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Geschichte des Alten Ägypten

Die Geschichte des Alten Ägypten reicht von der vordynastischen Zeit des vierten Jahrtausends v. Chr. bis zum Jahr 395 n. Chr., dem Ende der griechisch- …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Einteilung
  2. 2. Entstehung des Staates
  3. 3. Pyramidenzeit und Zerfall
  4. 4. Zwischenzeiten und Mittleres Reich
  5. 5. Neues Reich
  6. 6. Späte Fremdherrschaften und Ptolemäer

Überblick und Einteilung

Die Geschichte des Alten Ägypten reicht von der vordynastischen Zeit des vierten Jahrtausends v. Chr. bis zum Jahr 395 n. Chr., dem Ende der griechisch-römischen Zeit. Nach Manetho wird sie in 31 Dynastien gegliedert. Eine Dynastie meint dabei nicht immer eine Herrscherfamilie, sondern oft eine Phase, die durch Hauptstadt, Machtzentrum oder kulturelle Merkmale bestimmt ist.

Die moderne Forschung unterscheidet drei große Zeiten staatlicher Einheit: Altes Reich (3. bis 6. Dynastie), Mittleres Reich (11. und 12. Dynastie) und Neues Reich (18. bis 20. Dynastie). Dazwischen liegen Zwischenzeiten, in denen Ägypten politisch zersplittert war. Danach folgte die Spätzeit, in der Ägypten noch einmal große Eigenständigkeit erlebte, bevor Perser, Griechen und Römer die Herrschaft übernahmen.

Absolute Jahreszahlen für das dritte und zweite Jahrtausend v. Chr. sind teilweise umstritten, weil nur wenige Annalen und Königslisten erhalten sind. Deshalb lässt sich die politische Geschichte nicht immer lückenlos rekonstruieren.

Entstehung des Staates

Ab etwa 5000 v. Chr. gab es jungsteinzeitliche Kulturen im Gebiet des heutigen Ägypten, besonders im Fayyum-Becken und im Nildelta. Ackerbau, einfache Keramik sowie Werkzeuge aus Stein und Knochen sind belegt. In Oberägypten folgte ab etwa 4500 v. Chr. die Badari-Kultur mit ersten Hinweisen auf Kupferverarbeitung und reicheren Grabbeigaben. Die Negade-Kultur entwickelte städtische Zentren, soziale Unterschiede, bemalte Keramik, Steingefäße und größere Gräber einer Führungsschicht. Um 3200 v. Chr. war sie im ganzen Land verbreitet; ob dies schon eine politische Einigung bedeutete, bleibt unsicher. Am Ende dieser Zeit erscheinen erste Belege für Schrift.

Die Frühdynastische Zeit beginnt mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten. Traditionell gilt Menes als erster Reichseiniger, doch ist seine historische Rolle unsicher; der erste Beleg seines Namens stammt erst aus der 18. Dynastie. Narmer gilt als erster König der 1. Dynastie oder als letzter der 0. Dynastie. Der Staat wurde von Memphis aus regiert, reichte bis Elephantine und beruhte wirtschaftlich auf Getreidewirtschaft in Dorfsiedlungen. Schrift, Siegel und ein einfaches Besteuerungssystem dienten früh der Verwaltung.

In der 1. Dynastie wurden Herrscher in Abydos bestattet. Bis zum Ende der Dynastie folgten nahe Angehörige und hochrangige Bedienstete dem König in den Tod. Unter Den erscheint der Titel Nisut-Biti, „Herr über Ober- und Unterägypten“. Unter Qaa ist erstmals das Amt des Tjati bezeugt, eines höchsten Beamten. Die 2. Dynastie ist schlechter bekannt. Nach Ninetjer kam es möglicherweise zu Thronwirren oder einer Reichsteilung zwischen Ober- und Unterägypten. Peribsen scheint nach manchen Forschern nur in Oberägypten regiert zu haben. Chasechemui beendete die Spaltung, besiegte unterägyptische Gegner und vereinheitlichte die Verwaltung im „Haus des Königs“.

