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Geschichte des Mittelmeerraumes
Erste Hochkulturen entstanden vor etwa 5.000 Jahren am Nil und in der Levante. Sowohl die Landwirtschaft als auch die urbane Kultur haben sich von dort nach …
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Raum, Klima und Bedeutung
Der Mittelmeerraum umfasst das Mittelmeer, seine Inseln und die küstennahen Festlandregionen von Europa, Asien und Afrika. Er gehört zu den ältesten Kulturräumen der Menschheit. Prägend ist das Mittelmeerklima: ein subtropisches Makroklima mit trockenen, heißen Sommern, regenreichen, milden Wintern und vielen Sonnenstunden; es heißt auch Winterregenklima der Westseiten.
Vor etwa 5.000 Jahren entstanden am Nil und in der Levante erste Hochkulturen. Landwirtschaft und urbane Kultur verbreiteten sich von dort nach Europa. Die Region gilt als Wiege der abendländischen Kultur, weil moderne Wissenschaft, Philosophie und das demokratische Staatswesen hier Wurzeln haben.
Von frühen Menschen zu ersten Staaten
Funde, etwa aus der Höhle von Arago bei Perpignan, belegen Homo erectus im Mittelmeerraum. Vor etwa 75.000 Jahren lebten besonders in Europa und der Levante Neandertaler; in der Levante zugleich Vorfahren der „Jetztmenschen“ (Archaischer Homo sapiens). Vor ca. 40.000 Jahren kamen Cro-Magnon-Menschen über Anatolien nach Europa. Sie lebten zunächst neben Neandertalern und verdrängten sie allmählich auf die Iberische Halbinsel und die Krim; die jüngsten dortigen Funde sind etwa 30.000 Jahre alt.
Während der Eiszeiten lag der Meeresspiegel zeitweise bis zu 150 Meter niedriger als heute; die Straße von Gibraltar schloss sich zeitweise. Obsidian und Thunfischreste aus der Höhle von Franchthi sowie der nur über offenes Meer erreichbare Fundort Aetokremnos auf Zypern belegen frühe Seefahrt.
Im Epipaläolithikum bestanden saisonale Siedlungen, im Neolithikum begann Ackerbau. In der Levante gibt es Spuren ab dem PPNA; in Ägypten wurde ab etwa 5000 v. Chr. Ackerbau betrieben. Die Neolithisierung Zyperns erfolgte 8300 v. Chr., in Griechenland sind erste Ackerbauern vor 7.000 v. Chr. anzusetzen. Auch die Cardialkultur im westlichen Mittelmeer datiert auf ca. 7000 v. Chr.; ihre Kulturen verbreiteten sich vor allem entlang der Küsten und erreichten bereits um 6.600 v. Chr. die Schweiz. Auf Malta und der Iberischen Halbinsel entstanden jungsteinzeitlich erste Megalithanlagen und Tempel.
Auf Kupfer folgte regional unterschiedlich Bronze. In Spanien begann um 2300 v. Chr. mit der El-Argar-Kultur die Bronzezeit. Gegen 3000 v. Chr. entstanden in Ägypten mit den Pharaonen-Dynastien erste Staaten, nahezu gleichzeitig erste Stadtstaaten an Levante- und Ägäisküste. Die minoische Kultur auf Kreta entstand um 3000 v. Chr. und erreichte tausend Jahre später ihren Höhepunkt. Ihr Ende im 15. Jahrhundert v. Chr. ist umstritten: Eine unmittelbare Auslöschung durch den Santorin-Ausbruch gilt als widerlegt, eine Eroberung durch mykenische Griechen als sehr wahrscheinlich.
Handel, Kolonien und römische Einheit
In der späten Bronzezeit, im Osten etwa 1600 bis ca. 1100 v. Chr., im Westen etwa 1300 bis ca. 900/800 v. Chr., nahmen Bevölkerungsdichte, Staatenbildung und besonders im Osten der Handel zu. Kolonisation sollte Überbevölkerung mindern und Handelsverbindungen sichern. Mykener begannen sie; phönizische Städte der Levante folgten um 1000 v. Chr. und gründeten Stützpunkte bis Nordafrika und Spanien. Erklärungen für den Handelsverkehr reichen von zentraler politischer Kontrolle oder Thalassokratie, also Seeherrschaft, über vernetzte Handelszentren bis zu freiem Privat- und zeremoniellem Geschenkehandel. George Bass bestritt anhand des Wracks von Kap Gelidonya eine mykenische Thalassokratie und nahm an, der Metallhandel von Sardinien bis zur Levante sei weitgehend phönizisch dominiert worden.
