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Samos

Aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft und der Geschichte bieten sich für den Sanften Tourismus diverse Möglichkeiten, dieser Bereich ist bisher gering …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Klima, Tierwelt und Verwaltung
  3. 3. Frühe Geschichte und Antike
  4. 4. Von Rom bis zur Gegenwart
  5. 5. Wirtschaft, Tourismus und Verkehr
  6. 6. Archäologische Stätten

Überblick und Lage

Samos ist eine griechische Insel in der östlichen Ägäis vor der ionischen Küste Kleinasiens; türkisch heißt sie Sisam. Sie gehört zu den Südlichen Sporaden und bildet mit Ikaria deren nördlichen Abschluss. Seit 2011 ist sie ein Regionalbezirk der Region Nördliche Ägäis. Die Insel hatte 32.643 Einwohner (2021); Hauptort ist die Stadt Samos, früher Kato Vathy oder Limin Vatheos genannt.

Mit 477,942 km² ist Samos die achtgrößte Insel Griechenlands. Sie ist über 44,3 km lang und in der Mitte bis zu 19 km breit, im Osten aber weniger als 5 km. Die Meerenge von Mykali trennt sie vom türkischen Festland: Sie ist etwa 6 km lang und an ihrer engsten Stelle nur 1,7 km breit. Ikaria liegt 19 km westlich, Chios 67 km nordwestlich und die bewohnte Insel Samiopoula vor der Südküste.

Mehr als 60 % der Insel sind hügelig oder bergig. Wichtig sind das steil aus dem Meer aufragende Kerkis-Massiv im Westen mit der 1434 m hohen Vigla sowie das zentrale Ambelos-Gebirge mit dem 1153 m hohen Karvounis. Große Ebenen sind die Ebene von Karlovasi und die Ebene von Chora; weitere sind Mesokambos und die Vlamari-Hochebene. Der Golf von Vathy im Nordosten ist etwa 5 km tief und 1 km breit und zählt zu den größten Naturhäfen der Ägäis.

Klima, Tierwelt und Verwaltung

Samos hat ein Csa-Klima mit milden, regenreichen Wintern und warmen, trockenen Sommern. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 19,3 °C, im Januar 10,8 °C und im Juli 25,8 °C. Am Flughafen wurden 1955–1997 als Extremwerte 41 °C und −3,4 °C gemessen. Im Juli und August sind Tageshöchstwerte über 40 °C möglich, während die Meeresbrise besonders an den Küsten abkühlt. Die Insel erhält jährlich 2884,8 Sonnenstunden.

Der Niederschlag ist für Ägäisinseln vergleichsweise hoch: an der regenärmeren Flughafenstation 709 mm jährlich, an der Station Ydroussa im Norden 917 mm; in höheren Lagen werden über 1000 mm erwartet. Der meiste Regen fällt in der nass-kalten Jahreszeit, im Dezember durchschnittlich 169 mm. Von Sommer bis Frühherbst gibt es eine fünfeinhalb- bis sechsmonatige Trockenperiode; im August beträgt das Niederschlagsminimum durchschnittlich 0,4 mm. Nördliche Winde überwiegen, der Meltemi weht im Juli und August beständig aus Norden.

Zu den nachgewiesenen Tieren zählen überwinternde Flamingos, fünf Eulenarten und der Goldschakal; Füchse gibt es nicht. Nachgewiesen sind außerdem 4 Amphibien- und 24 Reptilienarten, darunter Erd- und Wechselkröte, Europäischer Laubfrosch, mehrere Schildkröten-, Eidechsen- und Schlangenarten sowie die Kleinasiatische Bergotter.

Seit 2019 ist die Insel in die Gemeinden Anatoliki Samos und Dytiki Samos gegliedert. Anatoliki Samos umfasst die Gemeindebezirke Vathy und Pythagorio, Dytiki Samos Karlovasia und Marathokambos. Zuvor waren 35 Gemeinden 1997 zu vier Gemeinden und 2011 zur Gemeinde Samos zusammengeführt worden.