Pyramidenzeit und Zerfall

Das Alte Reich umfasst die 3. bis 6. Dynastie. Seine wichtigsten Quellen sind Pyramiden, Tempelanlagen, Gräber hoher Beamter und wenige Papyri. Djoser ließ in Sakkara die älteste Pyramide errichten, eine 60 m hohe Stufenpyramide auf einer Grundfläche von 140 mal 118 m. Der Tradition nach war Imhotep ihr Baumeister. In dieser Zeit gewann der Sonnenkult an Bedeutung, und der König wurde als lebender Horus mit der Sonne verbunden.

In der 4. Dynastie wurde Re zur wichtigsten Gottheit. Snofru ließ mehrere große Pyramiden bauen, darunter die Knickpyramide und die Rote Pyramide in Dahschur. Unter ihm wurde Ägypten in Gaue gegliedert; bis zum Ende des Alten Reiches gab es 38 Gaue. Seine Nachfolger Cheops, Chephren und Mykerinos errichteten die Pyramiden von Gizeh. Die Cheops-Pyramide hatte eine Seitenlänge von 230 m, war ursprünglich 147 m hoch und bestand aus etwa 2,5 Millionen Steinblöcken.

Die höchsten Ämter wurden zunächst häufig von Mitgliedern der königlichen Familie besetzt. Zugleich wuchs die Bedeutung des Totenkults: Für Cheops sind 73 Totenpriester und Beamte bezeugt, für Chephren 32. Unter Radjedef wurde der Kult des Sonnengottes Re zur höchsten Staatsreligion erhoben; er führte das Epitheton „Sohn des Re“ ein.

In der 5. Dynastie wurden die Pyramiden kleiner, oft bei Abusir, während Sonnenheiligtümer und der Re-Kult wichtig blieben. Adel und Beamtenschaft gewannen an Macht. Unter Unas erscheinen erstmals Pyramidentexte, die ältesten religiösen Texte der Menschheit. Unter Djedkare wurden viele Verwaltungsaufgaben im Amt des Tjati gebündelt, zugleich wurde Osiris als Totengott bedeutender.

In der 6. Dynastie wuchs die Macht regionaler Zentren. Verwaltungsämter wurden in den Provinzen teilweise erblich, und die Zentralgewalt verlor an Einfluss. Kriegszüge gegen Libyen, Nubien und Palästina, Dezentralisierung und Klimaveränderungen mit ausbleibenden Nilhochwassern trugen zum Niedergang bei. Nach Pepi II., der laut Turiner Königspapyrus 94 Jahre regiert haben soll, zerfiel Ägypten in mehrere Herrschaftsgebiete.

Zwischenzeiten und Mittleres Reich

In der Ersten Zwischenzeit war Ägypten über ein Jahrhundert politisch zersplittert. Besonders Theben und Herakleopolis wurden Machtzentren. Der Totenkult der Pharaonen trat weniger monumental hervor, während lokale Machthaber, sogenannte Nomarchen oder Gaufürsten, an Bedeutung gewannen. Kultur und Religion regionalisierten sich; Sarkophagtexte und lokale Grabformen zeigen neue religiöse Ausdrucksformen. Mentuhotep II. aus Theben vereinigte Ober- und Unterägypten wieder und begründete damit das Mittlere Reich.

Das Mittlere Reich begann mit dieser Reichseinigung in der 11. Dynastie. Mentuhotep II. kontrollierte die Gaue wieder stärker und gewann Einfluss außerhalb Ägyptens. Amenemhet I., wahrscheinlich zuvor Tjati, gründete die 12. Dynastie, verlegte die Hauptstadt nach Itjtawy bei el-Lischt und führte die Mitregentschaft ein, also die Erhebung eines Nachfolgers noch zu Lebzeiten des Königs. Sesostris I. herrschte 44 oder 45 Jahre, führte Feldzüge nach Unternubien und ließ an wichtigen Tempeln des Landes bauen.

