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Geschichte der Stadt Fürth

Die Geschichte der Stadt Fürth wird um das Jahr 1000 urkundlich greifbar. Inhaltsverzeichnis. 1 Mittelalter und frühe Neuzeit; 2 Neuzeit; 3 Jüdische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Ursprünge und frühe Entwicklung
  2. 2. Dreiherrschaft und städtische Rechte
  3. 3. Neuzeit, Industrialisierung und Kriege
  4. 4. Jüdisches Leben in Fürth
  5. 5. Entwicklung seit 1950

Ursprünge und frühe Entwicklung

Die Geschichte der Stadt Fürth wird um das Jahr 1000 urkundlich greifbar. Vermutet wird, dass in fränkischer Zeit im 7. oder 8. Jahrhundert ein Königshof entstand. Hinweise darauf geben unter anderem die erste Kirche, die Kapelle St. Martin im Wiesengrund der Rednitz, deren Widmung auf die Mitte des 8. Jahrhunderts deutet. Einer Sage nach soll Karl der Große die Stadt 793 gegründet haben.

Fürths Lage war für eine Siedlung günstig: Es lag an einer Furt durch die Rednitz an der alten Straße von Frankfurt am Main über Würzburg nach Regensburg, ungefähr entlang der heutigen B 8. Außerdem war eine seichte Stelle der Pegnitz erreichbar, die eine Verbindung von Bamberg nach Süden ermöglichte. Die früheren Furten sind heute durch Maxbrücke und Ludwigsbrücke ersetzt. Wo genau die wichtigste Rednitzfurt lag, ist nicht sicher. Der Fürther Historiker Alexander Mayer vermutete sie etwa 250 Meter nördlich der heutigen Maxbrücke im Bereich der Dietrich-Bonhoeffer-Brücke. Er sah die Keimzelle Fürths im Bereich der Martinskapelle und nahm an, dass die Siedlung erst während der Ungarneinfälle auf das höhere Gelände um die Michaelskirche verlegt wurde.

Die erste gesicherte Nennung Fürths steht in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. vom 1. November 1007, ausgestellt während der Synode von Frankfurt. Darin schenkte Heinrich sein Eigentum „locum Furti dictum“ im Nordgau dem Domkapitel Bamberg. Es gibt auch eine ältere Urkunde vom 19. März 907 über einen Gütertausch zwischen den Klöstern Fulda und Echternach, vollzogen vor dem Reichstag zu Fürth („actum in loco Furt dicto“). Ob damit sicher Fürth an der Rednitz gemeint ist, gilt jedoch als umstritten.

Dreiherrschaft und städtische Rechte

1062 verlieh König Heinrich IV. Fürth erneut das Marktrecht. Dieses Recht hatte sein Vater, König Heinrich III., zwischen 1039 und 1056 an das damals entstehende Nürnberg vergeben. Marktrecht bedeutete, dass an einem Ort regelmäßig Handel stattfinden durfte; es war für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig.

1385 wurde der Fürther Stadtwald als „Fürberg-Waldung“ erstmals urkundlich erwähnt, und zwar in einem Urteil Heinrich Schultheiß’ und der Schöffen der Stadt Nürnberg in einem Prozess um den Wald zwischen Fürth und Zirndorf.

Ein besonders prägender Zustand war die sogenannte Dreiherrschaft. Burggraf Konrad II. von Nürnberg, genannt „der Fromme“, gab 1314 unter Erneuerung älterer Stiftungsbriefe die Vogtei über Fürth an das Hochstift Bamberg zurück. Die Burggrafen von Nürnberg hielten aber ihre landesherrlichen Ansprüche auf Fürth aufrecht; ab 1415 waren sie Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Zusätzlich trat die Reichsstadt Nürnberg als dritte Macht hinzu. Vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stritten also der Fürstbischof von Bamberg, die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und die Reichsstadt Nürnberg um territoriale Rechte, besonders um hohe Gerichtsbarkeit und Landeshoheit. Hohe Gerichtsbarkeit bedeutete die Befugnis, über schwere Straftaten zu urteilen.

Dieser besondere politische Status brachte viele Streitigkeiten, verschaffte den Bewohnern aber auch Freiheiten. Er gilt außerdem als wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Fürth.

