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Geschichte der modernen Bibelkritik

... Historisch-kritische Methode (Theologie). Die moderne Bibelkritik geht vor allem auf die Renaissance und die Aufklärung zurück. Das Aufkommen kritischer …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundgedanke und historischer Ausgangspunkt
  2. 2. Bibelkritik im 18. Jahrhundert
  3. 3. Konflikt zwischen Vernunft, Glauben und psychologischer Kritik
  4. 4. Heutige Formen und Gegenkritik

Grundgedanke und historischer Ausgangspunkt

Die moderne Bibelkritik untersucht die Bibel mit den Methoden kritischer Wissenschaften und fragt nach ihrer historischen Zuverlässigkeit, ihrer Entstehung, ihrer Überlieferung und ihrer inneren Einheit. Sie geht vor allem auf Renaissance und Aufklärung zurück. Das Aufkommen von Wissenschaften, die nicht unmittelbar der Religion verpflichtet waren, etwa der vergleichenden Geschichte, führte zu Auseinandersetzungen mit kirchlichen Autoritäten. Bereits im 17. Jahrhundert veröffentlichten Thomas Hobbes, Richard Simon und besonders Baruch de Spinoza bibelkritische Texte. Spinoza vertrat unter anderem die Ansicht, die Bibel sei von einfachen Menschen geschrieben, enthalte viele Irrtümer und Widersprüche, sei über weite Strecken nicht authentisch und das auf ihr beruhende Christentum sei nur ein vorübergehendes Phänomen.

Die zunehmende Verfügbarkeit übersetzter Bibeln ermöglichte auch Laien ein eigenes Bibelstudium. Dabei wurden Widersprüche innerhalb der Bibel sowie zwischen biblischen Aussagen und anderen antiken Überlieferungen festgestellt. Archäologen, Historiker und vergleichende Wissenschaftler untersuchten, ob biblische Angaben historisch richtig oder fehlerhaft seien. Historische Quellen konnten den biblischen Angaben widersprechen. Als Beispiel nennt der Artikel ägyptische Chronologien, die bis weit vor den angenommenen Zeitpunkt der Sintflut zurückreichten, etwa die Chronologie des Manetho. Auch naturwissenschaftliche Erkenntnisse stellten biblische Vorstellungen infrage. Robert Hooke entwickelte ausgehend von Fossilien eine Theorie über das Verschwinden von Arten, die dem biblischen Schöpfungsplan widersprach und schließlich in die Evolutionstheorie Charles Darwins mündete.

Die auf Aufklärung und Säkularisierung beruhende Bibelkritik trug dazu bei, dass die christliche Religion teilweise grundsätzlich infrage gestellt wurde. Jean Meslier verband in seinem religionskritischen Testament zahlreiche bibelkritische Argumente mit einem entschiedenen Atheismus. Er verwies besonders auf die vielen Widersprüche der Bibel und bezeichnete sie deshalb als ein von Menschen in betrügerischer Absicht geschriebenes Buch.

Bibelkritik im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert verbreiteten sich bibel- und religionskritische Ansichten im Zusammenhang mit Aufklärung sowie Kirchen- und Religionskritik. Georges Minois bezeichnete dieses Jahrhundert als „Jahrhundert des Unglaubens“. Zu den bekannten Kritikern gehörten unter anderem D’Holbach, Voltaire, La Mettrie und Diderot.

Ein wichtiges Prinzip der Aufklärung war, den eigenen Verstand zu gebrauchen. Daher sollte die kirchliche Lehre nicht einfach übernommen werden. Stattdessen forderte man Nachweise, las die Bibel kritisch und verglich ihre Aussagen mit der kirchlichen Doktrin. Bibelkritische Argumente dienten teilweise dazu, die gesamte kirchliche Lehre und Autorität sowie die christliche Religion infrage zu stellen. Dies konnte auch die Frage nach der Existenz Gottes einschließen.

