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Horus

Horus (auch als Horos oder Hor transkribiert) war ein Hauptgott der Mythologie des Alten Ägyptens. Er ist, gemeinsam mit Seth, Bat und Neith, die älteste …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Horus als ägyptischer Hauptgott
  2. 2. Gestalten und Darstellungen
  3. 3. Königsgott und Kultorte
  4. 4. Der Streit um die Thronfolge
  5. 5. Köpfung der Isis und Horus-Auge

Horus als ägyptischer Hauptgott

Horus, auch Horos oder Hor transkribiert, war ein Hauptgott des Alten Ägyptens. Er ist bereits auf Artefakten der protodynastischen Epochen um 3.400 v. Chr. nachweisbar und gehört gemeinsam mit Seth, Bat und Neith zu den ältesten Gottheiten der ägyptischen Geschichte. Seine Grundgestalt ist der Falke; deshalb wird er oft als Falkengott bezeichnet.

Horus war Gott des Himmels und des Horizonts sowie Schutzpatron der Pharaonen und Kinder. Nach der Vorstellung der Mythologie überspannten seine Flügel den Himmel; seine Augen entsprachen Sonne und Mond. Als Himmelsgott waren das rechte Auge das Sonnenauge und das linke das Mondauge. Seine Flügelspitzen berührten die Grenzen der Erde. Ein frühes Bild mit Flügelpaar, Sonnenbarke des Re und einem Falken gilt als Vorläufer der Flügelsonne Behedeti.

Seine Herkunft und Rolle unterscheiden sich je nach Mythos: In früher Zeit galt er als gleichberechtigter Zwillingsbruder Seths und als Sohn der Hathor, später teils auch der Isis. Im Osirismythos ist er Sohn von Osiris und Isis; im Sonnenkult kann er Sohn von Atum oder Re beziehungsweise von Geb oder Nut sein. Ab dem späten Alten Reich wurde er als Beschützer des Sonnengottes Re angesehen. Die Verbindung verschiedener Horusvorstellungen führte zu Synkretismus, also zur Verschmelzung von Gottheiten oder Gottesformen. In unterschiedlichen Kultzentren entstanden dadurch schließlich fünfzehn verschiedene Horus-Götter.

Der Name Horus geht auf das altägyptische Ḥr.w zurück, wahrscheinlich „Falke“. Die rekonstruierte Aussprache ab der 5. Dynastie lautet ˈħaːɾuw. Ergänzende Schriftzeichen erlauben außerdem Deutungen wie „der in Ferne ist“ oder „der in der Höhe ist“.

Gestalten und Darstellungen

Horus erscheint als Falke oder als Mensch mit Falkenkopf. In der menschengestaltigen Darstellung ist er ein athletisch-schlanker Mann: Der Körper wird meist von vorn, das Gesicht aber seitlich gezeigt. Statuen können ihn vollständig von vorn, schreitend, sitzend oder selten kniend darstellen. Seit der Ramessidenzeit gibt es auch Statuen eines vollständig menschlichen Horusknaben mit Jugendlöckchen, meist auf dem Schoß von Isis oder Hathor. In griechisch-römischer Zeit wurde er häufig als Legionär dargestellt.

Welche Falkenart als Vorbild diente, ist nicht eindeutig. Genannt werden Wanderfalke (Falco peregrinus), Eleonorenfalke (Falco eleonorae), Baumfalke (Falco subbuteo) und Lannerfalke (Falco biarmicus). Alle besitzen die gebogene Tränenspur unter den Augen. Frühe Darstellungen sind meist Zeichnungen ohne Farben und oft ohne genaue Gesichtsmusterung; später unterscheiden sich die Farben. Daher können mehrere verehrte Falkenarten künstlerisch verschmolzen worden sein.

Die Falkenhieroglyphe ist seit der Prädynastik belegt. Sie trägt als Gardiner-Zeichen G5 die Transkribierung Ḥr und zeigt normalerweise einen sitzenden Falken in Seitenansicht. Varianten zeigen einen Falken mit Krone, Königsflegel, auf einer Standarte, ruhend oder als Falkenmumie.

Wichtige Formen sind Behdeti, „der von Edfu“; Harachte, „Horus der beiden Horizonte“, Gott der Morgensonne; Harmachis, „Horus im Horizont“, Personifikation der aufgehenden Sonne und in der Großen Sphinx von Gizeh dargestellt; Haroeris, „Horus der Große“ oder „Horus der Alte“; Harsiese, „Horus, Sohn der Isis“; Horus Iunmutef, „Horus, der Pfeiler seiner Mutter“; und Harsomtus, „Horus, der die beiden Länder vereint“.

Königsgott und Kultorte

Horus war der Königsgott. In vorgeschichtlicher Zeit war der Falke ein Totem oberägyptischer Nomadenstämme und später ein Gauzeichen. Bereits seit der Vor- und Frühdynastischen Zeit wurde der König mit dem Himmelsgott gleichgesetzt: Horus offenbarte sich in der Person des Königs, der lebende König war Horus. Seine Rolle als Himmelsgott und Königsgott gilt als gleich alt beziehungsweise zeitgleich.