Neuzeit, Industrialisierung und Kriege

Bis 1792 übten die Markgrafen von Ansbach, die Dompropstei Bamberg und die Reichsstadt Nürnberg gemeinsam Herrschaft über Fürth aus, oft begleitet von Konflikten. Im Dreißigjährigen Krieg waren Fürth und Zirndorf 1632 Schauplatz der Schlacht an der Alten Veste zwischen dem schwedischen König Gustav II. Adolf und dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein. Am 8. September 1634 wurde Fürth bis auf wenige Häuser niedergebrannt.

Um 1685 wanderten viele protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden ein. Dadurch entstanden neue Gewerbezweige, etwa Tabakfabrikation, Strumpfwirkerei, Seiden- und Bortenweberei, Seidenfärberei und Kleinuhrmacherei. Nach 1700 wurden erste bambergische und ansbachische Handwerksordnungen erlassen. Dennoch blieb eine gewisse Gewerbefreiheit bestehen. Bedeutend wurden unter anderem Gold- und Metallschläger, Spiegelmacher, Glas- und Brillenmacher sowie Schreiner und Drechsler. An die wichtige Spiegelindustrie erinnert eine Spiegelsäule in der Stadt.

Ende des 18. Jahrhunderts war Fürth Hauptstützpunkt der Großen Fränkischen Diebes- und Räuberbande, die teilweise auch „Fürther Diebes- und Räuberbande“ genannt wurde. 1792 endete durch die Abdankung des letzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander, die Dreiherrschaft; Fürth wurde preußisch. 1806 kam Fürth zu Bayern und wurde Stadt: zunächst 1808 als Stadt II. Klasse mit Verwaltung durch Staatsbeamte, ab 1818 als Stadt I. Klasse mit eigener Verwaltung und Polizeigewalt.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Fürth zur Industriestadt. 1835 fuhr zwischen Nürnberg und Fürth auf der Ludwigseisenbahn die erste Eisenbahn Deutschlands. 1843 wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal zwischen Bamberg und Nürnberg mit dem Kanalhafen bei Poppenreuth in Betrieb genommen; 1846 folgte die Eröffnung der Gesamtstrecke bis zur Donau in Kelheim. 1862 wurde Fürth Sitz eines Bezirksamtes, aus dem später der Landkreis Fürth hervorging. Die Stadt selbst blieb stets kreisfrei.

Ein Zusammenschluss mit Nürnberg wurde 1922 in einer Volksabstimmung von den Fürther Bürgern mit großer Mehrheit abgelehnt. Eine 1940 angeregte Eingemeindung nach Nürnberg per Führererlass verschob Adolf Hitler auf die Zeit nach dem Krieg. Während der NS-Zeit wurde beim Novemberpogrom 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde in der Geleitsgasse durch SA-Männer geschändet und zerstört. Seit 1986 erinnert eine Mahnmals-Plastik von Kunihito Kato daran. Im Zweiten Weltkrieg wurde Fürth durch alliierte Bombenangriffe weniger stark zerstört als viele Städte ähnlicher Größe: Etwa elf Prozent der Bausubstanz wurden total zerstört, viele Gebäude beschädigt, etwa zehn Prozent der Stadt blieben unbeschädigt. Nach Kriegsende nahm Fürth 15.000 Heimatvertriebene auf.

Jüdisches Leben in Fürth

Jüdische Einwohner sind in Fürth ab 1440 nachweisbar, eine jüdische Gemeinde bestand damals aber noch nicht. 1528 erlaubte Markgraf Georg der Fromme von Ansbach zwei Juden, sich gegen Schutzgeld für sechs Jahre in der Stadt niederzulassen. Ab 1556 wurde der Zuzug von Juden auch im Gebiet erlaubt, das dem Domstift Bamberg unterstand. Die Ansiedlung war im gesamten Ansbacher und Bamberger Stadtgebiet möglich, weshalb es im Unterschied zu anderen Städten nicht zur Bildung eines Ghettos kam. Nur das Nürnberger Gebiet blieb während der Dreiherrschaft tabu, weil die Reichsstadt Nürnberg jüdische Familien ablehnte.

