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Geschichte des Geldes

Dahingehend bot die Entstehung rein digitaler Vermögenswerte (insb. sogenannte Kryptowährungen, wie bspw. Bitcoin) zu Beginn des 21. Jahrhunderts wesentlich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen, Funktionen und Geldwert
  2. 2. Warengeld, Metalle und frühe Buchführung
  3. 3. Vom Metall zur standardisierten Münze
  4. 4. Papiergeld, Zentralbanken und Goldstandard
  5. 5. Kredit, Buchgeld und Digitalisierung
  6. 6. Globales Finanzsystem und Regulierung

Grundlagen, Funktionen und Geldwert

Die Geschichte des Geldes beschreibt vor allem, wie Zahlungsforderungen und Verbindlichkeiten dokumentiert und beglichen werden. Geld entstand eng verbunden mit Staaten, Abgaben wie Steuern und Tribut, Eigentum, Krediten und Märkten. Die lange verbreitete Vorstellung, Geld sei hauptsächlich zur Erleichterung eines ursprünglichen Tauschhandels erfunden worden, gilt als problematisch: Tauschhandel erscheint häufig erst als Randform etablierter Märkte oder nach dem Zusammenbruch eines Geldsystems.

In entwickelten Gesellschaften erfüllt Geld drei Funktionen: Es ist Tausch- und Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertmaßstab sowie Mittel zur Wertaufbewahrung. Historisch übernahmen Warengeld, Metall- und Münzgeld, Papiergeld und Buchgeld diese Aufgaben. Der Monetarisierungsgrad bezeichnet, wie stark eine Gesellschaft Geld verwendet; er hängt eng mit Handel, Banken, Finanzinstrumenten und Finanzkrisen zusammen.

Die Geldmenge ist die Summe des umlaufenden Geldes. Die Europäische Zentralbank unterscheidet drei Aggregate: M1 umfasst Münzen, Banknoten und Buchgeld mit einer Fälligkeit bis zu einem Tag; M3 enthält zusätzlich Forderungen mit Laufzeiten bis zu zwei Jahren, darunter Termingeld und kurzlaufende Anleihen.

Der Geldwert hängt von Begrenzung, Deckung und Vertrauen ab. Eine rasche Geldmengenausweitung kann Inflation, also Geldentwertung, verursachen; Geldverknappung kann Deflation, also Geldaufwertung, auslösen. Schuldner profitieren eher von Inflation, Gläubiger eher von Deflation. Beide Extreme können Wachstum und Wohlstand schädigen. Am günstigsten ist eine verlässlich kalkulierbare Geldwertentwicklung. Verliert eine Geldform ihre Glaubwürdigkeit, wird sie häufig ersetzt oder durch eine Währungsreform stabilisiert.

Warengeld, Metalle und frühe Buchführung

Mit der neolithischen Revolution ab etwa 10.000 v. Chr. entstanden sesshafte, arbeitsteilige Gesellschaften. Als frühe Geldform dienten gut lagerbare, transportierbare, haltbare und weithin begehrte Waren. Dazu gehörten Vieh, Getreide, Kakaobohnen, Kaurischnecken, Salz, Pelze, Reis, Steine und Walzähne. Im 5. und 6. Jahrtausend v. Chr. bestand in Niederbayern ein Währungssystem aus Hornsteinklingen. Im Japan des 8. Jahrhunderts wurden unter anderem Reis, Pfeilspitzen und Goldpuder genutzt.

Warengeld konnte zugleich Recheneinheit sein. Die Azteken bewerteten beispielsweise ein Bündel Feuerholz mit sechs und Chilischoten mit fünf Kakaobohnen; die Differenz wurde mit einer Bohne ausgeglichen. In komplexen Wirtschaften war reiner Tausch unpraktisch: Bei 10 Waren wären 45, bei 100 Waren 4.950 unterschiedliche Wechselkurse nötig.