Sesostris III. galt den Ägyptern als besonders bedeutender König. Seine Feldzüge nach Unternubien waren brutal; Männer wurden getötet, Frauen und Kinder versklavt, Felder verbrannt und Brunnen vergiftet. Er gilt außerdem als Initiator des Bewässerungssystems im Fayyum. Unter Amenemhet III. wurde die Regulierung der Wasserzufuhr in den „Moeris-See“ abgeschlossen, wodurch die Agrarflächen erweitert wurden.

Das Mittlere Reich beruhte auf einem Fiskalsystem mit Naturalabgaben und kontrollierter Zwangsarbeit, auch für Militärdienste. Der Außenhandel war königliches Monopol. Die Verwaltung wurde stärker ausgebaut und schriftlicher organisiert; für Ober- und Unterägypten entstanden eigene Verwaltungsbereiche.

Das Ende des Mittleren Reiches wurde durch Thronstreitigkeiten, Zersplitterung und das Eindringen der Hyksos ausgelöst. In der Zweiten Zwischenzeit herrschten Hyksos aus Westasien in Nordägypten, während in Theben eine eigene Dynastie bestand und Nubier im Süden Macht ausübten. Avaris im östlichen Nildelta wurde Zentrum der Hyksos. Diese brachten westasiatische Kulturelemente mit; Pferd und Streitwagen wurden wahrscheinlich erst während ihrer Herrschaft in Ägypten eingeführt. Theben kämpfte schließlich gegen Avaris. Ahmose I. eroberte Avaris im 18. oder 22. Regierungsjahr und leitete damit das Neue Reich ein.

Neues Reich

Das Neue Reich begann um 1550 v. Chr. mit der 18. Dynastie und war eine Zeit starker Expansion und großer internationaler Verflechtung. Ahmose I. gilt als Begründer der Dynastie. Ägypten dehnte sich nach Palästina und Nubien aus. Nubien lieferte Gold und andere Waren, während im Norden Konflikte mit Mittani, später mit den Hethitern, entstanden. Theben wurde religiöses Zentrum, besonders durch den Amun-Kult in Karnak. Das Tal der Könige und das Tal der Königinnen wurden königliche Begräbnisstätten; Deir el-Medina entstand als Handwerkerstadt.

Hatschepsut, die nach dem Tod Thutmosis’ II. die Macht übernahm, ließ ein großes Bauprogramm durchführen, besonders in Karnak und in ihrem Totentempel. Ihre Expedition nach Punt im 9. Regierungsjahr brachte Weihrauch und Ebenholz; die dargestellten Weihrauchpflanzen gelten als Hinweis auf eine frühe botanische Sammelreise.

Thutmosis III. führte nach Hatschepsuts Tod zahlreiche Feldzüge in Palästina und Syrien. In der Schlacht bei Megiddo und der siebenmonatigen Belagerung erbeutete er 894 Streitwagen, 200 Rüstungen, mehr als 2000 Pferde und 25.000 Tiere. Später schloss Ägypten unter Amenophis II. Frieden mit Mittani. Unter Amenophis III. herrschte 38 Jahre lang vergleichsweise Frieden und Wohlstand; diplomatische Kontakte bestanden zu Babylon, Arzawa und Mittani.

Unter Amenophis IV., der sich Echnaton nannte, kam es zum Religionskonflikt zwischen Amun und Aton. Er gründete Achet-Aton, das heutige Amarna, und erhob Aton, die Sonnenscheibe, zum zentralen Gott. Ab dem 9. Regierungsjahr ließ er andere Götter bekämpfen und Tempel schließen. Nach seinem Tod stellten Tutanchamun und Eje II. schrittweise die alte Ordnung wieder her; Tutanchaton änderte seinen Namen zu Tutanchamun.

