ein heliozentrisches Weltbild, nach dem die Erde ein Planet sei, sich um ihre …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und heliozentrisches Weltbild
  2. 2. Herkunft, Ausbildung und kirchliche Ämter
  3. 3. Astronomische Arbeit und weitere Tätigkeiten
  4. 4. Nachwirkung und wissenschaftliche Rezeption
  5. 5. Grabmale, Ehrungen und Schriften

Bedeutung und heliozentrisches Weltbild

Nikolaus Kopernikus (19. Februar 1473 in Thorn–24. Mai 1543 in Frauenburg) war Domherr des Fürstbistums Ermland, Astronom und Arzt sowie tätig in Mathematik und Kartographie. Sein Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium erschien 1543. Darin entwickelte er ein heliozentrisches Weltbild: Die Erde ist ein Planet, dreht sich um ihre eigene Achse und bewegt sich wie die anderen Planeten um die Sonne. Die Erde erscheint dadurch als Teil eines einheitlichen Planetensystems und nicht als unbewegliches Zentrum des Kosmos. Die Wirkung dieser Vorstellung wird als „kopernikanische Wende“ bezeichnet; sie gilt als eine wichtige Zäsur beim Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit.

Herkunft, Ausbildung und kirchliche Ämter

Kopernikus wurde als Niklas Koppernigk geboren. Sein Vater Niklas war ein wohlhabender Kupferhändler und Schöffe in Thorn, seine Mutter Barbara Watzenrode stammte ebenfalls aus einer wohlhabenden Familie. Lange galt das Haus St. Annengasse 15/17 als Geburtshaus. Heute wird eher angenommen, dass die Familie bereits 1468 in eine Doppelhaushälfte am Ring, heute Rynek Staromiejski Nr. 36, umgezogen war und Kopernikus dort geboren wurde. Nach dem Tod seines Vaters 1483 und dem Verlust der Mutter übernahm sein Onkel Lucas Watzenrode, seit 1489 Fürstbischof von Ermland, die Ausbildung der vier Geschwister.

Kopernikus besuchte zunächst die Sankt-Johannes-Schule in Thorn und von 1488 bis 1491 eine höhere Schule, wahrscheinlich das Partikular der Brüder vom gemeinsamen Leben in Kulm (Chełmno). Von 1491 bis 1494 studierte er in Krakau die Sieben Freien Künste, ohne einen Abschluss zu erwerben. 1495 wurde er zum Kanoniker der ermländischen Domschule in Frauenburg ernannt. In Bologna begann er im Wintersemester 1496/1497 das Studium beider Rechte, lernte Griechisch und Astronomie und erwarb den Titel eines Magister artium. Bei Domenico Maria da Novara kam er mit neueren Planetentheorien und dem Neuplatonismus in Kontakt.

Nach einem Aufenthalt in Rom kehrte Kopernikus 1501 nach Frauenburg zurück und studierte ab diesem Jahr in Padua Medizin, während er sein Jurastudium fortsetzte. Einen medizinischen akademischen Grad erwarb er nicht. Am 31. Mai 1503 wurde er in Ferrara zum Doktor des Kirchenrechts promoviert.

Ab 1503 arbeitete Kopernikus als Sekretär und Arzt seines Onkels und wurde Mitglied des Frauenburger Domkapitels. Als Administrator regelte er Regierungsgeschäfte, als Kanzler des Domkapitels wurde er 1510, 1519, 1525 und 1528 gewählt. Nach der Zerstörung Frauenburgs im Reiterkrieg 1520 verlegte er seine Residenz nach Allenstein und organisierte dort die Verteidigung. 1521 kehrte er nach Frauenburg zurück. 1537 wurde er als Bischof vorgeschlagen, unterlag aber Johannes Dantiscus von Höfen. Noch 1541 behandelte er auf Bitte Herzog Albrechts den erkrankten Georg von Kunheim. Der Artikel nennt als Todesdatum den 24. Mai 1543; die Grabinschrift von 2010 gibt dagegen den 21. Mai 1543 an.

