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Traditional Jazz
Der Traditional Jazz ist eine musikalische Adaption des Old Style / New-Orleans-Jazz und des Dixieland, wobei er in verschiedenen Revival-Bewegungen auch mit …
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Begriff und musikalische Grundlagen
Traditional Jazz, in England auch „Trad Jazz“ genannt, ist eine Stilrichtung des Jazz, die sich Anfang der 1940er bis in die 1950er Jahre vor allem von den USA und Großbritannien ausgehend durchsetzte und bis heute zahlreiche Anhänger hat. Der Begriff wird allerdings nicht einheitlich verwendet.
Musikalisch ist Traditional Jazz vor allem eine Adaption des Old Style beziehungsweise New-Orleans-Jazz und des Dixieland. In verschiedenen Revival-Bewegungen vermischte er sich außerdem mit Chicago-Jazz, Swing, lokalen europäischen Musikstilen wie Folk und mit Pop. Der Reclams Jazzführer verwendete „Traditional Jazz“ als Synonym für Stile des prämodernen Jazz, also für Jazz vor dem Modern Jazz.
Nach Lawrence Gushee wurde der Ausdruck zunächst verwendet, um den Swing der 1930er Jahre polemisch vom älteren Jazz der 1920er Jahre abzugrenzen. Später bezog er sich vor allem auf New-Orleans-Revival-Bands. Gushee versteht Traditional Jazz insbesondere als regional geprägten, an der Marktnachfrage orientierten Stil mit einem eklektischen Repertoire, in dem unterschiedliche Jazzstile miteinander verbunden werden.
Entstehung und Revival-Bewegungen
Nach Gushee wurde die Entwicklung des Traditional Jazz durch mehrere Arten von Aufnahmen vorangetrieben:
- Ab etwa 1938 erschienen Aufnahmen prominenter schwarzer Jazzmusiker im angeblich authentischen New-Orleans-Stil der 1920er Jahre. Dazu gehörten Sidney Bechet, der besonders in Frankreich großen Einfluss ausübte und etwa Claude Luter beeinflusste, sowie Jelly Roll Morton und Jimmie Noone.
- Weiße Musiker nahmen Stücke mit ausdrücklich erkennbarem Bezug auf die 1920er Jahre auf. Besonders genannt werden Turk Murphy und Lu Watters aus San Francisco.
- Ältere schwarze Musiker aus New Orleans, die sonst kaum außerhalb Louisianas aufgetreten waren, wurden aufgenommen. Beispiele sind Kid Rena, Bunk Johnson und George Lewis. Diese Entwicklung setzte sich später im Umfeld der Preservation Hall fort.
- In den 1950er Jahren entstanden Aufnahmen älterer Dixieland-Musiker, die ihren Ruhestand in New Orleans verbrachten, häufig unter dem Dach des New Orleans Jazz Club.
Die anschließende international erfolgreiche Traditional-Jazz-Bewegung war nach Gushee besonders außerhalb der USA aktiv. Ihr Repertoire und ihre Spielweisen verbanden unterschiedliche Stile, weshalb sie nicht als vollständig einheitliche musikalische Form verstanden werden kann.
Trad Jazz in Europa und typische Praxis
Britische Autoren des Rough Guide verwenden „Trad“ für eine ausschließlich in Europa vorkommende Form des Dixieland Jazz. Ihrer Ansicht nach war die Bewegung vor allem eine Erfolgsgeschichte britischer Gruppen. Eine wichtige Grundlage bildete der große Erfolg des Skiffle Anfang der 1950er Jahre, besonders durch Chris Barber, Lonnie Donegan und andere Musiker. Dieser Erfolg führte auch zur Gründung zahlreicher Bands weniger begabter Musiker; nach dem Rough Guide war ihre Verbreitung in den 1950er Jahren nur mit der Hochphase des Swing in den 1930er Jahren vergleichbar.
In England war der Trad Jazz in den 1950er und 1960er Jahren durchlässig zu Rock, Blues und Pop. Die Rough-Guide-Autoren bewerten ihn außerdem als Sprungbrett für viele europäische Jazzmusiker, die später eigene Stile entwickelten. Im New Grove Dictionary of Jazz wird diese britisch-europäische Erscheinungsform ausdrücklich vom umfassenderen Begriff Traditional Jazz unterschieden.
Nach Shipton endete die britische Trad-Jazz-Bewegung spätestens um 1965. Dazu trugen Konflikte zwischen Anhängern traditioneller und moderner Jazzstile sowie Unruhen zwischen Fans beim Beaulieu Festival 1960 bei. Einige Bands, darunter die von Chris Barber, blieben jedoch weiterhin erfolgreich. Weitere erfolgreiche Gruppen waren die Dutch Swing College Band in den Niederlanden, Papa Bue’s Viking Jazzband in Skandinavien sowie in Deutschland die Barrelhouse Jazzband und die Old Merry Tale Jazzband. In vielen Traditional-Jazz-Bands spielten Amateure. Der Einfluss konnte je nach Band stärker vom Chicago-Jazz oder vom New-Orleans-Revival geprägt sein und sich im Laufe des Bestehens verändern.
Während der 1950er und der beginnenden 1960er Jahre tanzte man zu Traditional Jazz bevorzugt Skip Jive oder nach Elementen des Swingdance. Viele Anhänger bevorzugten eine traditionelle Instrumentierung, die sich am klassischen New-Orleans-Jazz orientiert. Die Stücke enden häufig mit einem Solo.