Frühe Geschichte und Antike

Samos war spätestens seit dem Spätneolithikum besiedelt. Kastro Tigani bei Pythagorio wird in das 4. Jahrtausend v. Chr. datiert. Die frühbronzezeitliche Siedlung Heraion am Golf von Pythagorio umfasste etwa 3,5 Hektar und gehörte zu den größten bekannten Siedlungen der Ostägäis. Ab etwa 2600 v. Chr. sind sechs Bauphasen nachweisbar; Heraion II wurde durch ein Erdbeben, Heraion IV durch Brand zerstört.

In der Antike war Samos ein bedeutendes Handels- und Schifffahrtszentrum. Berühmt war die Insel auch für rote, glänzende Keramik, die die Römer in der Terra Sigillata nachahmten. Unter Polykrates (532–522 v. Chr.) entstand eine bedeutende Seeherrschaft. Nach seiner Hinrichtung durch den persischen Satrapen Oroites beherrschte sein Bruder Syloson die Insel mit persischer Hilfe.

479 v. Chr. wurde Samos nach der Schlacht von Mykale von Persien frei und trat als nicht steuerzahlendes Mitglied dem 1. Attischen Seebund bei. Nach einem 440 v. Chr. von Perikles niedergeschlagenen Aufstand war die Insel wieder von Athen abhängig. Im Peloponnesischen Krieg stand sie auf Athens Seite. Sie fiel 387 v. Chr. erneut an Persien, wurde 366 v. Chr. von Athen zurückerobert und 365 v. Chr. nach zehnmonatiger Belagerung mit attischen Kleruchen besetzt. 322 v. Chr., nach dem Tod Alexanders des Großen, gab Perdikkas sie den Samiern zurück.

Im Hellenismus gehörte Samos nacheinander zu Antigonos Monophthalmos, Lysimachos und längere Zeit zum ptolemäischen Ägypten, für das sie Flottenstützpunkt war. 84 v. Chr. wurde sie der römischen Provinz Asien eingegliedert.

Von Rom bis zur Gegenwart

Unter Kaiser Augustus war das Gemeinwesen auf Samos bei dessen zweitem Aufenthalt 21/20 v. Chr. „frei“; Kaiser Vespasian entzog diese Freiheit in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Ab der Reichsreform Diokletians gehörte Samos zur provincia insularum und ab 395 zum Oströmischen beziehungsweise Byzantinischen Reich. Von 1304–1329 und 1346–1475 war die Insel genuesische Kolonie.

1475 verließen wegen Piratenüberfällen und osmanischem Druck fast alle Bewohner Samos; die Insel fiel vermutlich 1479 endgültig unter osmanische Herrschaft. Im 16. Jahrhundert begann eine geregelte Wiederbesiedlung, vor allem durch aus Chios zurückkehrende Chiosamii. Sie erhielten Land und sieben Jahre Steuerfreiheit; die Insel blieb innerhalb des Osmanischen Reiches autonom, staatsrechtlich aber suzerän. Handel mit Olivenöl und Wein förderte Kontakte zu europäischen Ideen. Die fortschrittlichen Carmagnoles setzten sich 1807–1812 gegen die konservativen Kallikantzari durch und führten eine demokratische Versammlung ein, wurden 1812 jedoch entmachtet.

Im griechischen Freiheitskampf errangen Griechen unter Kanaris 1824 einen Seesieg. Samos wurde 1830 an die Türkei zurückgegeben und am 11. Dezember 1832 Hauptstadt eines tributpflichtigen Fürstentums. Nach dem Abzug türkischer Truppen 1912 wurde am 11. November 1912 der Anschluss an Griechenland proklamiert; 1913 wurde die Insel Teil Griechenlands. Ein Erdbeben der Stärke 6,2 zerstörte am 11. August 1904 540 Häuser und tötete vier Menschen.