Astronomische Arbeit und weitere Tätigkeiten

Kopernikus war auch beobachtender Astronom, arbeitete jedoch mit für seine Zeit vergleichsweise einfachen Instrumenten. Sicher belegt ist die Benutzung eines Dreistabs. Insgesamt sind 63 eigene Beobachtungen bekannt, von denen er nur einen kleineren Teil in De revolutionibus verwendete. Er strebte eine Genauigkeit von 10 Bogenminuten an, also einem Drittel des Vollmonddurchmessers, verfehlte sie aber teilweise erheblich. Tycho Brahe erreichte wenig später eine Genauigkeit von einer halben Bogenminute. Wegen der „Dünste“ über der westlich gelegenen Weichsel konnte Kopernikus den Merkur in Frauenburg nicht beobachten und übernahm entsprechende Daten von Zeitgenossen, etwa Johannes Schöner. Sein Hauptwerk beruhte weitgehend auf antiken Beobachtungen.

Im unveröffentlichten Commentariolus formulierte Kopernikus seine Theorie des Umlaufs der Planeten um die Sonne und erklärte die scheinbare Bewegung der Fixsterne durch die Erdrotation. In De revolutionibus erklärte er außerdem die Präzession des Frühlingspunktes, also die langsame Verschiebung dieses Punktes, durch eine langsame Bewegung der Erdachse. Für die Planetenbahnen verwendete er Überlagerungen gleichförmiger Kreisbewegungen mit einem Zentrum nahe der Sonne. Er hielt damit weiterhin an Kreisbahnen, der antiken Epizykeltheorie und dem Sphärenmodell fest.

Die Schrift Narratio prima wurde mit Hilfe von Georg Joachim Rheticus 1540 in Danzig gedruckt. 1543 erschien in Nürnberg bei Johannes Petreius das Papst Paul III. gewidmete Hauptwerk. Andreas Osiander fügte eigenmächtig und anonym ein Vorwort hinzu, das das heliozentrische Modell als bloße Rechenhilfe darstellte und dadurch Kopernikus’ Aussagen verfälschte. Ob Kopernikus das fertige Buch noch sah und dem Vorwort zustimmte, ist nicht gesichert. Erasmus Reinhold berechnete nach Kopernikus’ Modell die leichter zu handhabenden Preußischen Tafeln.

Kopernikus beschäftigte sich ab 1517 intensiv mit dem Münzwesen. Er formulierte als Erster die Quantitätstheorie des Geldes: Inflation entsteht durch eine Zunahme der Geldmenge. Außerdem beschrieb er bereits vor Thomas Gresham das später so genannte Greshamsche Gesetz, nach dem schlechtes Geld mit geringem Edelmetallgehalt gutes Geld mit hohem Edelmetallgehalt verdrängt. Seine Denkschriften behandelten Geld zugleich als Maßstab der Preise und als Zirkulationsmittel. Die Münzordnung von Sigismund I. von 1528 entschied die Fragen zunächst pragmatisch. Seine Brotpreisordnung stellte einen funktionalen Zusammenhang her, der zu einer Hyperbel führte. 1526 arbeitete Kopernikus mit Bernard Wapowski an einer Karte des polnisch-litauischen Staates; 1529 fertigte er eine Karte des Herzogtums Preußen an.

Nachwirkung und wissenschaftliche Rezeption

Das heliozentrische Weltbild wurde nach der Veröffentlichung zunächst von Katholiken und Protestanten mehrheitlich ignoriert oder übergangen; Zustimmung fand es vor allem bei einigen Neuplatonikern. Die auf Kopernikus’ Berechnungen beruhenden Ephemeriden, darunter die Prutenischen Tafeln, wichen weiterhin deutlich von beobachteten Planetenpositionen ab. Auch die von Kopernikus beibehaltenen Epizyklen und das feste Sphärenmodell begrenzten die Erklärungskraft seiner Theorie.