Metalle bildeten den Übergang zum Münzgeld. Sie waren teilbar, robust, transportierbar, homogen und wegen der aufwendigen Gewinnung relativ wertstabil. Silber, Bronze und Gold wurden als Hacksilber, Klumpen, Staub, Werkzeuge, Waffen oder Schmuck verwendet. Ihr Nachteil war, dass sie bei jeder Zahlung gewogen und gegebenenfalls geteilt werden mussten.

Zählen und Wiegen förderten Mathematik, Schrift und Buchhaltung. Die ältesten Schriftzeugnisse aus der Uruk-Zeit um 3100 v. Chr. dokumentieren Vieh und landwirtschaftliche Geräte. Aus Zählsteinen und Piktogrammen entwickelte sich die Keilschrift. In Babylon nahmen Paläste und Tempel Einlagen an, stellten übertragbare Zertifikate aus und vergaben verzinste Kredite; der Codex Hammurabi regelte Zinsen in Getreide und Silber. Ägypten verwendete die Recheneinheit shat und entwickelte ein Netz von Getreidebanken mit einer Zentrale in Alexandria.

Warengeld kehrte als Notwährung zurück, wenn staatliches Geld versagte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzten in Deutschland Zigaretten auf Schwarzmärkten die wertlose Reichsmark; auch im Rumänien Nicolae Ceaușescus wurden sie wegen extremer Knappheit als Zahlungsmittel genutzt.

Vom Metall zur standardisierten Münze

Münzen lösten das Problem des ständigen Wiegens, weil Prägung, Gewicht und Edelmetallgehalt standardisiert und garantiert wurden. Vorstufen waren Metallgegenstände und Silberbarren mit garantiertem Gewicht und Silbergehalt, etwa um 2250 v. Chr. in Kappadokien. Die ersten Münzen prägten die Lyder in Kleinasien Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. aus Elektron, einer natürlichen Gold-Silber-Legierung. Eine 4,7-Gramm-Münze konnte einige Tage Arbeit oder einen kleinen Teil einer Ernte bezahlen.

Münzgeld entwickelte sich offenbar unabhängig im Ägäisraum, in Indien und China. Griechische Münzen wurden gestempelt, indische aus Metallplatten gestanzt und chinesische aus Bronze gegossen. Chinesische Münzen hatten Löcher und konnten zu Ketten gebündelt werden; bis 1890 prägte China keine Edelmetallmünzen.

Im antiken Griechenland verbreiteten sich standardisierte Münzen ab etwa 650 v. Chr. In Ägina wurden Stater mit Schildkrötensymbol geprägt. Eine attische Drachme bestand aus sechs Oboloi. Alexander der Große schuf in seinem Herrschaftsgebiet einen einheitlichen Münzstandard. Münzgeld erleichterte Arbeitsteilung, Handel, Besteuerung sowie die Versorgung großer Staaten und Armeen.

Rom begann im 4. Jahrhundert v. Chr. mit Münzen und um 269 v. Chr. mit ihrer Massenproduktion. Seit der Reform von 211 v. Chr. war der silberne Denar der Standard. Spätere Münzverschlechterungen finanzierten Staatsausgaben, verursachten aber Inflation: Nero senkte 64 n. Chr. den Silbergehalt auf 90 %, unter Gallienus enthielt der Doppeldenar nur noch 5 %. Diokletian vereinheitlichte 294 das Münzwesen; Konstantin führte 309 den wertstabilen goldenen Solidus ein, der etwa tausend Jahre umlief.

Im islamischen Kalifat schuf Abd al-Malik im 7. Jahrhundert ein System aus goldenem Dinar und silbernem Dirham. Im europäischen Frühmittelalter gingen Handel und Geldgebrauch stark zurück. Karl der Große führte im 8. Jahrhundert einen Silberstandard ein: Aus einem Pfund Silber wurden 240 Denare oder Pfennige geprägt; zwölf Pfennige entsprachen einem Schilling. Ab dem späten 11. Jahrhundert ermöglichten neue Silberbergwerke eine stärkere Monetarisierung. Geldknappheit, Münzverschlechterungen und konkurrierende Münzfüße blieben jedoch häufige Probleme.

