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Getrennte Bestattung
Die getrennte Bestattung ist eine Form der Teilbestattung, bei der die Bestattung der inneren Organe getrennt vom übrigen Körper erfolgt.
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Definition und Bedeutung
Die getrennte Bestattung ist eine Form der Teilbestattung: Innere Organe werden getrennt vom übrigen Körper beigesetzt. Besonders wichtig war die Herzbestattung, bei der das Herz einen eigenen Bestattungsort erhielt. Teilweise wurden Körper, Herz und Eingeweide auf drei verschiedene Orte verteilt. Daneben konnten auch Gehirn, Fleisch oder Knochen gesondert bestattet werden.
Diese Praxis hatte mehrere Ursachen. Sie erleichterte die Konservierung und den Transport eines Leichnams, ermöglichte aber zugleich, an mehreren bedeutsamen Orten an einen Verstorbenen zu erinnern. Religiöse Vorstellungen, persönliche Wünsche und die politische Repräsentation von Herrschern spielten ebenfalls eine Rolle. Im Mittelalter und in der Neuzeit betraf dies vor allem hochgestellte Geistliche und weltliche Herrscher, darunter Päpste, Bischöfe, Monarchen und Adelige. Getrennte Bestattungen kamen jedoch auch bei Künstlern, Schriftstellern, Heerführern und anderen bedeutenden Persönlichkeiten vor. Die Herzbestattung erreichte im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt.
Konservierung und Transport
Schon in der Antike wusste man, dass sich ein Leichnam besser konservieren lässt, wenn Gehirn, innere Organe und Eingeweide entfernt werden. Bei der Mumifizierung im Alten Ägypten blieb das Herz möglichst im Körper; Leber, Lunge, Magen und Gedärm wurden entnommen und in Kanopen, besonderen Gefäßen, aufbewahrt.
Im mittelalterlichen Europa erleichterte die Trennung von Herz, Eingeweiden und Körper lange Überführungen und ausgedehnte Trauerfeiern. Wenn hochgestellte Personen auf Reisen, im Ausland oder auf einem Kriegsschauplatz starben, konnte der Körper mit den damaligen Mitteln häufig nicht unversehrt bis zum vorgesehenen Grab gebracht werden. Bei Gesandten, die am Immerwährenden Reichstag in Regensburg starben, blieb beispielsweise der Körper auf dem dortigen Gesandtenfriedhof, während zumindest das Herz am oft weit entfernten Heimatort bestattet werden konnte.
Im Hochmittelalter wurde zeitweise der „mos teutonicus“ angewandt. Dabei kochte man den Leichnam ab und trennte Fleisch und Knochen. So blieb der Körper zwar nicht als Ganzes erhalten, doch wenigstens die Gebeine konnten ohne weitere Verwesung transportiert werden. Kaiser Lothar III., der am 3. Dezember 1137 bei Breitenwang in Tirol starb, wurde auf diese Weise für seine Beisetzung am 31. Dezember 1137 im Kaiserdom Königslutter vorbereitet. Nach dem Tod Kaiser Friedrichs I. Barbarossa am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph wurden Herz und Eingeweide in Tarsos und das Fleisch Anfang Juli in der Peterskirche von Antiochia bestattet; seine Knochen wurden mindestens bis Tyrus mitgeführt, vermutlich mit Jerusalem als Ziel.
Bertrand du Guesclin († 1380) wurde sogar an vier Orten bestattet. Sein für die Überführung einbalsamierter Körper begann zu zerfallen. Deshalb trennte man nach dem „mos teutonicus“ Fleisch und Knochen. Die Eingeweide kamen nach Le Puy-en-Velay, das Fleisch nach Montferrand, die Gebeine auf Anordnung König Karls V. nach Saint-Denis und das Herz nach dem Wunsch du Guesclins in seine bretonische Heimat Dinan.
Da eine dauerhafte Konservierung technisch nicht möglich war, genügte es häufig, einen Herrscher einige Tage aufzubahren. Kaiser Friedrich III. wurde nach seinem Tod 1493 einen Tag im Linzer Schloss öffentlich ausgestellt und anschließend im Wiener Stephansdom bestattet; Herz und Eingeweide blieben in der Linzer Stadtpfarrkirche.
Die Praxis bestand trotz neuer Methoden fort. Anfang des 19. Jahrhunderts spritzte man bereits konservierende Flüssigkeiten in den Blutkreislauf, entfernte Herz, Gehirn und Eingeweide aber oft weiterhin, etwa 1821 bei Napoleon Bonaparte und 1832 bei Napoleon Franz. Erst das 1855 entdeckte Formaldehyd erlaubte eine langfristige Erhaltung ohne Organentnahme. Bei den Wiener Habsburgern wurde die traditionelle Entfernung zuletzt 1878 bei Erzherzog Franz Karl vorgenommen. Papst Leo XIII. († 1903) wurde noch mit Organentnahme bestattet; Pius X. schaffte sie bei Päpsten ab.
Religion, Erinnerung und Herrschaft
Religiös bedeutsam war die seit der Antike verbreitete Vorstellung, das Herz sei Sitz der Seele und des Wesens eines Menschen. Das Konzil von Vienne erklärte 1311 dagegen, die Seele wohne im gesamten Körper und nicht nur im Herzen. Dennoch entwickelte sich die Herzbestattung zu einem festen Ritual. Das Herz galt als „edelster Teil des Menschen“ und sollte einen besonders würdigen Ort erhalten. Durch die Aufteilung waren außerdem mehrere Gedenk- und Begräbnisorte möglich; dies war besonders im Zusammenhang mit Reliquien wichtig.
