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Geschichte der militärischen Luftfahrt der Vereinigten Staaten
Die militärische Luftfahrt der Vereinigten Staaten ist seit 1907 mehrmals in den Streitkräften der Vereinigten Staaten neu organisiert worden und ist in …
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Überblick
Die militärische Luftfahrt der Vereinigten Staaten wurde seit 1907 mehrfach innerhalb der Streitkräfte neu organisiert. Sie entwickelte sich von einem Experiment mit Ballons, Luftschiffen und frühen Flugzeugen zu einem zentralen Instrument der amerikanischen Kriegsführung. Seit dem National Security Act vom 26. Juli 1947 bildet die United States Air Force (USAF) eine eigenständige Teilstreitkraft. Ihre Aufgaben umfassen strategische und taktische Luftoperationen, Luftverteidigung, Transport und Logistik sowie später auch Weltraumaufgaben.
Anfänge und erste Flugeinheiten
Vor Flugzeugen hatten sich vor allem Ballons militärisch bewährt: Frankreich setzte 1794 in der Schlacht bei Fleurus einen Ballon ein, auch im amerikanischen Bürgerkrieg wurden Ballons genutzt. Das U.S. Army Signal Corps beschaffte und bediente sie; zwischen dem Ende des Sezessionskriegs und 1907 beschaffte es acht Ballons.
Am 1. August 1907 gründete Brigadegeneral James Allen auf Anregung von George Owen Squier die Aeronautical Division. Sie sollte alle Fragen der militärischen Ballonfahrt, Luftmaschinen und verwandter Bereiche beaufsichtigen. Zunächst bestand sie aus Captain Charles deForest Chandler und zwei Mannschaften; später kam 1st Lt. Frank P. Lahm hinzu.
1908 kaufte die Division den Lenkballon Signal Corps Dirigible No. 1 (SC-1) von Thomas Scott Baldwin. Den ersten Alleinflug von Armeeoffizieren mit ihm unternahmen Lahm und Benjamin D. Foulois im Mai 1909. Das erste motorisierte Flugzeug war ein für 25.000 Dollar gekauftes Wright Model A. Bei einem Testflug am 9. September 1908 starb Lieutenant Thomas E. Selfridge; Orville Wright überlebte. Am 2. August 1909 erhielt das Flugzeug die Bezeichnung Airplane No. 1.
Aus den Fliegern entstand 1913 die 1st Aero Squadron. Sie war die erste reine Flugeinheit und flog 1916 gegen Mexiko einen Kampfeinsatz. Der Aviation Service Act vom 18. Juli 1914 schuf die Aviation Section, U.S. Signal Corps, die für Material und Ausbildung im Bereich der militärischen Luftfahrt zuständig war.
Erster Weltkrieg und Ausbau
Beim Kriegsbeginn im August 1914 bestand die gesamte taktische Luftstreitkraft der USA aus der 1st Aero Squadron mit 12 Offizieren, 54 Unteroffizieren und Mannschaften sowie sechs Flugzeugen. Beim Kriegseintritt der USA am 6. April 1917 war die militärische Luftfahrt deshalb noch unvorbereitet.
An der Westfront wurden Einheiten gleicher Aufgabe in Gruppen zusammengefasst, darunter die I Corps Observation Group sowie Jagd- und Tagesbombardementsgruppen. In knapp neun Monaten bei den American Expeditionary Forces stellten letztlich 740 US-Luftfahrzeuge knapp 10 % der westlichen Luftstreitkräfte. Die US-Luftstreitkräfte führten 150 Bombenangriffe bis zu 160 Meilen hinter den deutschen Linien aus und warfen ungefähr 138 t Bomben ab. Sie verloren 289 Flugzeuge und 38 Ballons, schossen aber 756 feindliche Flugzeuge und 76 Ballons ab.
Die amerikanische Produktion konnte alliierte Flugzeuge nicht ausreichend an US-Standards anpassen und stellte auch zu wenige Ersatzteile her. Deshalb nutzten ausgebildete amerikanische Piloten häufig französische Flugzeuge. Am 20. Mai 1918 teilte Präsident Woodrow Wilson die Aufsicht zwischen das Bureau of Aircraft Production unter John D. Ryan für Neubeschaffungen und die Division of Military Aeronautics unter Generalmajor William L. Kenly für die Befehlsgewalt. Am 24. Mai wurde die Behörde als Air Service of the US Army anerkannt.
Nach dem Waffenstillstand folgte eine starke Demobilisierung: Die Zahl der Offiziere sank bis zum 22. November 1919 von 19.189 auf 1.168, die übrige Personalstärke von 178.149 auf 8.428 Mann.
Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg
Der Army Reorganization Act von 1920 machte die Luftstreitkräfte zu einer eigenständigen Waffengattung innerhalb der Armee. Der Air Corps Act von 1926 benannte den United States Army Air Service in United States Army Air Corps um. Technische Entwicklung und Ausbildung wurden ausgebaut; Beispiele sind Luftbetankung, der Bomber Martin B-10 und ab 1937 die B-17 Flying Fortress. 1935 bündelte die General Headquarters Air Force (GHAF) die neun Kommandogebiete des Air Corps. 1939 beantragte Präsident Franklin Roosevelt ein Programm für 10.000 Fluggeräte, davon 7.500 Kampfflugzeuge; der Kongress bewilligte 300 Mio. Dollar, begrenzte die Gesamtzahl aber auf 6.000.
Im Zweiten Weltkrieg wuchsen die Luftstreitkräfte von 26.500 Mann und 2.200 Flugzeugen 1939 auf 2.253.000 Männer und Frauen sowie 63.715 Flugzeuge. Am 20. Juni 1941 entstanden die United States Army Air Forces (USAAF), um Air Corps und Air Force Combat Command zu führen. Ab 1942 bestanden die Army Air Forces als eines von drei unabhängigen Heereskommandos neben Army Ground Forces und Army Service Forces.
Unter General Henry H. Arnold erweiterten die USAAF ihr Spektrum an Flugzeugtypen, darunter C-47 Skytrain, P-51 Mustang, B-17 Flying Fortress und B-29 Superfortress. B-29 führten am 6. und 9. August 1945 die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki aus. Die USAAF leisteten im Luftkrieg einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Alliierten über die Achsenmächte.
Eigenständige Air Force im Kalten Krieg
Nach dem Krieg entstanden am 21. März 1946 das Strategic Air Command (SAC), Air Defense Command und Tactical Air Command; zusammen mit dem Air Transport Command deckten sie strategische, taktische, defensive und logistische Aufgaben ab. Am 26. Juli 1947 wurde die USAF eigenständig. Stuart Symington wurde erster Staatssekretär für die Air Force, Carl A. Spaatz erster Generalstabsvertreter. Am 14. Oktober überschritt Testpilot Chuck Yeager mit der Bell X-1 die Schallgrenze.
Während der Berlin-Blockade 1948/49 versorgte die Luftbrücke, militärisch Operation Vittles, die Stadt fast ein Jahr. Sie umfasste 278.000 Flüge und 2,1 Millionen Tonnen Material und gilt laut Artikel als größte Lufttransportoperation überhaupt. Eingesetzt wurden unter anderem Douglas C-47, Douglas C-54 Skymaster und Lockheed C-121.
Im Kalten Krieg wurde nukleare Abschreckung zentral. Das SAC ergänzte B-52 Stratofortress-Bomber ab den 1960er Jahren durch Interkontinentalraketen wie Minuteman und Titan. Zusammen mit atomwaffenfähigen U-Booten der Marine bildeten sie die amerikanische „Triade“. Im Koreakrieg sicherte die USAF vor allem mit der F-86 Sabre die Luftüberlegenheit; daraus folgte die Idee einer starken Vorwärtsstationierung, etwa durch die United States Air Forces in Europe (USAFE).
Im Vietnamkrieg wurden F-4 Phantom II, F-105 Thunderchief, B-52 Stratofortress und das Tankflugzeug KC-135 Stratotanker eingesetzt. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden unter anderem A-10 Thunderbolt, F-14 Tomcat, F-15 Eagle, F-16 Fighting Falcon, E-3 Sentry und MX Peacekeeper. Tarnkappentechnik prägte B-1B Lancer, B-2 Spirit, F-117 Nighthawk und F-22 Raptor.
Einsätze nach dem Kalten Krieg
Im Zweiten Golfkrieg bereiteten die Luftstreitkräfte in Operation Desert Shield und Desert Storm die viertägige Bodenoffensive durch eine sechswöchige Bombardierung vor. AH-1 Cobra und OH-58 Kiowa bewährten sich dabei unerwartet gut. Danach überwachten US-Einheiten Flugverbotszonen im Irak: Operation Provide Comfort nördlich des 36. Breitengrades bis 1996 und Operation Southern Watch bis zum Sturz Saddam Husseins.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion verringerte die Air Force ihre Stärke von knapp 600.000 Mann Ende der 1980er Jahre auf 388.000 Mann 1996. Das Strategic Air Command und Tactical Air Command gingen im Air Combat Command auf; das Air Mobility Command ersetzte das Military Airlift Command.
Im Jugoslawischen Bürgerkrieg setzten die USA 1992–1995 in Operation Deny Flight ein Flugverbot über Bosnien-Herzegowina durch. 1998 bombardierten sie in Operation Desert Fox militärische und infrastrukturelle Ziele im Irak. Im Kosovokrieg 1999 trugen amerikanische Luftverbände die Hauptlast von Operation Allied Force; die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad wurde als schwerer Fehlschlag bekannt.