Papiergeld, Zentralbanken und Goldstandard

Staatlich anerkanntes Papiergeld entstand in China während der Song-Dynastie im 10./11. Jahrhundert. In Sichuan ergänzten Händlerscheine zunächst schwere Eisenmünzen; 1016 wurde die Ausgabe von Banknoten verstaatlicht. Unter Kublai Khan wurde staatliches Papiergeld zum einzigen erlaubten Zahlungsmittel, während Gold und Silber zwangsweise eingetauscht wurden.

In Europa bestanden zunächst Wechsel und andere übertragbare Wertpapiere. Das Stockholms Banco gab 1661 Papiergeld aus. In Frankreich endete John Laws groß angelegtes Papiergeldexperiment 1720 zusammen mit der Mississippi-Blase, weil die Banque Royale ihre Scheine nicht mehr in Gold einlösen konnte.

Die 1694 gegründete Bank of England wurde zum erfolgreichen Vorbild moderner Notenbanken. Ihr Kapital von 1,2 Millionen Pfund wurde dem Staat zu acht Prozent Zinsen geliehen; dafür durfte sie Banknoten ausgeben. 1844 erhielt sie das Banknotenmonopol und musste die Einlösung in Gold garantieren. Ähnliche Systeme entstanden mit der Banque de France, der deutschen Reichsbank und 1913 dem Federal Reserve System. Der Goldstandard begrenzte die Papiergeldausgabe durch die Pflicht, Banknoten zu einem festen Kurs in Gold einzutauschen.

Im Ersten Weltkrieg wurde diese Pflicht aufgehoben. Übermäßiges Gelddrucken trug im Deutschen Reich zur Inflation von 1914 bis 1923 bei. Reparationsforderungen von 132 Milliarden Goldmark und die Finanzierung des Ruhrkampfs verschärften die Lage. Die Hyperinflation endete 1924 mit der geldmengenbeschränkten Rentenmark.

Während der Weltwirtschaftskrise wirkte der Goldstandard als Übertragungsmechanismus der Krise und erschwerte eine expansive Geld- und Finanzpolitik. Staaten lösten sich deshalb in den 1930er Jahren von ihm. Die USA setzten 1934 den Kurs auf 35 Dollar je Feinunze Gold fest; 1971 beendete Präsident Richard Nixon die Goldauszahlungspflicht. Moderne Fiatwährungen besitzen keinen durch Edelmetall bestimmten Materialwert. Ihre Stabilität beruht auf Vertrauen sowie auf der Politik von Zentralbanken und Regierungen. Der Euro wurde 1999 als Buchgeld und 2002 als Bargeld eingeführt; das Banknotenmonopol der Eurozone liegt bei der Europäischen Zentralbank.

Kredit, Buchgeld und Digitalisierung

Buchgeld oder Giralgeld entsteht durch Kredit und wird in Konten oder anderen Aufzeichnungen dokumentiert. Ein Kreditnehmer erhält Kaufkraft, obwohl er nicht vorher über entsprechendes physisches Geld verfügt; später muss er Kapital und Zinsen zurückzahlen. Zu frühen Dokumentationsmitteln gehörten Kerbhölzer, mesopotamische Tontafeln und die Quipu-Knotenschnüre der Inka.

Ab dem 13. Jahrhundert entwickelte sich in Europa ein professionelles Bank- und Handelswesen. Wechsel ermöglichten bargeldlose Zahlungen, ohne Münzen riskant transportieren zu müssen. Leonardo Fibonacci verbreitete die arabischen Ziffern in Europa; Luca Pacioli beschrieb 1494 die doppelte Buchführung, die zum Standard des Bankwesens wurde. Geldwechsler an den banchi entwickelten sich zu Kreditinstituten. Banken schufen zusätzliches Giralgeld, indem sie auf Grundlage von Einlagen Kredite und übertragbare Forderungen ausgaben. Ende des 14. Jahrhunderts akzeptierte die Medici-Bank erstmals Schecks. Öffentliche Girobanken wie die 1609 eröffnete Amsterdamer Wechselbank sowie Banken in Hamburg, Nürnberg und Venedig stellten Infrastruktur für internationale bargeldlose Zahlungen bereit.

