Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte des Jazz

Der Jazz prägte die Musik des vorigen Jahrhunderts. Seine Geschichte begann jedoch schon in den letzten Jahrzehnten davor.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Vorgeschichte
  2. 2. Oldtime Jazz und erste Aufnahmen
  3. 3. Swing und Modern Jazz
  4. 4. Free Jazz und Fusion
  5. 5. Seit 1980 und Internet-Zeitalter

Grundlagen und Vorgeschichte

Jazz war eine der prägenden Musikformen des 20. Jahrhunderts. Seine Geschichte begann aber schon im 19. Jahrhundert im Süden der USA. Nach der Darstellung des Artikels hängt seine Entstehung eng mit der Geschichte der afroamerikanischen Bevölkerung und der Sklaverei in den USA zusammen.

Wichtige Vorformen waren Straßenmusik, Brass Bands und Marching Bands. Brass Bands waren Blaskapellen, schwarze und weiße Marschkapellen, die zu vielen Anlässen spielten. Die schwarzen Blaskapellen verbanden Einflüsse aus Blues und kreolischer Musik mit europäischer Musiktradition. Diese frühe Musik wird heute archaischer Jazz genannt. Sie betonte bereits die „leichten“ Taktzeiten 2 und 4, hatte aber noch keine individuelle Improvisation und keinen Swing.

Um 1890 entstand der Ragtime. Er war ein ausnotierter Klavierstil, bei dem die linke Hand Bass und Schlaggitarre einer Band ersetzte. Auch hier wurde noch nicht improvisiert. Durch die Spannung zwischen gleichmäßigem Viertelbeat und synkopisch „zerrissener“ Melodik entstand aber bereits eine Art Swing. Scott Joplin war der wichtigste Komponist dieses Stils; sein bekanntester Rag ist The Entertainer.

Die Frage, ob Jazz in New Orleans „erfunden“ wurde, wird im Artikel ausdrücklich nicht eindeutig beantwortet. Vorformen gab es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in mehreren Teilen der USA. New Orleans wird eher als Schmelztiegel beschrieben. Einige Jazzhistoriker sagen, Jazz sei in New Orleans geboren und in Chicago und New York aufgewachsen. Als frühe wichtige Figuren nennt der Artikel Jelly Roll Morton, Nick LaRocca und vor allem Buddy Bolden, wobei Erfinderansprüche von Morton und LaRocca bezweifelt werden.

Oldtime Jazz und erste Aufnahmen

Das Wort „Jazz“ tauchte vermutlich 1913 in einem Zeitungsbericht über das Baseballteam San Francisco Seals auf und bedeutete dort etwa Schwung, Energie oder Enthusiasmus. Der erste musikalische Nachweis für das Wort findet sich am 11. Juli 1915 in der Chicago Daily Tribune im Zusammenhang mit einem synkopierten Rag von Art Hickman.

Die frühen Jazzstile lassen sich zeitlich nur grob einordnen, weil ihre Grenzen fließend sind. Der Artikel nennt als Orientierung: New-Orleans-Jazz um 1900, Dixieland um 1910, Chicago-Jazz um 1920 und ein Revival von New Orleans-Jazz und Dixieland ab den 1940er Jahren.

1916 wurden Wilbur Sweatmans Down Home Rag und andere Stücke aufgenommen, die bereits Merkmale des Jazz zeigten. Am 26. Februar 1917 spielte die Original Dixieland Jass Band des Trompeters Nick LaRocca Aufnahmen ein, die in der öffentlichen Wahrnehmung als erste Jazzplatte galten. Am 12. November 1925 machten Louis Armstrong and His Hot Five ihre ersten Aufnahmen. Dabei traten Soli einzelner Instrumentalisten teilweise an die Stelle der Kollektivimprovisation des frühen Jazz.

Dixieland wurde im Allgemeinen schneller und mit mehr Noten und Akzenten gespielt als der afroamerikanische New Orleans Jazz. In den 1920er Jahren entstand außerdem der Chicago-Jazz, in dem lokale Amateure den New Orleans Jazz der Profis aus dem Süden nachspielten und umformten. Das 1840 erfundene Saxophon erhielt hier erstmals eine wichtige Rolle im Jazz. Bereits 1928 war Jazz in Europa so populär, dass das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt am Main die erste Jazz-Klasse weltweit gründete; Lehrer wurde Mátyás Seiber.

