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Geschichte des Weinbaus in Griechenland

Die Griechen entwickelten neue Methoden des Weinbaus und der Kellertechnik. Sie teilten ihr gesammeltes Wissen um den Wein mit den Völkern, mit denen sie in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und frühe Entwicklung
  2. 2. Wein in Alltag, Religion und Literatur
  3. 3. Handel, Kolonisation und frühe Regeln
  4. 4. Römische und byzantinische Zeit
  5. 5. Osmanische Zeit, Unabhängigkeit und Reblaus
  6. 6. Neuere Entwicklung

Bedeutung und frühe Entwicklung

Die Geschichte des griechischen Weinbaus zeigt vor allem den großen Einfluss des antiken Griechenlands auf den Weinbau im Mittelmeerraum. Die Griechen entwickelten Methoden des Weinbaus und der Kellertechnik und gaben ihr Wissen an Völker weiter, mit denen sie Handel trieben oder kulturell in Kontakt standen.

Archäologische Funde belegen, dass in Griechenland schon in der späten Jungsteinzeit Beeren der Wilden Weinrebe verarbeitet wurden. Kerne aus Dikili Tash bei Philippi gelten nach einem Fund im heutigen Iran als das zweitälteste Zeugnis dieser Art weltweit. Der Befund legt nahe, dass sich Weinbau vom Iran über den Bosporus nach Griechenland ausbreitete.

In der frühen Bronzezeit war die Rebe bereits weit verbreitet. Auf Kreta zeigen Funde aus der minoischen Kultur, dass dort ein frühes Zentrum des griechischen Weinbaus lag. In Vathypetro bei Archanes befindet sich eine der ältesten Weinpressen der Welt. Steinkelter, Tongefäße und Handelsbeziehungen zu Ägypten sprechen dafür, dass die Minoer den Weinbau von ihren Nachbarn übernahmen. Große Amphoren dienten häufig als Vorratsbehälter für Wein; kleinere Gefäße wurden eher für Olivenöl genutzt. Geharzte Weine könnten aus der Methode entstanden sein, Amphoren mit Harz abzudichten.

Über Santorin, damals Thira, und die Kykladen gelangte der Weinbau auf das griechische Festland. Wahrscheinlich gab es zusätzlich einen Verbreitungsweg über die türkische Westküste Kleinasiens und die Ägäischen Inseln. In der mykenischen Kultur zwischen 1600 und 1050 v. Chr. ist intensiver Weinbau gut belegt: durch getrocknete Kerne, Reste gepresster Beeren, Keramikdarstellungen und einen Keller in Pylos mit 35 gut erhaltenen Gefäßen. In der Linearschrift B gab es bereits Ideogramme für Wein und Weinberg; möglicherweise existierte auch schon der Beruf des Weinhändlers. Mykenische Exportgüter wie Olivenöl und Wein wurden in Ägypten, Zypern, Syrien, Sizilien und Süditalien gefunden, während Griechenland auch Wein aus anderen Regionen importierte.

Wein in Alltag, Religion und Literatur

Wein spielte in Religion, Festen und Alltagskultur eine wichtige Rolle. In der griechischen Mythologie war das Trankopfer, also das Ausgießen von Flüssigkeiten wie Wasser, Milch, Honig, Wein oder Öl für göttliche oder kultische Zwecke, eine häufige Kulthandlung. Es fand morgens und abends, beim Gebet, beim Eid, vor Reisen sowie bei Symposien und Gastmählern statt. Dafür nutzte man besondere Gefäße, etwa Rhyton, Phiale oder Patera als Opferschalen sowie Lagynos und Guttus als Opferkannen.

Athen feierte im Oktober das Weinlesefest Oschophoria. Im Winter folgten die Lenäen, ursprünglich mit Bitten um Wachstum und Fruchtbarkeit im neuen Jahr. Im Februar fanden die Anthesteria statt, die seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar sind und unter anderem Weinwetttrinken umfassten. Später kamen die Dionysien hinzu.