Kaiser Heinrich III. († 1056) ließ seinen Körper in der Kaisergruft des Speyerer Doms, sein Herz aber in der Kaiserpfalz Goslar bestatten. Richard Löwenherz († 1199) erhielt ebenfalls mehrere Erinnerungsorte: Der Körper liegt in der Abtei Fontevrault, das Herz in der Kathedrale von Rouen und das Gehirn in der Abtei Charroux.
Die französischen Könige wurden gewöhnlich in Saint-Denis bestattet, während Herz und Eingeweide in ausgewählte Klöster gelangten. Besonders weit verteilt wurden die Überreste Ludwigs IX., der am 25. August 1270 in Karthago starb. Seine Gebeine kamen am 22. Mai 1271 nach Saint-Denis. Nach seiner Heiligsprechung wurden Reliquien unter anderem in die Sainte-Chapelle, nach Notre Dame, Bologna, Tysnes, Vadstena, Prag und Ingolstadt gegeben. Seine inneren Organe lagen zunächst in Monreale auf Sizilien und gelangten über mehrere Stationen wieder nach Karthago; nach der Unabhängigkeit Tunesiens 1956 wurden sie in die Sainte-Chapelle übertragen. Wo sein Herz verblieb, ist mangels Aufzeichnungen unklar.
Am Wiener Hof der Habsburger wurde die Dreiteilung zu einem Bestandteil des Hofzeremoniells. Ferdinand IV. († 1654) begründete die bis 1878 fortgeführte Tradition, die Herzen in der Loretokapelle der Augustinerkirche beizusetzen. Die Körper kamen gewöhnlich in die Kapuzinergruft, die Herzen in die Loretokapelle und die Eingeweide in die Herzogsgruft des Stephansdoms. Die Organe wurden in Seidentücher gehüllt, in Spiritus eingelegt und in zugelöteten Behältern aufbewahrt. Im „Herzgrüftel“ der Augustinerkirche befinden sich 54 Herzurnen. Insgesamt erhielten 41 Habsburger eine Bestattung mit Verteilung auf die drei Wiener Begräbnisstätten. Kaiser Joseph II. († 1790) gehörte zu den wenigen regierenden Habsburgern, die darauf verzichteten.
Auch die Wittelsbacher pflegten diese Tradition. Kurfürst Maximilian I. ließ Eingeweide, Körper und Herz in Ingolstadt, München und Altötting bestatten. In der Gnadenkapelle von Altötting befinden sich 28 silberne Herzurnen aus der Zeit von 1635 bis 1954. Während die Wiener Habsburger meist Kupfer oder Messing verwendeten, bestanden die Herzgefäße der Wittelsbacher häufig aus Silber.
Nach dem Ende der österreichischen Monarchie wurde die Herzbestattung ohne Entfernung der Eingeweide teilweise fortgesetzt. Die Herzen Karls I. († 1922) und Zitas († 1989) befinden sich im Kloster Muri. Otto von Habsburg († 2011) ließ sein Herz in der Benediktinerabtei Pannonhalma bestatten; das Herz seiner Gemahlin Regina († 2010) liegt in der Familiengruft auf der Veste Heldburg.
Typische Beispiele und weitere Formen
Die zahlreichen überlieferten Fälle zeigen unterschiedliche Motive und Ausführungen. Robert I. von Schottland († 1329) wurde in Dunfermline Abbey bestattet, sein Herz in Melrose Abbey. Frédéric Chopins Körper († 1849) liegt auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris, sein Herz in der Heiligkreuzkirche in Warschau. Bei Thomas Hardy († 1928) wurde der übrige Körper eingeäschert und die Asche in der Westminster Abbey beigesetzt, während sein Herz auf dem Kirchhof von Stinsford in Dorset liegt. Pierre de Coubertins Herz († 1937) befindet sich in einer Steinstele vor dem antiken Stadion von Olympia.
Auch außerhalb von Herrscherhäusern gab es politisch oder persönlich begründete Herzbestattungen. Das Herz des Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban († 1707) wurde nach seiner Wiederentdeckung auf Veranlassung Napoleons I. am 28. Mai 1808 in den Pariser Invalidendom überführt. Der Körper der Gräfin Karoline von Fuchs-Mollard († 1754) wurde auf Wunsch Maria Theresias in der Kapuzinergruft bestattet, ihr Herz dagegen in der Familiengruft der Wiener Michaelerkirche.
Eine weitere Form der getrennten Bestattung ist die Kopfbestattung, die in Europa seit der Antike allerdings kaum noch praktiziert wird. Bei Organspenden entsteht ebenfalls eine anonyme Trennung: Der Spender wird ohne die gespendeten Organe beerdigt, während diese später mit dem Empfänger bestattet werden. Seit vorgeschichtlicher Zeit wurden in voneinander unabhängigen Kulturen auch abgetrennte Körperteile oder die Nachgeburt in verschlossenen Gefäßen beigesetzt. Aus der japanischen Militärgeschichte sind außerdem Nasengräber mit den als Trophäen gesammelten Nasen getöteter Feinde bekannt.