Swing und Modern Jazz

Die Swing-Ära reichte von Ende der 1920er bis Mitte der 1940er Jahre, in Europa bis in die späten 1940er Jahre. Sie war die beim Publikum erfolgreichste Zeit des Jazz. Nach dem Schwarzen Freitag 1929 sanken die Verkaufszahlen der Plattenindustrie von 100 Millionen Stück pro Jahr auf 6 Millionen. Gleichzeitig wurde das Radio in den USA wichtig und verbreitete den Swing. Swing wurde zur populären Tanz- und Unterhaltungsmusik, verbunden mit Jugendkultur und Tänzen wie dem Lindy Hop.

Big Bands und Bandleader wie Duke Ellington, Count Basie, Benny Goodman und Artie Shaw wurden Stars. Aus dem Kansas City Jazz, einer besonderen Form des Swing, entwickelte sich später Rhythm & Blues. In Europa wurde 1934 mit dem Quintette du Hot Club de France um Django Reinhardt ein wichtiger Beitrag zur Jazzgeschichte geleistet. Ab Anfang der 1950er Jahre entstand aus älteren Jazzstilen und neueren Elementen der Mainstream Jazz, vertreten etwa durch Oscar Peterson, Ruby Braff und Scott Hamilton.

Mit dem Bebop begann der Modern Jazz. Junge Musiker experimentierten unter anderem im Harlemer Club Minton’s Playhouse mit neuen Formen. Sie wandten sich gegen formelhaft gewordenen kommerziellen Swing und entwickelten eine Musik, die nicht mehr hauptsächlich Tanz- oder Unterhaltungsmusik sein sollte. Bebop hatte eine erweiterte Harmonik. Als wichtige Begründer nennt der Artikel Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk, Charlie Christian und Kenny Clarke.

Aus dem Bebop entstanden weitere Richtungen. Afro Cuban Jazz verband Bebop mit lateinamerikanischer Musik, besonders durch die Zusammenarbeit von Dizzy Gillespie und dem kubanischen Perkussionisten Chano Pozo Mitte der 1940er Jahre. Progressive Jazz und die Third-Stream-Bewegung verbanden Jazz mit Elementen klassischer Musik. Der Cool Jazz wurde oft mit den Aufnahmen des Miles-Davis-Nonetts von 1949 und 1950 verbunden, später bekannt als Birth of the Cool. Ab Mitte der 1950er Jahre vereinte Hard Bop Freiheiten des Bebop mit einfacherer Rhythmik und Melodik aus Blues und Gospel. Soul Jazz entwickelte den Hard Bop weiter und wurde Ende der 1960er Jahre sehr populär.

Free Jazz und Fusion

Seit etwa 1957 entstanden freiere Spielweisen, bei denen sich Musiker in ihren Soli teilweise von der Jazzharmonik lösten. Besonders wichtig waren John Coltrane, Eric Dolphy und Ornette Coleman. 1961 erschien Colemans Platte Free Jazz, deren Titel bald zum Namen für freie Formen wurde. Auch das Schlagzeugspiel wurde freier, etwa durch Sunny Murray. In Europa kam es ungefähr ab 1965, teilweise unabhängig von den USA, zu einem Bruch mit traditionellen Spielweisen. Die Improvisation wurde radikaler und konnte im Extrem zu freier Form führen, also zu Musik, die ohne vorherige Verabredung im Zusammenspiel entsteht.

Gegen Ende der 1960er Jahre geriet Jazz in eine Krise. Free Jazz fand beim breiten Publikum weniger Zustimmung, während Rock- und Soulmusik durch Musiker wie Jimi Hendrix, James Brown und Sly Stone anspruchsvoller und populärer wurden. Elektrisch verstärkte Instrumente intensivierten den Klang. Da Blues eine gemeinsame Grundlage von Rock und Jazz war, entstanden Berührungspunkte.

Für den amerikanischen Rockjazz gelten häufig Miles Davis’ Alben In a Silent Way von 1969 und Bitches Brew von 1970 als Geburtsstunde. Davis nannte später James Brown, Sly Stone und Jimi Hendrix als wichtige Einflüsse. Auch in Europa gab es früh Jazzrock-Bewegungen, etwa mit The Graham Bond Organization, Cream, Colosseum und Soft Machine. Fusion erreichte ein neues, jugendliches Publikum. Herbie Hancocks Album Headhunters wurde ein millionenfach verkaufter Hit, und Weather Report mit Wayne Shorter und Joe Zawinul wurde eine der erfolgreichsten Fusion-Formationen.

Um 1975 war Jazzfunk als Untergattung des Fusion-Stils anerkannt. Die kreative Phase des Fusionjazz lag vor allem in der ersten Hälfte der 1970er Jahre. Danach entwickelte sich ein Teil der Musik in Richtung Smooth Jazz, den der Artikel als seichtere kommerzielle Musik beschreibt, während andere Musiker wieder stärker akustisch spielten oder Fusion-Ideen mit komplex arrangierter Unterhaltungsmusik verbanden.

