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Türkis (Mineral)

Das Mineral Türkis ist ein eher selten vorkommendes, wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Phosphat aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Kristallstruktur und Eigenschaften
  3. 3. Bildung und wichtige Fundorte
  4. 4. Verwendung und kulturelle Bedeutung
  5. 5. Farbe, Wert und Pflege
  6. 6. Behandlungen und Imitationen

Definition und Einordnung

Türkis ist ein eher seltenes, wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Phosphat aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Die chemische Zusammensetzung lautet CuAl₆(PO₄)₄(OH)₈·4H₂O. In der Kristallstruktur kann Aluminium durch dreiwertiges Eisen (Fe³⁺) ersetzt werden; deshalb wird häufig auch die Formel Cu(Al,Fe)₆(PO₄)₄(OH)₈·4H₂O angegeben. Dieser Austausch heißt Diadochie.

Türkis kristallisiert triklin und ist Namensgeber der Türkisgruppe. Zu ihr gehören außerdem Faustit, Chalkosiderit, Aheylit und Planerit. In der 8. Strunz-Auflage steht Türkis in der „Türkis-Reihe“ mit der Systemnummer VII/D.08. In der Lapis-Systematik trägt er die Nummer VII/D.15-040; in der 9. Strunz-Auflage die Nummer 8.DD.15 und in der Dana-Systematik 42.09.03.01. Die IMA-Nummer lautet 1967 s.p., das IMA-Symbol Tqu.

In der Natur bildet Türkis überwiegend traubenförmige oder erdig-massige, fast immer kryptokristalline Aggregate. Sichtbare Kristalle sind sehr selten, nur wenige Millimeter groß und prismatisch bis nadelig. Verarbeitet wird Türkis ausschließlich als Schmuckstein.

Kristallstruktur und Eigenschaften

Die Kristallstruktur wurde vergleichsweise spät aufgeklärt, weil Türkis gewöhnlich nur als erdige, kryptokristalline Masse vorkommt. Erste Türkiseinkristalle wurden 1912 aus Virginia beschrieben; 1965 wurde die Struktur mit Kristallen dieses Fundortes vollständig aufgeklärt.

Das Kristallsystem ist triklin, die Raumgruppe ist P1 (Nr. 2). Einziges Symmetrieelement ist ein Inversionszentrum. Die Elementarzelle besitzt die Gitterparameter a = 7,410 Å, b = 7,633 Å, c = 9,904 Å sowie α = 68,42°, β = 69,65° und γ = 65,05°; die Zahl der Formeleinheiten beträgt Z = 1. Häufige Kristallflächen sind {100}, {010} und {001}; Zwillingsbildung wurde nicht beobachtet.

Kupfer-, Aluminium- und Eisenionen werden von Sauerstoff vier- oder sechsfach koordiniert. Die Phosphorionen P⁵⁺ sitzen in isolierten [PO₄]³⁻-Tetraedern. Aluminium und Fe³⁺ befinden sich auf drei verschiedenen Positionen und sind jeweils oktaedrisch von sechs Sauerstoffatomen umgeben. Kupfer liegt im Inversionszentrum und wird von vier OH-Gruppen und zwei H₂O-Molekülen in einem stark verzerrten [CuO₆]-Oktaeder umgeben. Über gemeinsame Kanten und Ecken verbinden sich CuO₆- und AlO₆-Oktaeder mit den PO₄-Tetraedern zu einer dreidimensionalen Struktur.

Reiner Türkis erreicht eine Mohshärte von knapp unter 6. Die Dichte liegt zwischen 2,6 und 2,9 g/cm³ und nimmt mit der Porosität ab. Die Spaltbarkeit ist gut nach {010} und vollkommen nach {001}; der Bruch ist muschelig bis uneben. Die Farbe reicht von Blau über Blaugrün bis Grün, die Strichfarbe ist grünlichweiß. Türkis kann durchsichtig bis undurchsichtig sein und besitzt Wachs- oder Mattglanz.

Der Brechungsindex beträgt bei Natriumlicht ungefähr 1,61 bis 1,62; an einzelnen Kristallen wurden Werte von 1,61 bis 1,65 gemessen. Die Doppelbrechung beträgt δ = 0,040, der optische Charakter ist zweiachsig positiv, der Achsenwinkel 2V = 40°. Der Pleochroismus ist schwach und reicht von farblos über hellblau bis hellgrün. Unter langwelligem UV-Licht fluoresziert Türkis grün, gelb oder hellblau, unter kurzwelligem UV-Licht und Röntgenstrahlen ist er inaktiv. Er löst sich in erhitzter Salzsäure, wird von organischen Säuren und Kalilauge angegriffen und zerfällt zwischen 200 und 600 °C unter knisternden Geräuschen zu schwarzem Pulver.