Ab 800 v. Chr. wurde Griechenland Handelsmacht und Konkurrenz der Phönizier. Griechen gründeten Siedlungen bis zur Rhône, etwa Massilia, und zur Krim. In Italien entwickelten sich die Etrusker, während Rom sich gegen 500 v. Chr. von ihnen löste und die Republik gründete. Athen führte nach den abgewehrten persischen Invasionen von 490 bis 479 v. Chr. den 477 v. Chr. gegründeten attischen Seebund, der zum Machtinstrument Athens wurde. Karthago wurde nach dem Verlust der Unabhängigkeit von Tyros zur phönizischen Machtbasis; Sizilien war wegen seiner Lage und Ressourcen umkämpft.
Innere Konflikte wie der Peloponnesische Krieg von 431 bis 404 v. Chr. schwächten die griechischen Stadtstaaten. Alexander der Große eroberte ein Reich von der Donau bis zum Indus; nach seinem Tod 323 v. Chr. führten die Diadochen griechische Traditionen im Hellenismus fort. Rom beherrschte 280 v. Chr. das italienische Festland. Die Punischen Kriege von 264 bis 146 v. Chr. endeten mit der Vernichtung Karthagos. Rom unterwarf danach schrittweise die hellenistischen Reiche und kontrollierte unter Augustus und seinen Nachfolgern sämtliche Mittelmeerküsten. Für 400 Jahre bildete der ganze Mittelmeerraum eine politische Einheit; dies war zuvor und danach nie wieder der Fall.
Religiöse Teilung und mittelalterliche Mächte
In der Spätantike christianisierte sich das römische Staatswesen; Heidentum wurde zurückgedrängt. Nach Beginn der Völkerwanderung um 375 hielt das seit der faktischen Reichsteilung von 395 bestehende Ostrom dem Druck stand, während Westrom Ende des 5. Jahrhunderts zerfiel. Ostgoten besetzten ab 489 Italien, Westgoten und Sueben Iberien, Franken Gallien und Vandalen Nordafrika und Sizilien. Justinian I. eroberte Teile Westroms zurück, doch nach seinem Tod 565 gingen große Teile Italiens an die Langobarden verloren. Das Byzantinische Reich bestand als Rechtsnachfolger Roms bis 1453, befand sich aber weitgehend im Rückzug.
Im 7. und 8. Jahrhundert entstanden Frankenreich und arabisches Kalifat als Großmächte. Der Islam breitete sich ab den 630er Jahren über Levante und Nordafrika aus; ab 711 wurde das Westgotenreich unterworfen. Der arabische Vormarsch bis Narbonne endete 732 durch Karl Martell. Die Reconquista rückte die Nordgrenze des Islam langsam zurück und endete 1492 mit Granada. Nach der Darstellung brachten die sieben Jahrhunderte islamischer Herrschaft in Spanien wirtschaftliche und kulturelle Fortschritte; der Norden blieb überwiegend christlich, der Süden islamisch geprägt.
Der Vertrag von Verdun führte im Ostteil des Frankenreiches langfristig zum Heiligen Römischen Reich, das ab den Ottonen 962 bestand; die Pippinsche Schenkung von 756 schuf den Kirchenstaat. Der Erste Kreuzzug wurde 1095 nach einem Hilfsgesuch Alexios’ I. ausgerufen und errichtete Kreuzfahrerstaaten. Mindestens neun Kreuzzüge konnten deren Verlust nicht verhindern. Der Vierte Kreuzzug plünderte und zerstörte 1204 Konstantinopel weitgehend und schwächte Byzanz entscheidend. Trotz der Konflikte förderten Früh- und Hochmittelalter interkulturellen Austausch.
Im Spätmittelalter wurden Venedig, Genua und Pisa wichtige Seemächte; Venedig löste nach 1204 Byzanz als führende Handelsmacht ab. Aragonien dehnte sich bis Süditalien aus, Kastilien und Portugal gewannen Macht. Universitätsgründungen nahmen ab dem 11. Jahrhundert zu, und ab dem 14. Jahrhundert entwickelten sich Frühkapitalismus und moderne Geldwirtschaft. 1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel. Renaissance und die Entdeckung Amerikas 1492 leiteten einen Bedeutungsverlust des Mittelmeerhandels gegenüber dem Atlantikhandel ein.