Seit 1980 und Internet-Zeitalter

Der Jazz seit 1980 wird als äußerst vielgestaltig beschrieben. Unterschiedliche Spielweisen existieren parallel, oft mit bewusstem Rückgriff auf frühere Stile. Ein klarer Mainstream ist kaum erkennbar, und auch die Abgrenzung zu Pop oder Weltmusik wird unscharf.

In den frühen 1980er Jahren griffen junge, gut ausgebildete Musiker vor allem auf Stile der 1950er und 1960er Jahre zurück. Die Plattenindustrie vermarktete einige von ihnen als The Young Lions. Wynton Marsalis wird als wichtigstes Beispiel genannt; er gewann auch als Leiter der Jazz-Abteilung des Lincoln Center großen Einfluss. Gleichzeitig entstanden Versuche, das Diskothekenpublikum zu erreichen: Acid Jazz, Hip Hop Jazz, Jazz-Rap und Nu Jazz verbanden Jazz mit Soul, lateinamerikanischen Rhythmen, Hip-Hop oder elektronischen Sounds. Auch Einflüsse aus World Music und nicht-europäischen Musiktraditionen erweiterten die Ausdrucksmöglichkeiten und wurden teilweise als Ethno-Jazz vermarktet.

Daneben setzte sich der Avantgarde Jazz im Modern Creative Jazz fort, einer zeitgenössischen Weiterentwicklung des Free Jazz. Dort werden anspruchsvollere kompositorische und improvisatorische Verfahren betont als die einfache Form „Thema-Soli-Thema“. Modern Creative Jazz erhebt einen Kunstanspruch und vertritt eine anti-kommerzielle Haltung.

Das Internet und Plattformen wie Bandcamp und Spotify veränderten Jazz und improvisierte Musik stark. Musiker können ihre Musik weltweit zugänglich machen, auch ohne großes Plattenlabel. Hörer können leichter neue Musik entdecken und Aufnahmen aus verschiedenen Epochen und Stilen streamen und teilen. Als Herausforderungen nennt der Artikel den Rückgang physischer Albumverkäufe und die Gefahr, dass talentierte Künstler in der großen Menge veröffentlichter Musik übersehen werden.

Weiterlesen

Jazz Der Jazz wird im Hinblick auf seine künstlerische Bedeutung häufig als amerikanisches Pendant zur klassischen europäischen Musik verstanden. Darüber hinaus hat … 19. Jahrhundert Das 19. Jahrhundert begann kalendarisch am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Die Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahrhunderts wird auf 980 … Blues Blues ist eine vokale und instrumentale Musikform, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in der afroamerikanischen Gesellschaft der USA … New Orleans Sie wurde 1718 gegründet und ist ein Industriezentrum mit einem bedeutenden Hafen am Mississippi River. Die Stadt ist bekannt für ihre lokale kreolische Küche … Synkope (Musik) Als Synkope bezeichnet man in der Musik rhythmische Konstellationen, die einen Konflikt zwischen dem intendierten metrischen Betonungsschema einer Taktart … Swing (Rhythmus) Der Swing (englisch für „Schwingen“) ist ein fließender, „schwingender“ Rhythmus, der besonders im Jazz verwendet wird. Diese Rhythmik gehört zu den … Synonym Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind Antonyme. Inhaltsverzeichnis. 1 Begriff der Synonymie; 2 Strikte und partielle Synonymie. 2.1 Strikte Synonymie … New-Orleans-Jazz Mit New-Orleans-Jazz (in der einschlägigen Literatur fast immer als New Orleans Jazz) bezeichnet man eine Stilrichtung des klassischen Jazz zwischen 1890 und … Dixieland (Jazz) Die Stilrichtung des Dixieland entwickelte sich in den 1910er Jahren aus der Nachahmung des New-Orleans-Jazz durch weiße Musiker und verbreitete sich von … Saxophon Das Saxophon oder Saxofon ist ein Musikinstrument aus der Gruppe der Einfachrohrblattinstrumente. Der Korpus dieses Blasinstruments ist ein relativ weites … Traditional Jazz Der Traditional Jazz ist eine musikalische Adaption des Old Style / New-Orleans-Jazz und des Dixieland, wobei er in verschiedenen Revival-Bewegungen auch mit … Schwarzer Freitag Schwarzer Freitag ist die Bezeichnung eines Freitags, der wegen eines an diesem Tag vorgefallenen Unglücks als besonders denkwürdig erachtet wird.