Der Titel „Lebender Horus“ ist der älteste ägyptische Königstitel. Der Horusname ist etwa für Hat Hor und Skorpion I. belegt. Er wird durch einen Falken auf einem Serech dargestellt, einem Rechteck mit Palastfassade im unteren Teil und dem Königsnamen darüber. Auf der in die 0. Dynastie datierten Narmer-Palette erscheint ein Falke als Horus. Bis zur 4. Dynastie war der Horusname der einzige Name des Königs; noch in dieser Dynastie kam der Goldhorusname als weiterer Titel hinzu. Die Krönung machte den Herrscher zum Horus. Texte sprechen deshalb davon, dass er auf den „Horusthron der Lebenden“ kam. Auf der Restaurationsstele Tutanchamuns steht unter anderem: „Erschienen auf dem Horusthron der Lebenden“.

Vor der Reichseinigung lag ein Kultzentrum in Hierakonpolis in Oberägypten. Weitere Kultorte waren Letopolis und Wawat in Unternubien südlich des 1. Katarakts; später kam Edfu hinzu. Dort verehrte man Horus mit Hathor und ihrem gemeinsamen Sohn als Dreiheit. In Kom Ombo erschien er als Haroeris und Sohn des Re, in Heliopolis als Harachte. Als Harpokrates wurde er unter anderem in Achmim, Philae, Edfu, Alexandria, Pelusium und im Fajum verehrt. Im Mittleren Reich galt er als Gott des ersten und elften oberägyptischen Gaues, Ta-seti und Seth-Tier-Gau; in griechisch-römischer Zeit als Gott des 16. oberägyptischen und 14. unterägyptischen Gaues.

Der Streit um die Thronfolge

Der bekannteste Mythos behandelt die Thronfolge nach dem Tod des Osiris. In einer im Neuen Reich unter Ramses V. verfassten Erzählung empfängt Isis den kleinen Harsiese durch ihren verstorbenen Gatten Osiris und zieht ihn in den Sümpfen bei Buto auf. Als Erwachsener kämpft Horus gegen seinen Onkel Seth, um den Thron des Vaters zurückzuerlangen. Wegen seines Schutzes für Osiris trägt er den Titel Harendotes, „Beschützer seines Vaters“.

Der Kampf bleibt lange unentschieden, daher wird ein Göttergericht in Heliopolis angerufen. Die Verhandlung dauert achtzig Jahre. Viele Richter sprechen für Horus; Re-Harachte als Vorsitzender bevorzugt zunächst Seth. Schu und Thot verteidigen Horus, weil Gerechtigkeit wichtiger als Gewalt sei. Die Göttin Neith verlangt schließlich den Thron für Horus; Seth soll als Ausgleich doppelten Besitz sowie Astarte und Anath als weitere Frauen erhalten.

Isis bringt Seth durch eine List dazu, selbst die Erbfolge des Sohnes anzuerkennen: Als junges Mädchen verkleidet erzählt sie ihm von einem Fremden, der den Sohn eines verstorbenen Hirten um sein Erbe bringen wolle. Seth antwortet: „Soll Vieh an Fremde fallen, wenn ein Mann einen Sohn zum Erben hat?“ Dadurch hat er sich selbst verurteilt. Dennoch fordert er weitere Zweikämpfe. Als Horus und Seth als Flusspferde kämpfen, trifft Isis mit ihrer Harpune zuerst Horus und dann Seth. Sie befreit Seth jedoch aus Mitleid. Horus köpft daraufhin seine Mutter. Seth reißt ihm später die Augen aus und vergräbt sie. Je nach Fassung findet Thot oder Hathor Horus; Hathor stellt sein Augenlicht mit Gazellenmilch wieder her.

Das endgültige Urteil fällt nach dem Eingreifen des Osiris zugunsten seines Sohnes. Osiris verweist auf seine Herrschaft über die Toten und darauf, dass Maat, die Ordnung und Gerechtigkeit, missachtet worden sei. Horus wird zum „Horus, Herr beider Länder“ gekrönt und herrscht über Ober- und Unterägypten. Seth wird in Ketten vorgeführt, dann aber von Re-Harachte aufgenommen: Er soll mit ihm im Himmel leben, donnern und gefürchtet werden.

Köpfung der Isis und Horus-Auge

Die Köpfung der Isis wird in mehreren Varianten überliefert. Im Papyrus Chester Beatty I köpft Horus Isis aus Zorn, weil sie Seth nach dem Kampf als Flusspferde freigelassen hat. In der Deutung des Tebtynis Manual flieht Horus nach seiner Tat in die Berge von Dedwen und wird von Dedwen durch Abschlagen des Kopfes bestraft; die lokale Göttin Matit rettet den neugeborenen Horus vor Apophis. Auch das Brooklyn Delta Manual lässt Dedwen Horus für die Köpfung der Isis enthaupten. Im ptolemäischen Papyrus Jumilhac wird dagegen Nemti für die Köpfung der Isis bestraft, gehäutet und durch Milch der Hesat geheilt und als Säugling in Atfet wiedergeboren. Plutarch berichtet ebenfalls vom Konflikt, sagt aber, Horus habe Isis nicht enthauptet, sondern ihr das Diadem vom Kopf gestoßen; Thot ersetzt es durch eine Kopfbedeckung mit Kuhhörnern.

Das Horus-Auge heißt auch Udjat-Auge und bedeutet das heile oder gesunde Auge. In einer Version sticht Seth Horus beide Augen aus, in einer anderen verliert Horus nur das linke Auge, das Mondauge. In beiden Fällen erhält Horus sein Augenlicht zurück, indem Thot das Auge heilt.

In der Moderne verwendet Egypt Air Horus als Signet und Logo; die Business-Class hieß früher Horus Class. Schiffe auf dem Nil tragen das Horus-Auge beidseitig am Bug, um Unglück abzuwenden.

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