Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Altes Reich

Altes Reich ist die Bezeichnung für die erste der drei klassischen Perioden des Alten Ägypten, die ungefähr von 2700 bis 2200 v. Chr. dauerte.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Quellen und Forschungsstand
  3. 3. Beginn mit der 3. Dynastie
  4. 4. Pyramidenbau und Zentralmacht
  5. 5. Veränderungen und Ende

Überblick und Bedeutung

Das Alte Reich ist die erste der drei klassischen Perioden des Alten Ägypten. Es umfasste die 3. bis 6. Dynastie und wird in der Zeitleiste auf etwa 2707–2216 v. Chr. datiert; im Text wird es auch ungefähr auf 2700 bis 2200 v. Chr. eingegrenzt. Es folgte auf die Thinitenzeit der 1. und 2. Dynastie, in der der ägyptische Staat entstand, und endete vor der politisch instabilen Ersten Zwischenzeit.

Die Alten Ägypter betrachteten diese Epoche als Goldenes Zeitalter und kulturellen Höhepunkt. Eine lange politische Stabilität, die Zentralisierung des Staates und zunehmender Wohlstand ermöglichten bedeutende Leistungen in Architektur, Kunst und Verwaltung. Wichtige Gattungen der klassischen ägyptischen Literatur entstanden; Malerei und Bildhauerei wurden kanonisiert, also in verbindlichen Formen festgelegt. Verwaltungsformen dieser Zeit bestanden fast drei Jahrtausende fort.

Besonders kennzeichnend sind die großen Pyramiden nahe der damaligen Hauptstadt Memphis: die Stufenpyramide Djosers in Sakkara sowie die Pyramiden von Cheops, Chephren und Mykerinos in Gizeh. Sie zeigen die außergewöhnliche Macht des Pharaos, die Leistungsfähigkeit der Verwaltung bei der Mobilisierung von Menschen und Material sowie die zentrale Bedeutung von Totenkult und Jenseitsglauben.

Quellen und Forschungsstand

Die wichtigsten Quellen sind Pyramiden und ihre Tempelanlagen, obwohl die Tempel häufig stark zerstört sind. In Pyramidengrabkammern der 6. Dynastie wurden Texte entdeckt, die viel über den Totenglauben der Zeit aussagen.

Daneben sind die reich mit Reliefs und Inschriften ausgestatteten Gräber hoher Beamter bedeutend. Provinznekropolen, also Friedhöfe außerhalb des zentralen Herrschaftsbereichs, wurden bisher weniger erforscht; aus dem späten Alten Reich sind jedoch einige dekorierte Grabanlagen lokaler Würdenträger bekannt.

Siedlungen sind kaum ausgegraben. Eine Ausnahme ist die Pyramidenstadt von Gizeh. Nur wenige Tempel wurden untersucht; sie scheinen im Vergleich zu späteren Epochen eher klein und undekoriert gewesen zu sein. Zwei Heiligtümer für Sonnen- und Königskult bilden eine Ausnahme. Es gibt nur wenige Papyri; die wichtigsten stammen aus Abusir und sind Verwaltungsurkunden eines Pyramidentempels.

Beginn mit der 3. Dynastie

Die 3. Dynastie dauerte von 2700 bis 2620 v. Chr. und markiert wegen des beginnenden Pyramidenbaus meist den Beginn des Alten Reiches. Manche Forschende betonen jedoch die Kontinuität zur 1. und 2. Dynastie: Der Übergang war kein echter Dynastiewechsel, denn die ersten Könige stammten direkt aus dem vorherigen Königshaus. Die Zahl, Reihenfolge und Regierungsdauer der Herrscher sind unsicher. Eindeutig ist nur der Horusname Netjeri-chet als Name Djosers; die Reihenfolge von Sechemchet, Chaba und Sanacht ist ungewiss. Huni wurde versuchsweise mit Qahedjet gleichgesetzt, doch dies ist nicht sicher. Die Dauer der Dynastie wird unterschiedlich mit 50 bis 75 Jahren angegeben.

Djoser gilt als ihr bedeutendster König. Sein Komplex in Sakkara umfasst die erste Stufenpyramide und den ersten monumentalen Steinbau der Menschheitsgeschichte. Der Bau verlangte große Fortschritte bei Planung, Versorgung und Verwaltung. Imhotep war Djosers Berater und Baumeister; er wurde bis in die Spätzeit als Erfinder verehrt und sogar vergöttlicht. Kunstwerke aus Djosers Regierungszeit unterscheiden sich deutlich von denen der vorangehenden Epoche.

Der Zentralstaat wurde von Memphis an der Grenze zwischen Ober- und Unterägypten aus gestärkt. Hohe Würdenträger wurden nun in der königlichen Nekropole bestattet. Kleinpyramiden, die gegen Ende der Dynastie vielerorts errichtet wurden, weisen auf wachsenden zentralen Einfluss in den Provinzen hin. Expeditionen beschafften Rohstoffe, etwa im Wadi Maghara im westlichen Sinai.

Pyramidenbau und Zentralmacht

Die 4. Dynastie dauerte von 2670 bis 2500 v. Chr. Snofru, möglicherweise ein Sohn Hunis, gründete sie. In ungefähr 100 Jahren regierten sieben Könige. Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos herrschten jeweils vergleichsweise lange, zwischen 18 und 30 Jahren.

