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Synkope (Musik)
Als Synkope bezeichnet man in der Musik rhythmische Konstellationen, die einen Konflikt zwischen dem intendierten metrischen Betonungsschema einer Taktart …
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Grundbegriff und Bedeutung
Eine Synkope ist eine rhythmische Konstellation, bei der ein Konflikt zwischen dem vorgesehenen metrischen Betonungsschema einer Taktart und den tatsächlich hervorgehobenen Stellen entsteht. Das Metrum bezeichnet dabei die regelmäßige Ordnung von betonten und unbetonten Zählzeiten innerhalb eines Taktes. Bei einer Synkope wird eine metrisch leichte, also normalerweise unbetonte Position rhythmisch schwer betont.
Typisch ist, dass ein Klangereignis auf einer leichten Zählzeit beginnt und über eine folgende schwere Zählzeit hinweg übergebunden wird. Dadurch wird das rhythmische Gewicht vorgezogen: Die leichte Position wird betont, während die regulär starke metrische Position klanglich unbesetzt bleibt. Neben dieser Verschiebung entsteht somit eine zeitliche Dehnung des betonten Ereignisses.
In einem erweiterten Sinn kann eine Synkope auch entstehen, wenn Klangereignisse in einer ansonsten metrisch regelmäßigen Passage durch Lautstärke- oder Tonhöhenakzente gegen die metrische Norm hervorgehoben werden.
Begriffliche Entwicklung und typische Bildung
Die Bezeichnungen „Synkope“, „Synkopation“ und „Synkopierung“ setzten sich im deutschen Musikschrifttum erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch. Möglicherweise wurden sie aus der französischen Terminologie übernommen, in der bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts „sincope“ verwendet wurde. Die ältere Bezeichnung „syncopatio“ beziehungsweise „syncopa“ war im musikalischen Schrifttum seit dem 14. Jahrhundert üblich.
Im musikalischen Zusammenhang wird die Synkope seit dem 19. Jahrhundert im Wesentlichen als Ausfall einer metrisch unbetonten Taktposition verstanden. An ihre Stelle tritt ein rhythmisch akzentuiertes Klangereignis, etwa ein lauter Klavieranschlag. Besonders deutlich wird dies bei einer Überbindung über eine schwere Zählzeit: Ein schweres Klangereignis wird auf eine leichte Position vorgezogen, und die ursprünglich betonte Zählzeit bleibt ohne entsprechenden Klang.
Der Begriff wird außerdem für unterschiedliche Formen der Akzentverschiebung verwendet. Maßgeblich ist immer das Verhältnis zwischen der erwarteten metrischen Ordnung und der tatsächlichen rhythmischen, dynamischen oder tonhöhenbezogenen Gestaltung.
Synkopen in verschiedenen Musikstilen
Synkopen kommen in sehr unterschiedlichen historischen und aktuellen Musikrichtungen vor. Sie gehören sowohl zur Kunstmusik als auch zur Popularmusik. In Jazz, Blues, Funk und Reggae können sie eine so dominante stilistische Funktion übernehmen, dass andere musikalische Parameter nebensächlich erscheinen.
Synkopen gehören bereits seit dem Mittelalter zu den Grundlagen der Komposition. Komponisten des italienischen, deutschen und französischen Trecento, also des 14. Jahrhunderts, verwendeten sie, um musikalische Stücke abwechslungsreicher zu gestalten. Giovanni da Cascia setzt etwa in seinem Lied „Appress’un fiume“ ab Takt 5 die Melodie auf schwache Akzente des Taktes und erzeugt dadurch synkopierte Rhythmen.
Auch die Komponisten der venezianischen Schule, einer Strömung der Renaissance, verwendeten in ihren Toccaten häufig Synkopen. Claudio Merulo, ein bedeutender Komponist und Organist dieser Zeit sowie einer der Pioniere der Toccata, nutzte synkopierte Figuren ausgiebig.
In der Klassik verwendeten unter anderem Beethoven, Schubert und Haydn Synkopen, um Sinfonien abwechslungsreicher und dynamischer zu gestalten. Ein Beispiel findet sich in Beethovens Sinfonie Nr. 3 im 3/4-Takt. Im ersten Satz, besonders in den Takten 123–131 der ersten Geigenstimme, wird der regelmäßige Takt durch synkopierte Rhythmen auf unterschiedliche Weise unterbrochen. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass zur Frühphase der Synkopenverwendung in der Notation des Mittelalters, zur Hemiole der Barockmusik, zu dynamischer und diastematischer Synkopenbildung der Klassik, zur Abgrenzung vom Tempo rubato, zur Neuen Musik, zum Jazz und zu außereuropäischer Musik sowie zum Sincopado-Begriff in Clave-basierter Musik noch wichtige Informationen fehlen.