Bildung und wichtige Fundorte

Türkis ist ein typisches Sekundärmineral. Es entsteht meist oberflächennah, bis etwa 30 bis 40 Meter unter der Erdoberfläche, wenn kupferhaltige, aluminiumreiche Gesteine verwittern. Besonders günstig sind trockene Gebiete. Das Kupfer kann aus Kupfersulfiden wie Chalkopyrit oder aus Azurit und Malachit stammen. Aluminium kommt meist aus Feldspäten; Phosphat wird durch phosphathaltige Lösungen zugeführt oder stammt aus Mineralen wie Apatit.

Türkis füllt häufig Hohlräume und Spalten verwitternder magmatischer Gesteine und tritt oft zusammen mit Limonit, anderen Eisenoxiden oder gelegentlich Alunit auf. Kieselsäure im Muttergestein kann den Türkis natürlich stabilisieren. Selten bildet er Pseudomorphosen nach Feldspat, Chrysokoll oder Apatit, ersetzt fossile Knochen und Zähne oder kommt in stalaktitartigen Formen vor.

Historisch und mengenmäßig bedeutende Fundgebiete liegen im Südwesten der USA, in Mexiko, auf der Sinai-Halbinsel, im Iran, in China und im südöstlichen Australien. Weitere Fundorte gibt es unter anderem in Afghanistan, Nordchile, Großbritannien, Sachsen, Schlesien, Bulgarien und Turkestan.

Im Iran konzentrieren sich die Lagerstätten auf das Gebiet um den 2012 m hohen Berg Ali-Mersai bei Neyschabur in Chorasan. Der Türkis findet sich dort in verwittertem Trachyt, zwischen Limonit- und Sandsteinschichten sowie im Geröll. Die Bergwerke von Ali-Mersai und auf der Sinai-Halbinsel gelten als die ältesten bekannten Lagerstätten. Iranischer Türkis ist häufig mit weißen Flecken versehen, wird aber wegen Farbe und Härte besonders geschätzt.

Die alten Ägypter bauten Türkis bereits seit der vordynastischen Zeit, etwa 5500 v. Chr., ab. Der Abbau im Wadi Maghara ist für etwa 3200 v. Chr. dokumentiert. Die sechs Lagerstätten im Südwesten der Sinai-Halbinsel erstrecken sich über 650 km². Serabit el-Chadim und Wadi Maghareh sind historisch besonders bedeutend. Heute gelten die Vorkommen als erschöpft und wirtschaftlich unbedeutend; einzelne Beduinen suchen sie noch auf. Sinaitürkis ist meist grüner als iranischer Türkis, zugleich härter, weniger brüchig und besonders lichtdurchlässig.

Im Südwesten der USA liegen wichtige Vorkommen in Arizona, Kalifornien, Colorado, New Mexico und Nevada. Cerrillos in New Mexico gilt als älteste Mine; die Apache Canyon ist die einzige heute noch konkurrenzfähige Mine. Nevada-Türkis ist für seine braune oder schwarze „Spinnweben-Matrix“ aus Limonit bekannt. 1912 wurde in Lynch Station (Virginia) der erste Einzelkristall gefunden; inzwischen sind mindestens 27 weitere Fundorte bekannt. In China liefern vor allem Hubei und Yunnan hochwertiges Material. Hochwertige Türkislagerstätten in Tibet werden von einigen Experten wegen fehlender Belege angezweifelt.

Verwendung und kulturelle Bedeutung

Türkis gehört zu den ältesten Schmucksteinen. Er wurde unter anderem im alten Ägypten, bei den Azteken und anderen präkolumbischen Kulturen, in Persien und Mesopotamien sowie im antiken China und im Indusgebiet verwendet. Heute wird er im Westen meist als Cabochon, also glatt gewölbt und ohne Facetten, in Silberringen und Armbändern oder als grob gefertigte Perle in Halsketten getragen. Auch Schnitzereien und Anhänger werden aus Türkis hergestellt.

In Ägypten ist die Verwendung seit etwa 5500 v. Chr. durch Grabbeigaben belegt. Türkis wurde für Ringe, Halsketten, Pektorale, Flechtarbeiten und Amulette wie Skarabäen verwendet. Er galt als Edelstein der Göttin Hathor. In Persien war Türkis seit Jahrtausenden der Nationaledelstein und wurde neben Schmuck auch für Turbane, Moscheen und andere bedeutende Bauwerke eingesetzt. Persischer Türkis wurde häufig mit arabischer Schrift graviert und mit Gold verziert.

Die Azteken fertigten mit Türkis Mosaikobjekte wie Masken, Messer und Schilde an, die wahrscheinlich rituelle Funktionen hatten. Auch Pueblo, Diné und Apachen nutzten ihn für Amulette, Perlen, Anhänger und Skulpturen. In Tibet und der Mongolei werden grüne Türkise häufig mit Korallen in Silber- und Goldschmuck kombiniert. In der westlichen Kultur gilt Türkis als traditioneller Geburtsstein des Dezembers.