Im Zweiten Weltkrieg folgten italienische, ab September 1943 englische und ab 21. November 1943 deutsche Besatzung; deutsche Truppen blieben bis Mai 1945. Die Besatzung unterband den Warenaustausch über Seewege und ging mit Plünderungen, Hunger und einzelnen Gewalttaten einher. Seit 2015 wurde Samos wegen seiner Nähe zur Türkei ein Hotspot der Flüchtlingskrise. Im September 2021 eröffnete ein für 3000 Migranten vorgesehenes Closed Controlled Access Centre; Menschenrechtler kritisierten es als „entmenschlichend“. Am 30. Oktober 2020 verursachte ein Erdbeben der Stärke 7,0 M_W Schäden auf der Insel.

Wirtschaft, Tourismus und Verkehr

Die Landwirtschaft ist weiterhin die wichtigste wirtschaftliche Grundlage. Exportprodukte sind Wein, Rosinen und Olivenöl; im 20. Jahrhundert kam Tabak hinzu. In Karlovasi waren Gerberei und Lederverarbeitung vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre besonders wichtig. Die 1934 gegründete Winzergenossenschaft von Samos errichtete zwei Kellereien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten viele Bewohner ab; Rückkehrer und der seit Beginn der 1980er Jahre wachsende Tourismus kehrten diese Entwicklung um. Die Brandkatastrophe 2000 führte zeitweise zu Arbeitslosigkeit und einer Krise in Industrie, Handel und Tourismus.

Elektrifizierung in den 1960er Jahren und der 1963 eröffnete Flughafen leiteten den Tourismus ein. Die Saison dauert etwa von Ostern bis Mitte oder Ende Oktober. 1999 wurden nahezu 160.000 ausländische Gäste gezählt; seit 2007 sind es jährlich etwa 130.000 Urlauber. Die meisten kommen aus Deutschland und Großbritannien, danach aus den Niederlanden, Schweden und Dänemark. Zentren sind Pythagorio und Kokkari. Strandurlaub ist besonders beliebt; der Sanfte Tourismus ist trotz Landschaft und Geschichte bisher wenig entwickelt. Ein typisches Souvenir ist der Pythagoreische Becher.

Der Flughafen Samos-Aristarchos verbindet die Insel täglich mit Athen und Thessaloniki sowie im Sommer durch Charterflüge mit Nord-, West- und Mitteleuropa. Fähren verbinden Samos und Karlovasi mit Piräus sowie die Stadt Samos unter anderem mit Kavala und Rhodos. Im Sommer besteht täglich eine Personenschiffverbindung nach Kuşadası in der Türkei; ab Ende Oktober fahren fast keine Fähren. Busse verkehren seit 1920, seit 1950 koordiniert KTEL Samou die Verbindungen.

Archäologische Stätten

Pythagorio, die antike Stadt Samos, besitzt die meisten erhaltenen antiken Überreste. Dazu gehören die von Polykrates angelegten Stadtmauern und Hafenanlagen sowie der Tunnel des Eupalinos, der zur verdeckten Wasserversorgung gebaut wurde. Er wird häufig, aber fälschlich, den sieben antiken Weltwundern zugerechnet. Ausgegraben sind außerdem ein hellenistisches Gymnasium mit Stadionresten und römische Thermen.

Vor der antiken Stadt liegt das Heraion, ein bedeutendes Hera-Heiligtum. Sein frühester Altar entstand zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. und wurde mehrfach von größeren Altarbauten ummantelt. Der Rhoikos-Altar, der achte dieser Abfolge, zählt zu den bedeutendsten griechischen Altären. Auch der Heratempel wurde mehrfach vergrößert neu errichtet. Der Tempeltyp Dipteros aus der Zeit des Polykrates gehörte zu den größten griechischen Tempeln; Fundamente und eine Säule sind erhalten.

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