Für Herstellung, Lagerung und Genuss gab es viele spezialisierte Gefäße. Beeren wurden in einem Linos zerstampft, der Saft gärte meist in einem Weinschlauch aus Ziegenfell und wurde in einen Pithos gegeben. Amphoren dienten als Speicher- und Transportgefäße. Wein wurde grundsätzlich mit Wasser getrunken; unverdünnter Wein galt als Merkmal der Barbaren. Üblich waren fünf Teile Wasser auf zwei Teile Wein. Eine Mischung aus gleichen Teilen galt bereits als unmäßig und wurde akratos, also „unvermischt“, genannt. Zum Mischen verwendete man zuerst den Lebes, später verschiedene Kraterformen. Der Psykter diente zur Kühlung.

In der Literatur erscheint Wein früh als wichtiger Teil der Kultur. Die Zeit zwischen 1200 v. Chr. und ca. 750 v. Chr. ist wegen fehlender zeitgenössischer Schriftquellen als Dunkle Jahrhunderte bekannt. In Homers Werken ist Wein dennoch ein fester Teil der Alltagskultur, sowohl bei Griechen und Trojanern als auch bei den Kyklopen. Dionysos war der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Hesiod beschrieb im 7. Jahrhundert v. Chr. in Werke und Tage Arbeit im Weinberg, Weinlese auf Chios, Trocknung der Beeren und Lagerung. Theophrastos von Eresos behandelte später botanische Beobachtungen zur Rebe, Standortfragen, Böden, Wasserversorgung und Zusätze zur Verbesserung von Wein.

Handel, Kolonisation und frühe Regeln

In der archaischen Zeit von 700 bis 500 v. Chr. führte die sogenannte Große Kolonisation zur Ausbreitung griechischer Siedlungen und Handelsbeziehungen im Mittelmeerraum. Gründe waren unter anderem Überbevölkerung, die Sicherung von Handelswegen und innere Kämpfe in Griechenland. Der Weinexport profitierte stark davon. Neben Athen als wichtigstem Binnenmarkt entstanden Märkte am Schwarzen Meer, entlang der Donau bis in das heutige Österreich, in Süditalien und in Etrurien. Wichtigstes Transportmittel war das Schiff. Mit der Gründung von Massalia, dem heutigen Marseille, gaben die Griechen den dortigen Kelten erste Einblicke in gewerblichen Weinbau und legten vor den Römern eine Grundlage für den Weinbau in Frankreich.

Wein wurde früh ein wichtiges Handelsgut. Homer erwähnt den pramnios oinos, einen Wein der Insel Ikaria. Später wurde dieser Name zum Synonym für kräftigen, alkoholreichen Wein und musste nicht mehr zwingend Wein aus Ikaria bezeichnen. Besonders bekannt waren Weine der ägäischen Inseln; Chios hatte den besten Ruf, Lesbos und Thasos standen kaum dahinter zurück.

Thasos zeigt, wie wichtig Wein spätestens seit dem 5. Jahrhundert war. Dort gab es bereits vor 2400 Jahren ein Weingesetz. Nach dem Ende der persischen Herrschaft musste Thasos 479 v. Chr. unter athenische Vorherrschaft treten und 478 v. Chr. dem ersten Attisch-Delischen Seebund beitreten. 465 v. Chr. revoltierte Thasos gegen Athen; Thukydides sah wirtschaftliche Gründe, besonders Kontrolle von Handel und Bergbau, als Hauptursache.

Auf zwei Marmorplatten aus Thasos wurden Regelungen zur Weinerzeugung und zum Weinhandel gefunden. Die ältere Inschrift stammt aus den Jahren zwischen 480 und 460 v. Chr., die jüngere aus dem letzten Viertel des 5. Jahrhunderts. Geregelt wurden Besteuerung sowie Handel mit Trauben, Most und Wein. Amphoren wurden zur Exportkontrolle gestempelt. Rosenblätter wurden dem reifenden Wein beigemischt, um den floralen Charakter der Weine aus Thasos zu verstärken und das Importverbot leichter kontrollieren zu können. Auch die Rebkultivierung war weit entwickelt: Rebstöcke wurden nach Sonne und Wind ausgerichtet und in parallelen Reihen gepflanzt.

