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Geschichte der Stadt Gelnhausen

Rechtlich erfolgte die Gründung durch das verliehene Stadtrecht. Da es eine Gründung des Kaisers und damit des Reiches war, hatte die Stadt den Status einer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gründung und Bedeutung im Reich
  2. 2. Blüte, Handel und mittelalterliche Gesellschaft
  3. 3. Kirche, Reformation und Hexenprozesse
  4. 4. Kriegsfolgen und Wandel im 19. Jahrhundert
  5. 5. Nationalsozialismus und heutige Verwaltung

Gründung und Bedeutung im Reich

Gelnhausen entstand im 12. Jahrhundert. Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung lautet 1133 „Geilenhusen“. 1153 verkauften die Grafen von Selbold-Gelnhausen das Gebiet der späteren Stadt an den Erzbischof von Mainz; vermutlich 1167/68 erwarb Kaiser Friedrich I. Barbarossa zunächst die Hälfte.

Am 25. Juli 1170 gründete Friedrich I. Gelnhausen als planmäßig angelegte Stadt. Dafür wurden drei Dörfer am Hang nördlich der Kinzig zusammengeschlossen, ohne deren bestehende Struktur bei der Stadtplanung zu berücksichtigen. Die Lage an der Via Regia, der Handelsstraße von Frankfurt am Main nach Leipzig, war entscheidend: Im engen Kinzigtal zwischen Spessart und Vogelsberg trafen Handelswege aus Wetterau und Rhein-Main-Gebiet zusammen.

Die Stadt erhielt ein Straßennetz, eine Stadtmauer und Stadtrecht. Als kaiserliche Gründung gehörte sie zum Reich und besaß den Status einer Reichsstadt. Auf einer Kinziginsel entstand außerdem eine Kaiserpfalz. Dort wurde 1180 auf dem Reichstag zu Gelnhausen Heinrich der Löwe entmachtet; die Urkunde dazu heißt „Gelnhäuser Urkunde“. Weitere Hoftage fanden 1186 und 1195 statt.

Zollbefreiungen, das Stapelrecht und weitere Handelsprivilegien förderten die Ansiedlung von Kaufleuten. Fernkaufleute und Ministeriale aus Wetterau und Kaiserpfalz bildeten das städtische Patriziat, also die wirtschaftlich und politisch führende Oberschicht.

Blüte, Handel und mittelalterliche Gesellschaft

Gelnhausen war neben Frankfurt am Main, Wetzlar und Friedberg ein wichtiger städtischer Stützpunkt kaiserlicher Macht in der Wetterau. Im 13. Jahrhundert gehörte es, gemessen am Steueraufkommen, zu den reichsten Städten des Heiligen Römischen Reiches. Der Stadtrat war gerichtlicher Oberhof für mehr als 20 Städte. Schon vor 1180 arbeitete eine eigene Münze, die Wetterauer Brakteaten mit der Umschrift „GEILENHUS“ prägte.

In der Mitte des 14. Jahrhunderts lebten etwa 3.500 bis 4.000 Menschen auf 30 ha; damit war Gelnhausen für damalige Verhältnisse eine Mittelstadt. Die wirtschaftliche Blüte dauerte von der Gründung an kaum 150 Jahre. Nach der Stauferzeit verlor die Pfalz an Bedeutung, und der Handel ging allmählich zurück. Ab dem 14. Jahrhundert verlagerte sich die Wirtschaft zunehmend auf Weinbau. Das Kloster Arnsburg besaß Weingärten und einen Stadthof zur Vermarktung seiner Produkte.

Die Stadtentwicklung wurde auch dadurch erschwert, dass Könige Gelnhausen mehrfach verpfändeten. Ab 1349 wurde das Pfand trotz gegenteiliger Zusage nicht mehr eingelöst; dieser Zustand endete erst 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss.

Eine jüdische Gemeinde bestand bereits im Hochmittelalter. Beim Pestpogrom 1348/49 wurden ihre Angehörigen auf dem Escher vor dem Schifftor öffentlich verbrannt. Zwischen 1362 und 1422 wanderten erneut Juden zu; sie standen unter dem Schutz des Rates und des Grafen von Isenburg-Büdingen. Pestwellen gab es 1348/49, 1395 mit angeblich 2.100 Toten sowie 1409.

Kirche, Reformation und Hexenprozesse

Im Mittelalter war die 1223 genannte Marienkirche die Pfarrkirche für die gesamte Stadt. Sie gehörte als Kollegiatstift zum Prämonstratenser-Kloster Selbold in Langenselbold und war dem Erzbistum Mainz zugeordnet. Die als bürgerliches Gegengewicht geplante Peterskirche konnte diese Rolle nicht übernehmen: Die Prämonstratenser erreichten einen Baustopp. Daneben bestanden ein ab 1248 belegtes Franziskanerkloster mit Predigerkirche am Obermarkt sowie das vor der Stadt gelegene Kloster Himmelau.