In der Bibel wird im Buch Exodus (28:15–30) ein mit zwölf Edelsteinen verzierter Brustschild des Priesters Aaron beschrieben. Einige Gelehrte übersetzen den ersten und zweiten Stein der dritten Reihe als Türkis, andere als Jacinth beziehungsweise Zirkon oder Hyazinth und Achat. Welche Steine welchen Stämmen Israels zugeordnet sind, ist nicht eindeutig geklärt.

Historisch und in der Esoterik wurden dem Türkis Schutz-, Glücks- und Heilwirkungen zugeschrieben. In der modernen Esoterik soll er unter anderem bei entzündlichen Erkrankungen helfen. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.

Farbe, Wert und Pflege

Der Wert von Türkis hängt meist von der Intensität der Farbe ab. Tiefes Himmelblau gilt allgemein als besonders begehrt; grüne, helle oder stark gesprenkelte Stücke werden im Allgemeinen niedriger bewertet. In Ostasien bevorzugt man jedoch häufig grünere Steine. Eine gleichmäßige Farbe, gute Polierqualität und symmetrische Form erhöhen die Wertschätzung. Die „Spinnweben-Matrix“ kann den Wert steigern, ist im Südwesten der USA und in Asien beliebt, wird im Nahen Osten aber eher abgelehnt. Der Preis richtet sich wie bei Korallen meist nach der Größe in Millimetern und nicht nach dem Gewicht.

Poröser, kalkiger und weicher Türkis kann mit der Zeit verblassen und entspricht dann nicht dem üblichen Qualitätsstandard der Schmuckindustrie. Unbehandelter Türkis ist im Allgemeinen teurer als behandelter oder künstlicher. Schweiß, Parfüm, Hautöle, Kosmetika, Seife sowie saure oder basische Lösungen können die Oberfläche und Farbe schädigen. Türkisschmuck sollte beim Händewaschen, Putzen und Sonnenbaden abgelegt werden. Eine Temperatur von etwa 250 °C kann ihn grün färben; längere direkte Sonneneinstrahlung kann Farbe und Kristallwasser vermindern.

Nach dem Tragen sollte Türkis vorsichtig mit einem weichen Tuch gereinigt und getrennt von anderen Edelsteinen aufbewahrt werden, damit er nicht zerkratzt wird.

Behandlungen und Imitationen

Da natürlicher Türkis oft porös, weich oder brüchig ist, wird er häufig nachbehandelt. Leichtes Wachsen und Einölen kann Glanz und Farbe verbessern und gilt traditionell als akzeptiert, sofern nur wenig aufgenommen wird. Beim Druckimprägnieren werden minderwertige Stücke unter anderem mit Epoxidharz, Polystyrol oder Wasserglas stabilisiert. Solches Material heißt „rekonstruierter“ oder „stabilisierter“ Türkis. Die Epoxidharzmethode wurde in den 1950ern von Colbaugh Processing of Arizona entwickelt. Färben, Kleben, Rekonstruktion aus Splittern und die Herstellung von Dubletten greifen stärker in das Material ein; ihre Akzeptanz ist umstritten oder hängt von der Information des Käufers ab.

Künstlicher Türkis wird unter anderem aus Fayence, Glas, Emaille, Keramik, Porzellan, Kunststoff oder rekonstruierten Kupfer- und Aluminiumverbindungen hergestellt. Beispiele sind „Viennese turquoise“, „Neolith“ beziehungsweise Reese-Türkis und „Neotürkis“. 1972 stellte Pierre Gilson ein Material her, das wegen seines Klebers chemisch nicht als echter synthetischer Türkis, sondern besser als Imitation gilt. Nach dem Artikel sind über 90 % der verkauften Türkise in irgendeiner Form behandelt, rekonstruiert oder imitiert.

Häufige Imitate bestehen aus blau gefärbtem Howlith oder Magnesit; Howlith besitzt die Härte 3 bis 3,5, Magnesit die Härte 4. Auch gefärbter Chalcedon, Jaspis, Marmor und Odontolith („Knochentürkis“) kommen vor. Farbähnliche Minerale sind beispielsweise Amazonit, Chrysokoll, Hemimorphit, Lazulith, Serpentin und Variscit. Die Verwachsung Amatrix aus Variscit, Chalcedon und Quarz lässt sich wegen ihrer Mohshärte von 7 unterscheiden.

Gemmologen untersuchen vor allem die Oberflächenstruktur mikroskopisch sowie Dichte, Brechungsindex, Lichtabsorption und andere Eigenschaften. Verdünnte Salzsäure löst Odontolith und Magnesit unter Bläschenbildung auf, Howlith verfärbt sich grün. Kunststoff kann beim Erhitzen stechend riechen. Auch Wachs-, Öl- und Kunststoffbehandlungen lassen sich durch Erhitzen erkennen.

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