Römische und byzantinische Zeit

Die goldene Ära des antiken griechischen Weinbaus lag vermutlich zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. Unter Römern und Byzantinern blieb Weinbau in Griechenland zunächst wichtig, verlor aber allmählich an wirtschaftlicher Stärke. Nach den Kämpfen mit Makedonien wurde Griechenland schrittweise in den römischen Machtbereich eingebunden. Im Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg von 200 bis 197 v. Chr. wurde Makedonien geschlagen; 168 v. Chr. unterlag es endgültig in der Schlacht von Pydna. Das Ende des Hellenismus wird geopolitisch mit 146 v. Chr. verbunden, als weitere Teile Griechenlands in das Römische Reich eingegliedert wurden.

Die wichtigsten Märkte lagen nun in Rom und später im Süden Frankreichs. Die Römer übernahmen griechisches Wissen über Reberziehung, Standortfragen und Weinausbau und verbreiteten es in vielen Provinzen. Griechischer Wein blieb begehrt und teuer, doch der erschwerte Zugang zu den wichtigsten Umschlagplätzen schwächte seinen Ruf und seine wirtschaftliche Bedeutung. Qualitätsproduzenten, die vom Export lebten, mussten teilweise schließen.

Nach der Reichsteilung 395 n. Chr. wurde Griechenland Teil des Byzantinischen Reichs. Die Konstantinische Wende, eingeleitet durch die Mailänder Vereinbarung von 313, führte zum stärkeren Einfluss des Christentums und 380 zur Staatsreligion. Das Verbot des alten Götterglaubens wirkte sich zumindest kurzfristig auf den Weinbau aus, weil viele Handlungen mit Dionysos verbunden waren. Weinbau beschränkte sich zunehmend auf Eigenverbrauch und Klöster. Anders als in Frankreich und Deutschland prägten griechische Klöster den Weinbau jedoch kaum. Das Holzfass für Ausbau und Lagerung wurde in Griechenland erst ab dem 7. Jahrhundert eingeführt, also fast 400 Jahre nach westeuropäischen Ländern.

Ein wichtiges Exportprodukt wurde der Monemovassios oenos, ein Wein, der am Hafen von Monemvasia verladen wurde und als Malvasia bekannt wurde. Er wurde bis nach Frankreich, Deutschland und England exportiert. Weil große Schiffe Monemvasia nicht mehr anlaufen konnten, wurde der Name bald auch auf Weine aus Kreta und Santorin übertragen. Durch venezianische Handelsprivilegien, besonders ab 992 unter Kaiser Basileios II., konnten fremde Weine günstig importiert werden. Viele einheimische Produzenten gerieten dadurch in Schwierigkeiten; im 14. und 15. Jahrhundert kamen Stützungsversuche für griechische Winzer für viele zu spät.

Osmanische Zeit, Unabhängigkeit und Reblaus

Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 und weiterer Teile des Byzantinischen Reichs gehörten große Teile des griechischen Sprachraums rund vierhundert Jahre zum Osmanischen Reich. Der Weinbau verlor im 15. Jahrhundert seine frühere Bedeutung, wurde aber besonders auf Inseln in kleinerem Umfang fortgeführt. Auf dem Festland war die kleinasiatische Küste um Smyrna ein wichtiges Anbaugebiet. Unter türkischer Herrschaft kam der Export jedoch weitgehend zum Erliegen. Hohe Abgaben auf Wein und auf Traubenproduktion führten dazu, dass viele Landwirte ihre Rebflächen aufgaben. Beim Rückzug der Türken nach der Griechischen Revolution wurden viele landwirtschaftliche Flächen verwüstet. Auf den venezianisch beherrschten Ionischen Inseln wurde der Rosinenanbau als Exportgut gefördert, wodurch der Weinanbau zurückging.