Frühe Neuzeit und europäische Vorherrschaft
Venedig und Genua dominierten zunächst weiter den Handel mit der arabischen Welt und besaßen Kolonien im östlichen Mittelmeer. Im 16. Jahrhundert verlagerte sich das politische und wirtschaftliche Gewicht nach Westen. Mit der Vereinigung Kastiliens und Aragoniens stieg Spanien zur Weltmacht auf. Karl V. herrschte über Spanien, das Heilige Römische Reich und amerikanische Kolonien; sein Tunisfeldzug fand 1535 statt. Spanien blieb über 200 Jahre ein entscheidender Machtfaktor, während Frankreich erstarkte und Italien politisch zersplittert blieb.
Das Osmanische Reich erreichte unter Süleyman dem Prächtigen seinen Höhepunkt und belagerte 1529 erstmals Wien. Die zweite Belagerung von Wien 1683 gilt als Beginn seines Niedergangs. Trotz der Niederlage bei Lepanto 1571 blieb es auf See stark, auch durch Korsaren aus den Barbareskenstaaten des Maghreb. Diese kaperten europäische Schiffe, verschleppten Menschen zur Lösegelderpressung oder zum Verkauf auf Sklavenmärkten und überfielen Küstenorte. Auch der Malteserorden betrieb Piraterie.
Der Spanische Erbfolgekrieg ordnete 1713 den westlichen und zentralen Mittelmeerraum neu. Österreich gewann zunächst Süditalien, Sizilien, Sardinien und Mailand, doch die spanischen Bourbonen erlangten die italienischen Gebiete bald zurück. Marokko und Algerien wurden ökonomisch marginalisiert; Ceuta und Melilla blieben unter spanischer Kontrolle.
Nationalstaaten, Weltkriege und Gegenwartskonflikte
Napoleon kontrollierte bis 1812 direkt oder durch Vasallenstaaten den Mittelmeerraum zwischen Portugal und Montenegro. Nach dem Wiener Kongress 1815 gewann Österreich wieder Einfluss an Adria und in Oberitalien. Frankreich begann ab 1830 die Kolonisation Nordafrikas; Algerien wurde 1848 zum Teil des französischen Mutterlandes erklärt. Das Osmanische Reich zog sich im 19. Jahrhundert fast vollständig aus Europa zurück. Italien einigte sich 1860 unter anderem durch Giuseppe Garibaldis Zug von Sizilien; 1870 endete auch der Kirchenstaat, als dessen Rest die Vatikanstadt blieb.
Bis 1914 war Nordafrika vollständig kolonial aufgeteilt: Spanien kontrollierte den Rif, Frankreich den übrigen Maghreb, Italien Tripolitanien und England Ägypten. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand 1923 die Republik Türkei; Libanon und Syrien wurden französische, Palästina und Transjordanien britische Mandatsgebiete. Viele damalige Grenzen bestehen weitgehend bis heute fort.
Im Zweiten Weltkrieg waren der Balkan, Nordafrika, Frankreich und Italien zentrale Kriegsschauplätze. 1942 stoppten die Briten den deutschen Vormarsch bei El Alamein, 1943 landeten die Alliierten in Sizilien. In Frankreich und im deutsch besetzten Teil Griechenlands wurden Juden deportiert und ermordet. Nach 1945 wurden Syrien, Libanon und die britisch kontrollierten Nahostgebiete unabhängig; 1948 entstand Israel.
Die Dekolonisation brachte Libyen 1951, Marokko 1956, Tunesien 1957, Algerien 1962, Zypern 1960 und Malta 1964 die Unabhängigkeit. Seitdem bestehen weitere Konflikte: Die Türkei besetzte 1974 Nordzypern; der Nahostkonflikt dauert an. Im Libanon begann 1975 ein Bürgerkrieg, auf den eine syrische Besetzung und ab 2005 ein langsamer Rückzug folgten. Der Zerfall Jugoslawiens führte von 1991 bis 2001 zu Kriegen, unter denen vor allem Zivilbevölkerung und besonders Bosniaken litten.