Snofru führte mit drei großen Anlagen in Meidum und Dahschur den Übergang von der Stufenpyramide zur echten Pyramide herbei. Er entsandte Expeditionen nach Nubien und Libyen und ließ eine Grenzfestung bauen. Cheops errichtete auf dem Plateau von Gizeh eine Pyramide, die ursprünglich 146,59 Meter hoch und damit die höchste der Welt war. Antike Autoren schilderten ihn als tyrannisch und größenwahnsinnig, doch bis in die Spätzeit besaß er einen eigenen Kult. Djedefre nannte sich als erster König „Sohn des Re“. Chephren baute eine weitere große Pyramide in Gizeh, Mykerinos die dritte. Über Bicheris ist wenig bekannt; der bei Manetho genannte Thamphthis ist nicht durch zeitgenössische Belege bestätigt.

Für die Bauprojekte entstand eine komplexe Verwaltung, darunter ein „Amt für königliche Arbeiten“. Es rekrutierte Arbeitskräfte, organisierte Arbeitersiedlungen, erschloss Steinbrüche wie Hatnub, Fayyum, Wadi Hammamat und Sinai und brachte Rohmaterial nach Memphis. Die Staatsmacht konzentrierte sich beim göttlich verstandenen Pharao; hohe Ämter wurden meist mit Prinzen besetzt.

Veränderungen und Ende

Die 5. Dynastie, 2504–2347 v. Chr., ist durch Funde und Texte besser bekannt als die vorhergehenden Dynastien. Ihre Könige errichteten kleinere Pyramiden, oft in Abusir, sowie Tempel für den Sonnengott Re. Sie mussten ihre absolute Macht stärker mit aufstrebendem Adel und wachsender Bürokratie teilen. In der Pyramide des Unas wurden erstmals Pyramidentexte gefunden, die als älteste überlieferte religiöse Texte der Menschheitsgeschichte gelten. Die Jenseitsliteratur in Königsgräbern wurde später mit Sargtexten im Mittleren Reich und Unterweltsbüchern wie Amduat, Höhlenbuch und Pfortenbuch im Neuen Reich fortgesetzt.

Die 6. Dynastie, 2347–2216 v. Chr., setzte die Kultur der 5. Dynastie fort. Die Verwaltung wurde dezentralisiert: Verwalter in verschiedenen Landesteilen stärkten regionale Zentren, während der Einfluss der Herrscher nachließ. Dies wird beispielsweise am Grabmal des Chunes in Qubbet el-Hawa bei Assuan im 1. Gau Oberägyptens sichtbar. Nach Kriegszügen gegen Libyen, Nubien und Palästina verlor die Zentralregierung weiter an Einfluss.

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Klimaveränderungen des 4,2-Kilojahr-Ereignisses mit ausbleibenden Nilhochwassern zum Niedergang beigetragen haben könnten. Auch nahezu gleichzeitige Umbrüche in Sumer und der Indus-Kultur werden dafür angeführt. Mit dem Zerfall der Zentralregierung nach Pepi II begann die Erste Zwischenzeit.

Weiterlesen

Altes Ägypten Das Alte Ägypten war eine Hochkultur im Nordosten Afrikas, konzentriert entlang des unteren Niltals, die sich über mehr als drei Jahrtausende von etwa 3100 … Alter Orient Im Alten Orient bildeten sich im Laufe der Jahrtausende mehrere Hochkulturen aus, von denen die Sumerer, Babylonier, Assyrer, Hethiter und Perser besondere … Vorderasiatische Archäologie Die Vorderasiatische Archäologie entstand vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, zunächst als Schatzsucherei im Auftrag der großen europäischen Museen. Im … Zentralismus Der Begriff Zentralismus bezeichnet ein Strukturprinzip zur Kennzeichnung einer gesellschaftlichen Raumordnung, die zentral organisiert ist. Wohlstand Wohlstand (auch Wohl, Wohlergehen) ist ein positiver Zustand, der individuell unterschiedlich wahrgenommen wird. achten „Wirtschaftsleistung, Lebensqualität … Pyramide (Bauwerk) Pyramiden wurden vorwiegend als Gebäude mit religiösem (Totenkult) und/oder zeremoniellem Charakter errichtet. Pyramiden von Gizeh · Pyramiden von Meroe Maya- … Pyramiden von Gizeh Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten gehören zu den bekanntesten und ältesten erhaltenen Bauwerken der Menschheit. Sie stehen am westlichen Rand des Niltals, … Cheops-Pyramide Sie ist auch die höchste Pyramide der Welt und wurde als Grabmal für den ägyptischen König (Pharao) Cheops (altägyptisch Chufu) errichtet, der während der 4. Geschichte des Alten Ägypten Die Geschichte des Alten Ägypten reicht von der vordynastischen Zeit des vierten Jahrtausends v. Chr. bis zum Jahr 395 n. Chr., dem Ende der griechisch- … Altägyptische Kunst Altägyptische Kunst ist die Sammelbezeichnung für die Werke der bildenden Kunst aus den verschiedenen Perioden des pharaonischen Ägypten. Tempel In der altgriechischen Religion war der Tempel der Aufbewahrungsort für das ... Im Hinduismus repräsentiert der Tempel (mandir) den Kosmos schlechthin. Bautechniken im Alten Ägypten In Ägypten kam es etwa ab der 1. Dynastie zur Einführung des Steinbaus. Höhepunkte des Steinbaus waren der Djoser-Bezirk in Sakkara zu Beginn der 3. Dynastie, …