Nach dem Zurückdrängen der Türken im 19. Jahrhundert wurde der Weinbau langsam wiederbelebt. Königin Amalia ermutigte Bauern, sich stärker dem Weinanbau und weniger dem von türkischen Grundbesitzern bevorzugten Tabakanbau zuzuwenden. Wegen der wechselhaften Zeit der neuen griechischen Selbständigkeit entwickelte sich aber nur selten hochwertiger Weinbau. Häufig wurde Wein anonym und in großen Mengen für den Export erzeugt, mit einfacher Technik produziert und als Verschnittwein nach Frankreich verkauft oder in Städten konsumiert. Inselweine hatten dagegen einen guten Ruf; ein Bericht von 1849 stellte sie den besten spanischen Weinen gleich und erwähnte Exporte bis nach Russland und Sibirien.

Der Erwerb hochwertiger Rebpflanzen war schwierig, abgesehen von der Sorte Korinthiaki. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vervierfachte sich deren Rebfläche, während sich die gesamte bestockte Rebfläche nur verdoppelte. 1898 wurde in Pylea bei Thessaloniki die Reblaus auf griechischem Boden entdeckt. Sie verbreitete sich sehr schnell über das Festland. Zwar erreichte Griechenland 1916 mit fast 200.000 Hektar Rebfläche die größte Verbreitung des Weinbaus seit Menschengedenken, doch die Reblaus schränkte diesen Bestand rasch stark ein. Der Wiederaufbau ging langsam voran, weil die Nachfrage nach griechischem Wein zwischen 1925 und dem Zweiten Weltkrieg eingebrochen war. In den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde die Rebsorte Sultana zunehmend in griechischen Weingärten angebaut.

Neuere Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der Griechische Bürgerkrieg von Juni 1946 bis 9. Oktober 1949. Er belastete Politik und Gesellschaft über Jahrzehnte und führte zu einer Spaltung in Kommunisten und Antikommunisten. Griechenland wurde am 18. Februar 1952 Mitglied der NATO; am 1. November 1962 trat ein Assoziierungsabkommen mit der EWG in Kraft. Am 21. April 1967 putschte das Militär. Die Militärdiktatur dauerte von 1967 bis 1974. Der wirtschaftliche Aufschwung zwischen 1952 und 1967 half dem Weinbau nur wenig, weil ausländische Unterstützung vor allem in Bauwesen und Handelsflotte floss.

Seit den 1950er Jahren profitierten Weingüter von Önologen, also Fachleuten für Weinbereitung, die im Ausland ausgebildet wurden, besonders in Frankreich. Eine eigentliche Renaissance des hochwertigen griechischen Weinbaus begann aber erst nach dem Ende der Militärdiktatur und mit dem Beitritt Griechenlands zur Europäischen Union. 1974 wurde ein Weingesetz erlassen, das sich europäischen Regeln anpasste. EU-Agrarfördermittel ermöglichten wichtige Investitionen in Kellertechnik und Weinberge.

Ein früher Gewinner von Urbanisierung in Athen und wachsendem Tourismus war der harzgewürzte Retsina. Er hatte schon vor 1960 eine lange Geschichte, war aber zuvor eher unbedeutend. In den 1960er und 1970er Jahren setzte sich besonders Stauroula Kourakou-Dragona, spätere Ehrenpräsidentin des OIV, für die Einführung des Weingesetzes ein. Weil das griechische Alphabet in Exportländern schwer verständlich war, durften griechische Produzenten Herkunftsbezeichnungen auf Flaschenetiketten auch in anderen Sprachen verwenden, vor allem auf Französisch und Englisch.

In den 1970er Jahren gab es neben Winzergenossenschaften vier wichtige Weinhäuser: Achaia Clauss, Kambas, Kourtakis und Boutari. Tsantali folgte wenige Jahre später. Produkte, die ursprünglich für den Massenmarkt gedacht waren, entwickelten sich im Lauf der Zeit zu qualitativ guten Erzeugnissen. Viele griechische Weinmacher wurden an bekannten Weinbauschulen in Bordeaux, Dijon, Montpellier, Geisenheim, Alba, Adelaide am Roseworthy College und Davis in Kalifornien ausgebildet.

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