Kreditkarten verbinden Zahlung und kurzfristigen Kredit. Diners Club gab ab Februar 1950 erste Karten aus; BankAmericard wurde 1977 in VISA-Card umbenannt. Debitkarten ermöglichen dagegen bargeldloses Zahlen ohne Kreditgewährung. Seit den 1960er Jahren verbreiteten sich Geldautomaten, seit den 1970er Jahren der elektronische Zahlungsverkehr und Anfang der 2000er Jahre das Online-Banking. SWIFT wurde 1973 von 239 Banken aus 15 Ländern gegründet, um internationale elektronische Zahlungen sicherer zu machen.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts existieren rein digitale Kryptowährungen. Bitcoin wurde 2008 vorgestellt, besitzt eine begrenzte Menge und wird durch rechenintensives „Mining“ geschaffen. Eine Blockchain sichert Transaktionen kryptografisch, ohne zentrale Autorität. Kryptowährungen sind keine offiziell anerkannten staatlichen Zahlungsmittel. Mehrere Zentralbanken planten 2021 digitales Zentralbankgeld als staatliche Alternative.

Globales Finanzsystem und Regulierung

Das globale Finanzsystem umfasst Finanzmärkte, Banken, Versicherungen, wenig oder nicht regulierte Schattenbanken wie Investmentfonds, Aufsichtsbehörden, Zentralbanken sowie Organisationen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF). Globaler Handel, Banknoten und Giralgeldschöpfung erhöhten seit der frühen Neuzeit den Finanzbedarf und ermöglichten zugleich Spekulationsblasen wie Tulpenmanie, Südsee- und Mississippi-Blase. Seit den 1970er Jahren ist der internationale Kapitalverkehr hundertmal so umfangreich wie der internationale Güterverkehr.

Im 19. Jahrhundert verband der Goldautomatismus nationale Währungen durch feste Goldkurse zum ersten globalen Finanzsystem. Nach seinem Zusammenbruch sollte das 1944 vereinbarte Bretton-Woods-System Währungskriege verhindern. Der Dollar wurde zur Ankerwährung; die USA versprachen ausländischen Währungsbehörden die Einlösung zu 35 Dollar je Feinunze Gold, während andere Staaten ihre Wechselkurse gegenüber dem Dollar stabilisierten. Der IWF wurde im Dezember 1945 zur Unterstützung von Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen gegründet; die Weltbank vergab ab 1946 zunächst Wiederaufbaukredite.

Wachsende US-Auslandsschulden untergruben die Golddeckung: 1961 besaß die Federal Reserve noch 44 % der Weltgoldreserven, doch die kurzfristigen Auslandsschulden überstiegen deren Wert bereits um eine Milliarde Dollar. 1971 waren die Reserven auf 12 Milliarden Dollar gesunken. Nach dem Nixon-Schock brach Bretton Woods zusammen und wurde 1973 formal aufgelöst.

Seit Anfang der 1970er Jahre dominieren flexible Wechselkurse. Das System ist grundsätzlich stabil, doch lokale und internationale Finanz- und Währungskrisen treten häufiger auf. IWF und Weltbank blieben deshalb bestehen. Die G10 gründeten 1974 den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, nachdem Banken zunehmend mit wenig Eigenkapital arbeiteten. Seine Regelwerke Basel I, Basel II und Basel III enthalten Empfehlungen für die nationale Bankenaufsicht. Moderne Währungen werden zudem durch rechtliche Sicherheiten und ein mehrstufiges Haftungsgefüge gestützt: Zentralbankgeld entsteht etwa gegen zentralbankfähige Sicherheiten in Geschäften mit haftenden Geschäftsbanken, deren Vermögen wesentlich aus Kreditforderungen gegenüber Kunden besteht.

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