Grenzfälle und wissenschaftliche Unschärfen
Der Begriff „Synkope“ ist in der Musikwissenschaft nicht eindeutig. In der Klassik lässt sich eine lokale Versetzung von Tönen nicht immer sicher als Synkope bestimmen. Sie kann auch auf ein auskomponiertes Tempo rubato verweisen oder bei instrumentalen Intervallbrechungen lediglich ein figuratives Nachschlagen anzeigen.
Umstritten ist außerdem, ob Off-Beat-Phrasierungen afroamerikanisch beeinflusster Musik als synkopisch bezeichnet werden sollten. Der musikalische Synkopenbegriff entstand auf Grundlage abendländischer Notations- und Taktsysteme. Deshalb ist seine Übertragung auf andere, insbesondere außereuropäische Formen der Zeitorganisation problematisch.
Die Rhythmik des Ragtime wurde von der Mehrheit der europäisch beziehungsweise angloamerikanisch sozialisierten Hörerschaft als „synkopierter Rhythmus“ oder „ragged time“ interpretiert, teilweise entgegen der ursprünglichen Intention. Die neuere Jazzforschung erklärt die charakteristische Ragtime-Rhythmik dagegen als Überlagerung des „europäischen“ Akzentstufentaktes mit asymmetrischen Rhythmusformeln aus dem Repertoire afrikanischer „Timelines“. In dieser Deutung handelt es sich bei der Beziehung zwischen der melodieführenden Stimme und dem symmetrischen Grundpuls der Begleitung nicht um Synkopierung, sondern um ein polymetrisches Phänomen.
Eine ähnliche Unschärfe besteht bei Swing und Offbeat in der Jazzpraxis. Jazz darf daher nicht pauschal als „synkopischer Musikstil“ bezeichnet werden. Wahrscheinlicher ist eine je nach Musik unterschiedliche Überlagerung zweier Konzepte: der vom europäischen linearen Akzentstufentakt geprägten Synkopierung und asymmetrischer Rhythmusformeln, die von außereuropäischen und häufig zirkulären Timelines abgeleitet sind. Ob eine konkrete Jazzgestaltung synkopisch, polymetrisch oder eine Kombination aus beidem ist, lässt sich nur durch genaue musikalische Analysen und auch dann nur unter Vorbehalt entscheiden.
Beispiele für unterschiedliche Deutungen
Ein erstes Beispiel verbindet mehrere Akzentverschiebungen. Halbe Noten auf der Zählzeit 2 sowie die Überbindung des letzten Viertels auf das 1. Viertel des 2. Taktes betonen metrisch leichte Positionen. Die zweite und vierte Zählzeit werden von rhythmisch schweren Noten belegt und fallen dadurch im ursprünglichen metrischen Sinn aus. Gleichzeitig entsteht eine klangliche Leerstelle auf der metrisch betonten dritten beziehungsweise ersten Zählzeit.
In einem zweiten Beispiel fallen die Noten überwiegend auf leichte Zählzeiten. Dadurch entsteht kurzzeitig ein Offbeat mit einer Kompensation auf dem letzten Achtel des 1. Taktes. Weil die Melodiestimme vom festen Grundpuls der Begleitung abweicht und anschließend zu ihm zurückkehrt, weist die Gestaltung zugleich ein wesentliches Merkmal des Tempo rubato auf. Der Klangeindruck ist daher trotz des Notenbildes nur bedingt als Synkope zu verstehen.
Eine am Taktende übergebundene Achtelnote kann das Gewicht der nachfolgenden ganzen Note übernehmen. Ob dies als Synkope oder als Offbeat gilt, hängt vom stilistischen Kontext ab.
Schließlich kann eine punktierte Note mit einem darauf folgenden übergebundenen Notenwert synkopisch wirken. Je nach Stil lässt sich dieselbe Gestaltung jedoch auch als metrisch regulärer Clave-Tresillo mit der Struktur 3+3+2 Achtelnoten auffassen.
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