Viele Aufklärer wurden jedoch nicht Atheisten, sondern wandten sich dem Deismus zu. Der Deismus verwirft die Bibel und andere Offenbarungen als religiöse Quellen, hält aber am Glauben an eine Gottheit fest. Er versucht, den Glauben an Gott mit der kritischen Vernunft zu verbinden, während der Glaube an den Gott der Bibel als mit dieser Vernunft unvereinbar angesehen wird. Zugleich sollte der Deismus einem im Atheismus vermuteten moralischen Vakuum oder einer Sinnleere ausweichen.

Konflikt zwischen Vernunft, Glauben und psychologischer Kritik

Im 19. Jahrhundert entstanden im Gefolge der Französischen Revolution offen atheistische Gesellschaftsmodelle. Einige wollten Religion und Staat trennen, andere Religion vollständig durch Vernunft und Wissenschaft ersetzen. Die römisch-katholische Kirche reagierte mit Abschottung und hielt an ihren Dogmen und Traditionen fest, darunter an der Lehre von der göttlichen Inspiration der Bibel. Dies zeigte sich beispielsweise im Ersten Vatikanischen Konzil und der Dogmatischen Konstitution Dei Filius.

Im Protestantismus wurde die Bibel dagegen zunehmend mit der historisch-kritischen Methode ausgelegt. Diese untersucht biblische Texte als geschichtlich entstandene Texte; als Beispiel nennt der Artikel David Friedrich Strauß. Katholische Theologen betrachteten dieses Vorgehen häufig als Zerstörung der Bibel, etwa Félicité de Lamennais. Georges Minois beschreibt daraus ein „grausames Dilemma“: Entweder akzeptiert man die Bibelkritik und erklärt die Bibel zu einem gewöhnlichen Studienobjekt, wodurch das Übernatürliche gefährdet wird und Unglaube entstehen kann; oder man hält streng am heiligen und inspirierten Charakter der Bibel fest und nimmt Widersprüche in Kauf, die der Vernunft und Intelligenz zu widersprechen scheinen. Der Gegensatz wird somit als Konflikt zwischen Vernunft und dem Festhalten an der göttlichen Inspiration der Bibel dargestellt.

Diese Spannung brachte im 19. Jahrhundert viele Christen vom Glauben ab, unter anderem Ernest Renan, Friedrich Engels, David Friedrich Strauß, Friedrich Nietzsche und Franz Overbeck. Sie wirkt laut Artikel bis in die Gegenwart fort, beispielsweise bei Gerd Lüdemann. Gleichzeitig entstanden Gegenbewegungen, die umso entschiedener an der Autorität der Bibel als „Wort Gottes“ festhielten. Dazu zählen die Dialektische Theologie mit Karl Barth, der Evangelikalismus, der christliche Fundamentalismus und Eta Linnemann.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert begann eine psychologische Bibel- und Religionskritik. Psychologen beurteilten Religion unterschiedlich; einige können zu den Bibelkritikern gezählt werden. Psychologische Ansätze wurden in Theologie und Philosophie aufgenommen, außerdem entstand die Religionspsychologie als eigener Forschungszweig. Teilweise deutet diese Kritik biblische Texte positiv als Symbole. Damit wird eine wörtliche Auslegung implizit abgelehnt, etwa bei Eugen Drewermann. Andere weisen auf aus psychologischer Sicht problematische Inhalte der Bibel und deren Folgen hin und lehnen die Bibel deshalb ab, etwa Buggle.

Heutige Formen und Gegenkritik

Moderne Bibelkritik kann in sehr unterschiedlichen Formen auftreten. Das Spektrum reicht von offener Verunglimpfung über Karikatur, Satire und Ironie bis zu indirekter Kritik in Romanen oder Gleichnissen. Hinzu kommen direkte Kritik in Prosaform und wissenschaftliche Abhandlungen für ein spezialisiertes Publikum.

Die Gegenposition zur Bibelkritik ist die christliche Apologetik. Sie bezeichnet die Verteidigung und insbesondere die wissenschaftliche Rechtfertigung von Glaubenslehrsätzen. Apologetik ist damit der Teilbereich der Theologie, der sich mit der wissenschaftlich-rationalen Absicherung des Glaubens beschäftigt. In der katholischen Theologie wird dieser Bereich heute meistens Fundamentaltheologie genannt.

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