Johannes Kepler ersetzte die Kreisbahnen durch ellipsenförmige Planetenbahnen und schuf mit seinen drei Gesetzen die bis heute gültigen mathematischen Berechnungsgrundlagen. Isaac Newton begründete die Keplerschen Gesetze physikalisch mit dem Gravitationsgesetz. Der empirische Nachweis der Erdbewegung gelang 1728 James Bradley durch die Entdeckung der Aberration des Lichtes und 1838 Friedrich Wilhelm Bessel durch die aus Himmelsbeobachtungen berechnete Fixsternparallaxe.

Die Ablehnung der Zentralstellung der Sonne kam unter anderem von Philipp Melanchthon. Martin Luther wird eine kritische Äußerung aus den Tischreden von 1539 zugeschrieben, doch ist die Überlieferung problematisch: Der Begriff „Narr“ erscheint erst in einer späteren Bearbeitung, und Andreas Kleinert bezeichnet die Annahme, Luther habe die Verbreitung des Weltbildes verhindert, als „handgreifliche Geschichtslüge“. Giordano Bruno übernahm das kopernikanische Weltbild in seine neuplatonisch-magisch geprägte Lehre. Galileo Galilei stützte es durch Beobachtungen und Veröffentlichungen, musste ihm aber 1633 unter dem Druck der Inquisition abschwören.

Grabmale, Ehrungen und Schriften

Die genaue Grab- und Altarstelle in Frauenburg ist teilweise umstritten. Jedem Domherrn war einer von 16 Säulenaltären zugeordnet. Nach einer Regelung von 1480 sollte ein Domherr den Altar seines Vorgängers übernehmen. Daraus wurde geschlossen, Kopernikus habe zunächst den vierten Säulenaltar der rechten Reihe erhalten. Wegen mindestens 16 Prälatenwechseln in den 48 Jahren bis zu seinem Tod ist aber nicht gesichert, welchen Altar er zuletzt innehatte.

1581 ließ Bischof Martin Cromer ein Epitaph nahe dem siebten Säulenaltar der rechten Reihe anbringen und ausdrücklich „an der Wand bei dessen Grab“ befestigen. Daraus gilt als gesichert, dass Kopernikus dort im Domboden beigesetzt worden war, ohne dass dies zwingend sein eigener Altar gewesen sein muss. Das Cromersche Epitaph ging nach seiner Entfernung 1746 verloren. Als Ersatz wurde 1735 an der zweiten Säule links ein Epitaph mit einer lateinischen Inschrift angebracht. 1973 erhielt die siebte Säule rechts eine Kopernikus-Büste. Nach archäologischen Untersuchungen wurden 2005 Überreste eines 60 bis 70 Jahre alten Mannes gefunden. DNA aus zwei Haaren eines früheren Kopernikus-Buches und einem Zahn des Schädels stimmte mit hoher Wahrscheinlichkeit überein, obwohl die ermittelte helle Augenfarbe von den historischen Porträts abwich. Die Überreste wurden am 22. Mai 2010 als die Kopernikus’ wiederbeigesetzt.

Weitere Denkmäler entstanden 1807 durch Johann Gottfried Schadow, 1822 durch Bertel Thorvaldsen und 1853 in Thorn durch Friedrich Tieck. Das Warschauer Denkmal wurde im Oktober 1944 abgerissen und am 22. Juli 1945 wiedererrichtet. Nach Kopernikus wurden unter anderem das Element Copernicium, ein Stern, der Mondkrater Copernicus, der Asteroid (1322) Coppernicus und die Pflanzengattung Copernicia benannt. Auch Universitäten, Wissenschaftszentren, ein Planetarium, ein Flughafen, Schulen und Straßen tragen seinen Namen.

Zu seinen Schriften gehören Commentariolus (um 1509), die Denkschriften über das Münzwesen von 1517 bis 1526, ein astronomischer Almanach von 1535, der Auszug De lateribus et angulis triangulorum von 1542 sowie De revolutionibus orbium coelestium von 1543. Frühe Biographien verfassten unter anderem Bernardino Baldi (1588) und Pierre Gassendi (1655); Leopold Prowe legte 1883 eine bis heute als unübertroffen angesehene zweibändige Lebensbeschreibung vor.

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