Die Reformation begann ab 1539 und verlief eher unspektakulär. 1542 übernahm die Stadt das Franziskanerkloster; Teile seiner Gebäude wurden später für Schulzwecke verwendet. Am 28. Februar 1543 übertrug Konrad Jäger, der letzte Abt des Klosters Selbold, Kirchen und sonstigen Klosterbesitz in der Stadt an Gelnhausen. Der Rat übte damit bis 1803 die kirchlichen Hoheitsrechte einschließlich des Jus reformandi aus, also des Rechts, die Konfession festzulegen. Erster lutherischer Pfarrer wurde Peter Strupp, später folgte ihm sein Sohn Johannes.

Obwohl die Pfandherren Kurpfalz und Grafschaft Hanau-Münzenberg calvinistisch wurden, verhinderte die Stadt einen calvinistischen Bildersturm. Deshalb blieben die vorreformatorischen Kunstwerke der Marienkirche erhalten.

Von 1574 bis 1645 fielen mindestens 51 Menschen Hexenprozessen zum Opfer. In den Wellen von 1596/97 starben mindestens 15 Frauen und zwei Männer; eine Frau starb bereits unter Folter. 1633/34 wurden mindestens 18 Menschen mit dem Schwert enthauptet, zwei weitere starben nach Folter im Gefängnis. Besonders bekannt sind die Hinrichtungen von Elisabeth Strupp am 3. August 1599 und des Töpfers Konrad Wiesel aus Ziegelhaus 1633. Die Stadtverordnetenversammlung rehabilitierte die Opfer am 10. Juni 2015.

Kriegsfolgen und Wandel im 19. Jahrhundert

Im Dreißigjährigen Krieg war Gelnhausen von 1620 bis 1631 spanisch besetzt. 1634 wurde die lutherische Stadt von kaiserlichen Truppen geplündert und angezündet. Im selben Jahr wurde die Pfalz Gelnhausen auf Befehl Jakob von Ramsays gebrandschatzt und zerstört. Von den Kriegsfolgen erholte sich die Stadt erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Blitzeinschlag ins Rathaus führte 1736 beinahe zu einer großen Feuersbrunst; ein schwerer Hagelsturm verhinderte die weitgehende Zerstörung. Seit 1738 war der 15. August Feiertag, und seit 1979 erinnert ein ökumenischer Gottesdienst an den „Hageltag“.

1803 verlor Gelnhausen durch den Reichsdeputationshauptschluss die Reichsstadtstellung und wurde Teil der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Von 1806 an stand es zunächst unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807 bis 1810 zum Fürstentum Hanau und von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt im Departement Hanau. Danach fiel es an Hessen-Kassel zurück, das 1815 zum Kurfürstentum Hessen wurde. Seit der Verwaltungsreform von 1821 war Gelnhausen Sitz des gleichnamigen Kreises. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 wurde die Stadt preußisch.

Am 1. Mai 1867 erhielt Gelnhausen durch die Kinzigtalbahn Anschluss an eine bedeutende überregionale Bahnstrecke. Die Gummiindustrie sorgte für wirtschaftlichen Aufschwung. Der seit dem Spätmittelalter wichtige Weinbau ging dagegen stark zurück und erlosch Anfang des 20. Jahrhunderts vollständig.

Nationalsozialismus und heutige Verwaltung

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 nahmen Diskriminierung und Gewalt gegen jüdische Einwohner zu. Viele Familien emigrierten oder zogen nach Frankfurt am Main. Anfang Juni 1938 kam es zu antijüdischen Ausschreitungen gegen Synagoge und Privathäuser; im September 1938 hatten alle jüdischen Familien die Stadt verlassen. Insgesamt wurden 104 jüdische Einwohner Gelnhausens in Ghettos und Vernichtungslager verschleppt und ermordet.

Das Synagogengebäude in der Brentanostraße war wenige Monate vor dem Novemberpogrom verkauft worden und wurde deshalb nicht angezündet; Kultgegenstände gelangten nach Frankfurt. Nach Nutzung als Lagerraum und teilweiser Kriegszerstörung kaufte die Kommune das Gebäude 1981. Nach der Restaurierung eröffnete es 1986 als städtisches Kulturzentrum. Eine Gedenkplastik und seit 2009 in der Altstadt verlegte Stolpersteine erinnern an Opfer des NS-Regimes.

Seit 1945 gehört Gelnhausen zum Land Hessen. Bei der hessischen Gebietsreform verlor die Stadt am 1. Juli 1974 zunächst den Kreisstadtstatus, weil der Landkreis Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis mit Kreisstadt Hanau aufging. 2005 wurde die Außenstelle der Kreisverwaltung in Gelnhausen zu einem zentralen Landratsamt ausgebaut; die Kreisverwaltung zog von Hanau dorthin. Damit ist Gelnhausen wieder Kreisstadt.

Haitz und Roth wurden am 1. Juli 1970 eingegliedert, Hailer am 1. April 1971 sowie Höchst und Meerholz am 1. Juli 1974. Die Einwohnerzahlen betrugen 10.221 im Jahr 1970, 17.889 für die Gesamtstadt 1975 und 2019 9.789 in der Stadt beziehungsweise 23.658 in der Gesamtstadt.

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