In der 19. Dynastie prägten Konflikte mit den Hethitern die Außenpolitik. Ramses II. kämpfte 1274 v. Chr. bei Kadesch; die Schlacht brachte keine Entscheidung. 1259 v. Chr. wurde ein Friedensvertrag mit Ḫattušili III. geschlossen. Ramses II. regierte 67 Jahre, ließ Pi-Ramesse ausbauen und errichtete gewaltige Bauwerke wie Abu Simbel. Später bedrohten Libyer und Seevölker Ägypten. Ramses III. konnte Angriffe im Nildelta abwehren, doch die Macht der Tempel, besonders des Amun-Tempels von Theben, wurde so groß, dass die Staatsfinanzen geschwächt wurden. Im 29. Regierungsjahr Ramses’ III. kam es zum Streik von Deir el-Medina. Unter Ramses XI. zerfiel die Einheit des Landes; im Süden herrschten Hohepriester des Amun faktisch selbstständig.

Späte Fremdherrschaften und Ptolemäer

In der Dritten Zwischenzeit entstanden mehrere Königshäuser in Städten wie Tanis, Bubastis, Herakleopolis, Hermopolis und Leontopolis. Zugleich gewann das Reich von Kusch im Süden an Macht. In Theben herrschten Hohepriester des Amun mit großer Selbstständigkeit. Libysche Gruppen wie Mešweš und Libu stellten Herrscher der 21. und 22. Dynastie. Ihre familienorientierte Herrschaftsform führte dazu, dass mehrere lokale Machtträger nebeneinander existierten. Scheschonq I. gründete die 22. Dynastie, vereinte Ägypten zeitweise durch Familienpolitik und führte um 925 v. Chr. einen Feldzug nach Palästina.

Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. übernahm die nubische 25. Dynastie die Herrschaft. Ihr Zentrum lag in Napata, eng verbunden mit dem Amun-Kult am Jebel Barkal. Pije zog nach Norden, gewann Theben durch die Adoption seiner Schwester Amenirdis als Gottesgemahlin des Amun und besiegte die übrigen Dynastien. Später geriet Ägypten in Konflikt mit Assyrien. Asarhaddon eroberte Memphis, Assurbanipal verwüstete 652 v. Chr. Theben schwer.

Die Spätzeit begann mit der saïtischen 26. Dynastie. Psammetich I. wurde 664 v. Chr. von den Assyrern eingesetzt, machte Ägypten aber 653 v. Chr. wieder unabhängig. Griechen, Karier, Juden, Phönizier und andere dienten als Söldner. Necho II. baute eine Seestreitmacht auf und begann einen Kanal zwischen Rotem Meer und Nilarm. Psammetich II. führte 592 v. Chr. einen Feldzug gegen Nubien. Unter Amasis wurde Naukratis zu einer wichtigen griechischen Handelsstadt; Herodot beschreibt seine Zeit als besonders wohlhabend.

525 v. Chr. besiegten die Perser Psammetich III. bei Pelusium. Ägypten wurde Teil des Perserreiches. Kambyses II. und Dareios I. übernahmen pharaonische Formen, setzten aber Satrapen ein. Mehrere Aufstände folgten. Nach 404 v. Chr. wurde Ägypten erneut unabhängig; die 28. bis 30. Dynastie versuchte mit griechischen Söldnern die Perser fernzuhalten. Nektanebos II. war der letzte einheimische Pharao. 343/342 v. Chr. eroberte Artaxerxes III. Ägypten zurück, doch 332 v. Chr. nahm Alexander der Große das Land kampflos ein.

Alexander ließ sich wahrscheinlich in Memphis nach ägyptischem Ritus zum Pharao krönen und gründete 331 v. Chr. Alexandria. Nach seinem Tod 323 v. Chr. erhielt Ptolemaios Ägypten. Ab 305 v. Chr. regierte er als Ptolemaios I. Soter. Die Ptolemäer machten Alexandria mit Bibliothek, Mouseion und Leuchtturm zum Zentrum griechischer Kultur. Zugleich blieben ägyptische Tempel und Rituale wichtig. Innere Konflikte, Aufstände, wirtschaftliche Probleme und die Einmischung Roms schwächten das Reich. Kleopatra VII. war die letzte Ptolemäerin. Nach der Niederlage von Marcus Antonius und Kleopatra gegen Octavian bei Actium 31 v. Chr. fiel Ägypten 30 v. Chr. an das Römische Reich.

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