Um 1607 legten die Juden einen eigenen Friedhof an. 1617/18 entstand eine Synagoge; 1617 wurde die erste Fürther Synagoge, die „Altschul“, errichtet. 1653 wurde in Fürth das erste jüdische Krankenhaus Deutschlands gegründet. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1824 bestand eine angesehene Talmudschule. Eine Talmudschule war eine jüdische Lehranstalt, in der religiöse Schriften und Rechtsauslegung studiert wurden. 1670 wurden viele aus Wien vertriebene Juden aufgenommen, die Kaiser Leopold I. ausgewiesen hatte. 1716 gab es etwa 400 jüdische Familien in Fürth. 1807 betrug der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung 19 Prozent. 1824 schlossen die bayerischen Behörden die Talmudschule. 1862 wurde eine jüdische Volksschule gegründet, 1882 eine Mittelschule. Die höchste Zahl jüdischer Bürger wurde 1880 mit ungefähr 3300 erreicht.

In der NS-Zeit wurde die jüdische Gemeinde verfolgt und zerstört. Am 28. Oktober 1938 wurden im Rahmen der sogenannten Polenaktion 54 polnische Juden aus Fürth ausgewiesen beziehungsweise deportiert. 1939 hatte die israelitische Gemeinde noch 970 Mitglieder, 1940 und 1941 noch über 600. Am 29. November 1941 wurde die erste Deportation von 94 Fürthern nach Riga angeordnet, damals als „Juden-Evakuierung“ bezeichnet. Abfahrtsbahnhof war Nürnberg-Märzfeld. 1942 zählte die Gemeinde noch 510 Mitglieder. Am 24. März 1942 wurden weitere 231 Menschen in den Tod deportiert, darunter 33 Waisenkinder des Jüdischen Waisenhauses an der Ecke Dr.-Hallemann-Straße/Rosenstraße 2. Sie wurden über das Ghetto Izbica in Vernichtungslager deportiert; keiner überlebte. Danach gab es in Fürth keine jüdischen Kinder mehr. Im Januar 1943 hatte die Gemeinde noch 85 Mitglieder, von denen 50 im Juni nach Theresienstadt „geschickt“ wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Fürth ein DP-Lager für jüdische displaced persons eingerichtet. Ende 1945 lebten dort bereits 850 Menschen; im Juli 1950 wurde das Lager aufgelöst. Die heutige Israelitische Kultusgemeinde Fürth hat ihren Sitz in der Blumenstraße und etwa 475 Mitglieder, die überwiegend nach 1990 aus den GUS-Staaten zugezogen sind. Das Jüdische Museum Franken in Fürth zeigt die Bedeutung Frankens und besonders Fürths als Zentrum jüdischen Lebens in Süddeutschland. Ein Denkmal in der Aussegnungshalle des Neuen Jüdischen Friedhofs nennt seit wenigen Jahren 887 jüdische Männer und Frauen aus Fürth als Opfer des Holocaust.

Entwicklung seit 1950

1950 überschritt Fürth erstmals die Grenze von 100.000 Einwohnern und wurde damit zur Großstadt. Bis Februar 2003 war Fürth Sitz des gleichnamigen Landkreises; das Landratsamt befindet sich heute in der Nachbarstadt Zirndorf.

Seit dem 7. Dezember 1985 ist Fürth über die U-Bahn mit Nürnberg verbunden. Der vorläufige Endpunkt im Stadtteil Hardhöhe wurde am 8. Dezember 2007 dem Verkehr übergeben.

Nach der deutschen Wiedervereinigung gab die US Army mehrere militärische Standorte in Fürth auf: die „Monteith-Barracks“ in Atzenhof, die von 1945 bis 1992 US-Militärstützpunkt waren, die „Johnson-Barracks“ an der Schwabacher Straße und das „William O. Darby-Areal“ in der Südstadt. Die William O. Darby Kaserne zwischen Flößau-, Steuben- und Fronmüllerstraße wurde nach Vorarbeiten seit 2003 in ein vielfältig genutztes Gebiet umgewandelt. Dort entstanden Wohnquartiere, der Südstadtpark und mittelständisches Gewerbe mit der Markthalle „Grüne Halle“. Der Park ist seit Herbst 2004 zugänglich.

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